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Mittwoch den 13. April

1881.

Tagesschau.

Die Rüstungen gegen Tunis.

(A d Schw. Merk.)

Paris, 8. April. Bezüglich der tunesischen Sache, die ausschließlich das Tagesereigniß bildet, beschränken sich bis jetzt die Nachrichten auf Meldungen über die Kriegsvorbereitungen. Die See­rüstungen in Toulon werden eifrig betrieben. Die Transportflotte besteht heute schon aus 12 Schiffen, die leicht 20,000 Mann aufnehmen können. Die transatlantischen Packetboote, die von der Regierung heran­gezogen wurden, können ebenfalls 1520,000 Mann übernehmen. Die Regierung ist daher in der Lage, 50,000 Mann nach Algerien zu trans- portiren, die dort am Sonntag Abend oder Montag eintreffen können (was freilich nicht erfolgt ist, s. u.), ohne die Panzerschiffe, deren Ver- proviantirung der Vollendung entgegenschreitet, zu Hülfe zu nehmen. Der Befehl zur Abfahrt der Truppen, welche die an der tunesischen Grenze operirenden Regimenter in Algier ersetzen sollen, ist gestern Abend in Marseille eingetroffen. Ihre Stärke beträgt im Ganzen etwa 40,000 Mann. Man versichert, daß der Bey gegen den Einmarsch französ. Truppen auf tunesisches Gebiet Protestiren will, indem er behauptet, daß ihm genügende Kräfte zur Verfügung stehen, um die Krumirs zu züch­tigen. Die tunesische Regierung beharrt übrigens in ihrer Feindseligkeit gegen die dortigen Franzosen. So wird aus Tunis telegraphisch ge­meldet, daß der Eisenbahn-Gesellschaft Bona-Guelma die formelle Wei­gerung der tunesischen Regierung zum Bau der Strecke von Tunis nach Susa über Rhadös bekannt gegeben wurde. Bekanntlich will der Bey eine Anleihe von 300,000 Piastern zur Ausrüstung einer Armee auf­nehmen, die zur Unterwerfung der Krumirs bestimmt ist. Als Garantie für dieses Anlehen, so meldet man, hat nun der Bey die Kontribution angeboten, welche von den Krumirs nach ihrer Unterwerfung erhoben werden soll. (!) Um sich von der Stärke der französ. Rüstungen zu informiren, hat der Bey 3 tunesische Generale ins sranzös. Lager ge­sendet, die nach Unterredung mit dem General Ritter sodann wieder in ihre Stellung, die 30 Kilometer von der Grenze sich befindet, zurück- kehrten. Diese Abgesandten haben ihrem Herrn ohne Zweifel über die gemachten Wahrnehmungen in einer Art berichtet, daß man in Tunis die französ. Expeditionsrüstungen für Ernst zu nehmen beginnt. Aus der viel respektvolleren Haltung der Eingeborenen an der Grenze scheint das hervorzugehen. Die Krumirs haben übrigens kein neues Lebens­zeichen gegeben und die Feindseligkeiten dürften erst nach dem Vordringen der französ. Truppen auf tunesisches Gebiet beginnen. Man glaubt, daß die französ. Truppen sich zuerst Böja's bemächtigen werden, einer kleinen Stadt mit ca. 10,000 Einwohnern, 10 Kilometer von der Eisen­bahn entfernt, die am Ostabhanqe der Berge liegt, welche Algier und Tunis scheiden. Böja ist der Markt der Krumirs, dort verproviantiren sie sich; man glaubt sie durch die Besetzung dieser Stadt aushungern zu können. Die tunesische Regierung schickt, wie gemeldet wird, ihrerseits heute 500 Mann und 2 Kanonen unter dem Befehl des Kriegsministers nach Souk-el-Arba, das einige Kilometer vom Gebiet der Krumirs ent­fernt ist.

Paris, 10. April. Die Truppen nach Algier sind noch immer nicht abgegangen, und das erregt allgemeine Bewunderung, ja sogar Entrüstung. Man erzählt sich merkwürdige Dinge über die Verwirrung, die im Kriegsministerium herrsche. Man klagt darüber, daß trotz den angeblichen glänzenden Resultalen der Heeresorganisation binnen 14 Tagen nicht ein paar Regimenter auf die Beine gebracht werden können. Nicht blos die grundsätzlich oppositionellen Zeitungen sühren eine heftige Sprache. Ein gemäßigt republikanisches Blatt, der National, überbietet sie noch. Er sagt, die Franzosen haben den Krumirs höchst dankbar zu sein, denn ohne diese braven Leute hätte man nie geahnt, wie es jetzt um die Mobilisationsfähigkeit der französ. Armee in Wahrheit beschaffen, und welches furchtbare Unglück abermals über Frankreich hätte herein- brechen können, wenn man etwa gegen einen großen Feind hätte Front machen müssen. Der National bemerkt spöttisch, daß es in der Marine nicht besser zugehe, als in der Armee, denn um ihre Soldaten nach Al­gerien zu transportiren, müsse die Regierung, welche jährlich für die Flotte 239 Millionen ausgibt, bei der Pereire'schen Dampfschifffahrts­

gesellschaft Schiffe entleihen. Kurz, der National fordert die Kammern auf, nicht auseinanderzugehen, ehe sie einem Kriegsminister, der solche Beweise seiner Unfähigkeit gegeben, das Urtheil gesprochen haben. Man hätte glauben sollen, die im Süden garnisonirenden Armeekorps wären im Stande gewesen, die in Algerien nöthigen Truppen abzugeben, aber man wendet sich nicht an sie. Von allen Ecken und Enden wird das Expeditionskorps zusammengelesen. Die Kavallerie holt man in Ram­bouillet, den Train in der Bastide u. s. w. Diese Angriffe konnte die Regierung natürlich nicht ohne Antwort lassen. Sie hat also durch die Agence Havas dem Publikum eröffnet, daß die eigentliche Mobilisations- fähigkeit der Armee hier gar nicht in's Spiel komme. Der allgemeine Mobilisationsplan, sagt die Havas'sche Note, ist, wie Jedermann begrei­fen wird, nicht mit Rücksicht auf Operationen in Algerien entworfen. Und die Armee wird obendrein jetzt nicht mobil gemacht, sondern es handelt sich darum, mit Beibehaltung des Friedensfußes ein Korps zu- sammenzustellen, ohne an den wirklichen Mobilisationsplan zu rühren. Mit andern Worten heißt das also offenbar, daß die Armee hauptsäch­lich darauf eingerichtet worden ist, gegen die Ostgrenze zu operiren, und daß man bei ihrer Reorganisation nur auf Deutschland und Italien Rücksicht genommen hat. Diesmal kommt speziell Italien in Betracht und die Regierung erklärt, daß sie es nicht für räthlich hält, in der Nähe der ital. Grenze die Effektivstärke zu vermindern. Ihre Gegner fahren freilich fort, dem Reorganisationsplan den Borwurf zu machen, daß eventuelle Verwicklungen in Algerien darin fo ganz außer Acht ge­blieben seien. Eine andere Havas'sche Note findet allgemeine Zustim­mung. Sie besagt, daß Hr. Cairoli sich im Irrthum befunden, als er im ital. Parlament von Verpflichtungen sprach, die sich Frankreich in der tunesischen Frage auferlegt habe. Barthölemy Saint-Hilaire hat an den französ. Botschafter in Rom und wie es scheint, auch an die anderen französ. Vertreter im Auslande ein Schreiben gerichtet, worin er erklärt, daß Frankreich eine solche Verpflichtung nicht eingegangen ist. Der ital. Botschafter, General Ci a ldini, erkannte übrigens gestern in einer längeren Unterredung mit Saint-Hilaire an, daß die erwähnte Aeußerung Cairolis auf einem Mißverständnisse beruht. Im Ganzen läßt sich sa­gen, daß, wenn man hier durch die Haltung des ital. Parlaments sehr verletzt worden ist, die Pariser Presse sich doch sorgfältig hütet, Oel ins Feuer zu gießen. Die Blätter stellen einmüthig die Sache so dar, daß die Opposition in Italien, ohne selbst entfernt an einen Bruch mit Frankreich zu denken, blos eine willkommene Gelegenheit benutzte, das Ministerium zu stürzen.

In der am 9. d. M. unter dem Vorsitz des Staats-Ministers von Boetticher abgehaltenen Plenarsitzung des Bundesraths wurde zu­nächst dem Gesetzentwürfe, betreffend die Fürsorge für die Wittwen und Waisen der Reichsbeamten der Civilverwaltung, in der vom Reichstage beschlossenen Fassung die Zustimmung ertheilt und der vom Vorsitzenden in der letzten Sitzung vorgelegte Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Kontrole des Reichshaushalts und des Landeshaushalts von Elsaß- Lolhrinqen für 1880/81, genehmigt.

Verschiedene Anträge auf Bewilligung von Pensionen an Reichs­beamte unter Mitanrechnung der im Gemeindedienst zurückgelegten Dienst­zeit, resp, unter Anrechnung einer längeren, als der gesetzlich pensions- fähigen Dienstzeit, erhielten die Zustimmung der Versammlung. Die Bestimmungen über die den einzelnen Bundesstaaten zu gewährende Ver­gütung für die Erhebung und Verwaltung der Tabaksteuer wurden nach den Anträgen der zuständigen Ausschüsse festgesetzt, und ebenso den Aus­schußanträgen gemäß dem Königlich preußischen Unter-Steueramte Wies­baden die Ermächtigung zur Abfertigung von Leinwand zu anderen als den höchsten Zollsätzen der betreffenden Tarifposition ertheilt.

Sodann wurde auf den mündlichen Bericht des IV. Ausschusses der Entwurf eines Gesetzes wegen Abänderung der Gewerbeordnung (Tanz, Turn- und Schwimmlehrer, Rechtskonsulenten rc.) in erster und zweiter Lesung nach der Präsidialvorlage genehmigt.

Zum Schluß erfolgte die Ernennung von Kommissarien zur Be­rathung von Borlagen im Reichstage, die Mittheilung über eingegangene,