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Die 3spaltigeZcile

SO Pfg

Nr. 63.

Mittwoch den 16. März

18^1.

Amtliches.

Gefunden: Ein Paar wollene Handschuhe. Ein seidenes abge­tragenes Halstuch. Ein blaues gehäckeltes Frauenhalstuch.

Zugelaufen: Ein gelber Pinscher.

Hanau am 16. März 1881.

Aus Königl. Landrathsamt._____________________

Bekanntmachung.

Es wird hiermit zur Kenntniß der Betheiligten gebracht, daß die Grund- und Gebäudesteuer-Rolle hiesiger Stadt vom 16. bis 23. d. Mts., Vormittags von 8 bis 1 Uhr, bei der Königlichen Steuerkasse I Hierselbst (Altstadt, Badergasse Nr. 2) zur Einsicht der Steuerpflichtigen offen liegen wird.

Hanau am 15. März 1881.

Der Oberbürgermeister Rauch.

Tagesscha«.

Der verewigte Kaiser Alexander II., der Sohn des Kaisers Nikolaus und der Kaiserin Alexandra, der Schwester unseres Kaisers, war geboren am 29. (17.) April 1818. Unter Leitung des Obersten Kavelin und des Dichters Schukowski genoß Großfürst Alexander eine sehr sorgfältige Erziehung, in der neben der streng militärischen auch der geistigen Ausbildung ihr volles Recht ge­wahrt war. Die hervorragende Begabung und der milde, menschen­freundliche Sinn des jungen Fürsten gewannen ihm früh die Herzen des Volkes. Zu einer Betheiligung an der inneren Politik war ihm bei dem streng autokratischen System seines Vaters wenig Gelegenheit ge­boten. Den auswärtigen Beziehungen blieb er jedoch nicht fremd, da ihm im Jahre 1848 vertrauliche Spezialmissionen an den Höfen von Berlin und Wien übertragen wurden. Unter den schwierigsten Verhält­nissen übernahm er nach dem am 2. März 1855, während des Krim­krieges, erfolgten Tode seines Vaters, des Kaisers Nikolaus die Regie­rung. In dieser ernsten Lage bewährte er eine Kraft, Besonnenheit und Klugheit, welche weit über die Erwartungen hiuausgingen, die man an­fangs von ihm gehegt hatte, da man vielfach bezweifelte, ob die Stärke seines Willens mit dem edlen Wohlwollen seiner Gesinnung in dem richtigen Verhältniß stände. Mit Energie setzte er die Rüstungen fort und besuchte selbst die Krim. Der Fall von Sebastopol machte den Frieden unvermeidlich, der am 30. März 1856 in Paris abgeschlossen, die Stellung Rußlands im Oriente bedeutend erschütterte, zugleich aber der Energie und Einsicht des Kaisers Alexander II. die höchsten, kräftig und erfolgreich durchgeführten Aufgaben stellte. Rußland grollt nicht, es sammelt sich, war die Losung seiner Regierung. Unmittelbar nach dem Kriege begann die Arbeit der Reorganisation des Heeres, wurden die umfassenden Eisenbahnbauten in Angriff genommen, welche eben so wohl der Entwicklung der materiellen Hülfsmittel des ungeheuren Reiches wie einer Verstärkung der Wehrkraft desselben dienen sollten. Zugleich wurde die Unterwerfung Kaukasiens vollendet und die Grenze Rußlands in Centralasien vorgerückt und verstärkt.

An diese Bestrebungen für die Sicherheit und Machtstellung des Reiches schloffen sich die großen sozialen Reformarbeiten, welche der ersten Hälfte der Regierung des Kaisers Alexander ihr eigenartiges Ge­präge aufgedrückt haben. Bereits im Jahre 1857 erschienen die Reskripte, welche die Adelschaften zu Vorschlägen für die Emancipation der Leib­eigenen aufforderten. Dieser erste Schritt entsprach durchaus den allge­mein gehegten Erwartungen und wurde anfangs auch vom Adel mit Begeisterung ausgenommen, die sich indessen, als man den Schwierig­keiten der Ausführung nahe trat, einigermaßen abkühlte. Die Energie des Kaisers ließ sich aber durch die Schwierigkeiten, die seinen Absichten entgegenstanden, nicht abschrecken. Der Kaiser nahm die Angelegenheit selbst in die Hand, und am 3. März 1863 erfolgte die Emancipation der Bauernschaft, an die sich weitere vorbereitende Maßregeln für die Reform der Verwaltung der Justiz, des Bildungs- und Unterrichts­wesens anschlossen.

Leider aber traten Umstände ein, welche die reformatorische Thä­tigkeit des edlen Fürsten unterbrachen. Der polnische Ausstand des Jahres 1*63 bildet in dieser Beziehung einen Wendepunkt in der Re- gierungs-Geschichte des Kaisers. Die ganze Kraft des Staates konzen- trirte sich auf die Unterdrückung dieser verhüngnißvollen Bewegung; die Fäden der angebahnten inneren Entwicklung wurden abgerissen, und einem Wiederanknüpfen derselben, wenigstens einer energischen Weiter- führung der angebahnten Reformen, stand die Stimmung im Wege, die einen großen Theil der russischen Gesellschaft ergriffen hatte. Die alten Bande, welche das russische Staatswesen zusammengehalten hatten, waren gelockert, ein Ersatz für das alte Autoritätsprinzip, welches die Ele­mente der Gesellschaft verknüpft hatte, war noch nicht gefunden. Eine unruhige, gegen alles Bestehende gerichtete, übrigens aber völlig ziellose Erregung bemächtigte sich der Geister. Aus dieser mehr und mehr einen revolutionären Charakter annehmenden Stimmung entwickelte sich jene räthselhafte unheimliche Erscheinung des Nihilismus, welcher im Zer­stören und Vernichten seine einzige Befriedigung findet, und dem endlich der edle Kaiser selbst, der sich mit Wohlthaten in die Geschichtsbücher seines großen Reichs eingetragen hat, als Opfer fallen follte.

In der auswärtigen Politik bewährte der Kaiser Alexander in­zwischen eine eben so feste wie kluge Haltung. Die Einmischung der Westmächte in die polnischen Angelegenheiten wurde mit Würde zurück-' gewiesen. Im preußisch-österreichischen Kriege nahm der Kaiser eine den Interessen Rußlands durchaus entsprechende neutrale, aber für Preußen wohlwollende Haltung ein. Auch die Sympathie, welche er Deutschland in dem Kriege gegen Frankreich bewies, entsprach den Anforderungen einer einsichtsvollen Politik und gereichte dem Kaiser zu um so größerer Ehre, da in einem Theile der russischen Gesellschaft bereits damals ein eben so grundloser wie fanatischer Haß gegen Deutschland sich geltend zu machen suchte.

Während des deutsch-französischen Krieges gelang es Rußland, sich von den Bestimmungen des seine freie Aktion im Schwarzen Meere hem­menden Artikels 11 des Pariser Vertrages zu befreien. Der Schauplatz einer größeren politischen Thätigkeit wurde dem russischen Reiche durch den Aufstand der Herzegowina eröffnet. Von neuem setzte Rußland seine Kräfte ein, um die orientalische Frage in seinem Sinne zu lösen. Nach einer Reihe von schweren Mißerfolgen auf dem Schlachtfelde end­lich vollständig siegreich, zog es sich durch das Uebermaß feiner Ansprüche eine politische Niederlage zu, die tief verstimmend auf weite fieberhaft erregte Kreise des Volkes wirkte.

In Centralasien setzte Rußland seine gewaltig vorwärts dringende Politik fort, und auf diesem Gebiete hatte es noch vor wenigen Wochen einen neuen bedeutenden Erfolg zu verzeichnen.

Auch im Innern schien durch die Maßregeln des Grafen Loris- Melikow seit dem Attentat vom 17. Februar 1880 eine Wendung zum Besseren eingetreten zu sein. Das entsetzliche Verbrechen vom 13. März hat die Welt darüber belehrt, daß dies ein Irrthum war. Der edelste Herrscher, welcher Rußlands Thron geziert hat, ist als Opfer einer Mörder- und Verbrecherbande gefallen, deren Bestrebungen an teuflischer Raffinirtheit und Beharrlichkeit völlig beispiellos in der Geschichte der Menschheit dastehen.

Die Regierung ist mit dem Tode des Kaisers übergegangen auf dessen ältesten lebenden Sohn, den Kaiser Alexander III., geboren am 10. März 1845, seit dem am 24.*April 1865 erfolgten Tode seines älteren Bruders, des Großfürsten Nikolaus, Großfürsten-Thronfolger.

Die früheren Attentate auf den Kaiser Alexander.

Die Reihe der mit dämonischer Beharrlichkeit wiederholten Mord­anschläge, deren Ziel der Kaiser Alexander gewesen und bereu Opfer er endlich geworden ist, beginnt am 16. April 1866, an welchem Tage ein junger Russe Dimitri Karakassow zwei Pistolenschüsse auf den Kaiser abfeuerte. Der Erfolg des Attentats wurde durch den Bauer Komisareff verhindert, der Verbrecher ergriffen. •— Das zweite Attentat wurde am 16. September 1867 in Paris während der Ausstellung von dem Polen Berezowski verübt, als der Kaiser von der Revue von Longchamps zu- rückkehrte. Der Kaiser blieb unverletzt. — Am 14. April 1879 feuerte der Nihilist Solowieff fünf Pistolenschüsse auf den Kaiser ab, die sämmt