— Siel, 29. April. (K. Z.) Der König und die Königin von Schweden sind heute früh auf dem Postdampfer Skirner von Kor- sör wohlbehalten hier eingetroffen und haben um 7 Uhr Morgens ihre Reise über Hamburg nach Köln fortgesetzt.
— G er a, 27. April. Die heutige Generalversammlung der Geraer Bank hat den Antrag, die bereits für ungültig erklärten, indessen bis zum heutigen Tage nachträglich präsentsten Noten der Bank ein- zulösen, angenommen. Bemerkt sei hierzu, daß verfallene Noten von Privatbanken trotz wiederholten Aufrufs noch in großer Menge circu- liren. Die Mehrzahl derselben wird freilich annullirt bleiben.
— München, 27. April. Die Kammer der Reichsräthe hat heute bei Berathung des Gesetzentwurfs über die Kapitalrentensteuer die von den Beschlüssen der Abgeordnetenkammer differirenden Ausschußanträge trotz der Bekämpfung durch den Finanzminister mit geringer Mehrheit und dann den ganzen modifizirten Gesetzentwurf mit 35 gegen 5 Stimmen angenommen.
— Wien, 27. April. In Budape st versteigerte die Donau- Dampfschifffahrts-Gesellschaft gestern eine Anzahl zurückgestellte Frachtgüter, die von den Adressaten nicht abgeholt worden waren. Zwei unter dem verauktionirten Material befindliche Kisten enthielten in Baumwolle gewickelte Bleiröhren, welche ca. tausend Meter lang waren. Der Käufer bemerkte später, daß durch die Röhren eine weise Schnur gehe. Behufs Untersuchung wurde dieselbe angezündet; im Augenblick erfolgte eine furchtbare Explosion. Behördlicherseits wurde konstatirt, daß die Röhren lediglich die Hülsen gefährlichen Sprengstoffes bildeten. Die Schnüre bestehen aus . stark mit Nitroglycerin getränkten Baumwoll- fäden. Die Kisten sind im Jahre 1879 in Alt-Gradiska aufgegeben worden. Die energisch geführte Untersuchung wird wohl bald Weiteres ergeben. (Berl. Tgbl.)
— Kopenhagen, 26. April. Das Landsthing hat gestern die zweite Lesung des Budgets beendet und die Fassung, welche das Budget im Folkething erhalten hat, nach den Wünschen der Regierung abgeändert. Heute erledigte das Landsthing die zweite Lesung des Militär-Strafgesetzes. Der Regierungsentwurf wurde mit großer Majorität angenommen.
— Paris, 28. April. (K. Z.) Aus La Calle vom 26. April wird gemeldet: General Ritter ist sehr krank und wird hierher trans- Portirt; da seine Brigade keinen Feind fand, so ist sie nach El Aiun (also auf algerisches Gebiet) zurückgekehrt. Morgen wird sie zu den Brigaden Vincedon und Galland stoßen und mit denselben zusammen die Gegend von Babuschon recognosciren, wo zahlreiche Krumirs beisammen sein sollen. Aus Oran wird mitgetheilt, daß die Aufregung auf den Süden von Geryville eingedämmt wurde. — Da es fest beschlossene Sache ist, Tunesien unter Frankreichs Vormundschaft zu stellen, so wird ein Theil des Expeditionskorps bis nach Tunis gehen und diese Stadt besetzen. Von einer eigentlichen Annexion ist noch nicht die Rede, doch soll das Land der Krumirs mit einigen Grenzdistrikten unter dem Vorgeben, daß diese Völkerschaften sonst nicht zu bändigen seien, zuvörderst zu Frankreich geschlagen werden. Eine offene Einverleibung Tu- nesiens ist noch nicht im Werke, weil man befürchtet, daß England sonst Ansprüche auf Aegypten machen werde. Frankreich hat seine Zustimmung dazu gegeben, daß Italien sich in Tripolis festsetze, und dieses soll nicht abgeneigt sein, auf die ihm in dieser Beziehung gemachten Anträge ein- zugehen. Frankreich wird seine Pläne betreffs Tunesiens aber jedenfalls mit Vorsicht, doch mit aller Entschlossenheit durchführen.
— Paris, 29. April. Der in Kef kommandirende französische Oberst nahm die Unterwerfung des Scheiks und Kadis entgegen. Die Proviantverbindungen sind gesichert. Die Garnison Geryvilles zählt 380 Mann und fürchtet keinen Angriff, da fast sämmtliche Nachbarstämme treu blieben; nur drei Stämme der Trafis, Ouledzia, Ouled- Haddon erhoben sich. Zwischen Aga Trafis und Aga Saida, welcher den Franzosen treu blieb, fand ein Zusammenstoß statt. Letzterer verlor dreißig Mann. Der Verlust Tafis ist größer. (Fr. Z.)
— Rom, 29. April. (K. Z.) Italien schickt im Einverständniß mit England ein Schiff nach Goletta, und zwar kein Kriegsschiff, sondern einen Schnelldampfer; die Maßregel soll, wie amtlich erklärt wird, den Zweck haben, die Verbindung mit dem italienischen Consul herzustellen, wenn die telegraphische Verbindung unterbrochen ist.
— Petersburg, 29. April. Die Agence Russe bestätigt, daß die Pforte Protest gegen den Einmarsch französischer Truppen in Tunis erhoben habe und daß der Bey von Tunis in einer Depesche die Vermittelung der Mächte auf Grund des Vertrages von Berlin angerufen habe. Die Agence bemerkt hierzu, der Vertrag von Berlin habe mit dieser Frage nichts zu thun und Rußland habe kein Interesse, in dem Streite zwischen Frankreich und Tunis zu vermitteln.
— In Tunis herrscht vollständige Ruhe. Die Europäer waren auch beruhigter, da das französische Panzerschiff Reine Blanche vor Tu-
war und auch ein englisches und ein italienisches Kriegs- schrff erwartet wurden, die unter dem Vorwand, daß die telegraphischen Verbindungen unterbrochen seien, Befehl erhalten haben, nach Tunis zu
— New-D ork, 28. April. Der Dampfer „Helvetia" von der National-Dampfschiffs - Compagnie (C. Messingsche Linie) ist hier eingetroffen.
Lokales.
Hanau, den 30. April
Dritte große Geflügel- rc. Ausstellung am 31. April, 1. und
2. Mai d. I.
In der auf das Geschmackvollste geschmückten Reitbahn des Altstädter Schlosses wurde heute Morgen 9 Uhr die 3. Geflügelausstellung des hiesigen Geflügelzuchtvereins, in Gegenwart des Herrn Oberbürgermeister Rauch, des Vorstandes des landwirthschaftlichen Kreisvereins, Herrn G. Brenner, sowie anderer zu diesem Festakte geladener Gäste, durch den Präsidenten des hiesigen Geflügelzuchtvereins, HerrnFriedr. Roth, mit einer kurzen Ansprache, in welcher Wesen und Ziel der Geflügelzuchtvereine betont ward, eröffnet, und nachdem Herr Oberbürgermeister Rauch für die Einladung des Stadtraths seinen Dank ausgesprochen, ein Rundgang zur Besichtigung der Ausstellung rc. vorgenommen. Es ist eine Fülle des wenhvollsten Materials, darunter von Herrn I. F. Röhrig in Frankfurt a. M. rc. ausgestellte Neuheiten vertreten und bleibt sehr dankend anzuerkennen, daß unsere Nachbarstadt Frankfurt fe^r viel dazu beigetragen hat die Ausstellung zu bereichern.
Wir können den Besuch der Ausstellung bestens empfehlen; es wird ein jeder Besucher mit uns darin einig gehen, daß Alles aufgeboten ist, um das freundlichste und anschaulichste Bild von unseren Hühner-, Tauben-, Enten-, Kanarien-, Ziervögel- rc. Arten zu liefern.
Auch für Erledigung der Magenfrage ist beim Ausstellungsraum durch den „3 Rinder-Wirth", Herrn Leonhard Tr e u sch, bestens Sorge getragen. — Der Ausstellungsraum ist gedielt und der Aufenthalt dort ein angenehmer. -----------
Gestern Nachmittag erfolgte die Prämiirüng und wurden nach- fo rgende Preise zuerkannt:
Für je einen Stamm Cochinchina erhielt den ersten Preis Herr L. Eicke, Langenhagen. Zweite Preise die Herren G. A. Bauer, Seck- bach; L. Eicke, Langenhagen (2 Preise); Fritz Weber, Langenselbold. — Brahma Putra: einen zweiten Preis Herr K. F. Spielmann, Groß- Steinheim. — Malayen: einen zweiten Preis Herr Fritz Weber, Langenselbold. — Hamburgs: Zweite Preise die Herren I. I. Boll, Bad Langenschwalbach; Jac. Knapp, hier.—• Die spanische Rasse: Erste Preise die Herren Carl Nagel, Sachsenhausen; Dr. Calaminus, Langendiebach; L. Eicke, Langenhagen. Einen zweiten Preis Herr Carl Ohler, hier. —• Italiener: einen ersten Preis Herr Fritz Weber, Langenselbold. Zweite Preise die Herren I. G. Häusler, Frankfurt a. M.; Bernh. Rudert, Planen i. V.; I. Fehl, Schlüchtern; Fr. Roth, hier; L. Richard, Bockenheim. — Amerik. Leghorn: Erste Preise die Herren Dr. Calaminus, Langendiebach; Fr. Roth, hier. Einen zweiten Preis Herr Th. Heintz, hier. — La Fläche; Einen zweiten Preis Herr Fritz Mayer, Oggersheim. — Creve-Cceurs: Einen zweiten Preis Herr vr. Calaminus, Langendiebach. — Houdans: Einen zweiten Preis Herr Ernst Kitterle, hier. — Eigentliche Bantams: Erste Preise Herr I. G. Häusler, Frankfurt (4 Preise). Einen zweiten Preis Herr Carl Nagel, Sachsenhausen.— Nackthalsige: Einen zweiten Preis Herr Jean Seng, Kaiserslautern. — Brüsseler Poularden: Einen ersten Preis Herr Bürgerm. Müller, Rödelheim. — Fasanen: Einen zweiten Preis Herr Major v. Bardeleben, Bockenheim. -—Enten: Einen zweiten Preis Herr Ph. Brenner, hier.
Für je ein Paar Tauben erhielten nachfolgende Herren Preise zuerkannt: Gimpeltauben: Ersten Preis I. Ludw. Dorn, Hersbruck. Zweite Preise: W. Götz, Wißdorf; J. Ludw. Dorn, Hersbruck (2 Preise). Scheitel- oder Pl attentaub en: Zweiten Preis Fr. Roth, hier. — Flügeltauben: Zweite Preise: L. Neumann, Spitzkunnersdorf und Franz Schüler-Ducat, Frankfurt. — Mähnentauben: Zweite Preise: C. Pauly, Frankfurt a. M. und L. Eicke, Langenhagen. — Krausen- tauben: Erste Preise: Ph. Kitz, Frankfurt a. M. (2 Preise); I. F. Röhrig, Frankfurt a. M. Zweite Preise: H. Salzsieder, Hannover-Linden und J. F. Rührig, Frankfurt a. M. —Lo ckentauben: Zweiten Preis Wilh. Eichmann, hier. — Englische Kropftauben: Zweite Preise: W. Oberländer, hier (3 Preise); Franz Stettner, hier. — Französische Kropftauben: Erste Preise: Carl Ohler, hier (3 Preise); I. F Röhrig, Frankfurt (2 Preise); W. Schäfer, Frankfurt. Zweite Preise: Franz Flach, Frankfurt; Carl Nagel, Sachsenhausen; W. Oberländer, Franz Stettner, hi r. — Deutsch e Kropftauben: Ersten Preis C. Stadtmüller, Offenbach. — Brünner kropftauben: Erste Preise: Gustav Gerlach, hier (2 Preise), — Römische Tauben: Ersten Preis: I.F. Röhrig, Frankfurt. Zweiten Preis C. Pauly, Frankfurt. — Montauban-Tauben: Ersten Preis: I. F. Röhrig, Frankfurt. — Berber- oder Indianer- Tauben: Erste Preise: Wilh. Schneider tl., Gustavsburg; C. Pauly, Frankfurt. Zweite Preise: C. Pauly, Frankfurt (2 Preise); Wilh. Schneider II., Gustavsburg. — Englische oder Carrier: Zweiten Preis: L. Eicke, Langenhagen. — Diverse Tauben: Zweite Preise: