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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Dienstag den 8. März

Nr. 56.

Amtliches.

Zugelaufen: Am 1. d. Mts. auf dem Wege von Bruchköbel nach Langendiebach ein Schweinchen; Empfangnahme bei Johannes Hamburger 4r zu Langenselbold. Ein junger schwarzer Spitz, m. Geschl.

Gefunden: Ein leeres Bierfaß. Ein weißes Taschentuch mit rothen Streifen.

Entlaufen: Ein grauer Pinscher mit Blesse, m. Geschl.

Verloren: Ein Medaillon mit Kette.

Hanau am 8. März 1881.

Aus Königl. Landrathsamt.

Rundschau.

R. F. (Deutsch es Reich.) Prinz Wilhelm von Preußen und Gemahlin empfingen am vergangenen Donnerstag im Residenzschlosse zu Berlin die Botschafter und Gesandten mit ihren Damen, Botschafts­und Gesandtschaftsräthen und Militärbevollmächtigten, wobei sich Prin­zessin Wilhelm mit den einzelnen Mitgliedern des diplomatischen Corps in verschiedenen Sprachen unterhielt.

Während der Anwesenheit des Königs von Sachsen in Berlin hat der Monarch bekanntlich eine längere Unterredung mit dem Reichskanzler Fürsten Bismarck gehabt; nach Berliner Quellen soll den hauptsächlich­sten Gegenstand dieser Unterredung der Culturkamps und dessen eventuelle Beilegung gebildet haben.

Die Debatten im Reichstage nehmen allmälig den Charakter einer gewissen Gereiztheit an, welcher sich besonders bei dem jetzt häufigen Eingreifen des Reichskanzlers in die Diskussion kundgibt. Schon die Angriffe der süddeutschen Abgeordneten Kiefer, Sonnemann und Frhr. von Nordeck zur Rabenau gegen die Verwaltung der Reichseisenbahnen gaben der Sitzung vom Donnerstag gleich vom Anfang einen sehr leb­haften Charakter, auch die Angriffe des Abgeordneten Sonnemann auf die Reichsbankverwaltung ließen an Lebhaftigkeit nichts zu wünschen übrig und am Schluß der Sitzung kam es zu einer nicht minder leb­haften Auseinandersetzung zwischen dem Reichskanzler und dem Abge­ordneten Lasker über die Frage der Wahlbeeinflussungen und äußerte der Reichskanzler unter Anderem, daß es wünschenswerth wäre, wenn nicht' nur die Verwaltungsbeamten, sondern auch die Richter sich jeder Wahlbeeinflussung enthielten. Im Uebrigen wurden am Donnerstag die Etats der Reichseisenbahnen und der Reichsbank unverändert genehmigt. Am Freitag genehmigte der Reichstag zunächst den Antrag des Centrums- Abgeordneten Majunke auf Einstellung des gegen seinen Fraktionsgenossen Stötzel eingeleiteten Strafverfahrens. Hierauf wurde der Entwurf eines Gesetzes, betreffend die Versorgung der Wittwen und Waisen von Reichs­beamten, welchem alle Redner ihre Sympathien entgegenbrachten, an eine vierzehngliedrige Commission verwiesen, das wieder ausgetauchte Küsten- frachtsahrtsgesetz wurde sodann gleichfalls an eine Commission überwiesen, worauf sich der Reichstag der Generalberathung der Vorlage, betreffend die Besteurung der Dienstwohnungen, zuwandte, welche schließlich an eine Commission von 14 Mitgliedern verwiesen wurde. In seiner nächsten Sitzung, welche Dienstag den 8. März stattfindet, wird der Reichstag in die erste Berathung des Gesetzes, betreffend die Einführung zweijäh­riger Etats-Perioden, treten.

In der Frage, wer zum Nachfolger des Grafen Eulenburg bestimmt sei, ist noch immer nichts entschieden, doch wollen wir einer neuen Com­bination erwähnen, nach welcher der jetzige Regierungs-Präsident Wolf in Trier mit für den erledigten Posten des Ministers des Innern in Aussicht genommen sei.

Am Freitag Mittag fand abermals ein Ministerrath im Reichstage statt, welchem Fürst Bismarck präsidirte; die Verhandlungen desselben dürften sich in erster Linie wohl um die Frage der Nachfolgerschaft des Grafen Eulenburg gedreht haben.

In dem Conflikte des Staates mit dem Vatikane tauchen jetzt ent­schieden friedliche Symptome auf, als deren eines die Wahl eines Bis- thumsverwalters in Paderborn gilt, welche officiös als geschehen gemeldet wird. Als ein weiteres bedeutsames Zeichen für eine friedlichere Wen­dung des Culturkampfes muß aber vor Allem die Thatsache registrirt

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werden, daß die Bischöfe von Straßburg, Dr. Räß, und von Metz, Du- pont des Loges, in ihren Fastenhirtenbriefen verordnen, es sollen in den Kirchen ihrer Bisthümer in der Folge Gebete für den Kaiser und das kaiserliche Haus stattfinden. Da diese Anordnungen auf direkten An­weisungen aus Rom beruhen sollen, so liegt hierin eine weitere Nach­richt von zweifelloser Friedens-Tendenz vor.

Die Finanz-Commission der Württembergischen zweiten Kammer hat beantragt, die Regierung zu ersuchen, im Bundesrathe auf baldige Einführung des Tabaksmonopols wirken zu wollen.

(O e st e r r e i ch - U n g a r n.) In den deutschliberalen Kreisen Oester­reichs zittert die Erregung gegen die Regierung und die dieselben unter­stützenden feudal-klerikalen Elemente noch immer fort. Die direkte Ur­sache dieser Erregung liegt zwar in der von der klerikal-feudalen Majo­rität des österreichischen Abgeordnetenhauses beschlossenen Annahme des Lienbacher'schen Antrages auf Herabsetzung der achtjährigen Schulpflicht, aber der eigentliche Ausgangspunkt dieser erregten Stimmung datirt von dem Zeitpunkte, an welchem das Wiener Cabinet seine Stütze nicht mehr in der Verfassungspartei, sondern in den seudalen, klerikalen und czechi- schen Elementen zu erblicken glaubte, ein Irrthum, der für die öster­reichische Monarchie von den gesährlichsten Folgen sein könnte.

(Frankreich.) In Frankreich zieht die griechische Waffen-Affaire noch immer ihre Kreise. Es ist allerdings nicht zu leugnen, daß die französische Regierung in dieser Angelegenheit nicht ganz korrekt gehan­delt hat, da ihr bei einiger Aufmerksamkeit der Eisenbahntransport von 30,000 Gewehren von Paris nach Havre wohl schwerlich hätte entgehen können. Indessen haben die Erklärungen, welche die Regierung bezüg­lich ihrer Haltung in dieser Angelegenheit im Senate und in der De- putirtenkammer abgeben ließ, derartig beruhigend gewirkt, daß der Sturm­lauf, welchen im Senat die Monarchisten und in der Deputirtenkammer die Radikalen gegen das Cabinet, besonders aber gegen Gambetta unter­nahmen, gänzlich erfolglos blieb. Die Radikalen haben sich jedoch durch ihren Mißerfolg nicht entmuthigen lassen und Clemenceau, der hervor­ragendste Führer der radikalen Deputirten, hatte darum für' Sonnabend den 5. März eine weitere Interpellation angekündigt über angebliche Pulverlieferungen Seitens der französischen Regierung an Griechenland. Ob indessen die Radikalen mit dieser neuen Interpellation mehr Glück haben werden, als mit der früheren, ist sehr zu bezweiseln, da die Ma­jorität der französischen Deputirtenkammer augenscheinlich wünscht, die fatale Waffen-Affaire für immer beseitigt zu sehen. — Der französische Minister des Auswärtigen, Varthelemy St. Hilaire, hatte in vergange­ner Woche den Kammerpräsidenten Gambetta zu einem Diner eingeladen, bei welchem sich die Beiden bemerkenswerther Weise sehr eingehend und herzlich mit einander unterhielten.

(England.) Die englische Regierung konnte unmöglich den im englischen Heerwesen zu Tage getretenen Uebelständen die Augen ver­schließen, welche die neuesten Niederlagen der Engländer in Süd-Afrika mit verschulden halfen. Vom englischen Kriegsminister, Childeos, ist darum im Unterhause die im englischen Heere in Aussicht genommene Reform erläutert worden. Hiernach sollen die bei auswärtigen Regi­mentern dienenden Soldaten im Nothfalle 8 Jahre, die in Indien die­nenden Soldaten stets 8 Jahre unter der Fahne bleiben. Behufs Ver­mehrung der Reserve soll den in England dienenden Soldaten gestattet sein, nach 3 oder 4 Jahren aktiven Dienstes in die Reserve einzutreten, ferner soll stets ein Armeekorps von 18 Linien-Bataillonen, 3 Garde- Bataillonen, 6 Cavallerie- Regimentern und 17 Batterien für den Dienst im Ausland bereit sein und endlich soll auch die Prügelstrafe im eng­lischen Heere abgeschafft werden. — Das Unterhaus hat den Antrag Lord Lyttons, welcher sich gegen die von der englischen Regierung be­absichtigte Räumung Kandahars ausspricht, mit 165 gegen 76 Stimmen angenommen.

(Spanien.) Die Neubesetzung der wichtigsten diplomatischen Posten Spaniens geht nur sehr langsam vor sich, da das neue liberale Cabinet Mühe hat, geeignete, seiner Richtung entsprechende Persönlich­keiten zu finden. Von den spanischen Botschafterposten waren bisher nur zwei wieder neu besetzt worden, die in Petersburg und Paris. Doch auch der für den letzteren Posten designirte Herzog Ferdinand Nunez