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Hananer Antciatr

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mir belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial- Correspondenz.

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M. 99.

Freitag den 29. April

1881.

Amtliches.

Für den am 3. April 1863 zu Langenselbold geborenen Heinrich Mohn ist um Entlassung aus dem Preußischen Unterthanen-Verbände behuss Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

Hanau am 26. April 1881.

Andreas Stork zu Oberdorfelden ist zum Flurhüter bestellt und in Pflichten genommen.

Hanau am 26. April 1881.

Der Schneider Heinrich Lach von Eschersheim hat um Paß nach Amerika gebeten.

Hanau am 27. April 1881.

Die Frau Anna Köhler, geborene Neumann, aus Eschers­heim hat um Paß nach Amerika gebeten.

Hanau am 27. April 1881.

Die Wittwe des Heinrich Götz von Seckbach hat um Paß nach Amerika gebeten.

Hanau am 29. April 1881.

____________________ Der Landrath.

Bekanntmachung. Tabak- und Cigarrensendungen nach Oesterreich-Ungarn und im Transit durch Oesterreich-Ungarn.

Nach einer neueren Mittheilung der K. K. Oesterreichischen Post­verwaltung ist bei P ostpä ckereien mit Tabak oder Cigarren, welche nach Oesterreich-Ungarn bestimmt sind oder im Transit durch Oesterreich-Ungarn befördert werden sollen, die Beifügung einer Einfuhr- bz. Durchsuhrbewilligung in Zukunft nicht mehr erforderlich.

Berlin W., 23. April 1881.

Der Staatssekretair des Reichs-Postamts.

In Vertretung:

_______ W i ebe._________*_________________________ Rundschau.

R. F. (Deutsches Reich.) Unser Kaiser hat bereits seine regelmäßigen Spazierfahrten wieder ausgenommen, so daß sein jüngstes Unwohlsein nunmehr vollständig als gehoben betrachtet werden und man seiner Abreise nach Wiesbaden in allernächster Zeit entgegensehen kann.

Der Reichstag ist am vergangenen Dienstag nach beinahe drei­wöchentlicher Pause wieder für den Schluß der Session zusammengetre­ten. Das Haus beschäftigte sich in der Eröffnungssitzung mit verschie­denen Interpellationen, darunter die der Abgeordneten Heyl und Genossen, betreffend die Lage der Untersuchung über den Zustand des Rheinstromes. Hierauf ging das Haus zur Berathung der Vorlage wegen der Oeffent- lichkeit der Verhandlungen und wegen der Geschäftssprache des Landes­ausschusses von Elsaß-Lothringen über. Der elsässische Abgeordnete Guerber plaidirte für fakultative Zulassung der französischen Sprache, welchem Verlangen Fürst Hohenlohe-Langenburg entgegentrat, indem er darlegte, daß der Nichtgebrauch der deutschen Sprache in den Verhand­lungen des Landesausschusses oft am bösen Willen liege, auch berück­sichtige die reichsländische Presse die Sympathien des Statthalters und Deutschlands nur wenig. Abg. Reichensperger (Crefeld) verlangte, daß vorläufig die französische Sprache zugelassen werde, sonst sei ein Theil der Landes-Ausschußmitglieder mundtodt gemacht. Unterstaatssekretär Mahr wies jede feindliche Tendenz gegen den Landesausschuß zurück und bezeichnete die Befürchtungen Guerbers und Reichenspergers als übertrieben.

Der regierende Herzog Wilhelm von Braunschweig feierte am 25. April das seltene Doppelfest der Vollendung seines 75. Lebensjahres und zugleich sein fünfzigjähriges Regierungs-Jubiläum. In der herzoglichen Residenz war aus diesem Anlaß ein glänzender Kreis fürstlicher Gäste versammelt, unter" ihnen König Albert und Prinz Georg von Sachsen, He Prinzen Friedrich Karl, Friedrich Leopold und Albrecht von Preu­

ßen, Prinz Alexander von Hessen, der Herzog von Cambridge als Ver­treter der englischen Königsfamilie u. s. w.; ferner waren aus Berlin diejenigen Botschafter und Gesandten, welche zugleich in Braunschweig beglaubigt sind und mehrere außerordentliche Botschafter deutscher "Höfe in Braunschweig eingetroffen. Die Stadt selbst war auf das Prächtigste geschmückt und die überaus lebhafte Theilnahme der Bevölkerung an dem Feste legte Zeugniß davon ab, wie innig sie sich mit den Geschicken ihres Herrscherhauses verwoben fühlt. Herzog Wilhelm ist bekanntlich der letzte direkte Sprosse des alten Welfengeschlechtes, dessen Name durch Jahrhunderte mit der Geschichte Deutschlands verknüpft war; er wurde durch den Wunsch seines Volkes zum Throne berufen, nachdem sein älterer Bruder, der Herzog Karl II., am 7. September 1830 aus seinem in Brand gesteckten Schlosse hatte fliehen müssen. Herzog Wilhelm hat in den fünfzig Jahren seiner Regierung stets streng konstitutionellen Grundsätzen gehuldigt, so daß auch die großen politischen Stürme der 48er Jahre unschädlich über das Land Braunschweig dahingebraust sind, der Wohlstand des Landes ist während dieser Zeit in erfreulichen Ber- Hältnisfen gewachsen und es ist darum erklärlich, daß das brannschwei- gische Volk den 25. April mit besonders freudigen Gefühlen feierte.

Die Frage des Anschlusses der Stadt Hamburg an den Zollver­band des deutschen Reiches ist in den letzten Tagen in überraschend schneller Weise ihrer Lösung entgegen gediehen, da zwischen der Reichs­regierung und dem Hamburgischen Senate eine Einigung über die we­sentlichsten Anschlußbedingungen erzielt worden ist, nur über den Zeit­punkt des Eintrittes Hamburgs in den Zollverein sollen noch Differenzen obwalten.

Am 26. April starb zu Meran, wohin er sich zur Cur begeben hatte, der bayerische General v. d. Tann. v. d. Tann nahm bekanntlich im Kriege 1870/71 als Commandeur des 1. bayerischen Corps an meh­reren Hauptschlachten hervorragenden Antheil, so bei Wörth, Sedan, Orleans u. s. w.

(O est errei ch -Un gärn.) Der österreichischen Regierung machen die Sonderbestrebungen der einzelnen Völker des vielsprachigen Donau­reiches zu schaffen. Kaum hat sie der czechischen Forderung auf Errich­tung einer besonderen czechischen Universität in Prag nachgegeben, so regen sich auch die Polen und bestürmen die Regierung um Polonisi- rung des gesammten galizischen Eisenbahnwesens. Dieses Verlangen gipfelt in der Verlegung der General-Direktion der galizischen Eisen­bahnen von Wien nach Lemberg, in welchem Sinne bereits mehrere polnische Versammlungen in Lemberg angekündigt sind.

(Frankreich) Die Operationen des französischen Expeditions­korps gegen Tunesien haben endlich begonnen, indem am 24. April die unter General Logerot stehende Truppenabtheilung die tunesische Grenze überschritt. Kurz vorher hatten die Franzosen bereits die Insel Tabarka besetzt, welche wahrscheinlich der französischen Flotte als Stützpunkt bei der beabsichtigten Landung einiger französischer Regimenter vor der Stadt Tunis selbst dienen soll. Sowohl die Besetzung der Insel Tabarka wie das Passiren der Grenze ging ohne Widerstand der Tunesen vor sich, nur wurde der Marsch der Truppen durch" unausgesetzte Regengüsse sehr erschwert. Welche Ausdehnung der nun eröffnete Feldzug nehmen wird, läßt sich auch noch nicht im Geringsten übersetzen; die Nachrichten über den etwaigen Widerstand der Krumirs lauten widersprechend und die Haltung des Bey ist so zweideutig wie möglich. Außerdem muß aber die französische Regierung auch mit der Stimmung der Araber m Al­gier rechnen, unter denselben herrscht, namentlich in der Provinz Con- stantine, eine unverkennbare Gährung und ein anfänglicher Mißerfolg der Franzosen gegen die Tunesen würde vermuthlich den Ausbruch eines allgemeinen Aufstandes in Algier zur Folge haben. Es erklärt sich darum auch, weshalb der Kriegsminister Farre so auffallend viel Trup­pen von Frankreich abgeschickt hat und die algerischen Garnisonenstädte nicht von Truppen zu entblößen wagt.

(England.) Am Dienstag den 26. April erfolgte in Hughenden, dem Beaconssield'schen Landsitze, die Beisetzung der Leiche Lord Bea- confield's. Der Verstorbene hatte in seinem Testamente ausdrücklich be­stimmt, daß er in Hughenden neben der Seite seiner ihm im Tode vor­ausgegangenen Gattin und zwar in größter Einfachheit bestattet sein