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Montag den 7. März

Nr. 55.

Amtliches.

Bekanntmachung.

Jeder Landbriefträger führt auf seinem Bestellgange ein Annahme­buch mit sich, in welches er die von ihm angenommenen Sendungen mit Werthangabe, Einschreibsendungen, Postanweisungen, gewöhnlichen Packete und Nachnahmesendungen einzutragen hat. Will der Auflieferer die Eintragung selbst bewirken, so hat der Landbriefträger demselben das Buch vorzulegen. Bei der Eintragung des Gegenstandes durch den Landbriefträger muß dem Absender auf Verlangen durch Vorlegung des Buches die Ueberzeugung von der stattgehabten Eintragung gewährt werden.

Cassel, den 22. Februar 1881.

Der Kaiserliche Ober-Postdirektor.

In Vertretung: Wächter.

Tagesschau.

Berlin, 5. März. Der Bundesrath hat beschlossen, daß solchen Essigfabrikauten, die sich schon vor dem 1. Januar 1880 im Besitze eines in dem Gebäude, in welchem die Essigbereitung stattfindet, oder in einem angrenzenden Raume aufgestellten Destillir-Apparats be­funden haben, das Halten und die Benutzung des letzteren in den be­zeichneten Räumen auch ferner auf jederzeitigen Widerruf unter näher festgestellten Bedingungen uud Controlen gestattet werden kann. Der Destillir-Apparat unterliegt der steuerlichen Controle in demselben Um­fange wie die Brenn-Apparate in den Brennereien.

B erlin, 5. März. (K. Z.) Gegenüber abweichenden Mel­dungen hiesiger Blätter wird zuverlässig bestätigt, daß die übereinstim­menden Noten Frankreichs und Amerikas, die, wie es heißt, vom 25. Februar datiren und Deutschland zur Betheiligung an der Pariser Münzkonferenz für den 19. April einladen, dem hiesigem Auswärtigen Amt am 1. März übergeben wurden. Deutschlands Entschließung ist noch nicht bekannt, aber bis vor Kurzem galt es für wahrscheinlich, daß Deutschland sich mit den mehrfach angedeuteten Vorbehalten an der Conferenz betheiligen werde.

Graf St. Vallier, der französische Botschafter in Berlin, hat vom Kaiser den schwarzen Adlerorden erhalten, eine fast nie dagewesene Auszeichnung. Ganz unmaßgeblich könnte man nicht auch einmal Gambetta etwas, schicken? Das Mäunlein soll empfänglich sein und manchmal wie ein alter Augur nach dem Vogelflug schielen. Freilich, welche Entrüstungsrede würde er halten, wenn man sich nicht versichert hätte! Man sagt ihm jetzt schon (in Frankreich) nach, er habe sein lüsternes Auge mehr auf Belgien und die Schweiz als auf den Elsaß gerichtet, wo die deutschen Trauben gar zu sauer seien. (D.-Z.)

Bismarck, von Holland aufgefordert, bei England Schritte zu Gunsten der Boers zu thun, hat abgelehnt, weil man sich, wie er sagte, nicht in die innern Angelegenheiten anderer Staaten einmischen dürfe.

Paris, 4. März. Der Senat beschloß die Einfuhr von Leinen und Hanf zollfrei zu lassen und nahm für Petroleum die von der Kammer beschlossenen Zollsätze an.

Madrid, 4. März. Amtlicher Meldung zufolge ist der Marquis Campo Sagrado zum Gesandten Spaniens in Petersburg er­nannt.

Neapel, 4. März. Heute wurde Casamiccioli (Insel Jschia) von einem großen Erdbeben heimgesucht, welches nahezu die Hälfte des ganzen Landstrichs bei Casamiccioli verheerte; es haben dabei mehrere Personen den Tod gefunden; von hier ist Hülfe abgegangen.

London, 5. März. Nach hier eingegangenen Nachrichten aus Bloemfontein hat der Präsident Brand am 2. d. M. durch Vermittelung des Generals Wood eine Depesche des Ober-Befehlshabers der Boern erhalten, in welcher dieser mittheilt, daß die Bewohner des Transvaal­landes ebenfalls den Wunsch hätten, weiteres Blutvergießen zu verhin­dern. Es käme aber darauf an, in Uebereinstimmung mit der englischen Regierung die Feindseligkeiten einzustellen. Die Boern vertheidigten sich nur gegen die Angriffe der Engländer und seien geneigt, alle Bemühun­gen anzunehmen, welche der Präsident des Freistaates machen könnte, um den Frieden herbeizuführen, vorausgesetzt, daß diese Bemühungen

1831.

sich nicht gegen den Beschluß der Boern, ihre Freiheit zu gewinnen, richten.

Dublin, 5. März. Die amtliche Zeitung veröffentlicht eine Proklamation des 'Vizekönigs, nach welcher die Grafschaften Cläre, Gal- way, Leitrim, Kerry, Limerick, Mayo, Roscommon und Sligo sowie 10 Distrikte des westlichen Theils der Grafschaft Kork unter die Be­stimmungen des Zwangsgesetzes gestellt werden. Verhaftungen sind noch nicht angeordnet worden.

Spezialtelegramme desDeutschen Montags-Blatt."

Konstantinopel, 5. März. Die auf heute anberaumte Be­rathung in der griechischen Frage ist, weil die türkischen Delegirten in Folge eines Mißverständnisses nicht rechtzeitig von derselben benachrich­tigt worden waren, auf morgen Mittag 1 Uhr verlegt worden.

Wien, 6. März. Die Triester Spediteurfirma Bloch führt be­deutende Pferdelieferungen aus Ungarn für Griechenland aus. Wegen des Schneefalls ist der Eisenbahntransport nach Triest unterbrochen. Das Handelsministerium bewilligte demzufolge, daß die Abfahrt des Lloyddampfers von Trieft, welcher den Pferdetransport aufnehmen sollte, bis zum Eintreffen des letzteren verschoben werde.

Paris, 6. März, 10 Uhr Vorm. Der Direktor des Gaulois, Meyer, der sich der Umgestaltung der Tendenz seiner Zeitung in repu­blikanischem Sinne widersetzte, wurde gestern Abend plötzlich abgesetzt. Es verlautet, der Genfer Bischof Mermillod, der sich bekanntlich in Frankreich aushält, werde wegen politischer Umtriebe ausgewiesen werden.

Wien, 6. März, 11 Uhr 13 Min. In den hiesigen Botschafter­kreisen tritt das Interesse an der Orientfrage momentan vor den Pariser Vorgängen in den Hintergrund. Man äußert hier, daß die Frage des Listenskrutiniums eine schwere Krisis verursachen dürfte, welche auch Grövy berühren könnte.

Rom, 6. März, 9 Uhr 45 Min. Die neuesten Nachrichten über das Erdbeben in Jschia lauten entsetzlich. Das Erdbeben dauerte sieben Sekunden; der obere Theil von Casamiccioli ist ganz zerstört. Die berühmte Mineralbadeanstalt ist stark beschädigt, alle bisher noch auf­recht stehenden Häuser drohen einzustürzen. Dreihundert Menschen sind der Katastrophe bereits zum Opfer gefallen, 50 Todte sind bisher auf­gefunden, 70 Verwundete nach Neapel geschafft, 200 Häuser vernichtet. Die zur Hilfe herbeigeeilten Truppen arbeiten ununterbrochen an den Rettungsversuchen. Die Straßen haben große Erdrifse erlitten, die tele­graphische Leitung ist unterbrochen.

Wien, 6. März, 12 Uhr. Bei den Haudelsvertrags-Verhand- lungen, die demnächst zwischen Deutschland und Oesterreich in Berlin geführt werden sollen, ist nicht die Bindung der ganzen beiderseitigen Tarife, sondern blos diejenige einzelner Tarifposten in Aussicht genom­men. Die Verhandlungen beginnen jedenfalls noch Mitte März. Die Enquete in Angelegenheit der Nationalitätsfrage an der Präger Universität wird baldigst, vielleicht heute noch, beendigt. Von einer Zweitheilung der Universität ist ganz abgesehen worden. Die eingesetzte Kommission schlägt die Errichtung einer besonderen czechischen Universität vor. Den Namen Carolina Ferdinanden sollen beide Hochschulen führen, in allen übrigen Beziehungen aber sollen die beiden Universitäten streng gesondert verbleiben.

Lokales.

Philippsruhe, 4. März. Wegen des heute erfolgten Ab­lebens Seiner Hoheit des Prinzen Georg Carl von ^Hessen haben Se. Königliche Hoheit der Landgraf eine wöchentliche Hoftrauer angeord­net.

6. März. Die Beisetzung S. H. des Prinzen Georg von Hessen findet am Mittwoch den 9. d. Mt.s, Mittags 1 Uhr, zu Rumpenheim statt.

Hanau, den 7. März.

Vom Vorstände des landwirthschaftlichen Kreisvereins wurde in der vorgestrigen, imgoldenen Löwen" abgehalteneen Versammlung der folgende