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Nr. 86.

Dienstag den 12. April

1881.

Amtliches.

Gesund en: Eine Schelle. Eine schwarze Hutfeder. Ein kleines Portemonnaie mit einigen Pfennigen. Ein Brillenfutteral. Ein Messer.

Verloren: Ein Portemonnaie mit ca. 2 Mark.

Hanau am 12. April 1881.

_____________________Aus Königl. Landrathsamt._____________________

Die Reichs-Telegraphenlinien sind häufig vorsätzlichen oder f lässigen Beschädigungen, namentlich durch Zertrümmerung der Isolatoren mittelst Steinwürfe rc. ausgesetzt. Da durch diesen Unfug die Benutzung der Telegraphenanstalten verhindert oder gestört wird, so wird hierdurch auf die durch das Strafgesetzbuch für das Deutsche Reich festgesetzten Strafen wegen dergleichen Beschädigungen aufmerksam gemach

Gleichzeitig wird bemerkt, daß Demjenigen, welcher die Thäter vorsätzlicher oder fahrlässiger Beschädigungen der Telegraphenanlagen derart^ ermittelt und zur Anzeige bringt, daß dieselben zum Ersatze und zur Strafe gezogen werden können, Belohnungen bis zur Höhe von 15 Mark in jedem einzelnen Falle aus den Fonds der Reichs-Post- und Telegraphen-Verwaltung werden gezahlt werden. Diese Belohnungen werden auch dann bewilligt werden, wenn die Schuldigen wegen jugend­lichen Alters oder wegen sonstiger persönlicher Gründe gesetzlich nicht haben bestraft oder zum Ersatze herangezogen werden können; desgleichen wenn die Beschädigung noch nicht wirklich ausgeführt, sondern durch rechtzeitiges Einschreiten der zu belohnenden Person verhindert worden ist, der gegen die Telegraphenanlage verübte Unfug aber soweit feststeht, daß die Bestrafung des Schuldigen erfolgen kann.

Die Bestimmungen in dem Strafgesetzbuche für das Deutsche Reich lauten:

§. 317. Wer gegen eine zu öffentlichen Zwecken dienende Tele­graphenanstalt vorsätzlich Handlungen begeht, welche die Benutzung die­ser Anstalt verhindern oder stören, wird mit Gefängniß von Einem Monat bis zu drei Jahren bestraft.

§. 318. Wer gegen eine zu öffentlichen Zwecken dienende Tele­graphenanstalt fahrlässiger Weise Handlungen begeht, welche die Benutzung dieser Anstalt verhindern oder stören, wird mit Gefängniß bis zu Einem Jahre oder mit Geldstrafe bis zu Neunhundert Mark bestraft re.

Cassel den 9. März 1881.

Der Kaiserliche Ober-Postdirektor.

In Vertr.: v. Rumohr.

Tagesschau.

— Berlin, 11. April. (K. Z.) Die Gerüchte über die grie­chische Ministerkrisis werden natürlich günstig im Sinne des Friedens aufgefaßt, weil Delyannis weniger durch die bisherigen griechischen Er­klärungen gebunden ist. Dagegen ist noch immer nicht festgestellt, ob die Pforte die bekannten, von den Botschaftern ihrem Vorschläge hinzuge­fügten Punkte, namentlich die Entfestigung Prewesas, vor Uebergabe der identischen Noten in Athen angenommen hatte. Man hofft, daß daraus nachträglich keine neue Schwierigkeit entstehen werde.

— Die liberale Staatsbürger-Zeitung warnt, im Hinblick auf die Wahlen, vor dem Personenkultus, oder auch vor dem Personenhaß.

„Der Abg. Eugen Richter", schreibt sie, „erwartet, daß der bevor­stehende Wahlkampf ein äußerst lebhafter sein werde, und darin dürfte er vielleicht Recht haben; aber wir meinen, daß es ungleich besser wäre, wenn die Wähler in genauer Kenntniß ihrer Interessen und mit Ueber­zeugungstreue au die Wahlurne treten, als mit der Parole für oder gegen Bismarck. Glaubt man denn wirklich, daß mit dem Sturze Bis- marcks die dringenden Tagesfragen sich so ohne weiteres lösen lassen werden, oder daß man sich dann den süßen Träumen von einer „besseren Zukunst" werde überlasten sönnen?. Diese Fragen stehen höher, als der Fürst Bismarck, und immer gewaltiger wird die Mahnung an eine Lö­sung derselben an unsere Thür klopfen. Was seitens des Fürsten Bis­marck geschehen konnte, ist bereits geschehen; er hat das, was er für das Gedeihen des Reichs für nothwendig hält, der öffentlichen Diskussion unterstellt, und diese Diskussion muß zu Ende geführt werden, mit Bis­marck oder ohne Bismarck."

— S. M. S. „Vineta", 19 Geschütze, Kommandant Kapt. z. S. Zirzow, ist am 13. Februar er. in Kobe eingetroffen.

— München, 10. April. Eine für heute Nachmittag anberaumt gewesene Versammlung behufs Abhaltung eines Vortrags des Reichs­tagsabgeordneten Bebel ist auf Grund des Sozialistengesetzes polizeilich verboten worden.

— Wien, 11. April. Graf Schuwaloff ist heute früh nach Rom abgereist.

— Paris, 11. April. (K. Z.) Verschiedene Blätter beschul­digen den italienischen Consul in Tunis, Maccio, er lasse durch italie­nische Sendboten die Zeitung Mostakel, welche den heiligen Krieg gegen die Franzosen predigt, in Tunis verbreiten.

— London, 11. April. Die „Times" veröffentlicht den Text einer vertraulichen Depesche Lord Salisbury's an den englischen Bot­schafter in Paris, Lord Lyons, vom 7. August 1878, betreffend die tunesische Frage. Lord Salisbury erklärt darin: England habe in Tu­nis keine speziellen Interessen, welche es irgendwie veranlassen dürften, den legitimen und wachsenden Einfluß Frankreichs daselbst mit Miß­trauen zu betrachten; selbst der Sturz der Regierung des Beys würde die Haltung Englands keineswegs verändern.

— Der Zustand auf der Insel Chios ist furchtbar. Die Zahl der Erdstöße betrug bis jetzt 250 und 40 Stöße waren so stark, daß sie die dicksten Mauern umwarfen. Die Zahl der Todten soll an 16,000 betragen. Man befürchtet ansteckende Krankheiten, da man die vielen Todten nicht begraben kann.

— New-Aork, 9. April. Der Dampfer des Norddeutschen Lloyd „Oder" ist hier eingetroffen.

Lokales.

Hanau, den 12. April

— Gestern Nachmittag 3 trafen die zur hiesigen Garnison noch fehlendenden 4 Compagnien ein. Am Nachmittag noch wurden die bei­den Bataillone dem Herrn Regiments-Commandeur und heute Vormit­tag dem Herrn Brigade-Commandeur vorgestellt.

— Zufolge soeben eingetroffener telegraphischer Meldung hat die Collectiv-Ausstellung der Hanauer Bijouterie-Fabrikanten: Charles Colin Söhne, C. Bissinger Söhne, Geissel u. Härtung, C. Hertel u. Sohn, C. Kurr - Schüttner, G. A. Korff, Steinheuer u. Co., A. Voltz-Bier, auf der Melbourner Ausstellung die erste Verdienstmedaille erhalten.

— Da, wo die Anwohner vor noch nicht lauger Zeit gut thaten Wasserstiefel zu tragen, wenn sie bei ungünstiger Witterung ausgchen wollten, hat sich seit Kurzem eine sehr vortheilhafte Veränderung vollzogen, nämlich in der Grimmstraße. Wer sich noch des frühe­ren Zustandes dieser Straße genannten Stelle erinnert, wird sich über deren jetziges Aussehen nur freuen und sind die Bewohner für die seit­her erduldete Unbequemlichkeit nun durch die wirklich vorzügliche Straßenanlage mit den breiten Trottoirs in reichem Maße entschädigt. Wir glauben dieser ohnehin schöne Stadttheil würde noch ein vorneh­meres Ansehen erhalten, wenn zu beiden Seiten der Straße eine Allee mit einer hierzu geeigneten Baumart angepflanzt würde.

— Herr Max Rößner, Prof. der höheren Magie, hat für morgen, Mittwoch, seine letzten zwei Vorstellungen im Saale der Central- Halle angekündigt, von denen die erste um 4 Uhr und die zweite um ^28 Uhr beginnt. Vielleicht ist es diesen Zeilen vergönnt, noch im letzten Augenblicke zum Besuche dieser Vorstellung anzuregen und dem beliebten Prestidigitateur und Magiker die wünschenswerthe Anregung zu geben, seinen in Ansehung der mit den Tageskosten wenig harmo- nirenden Einnahmen so kurz gefaßten Aufenthalt auf noch eine Vorstel­lung zu verlängern. Die Eleganz und Fertigkeit in den Produktionen des Herrn R ößner machen dieselben wohl der besten Berücksichtigung werth.

Auch beruht unsere Empfehlung keineswegs auf vereinzelter An­sicht, sondern es wird dieselbe Herrn Rößner aus allen und sehr her­vorragenden Kreisen, in denen er auf Grund zahlreicher Zeugnisse sich schon bewegte. Dem Ausspruch in letzteren zufolge kann Hr. R ößner sich nicht nur jedem Künstler seines Genres gleichstellen, sondern wird