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dem Prozesse gegen Ryssakoff und Genossen vor Gericht stehenden An­geklagten benehmen. Diese Frechheit beweise, daß man es mit Leuten zu thun habe, welche sich als offene Feinde der Gesellschaft erklärt ha­ben und zur Zerstörung der Organisation der Gesellschaft alle Mittel anzuwenden sich erlauben. Das genannte Journal meint, dies könne der Gesellschaft zeigen, was sie zu erwarten haben würde, falls sie dem­gegenüber abermals lässig sein würde.

Spezialtelegramme desDeutschen Montags-Blatt."

Wien, 10. April, 10 Uhr Morgens. Es wird mehrseitig be­stätigt, daß die Mächte beabsichtigen, energische Vorstellungen in Athen zu machen, falls Griechenland noch länger mit der Beantwortung der identischen Noten zögert. Die Mächte dürften in Athen ein Ultimatum stellen, weil thatsächlich besorgt wird, die Pforte könnte erklären, sie sei außer Stande, noch länger aufs Ungewisse zu warten, sie müsse daher die schon bewilligten Konzessionen zurücknehmen und gegen Griechenland vorgehen. DieNeue Freie Presse" hört, die Pforte beabsichtige, Thes­salien einer europäischen Großmacht abzutreten. Die hiesigen Offiziösen reden Griechenland zu, rasch einzulenken, und bemerken, wenn die Hel­lenen das Schicksal herausfordern wollten, so würden die Großmächte mit gesenktem Schwerte zusehen, wie die Pforte die griechische Eroberungs­lust nach Gebühr züchtigte. Europas Vertreter in Athen hätten darüber keinen Zweifel gelassen.

Wien, 10. April, 9 Uhr 50 Min. Die offiziöse Montagsrevue sagt, daß die Athener und Konstantinopler Nachrichten ungünstig lauten. Es sei sehr zu bezweifeln, daß Comundouros die Propositionen der Mächte annimmt. Das alsdann einzig mögliche Ministerium Delyanis werde vielleicht diese Vorschläge zur Annahme empfehlen. Auch die Stellung der Dynastie sei angesichts der Stimmung der Bevölkerung prekär. Bezüglich der Pforte walten gleichfalls Besorgnisse ob, ob die Uebergabe des abzutretenden Gebietes ohne gefährliche Verzögerung er= folgen würde.

Rom, 9. April. Der König hat die Demission des Kabinets angenommen. Depretis, Sella, Crispi, Nicotera, Farini und Zanardelli wurden zum Könige berufen, eine weitere Entscheidung sand nicht statt.

Konstantinopel, 10. April. Ein Engländer, Namens Suter, Beamter der BergbaugesellschaftKassandra" ist bei Salonichi mit sei­ner Frau von Räubern entführt worden. Die Frau wurde freigelassen, für Suter verlangen die Räuber ein Lösegeld von 15,000 Pfund Sterl. Der englische Botschafter, Göschen, hat bei der Pforte in dieser Ange­legenheit Schritte gethan. Der russische Botschafter, v. Novikoff, hat sein neues Beglaubigungsschreiben überreicht.

Mannheim, 10. April, 1 Uhr 10 Minuten. Heute früh fand in Heidelberg der Zusammenstoß eines Güterzugs mit einem Personen- zug statt. 2 Todte, mehrere Verwundete.

L s k a ! e s.

Hanau, den 11. April

Herr Oberpräsident von Ende wird morgen Abend hier eintreffen und nächsten Mittwoch den 13. d. M. das hiesige Altstädter Schloß mit Zubehör an die Kurhessischen Agnaten überweisen.

Zur Ergänzung der beiden Bataillonen unserer Garnison (1. und Füs.-Bat. des 97. Infanterie-Regiments) treffen im Lanfe des heu­tigen Nachmittags die übrigen, wie uns mitgetheilt wird, badischen Re­gimentern entnommenen Mannschaften ein.

Professor Max Rößner hat gestern in seiner hiesigenZauber- Soiräe eclatanten Erfolg erzielt und die hohe Meinung, welche man nach den ihm vorausgegangenen Schilderungen in den ersten Städten Euro­pas von seinen Leistungen gewonnen, auch bei uns vollkommen bestätigt. Herr Rößner führt das reichhaltigste und hochinteressante Programm mit wahrhaft erstaunlicher Gewandtheit vor und geleitete sein anwesen­des Publikum in höchst liebenswürdiger Weise von einer Ueberraschung zur andern. Der wirklich neuen Pieren werden viel geboten und man folgt mit unaufhörlicher Spannung einer jeden Produktion bis in all ihre Einzelheiten, um der großartigen Fertigkeit des Künstlers etwas abzu- lernen. So flogen die Stunden rasch dahin und Alt und Jung ver­einigte sich in dem allgemeinen Lob. Als Escamoteur kann Herr Röß­ner den ersten Künstlern in diesem Fache zur Seite gestellt werden. So viel bis jetzt bekannt gemacht, gibt derselbe nur heute noch eine Vor­stellung und kann der Besuch dieser hochinteressanten Soiree nur empfoh­len werden.

In der Nacht vom vergangenen Samstag auf Sonntag hat ein alberner Bursche, vielleicht sind es auch mehrere gewesen, das Rohr der Hirschpumpe mit einem als Aushängeschild dienenden Kissen verstopft, so daß gestern Morgen die Wasserbedürftigen erst ihre liebe Noth hatten, bis sie die Pumpe wieder in Ordnung brachten.

Ein hiesiger Einwohner führte gestern einen Streich aus, der die allerschärfste Verurtheilung verdient. Zu dem Lehrling eines gerade bei der Probe sich befindenden Mitgliedes unseres sreiw. Steiger- corps bemerkte Erstgenannter, sein Meister sei von der Leiter herabge­fallen und habe sich schwer beschädigt. Der Junge überbrachte diese

Hiobspost sofort seiner Meisterin, welche verzweifelnd nach der Probestelle lief um ihrem unverunglückten Manne Hülfe zu leisten. Glücklicherweise traf sie ihn wohl und munter an; die Frau war aber so abgeängstigt, daß auch ihr leicht ein Unglück zustoßen konnte. Ein schlechterer Witz, als der ebenbemerkte, dessen Erfinder gewiß die derbste Zurecht- Weisung verdient, kann nicht leicht gemacht werden.

Heute Morgen gegen 2^2 Uhr brach in einem Seitenbau des Hauses Sterngasse Nr. 40 dahier Feuer aus, dem jedoch Dank des schnellen Eingreifens unserer Feuerwehr nur der Dachstuhl zum Opfer fiel.

Bei dem Brande der vergangenen Nacht litt das wenige Mo­biliar eines sehr armen aber wie wir hören sonst braven Mannes, der überdies kränklich sein soll, des Schreiners S. Beyer, großen Scha­den, so daß die Familie hierdurch in bittere Noth gerathen ist. Zur Linderung derselben wurden uns heute Morgen Mk. 5 durch Herrn L. S. übermittelt, welche wir recht gerne, ebenso weiter zu diesem Zwecke eingehende Gelder, im Sinne der edlen Geber verwenden wollen.

Die Red.

Auszug aus dem Central-Hand els-Register.

(Eintragungen bei Königlichem Amtsgericht, Abthl. l zu Hanau.)

Nach Anzeige vom 2. April d. I. ist in das Handelsregister zu Nr. 769 eingetragen, daß das vom Kaufmann Conrad Götz dahier seit­her unter der FirmaR. Götz" betriebene Geschäft, jedoch ohne Aktiven und Passiven, vom 1. April d. I. an auf dessen Tochter, die Ehefrau des Postsekretärs Reinhold Huettig, Mathilde, geb. Götz dahier überge­gangen ist, welche dasselbe unter der seitherigen Firma fortbetreiben wird.

Versteigerungs- und Verpachtungs- rc. Kalender für Dienstag den 12. April.

Von Morgens 80- bis 11 Uhr und Nachmittags von 2 Uhr an kommen durch Herrn Concursverwalter A. Dönch die Waarenvorräthe und Ladeneinrichtung aus der Alexander Simon'schen Concursmasse: Cigarren, Tabake, Schnupftabake, Kölnisches Wasser, diverse Weine, leere Fässer, Kisten, Flaschen rc. gegen Baarzahlung zum Verkauf (mit den Cigarren wird begonnen). Vorm. 10 Uhr kommen im Gemeindewald zu Langenbergheim 50 Eichen-Stämme mit 70 fm Inhalt zum Verkauf; Zusammenkunft am Eingang des Waldes. Von Nachm. 2 Uhr ab beginnt durch Herrn Taxator M. Ullrich im Gasthause zumElephan­ten" der Verkauf der Heinrich Machenheimer'schen Mobilien gegen Baarzahlung, bestehend in Stuben- und Küchenmöbeln, Bettwerk, Uh­ren, gold. Siegelring rc. rc.

Für heute. Spar- und Spielkasse in derGermania": Abends von 910 Uhr erste Auflage und Mitglieder-Aufnahme; um dieselbe Zeit desgleichen in der Sparkasse bei Ed. Dörr. Verein der Fortschrittspartei: Abends 8V2 Uhr Monatsversammlung im Saale der großen Krone". Abends 9 Uhr: Spritze Nr. 4 in dendrei Rin­dern" (oberes Sälchen).

Besitzer von Tauben und Hühnern haben während der jetzt be­vorstehenden Säzeit bis zum 15. Mai ihr Geflügel von fremden Aeckern rc. fernzuhalten, widrigenfalls sie mit Strafe bedroht sind.

Kassel, 8. April. Das altrenommirte mathematisch-mechani- Jnstitut von F. W. Breithaupt u. Sohn Hierselbst hat gestern das zwei- tausendste Nivellirinstrument fertig gestellt. Aus diesem bemerkenswerthen Anlässe wird das altbewährte Haus am Dienstag eine Festlichkeit ver- anstalten, an der sämmtliche Angestellte des Instituts theilnehmen wer­den. (H. M.)

Fulda, 9. April. Gestern haben sich die unter dem hiesigen Bezirkscommando stehenden Dispositions-Mannschaften, welche behufs Formirung der neuen Regimenter einberufen worden sind, dahier ge­stellt. Auch das hiesige Bataillon wird nun completirt. Bekanntlich war die 1. Compagnie desselben (5. des Regiments) in Hanau geblie­ben, um dort mit der 11. Compagnie des Regiments Nr. 81 die Cadres für das neue Regiment Nr. 97 abzugeben. Diese Compagnie wird nun ersetzt. (F. Z.)

Aus der Umgegend.

T. Gestern Nachmittag sand in der Gemarkung Wasserlos ein ziem­lich umfangreicher Waldbrand statt, der aber durch energisches Eingrei­fen der Feuerwehren von Wasserlos, Hörstein, Alzenau rc. rasch unter­drückt wurde. Trotzdem sind ca. 10 Morgen 8jühriger Bestand dem Elemente zum Opfer gefallen. Allem Anschein nach wurde der Brand absichtlich gelegt; die Untersuchung wird wohl Näheres ergeben.

Offenbach, 9. April. Im Saale desGasthauses zum Kronprinzen", früherHessischer Hof", hier ist gegenwärtig eine Kunst­uhr ausgestellt, die in ihrer Construktiou zu den Interessantesten gehört, was je auf diesem Gebiete geleistet wurde. Die Uhr zeigt neben dem gewöhnlichen Zifferblatt noch Wochentag, Datum, Monat und Jahr mit einer bewunderungswürdigen Genauigkeit, ebenso Aus- und Untergang der Sonne genau nach der Jahreszeit, sowie den Lauf des Mondes mit seinem Wechsel nach astronomischer Berechnung. Außerdem enthält die