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nicht thue, daß dagegen Deutschland Wohl bereit sein werde, falls Frank­reich und Amerika die Silberausprägung im Werthverhältnisse von 1 : 1512 freigeben wollen, sich hinsichtlich der Verfügung über seine Thaler­bestände Beschränkungen auszulegen, eventuell auch in seinem eigenen Münzumlauf Raum für eine größere Verwendung von Silber zu schaffen. In den Kreisen der Delegirten, insbesondere auch bei den amerikanischen Vertretern, soll diese Haltung der deutschen Delegirten namentlich der reservirten Haltung Englands gegenüber, als die einzig richtige betrach­tet werden. Englische Deputirte, auf deren Mitwirkung Seitens Ame­rikas und Frankreichs besonderer Werth gelegt wird, sind noch nicht an« gekommen; über die Betheiligung Englands schweben noch spezielle Ver­handlungen, und es ist nicht unwahrscheinlich, daß sich die Conferenz in der nächsten Sitzung vertagen wird, um Amerika und Frankreich Zeit zu lassen, sich zunächst über die Stellung Englands Ausklärung zu ver­schaffen "

— Die Störung des Gottesdienstes in einer Kirche oder in einem anderen zu religiösen Versammlungen bestimmten Orte durch Erregung von Lärm oder Unordnung wird nach §. 167 des Strafgesetzbuchs mit Gefängniß bis zu drei Jahren bestraft. In Bezug auf diese Bestimmung hat das Reichsgericht, III. Strafsenat, durch Urtheil vom 23. Februar d. I. ausgesprochen, daß die Strafe wegen Störung des Gottesdienstes eintritt, gleichviel ob der Störende in der Kirche oder außerhalb dersel­ben sich befindet, sofern nur der von ihm erregte Lärm in der Kirche störend wirkt.

— Der Justizminister hat bestimmt, daß die Anträge auf Unter­bringung verwahrloster Kinder von den Vormundschaftsgerichten stets als schleunige Sachen und eintretenden Falls als Feriensachen zu behandeln sind.

— Die „Df.-Ztg." schreibt: Wenn Bismarck schießt — und sei's nur ein Schreckschuß — so hört man's im ganzen Reich. Sein Wort über die Verlegung des Reichstages hat in Potsdam und Cassel, in Frankfurt und Nürnberg ein Echo gefunden und eine Stimmung hervor­gerufen, als stehe man vor dem großen Loos. Wenn Bismarck mit dem Reichstage anklopfte, alle Thore würden ihm aufgethan. Er wird sich aber hüten.

— Leipzig, 1. Mai. (K. Z.) Die heute hier stattgehabte, zahlreich besuchte Landesversammlung des Reichsvereins erklärte, die Aufgabe der liberalen Mittelpartei sei das Festhalten an ihren bisheri­gen Grundsätzen und bestehe demnach nicht in einem unselbstständigen Zusammengehen mit dem Reichskanzler Fürsten. Bismarck, noch weniger aber in einer grundsätzlichen Opposition gegen denselben.

— München, 28. April. Heute Vormittag ereignete sich vor dem Gerichtssaale des Landgerichts München I. die großartige Frechheit, daß einer als Zeugin anwesend gewesenen Bauersfrau das Zeugengeld im Betrage von 17 Mark von einem raffinirten Gauner gewaltsam ent­rissen wurde.

— Aus Thüringen, 28. April. Bekanntlich war seitens ei­nes Millionärs in Altenburg der Universität Jena ein Legat von Mk. 750 000 hinterlassen worden, vorausgesetzt, daß der altenburgische Staat anf die sehr bedeutende Erbschaftssteuer verzichte. Dies war nicht an­gänglich, doch ist jetzt nach Angaben thüringischer Blätter eine Verstän­digung dahin erzielt worden, daß der Staat Mk. 215 000 Kollektorat- gelder von jener Summe erhält, die Universität dagegen Mk. 535 000, deren Zinsabwurf jedoch nicht zu Bauzwecken, sondern zur Aufbesserung der Dozentengehälter und Begründung neuer Professuren zu verwen­den ist.

— Paris, 2. Mai. Ein Tel. Logerots aus Soukelarba berich­tet über ein am 30. April stattgehabtes Gefecht einer aus einem Zuäven- regimeut bestehenden leichten Abtheilung, welche auf dem Marsche zu Ouledbenhalen von den Krumirs mit Gewehrfeuer empfangen wurde und, durch Schützen und Husaren verstärkt, den Feind in die Flucht schlug. Der Feind verlor 40 Mann.

— London, 2. Mai. Der „Times" wird aus Konstantinopel gemeldet, es sei ein kaiserliches Jrade ergangen, welches die Pforte er­mächtige, die von den Mächten vorgeschlagene Lösung der griechischen Grenzfrage anzunehmen. Die offizielle Mittheilung dieser Annahme an die Botschafter werde demnächst erfolgen.

— Dublin, 2. Mai. (R. u. St.-A.) Eine vom Vizekönig er­lassene Proklamation verfügt die Suspendirung der Habeascorpusakte für die Stadt Dublin. Man hält die Verhaftung Dillons und anderer Häupter der Agrarliga, deren jüngste aufrührerische Reden zur Vermeh­rung der Agrarverbrechen beigetragen haben, für unmittelbar bevor­stehend.

— St. Petersburg, 1. Mai. Die Newa ist heute von Eis vollständig frei geworden.

— Peter sburg, 2. Mai. (K. Z.) Es hat hier großes Auf­sehen erregt, daß das letzte Rescript Kaisers Alexander II., welches nach des verstorbenen Kaisers Willen an seinem Geburtstage, am 29. April, hätte öffentlich kundgemacht werden sollen, nicht veröffentlicht worden ist. Dre Sache berührt um so peinlicher, als der Inhalt dieses Nachlasses dem Volke genau bekannt ist. Graf Loris Melikow war wegen der

Angelegenheit schon zweimal in Gatschina, zuletzt am Samstag; es sind wichtige Beschlüsse gefaßt worden, so heißt es; ob dieselben indessen zu­stimmender oder absagender Natur sind, das ist noch unbekannt.

— Bona, 1. Mai. Bei Biserta hat eine weitere Ausschiffung französischer Truppen stattgefunden; dieselben haben die Bestimmung, ihre Operationen mit denen der Kolonne des Generals Logerot zu verbinden; das Gebiet der Krumirs wird hierdurch vollständig cernirt. — Das auf dem Rückmärsche nach Tunis begriffene tunesische Corps unter Ali Bey ist in Beja eingetroffen, obschon Ali Bey dem General Logerot zugesagt hatte, daß er eine andere Marschroute einschlagen'lwerde.

— sDer Do ktorensch w indel.j Dr. John Buchanan, welcher wegen des Verkaufs gefälschter Doktordiplome der Universität von Phi­ladelphia gegenwärtig eine lange Strafhaft verbüßt, hat den Gerichts­behörden alle seine über den Diplomenverkauf Aufschluß gebenden Bücher, Briefe und Schriften übergeben müssen. Darunter befindet sich eine Liste der an Ausländer verkauften Diplome und amerikan. Zeitungen berich­ten, daß der Briefwechsel Briese von ungefähr 5000 Personen umfaßt, welche Diplome zu erlangen wünschten. Es erhellt daraus ferner, daß 3 Professoren der Universität gemeinschaftlich 500 Diplome unterzeich­neten und für jede Unterschrist 5 Dollars empfingen. Der spanische Konsul in Philadelphia wird beschuldigt, die Echtheit einiger nach dem Auslande gesandten Diplome beglaubigt und für diesen freundlichen Dienst 350 Dollars empfangen zu haben. Einem ungefähren Ueber- schlage zufolge sollen im Ganzen nahezu 10,000 Personen durch Bucha- nans Briefe mehr oder weniger kompromitirt sein. (Sch.M.)

— Melbourne, 30. April. Der Dampfer „Tararua" hat an der Küste von Otago vollständig Schiffbruch gelitten; gegen 80 Perso­nen find hierbei umgekommen.

Lokales.

Hanau, den 3. Mai

— Der „R. u. St.-A." veröffentlicht die Versetzung des Herrn Oberlehrer Professor Dr. v. Velsen am Gymnasium zu Saarbrücken in gleicher Eigenschaft an das Gymnasium zu Hanau.

— Die vakante Stelle eines Examinators an der Kinzigbrücke wurde dem Schuhmacher Deberle übertragen. Zu derselben hatten sich nicht weniger als 37 Candidaten, darunter allein 13 Schuhmacher, gemeldet.

— Heute Abend 8 Uhr findet die Gewinnziehung der mit der Ge­flügel-Ausstellung verbundenen Verloosung von Hühnern, Tauben, Sing- und Ziervögeln rc. im Vereinslokal zu den „3 Rindern" statt. — Loose sind noch im Laufe des Tages bei Herrn Henckel, am Markt, zu Ha­ber. — Der Looseverkauf war diesmal ein stärkerer wie in den Vor­jahren.

— Heute Morgen ließ Metzgermeister Ernst Kunzmann einen von den Herren Gebrüder Heß in Offenbach erkauften Ochsen auf der hiesigen Stadtwaage verwiegen, der das respektable Gewicht von 18 Ctr.

20 Pfd. hatte; derselbe Metzger befindet sich im Besitze einiger noch schwererer Exemplare, die demnächst zur Schlachtbank, geführt werden sollen und einstweilen im „Elephanten" eingestellt sind.

— Unsere Badeanstaltsbesitzer sind gerüstet, die „Frühbader", denen es auf einige Grad Wärme mehr oder weniger nicht ankommt, zu em­pfangen. Die Dechert'sche Anstalt ist bereits fertig gestellt und die der Herren Adam sowie Gebrüder Kaiser der Vollendung nahe.

— Für heute. Nachmittags 4 Uhr: Generalversammlung der Hanauer Gastwirthe und Restaurateure bei Freyeisen im „Schwarzen Bären". — Hanauer Geschichtsverein: Abends 7 Uhr Monatsversamm­lung im Gasthofe zum „Riesen"; Tagesordnung: Vortrag des Herrn Neumüller über Hanauer Zustände im Jahre 1809. — Oratorienver­ein: Abends 8 Uhr Probe. — Turngemeinde: Abends 902 Uhr Mo­natsversammlung.

— Es dürste nicht überflüssig erscheinen, auch an dieser Stelle be­kannt zu machen, daß vom 1. Mai d. J im Verkehr zwischen Deutsch­land und Frankreich ein einheitlicher Portotarif für Postpakete ohne Werthangabe bis zum Gewicht von 3 Kg. in Wirksamkeit getreten ist. Danach kostet ein Packet bis zum Gewicht von 3 Kg. 80 Ps. oder 1 Fr. Das Porto ist vom Absender im Voraus zu entrichten. Die Post- packete dürfen in keiner Ausdehnung 60 cm überschreiten; ihr Volumen ist auf 20 Kubikdezimeter begrenzt. Ueber sonstigen Versendungs-Be- dingungen, Gewährleistung u. s. W. ertheilen die Postanstalten auf Ver­langen Auskunft.

— Das Befinden des Abg. Dr. Wehrenpfennig hat sich, nach der „H. M.", bedeutend gebessert, so daß derselbe schon seit mehreren Tagen das Bett verlassen können.

— Kassel, 1. Mai. Die „Hess. Morgztg." schreibt: Abermals habe ich Ihnen über einen Eisenbahnunfall auf der Halle-Kasseler Bahn zu berichten, der sich heute Nachmittag auf Bahnhof Gernrode zugetra­gen hat und in seiner Veranlassung wie in seinen Folgen gleich bekla- genswerth ist. Der Hergang des Unfalles wird von zuverlässiger Seite wie folgt dargestellt: Der um 9 Uhr aus Halle abgelassene Morgen- personenzug, welcher bis Kassel durchgeht und dort fahrplanmäßig un