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Hanauer Inniger»
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correfpondenz.
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DieSspaltigeZeile
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Nr. 50.
Dienstag den 1. März
1861.
Amtliches.
Landwirthschaftlicher Lreis-Verein M Hans«.
Nächste Versammlung Samstag den 5. März, Nachmittags
2 Uhr, im Gasthaus zum „goldenen Löwen" in Hanau.
Tagesordnung:
1) Beschaffung von Viehwaagen für die Gemeinden des Kreises Hanau.
2) Vergeben von 50 Mark als Zuschuß an einen jungen Mann, der sich in dem pomologischen Institut in Cassel als Baumwärter ausbilden will.
3) Gratlsverloosung derjenigen Gewinne, welche bei der Verloosung im September v. I. nicht abgeholt wurden.
4) Rechnungsablage.
5) Vorstandswahl.
Der Vorstand.
Die Herren Bürgermeister werden um Veröffentlichung des Vorstehenden gebeten.
Hanau am 18. Februar 1881.
__________________________Der Landrath.__ Bekanntmachung.
Jeder Landbriefträger führt auf seinem Bestellgange ein Annahmebuch mit sich, in welches er die von ihm angenommenen Sendungen mit Werthangabe, Einschreibsendungen, Postanweisungen, gewöhnlichen Packete und Nachnahmesendungen einzutragen hat. Will der Auflieferer die Eintragung selbst bewirken, so hat der Landbriefträger demselben das Buch vorzulegen. Bei der Eintragung des Gegenstandes durch den Landbriefträger muß dem Absender auf Verlangen durch Vorlegung des Buches die Ueberzeugung von der stattgehabten Eintragung gewährt werden.
Cassel, den 22. Februar 1881.
Der Kaiserliche Ober-Postdirektor.
In Vertretung: Wächter.
Rundschau.
R. F. (Deutsch es Reich.) Wohl selten hat die deutsche Reichshauptstadt eine so glänzende Versammlung fürstlicher Gäste aus allen Herrscherhäusern Europas in ihren Mauern gesehen, als in den letzten Tagen, den Tagen des Einzuges der fürstlichen Braut in Berlin und der Vermählung des hohen Brautpaares. Man kann darum wohl behaupten, daß in diesen Tagen die Blicke nicht nur ganz Deutschlands, nein, auch Europas auf die Hauptstadt des deutschen Reiches gerichtet waren, welche am vergangenen Sonnabend und Sonntag hauptsächlich ganz von dem Glänze der Vermählungsseierlichkeiten des künftigen deut- fchen Kaiserpaares erfüllt war. Einen hervorragenden Moment in diesen Festlichkeiten bildete der Einzug der hohen Braut in Berlin, welcher am Sonnabend, den 26. Februar, vom Schlosse Bellevue aus stattfand, unter dem brausenden Jubelrufe einer unzähligen Menschenmenge. Nachmittags 3 Uhr traf Prinzessin Augusta im Berliner Residenzschloffe ein, wo sie vom Kaiser und der Kaiserin, sowie von sämmtlichen Prinzen und Prinzessinnen des preußischen Königshauses empfangen wurde, wo- rauf unmittelbar die Vollziehung der Ehepakten im Kurfürstenzimmer erfolgte. Am folgenden Tage, Sonntag den 27. Februar, wurde Nachmittags um 6 Uhr der standesamtliche Act vom Minister des königlichen Hauses, Grafen Schleinitz, im königlichen Schlosse vollzogen, woran sich die kirchliche Trauung des hohen Brautpaares in der Schloßkapelle schloß. Eine große Defilircour und der althergebrachte Fackeltanz der zwölf preußischen Staatsminister beendigten die Feierlichkeiten des Vermählungstages. Möge über dem neuvermählten prinzlichen Paare ein glücklicher Stern bis in ferne Tage strahlen!
Der Reichstag hat am vergangenen Donnerstag nach einer Pause von acht Tagen wieder seine regelmäßigen Sitzungen eröffnet. Das Reichsbudget bildete natürlich den ersten Gegenstand seiner Berathungen und es werden die Verhandlungen über den Etat wohl kaum unter vier Wochen zu Ende gebracht werden können. Am Freitag setzte der Reichstag die Berathung des Reichshaushaltsetats für 1881/82 fort, in welcher
sich der Abgeordnete Rickert über die finanzielle und allgemeine politische Lage im Reiche verbreitete und dann zu einem heftigen Angriffe gegen das konservative Steuerprogramm überging. Nachdem noch die Abgeordneten von Kardorff, Bebel und v. Maltzahn-Gültz gesprochen, wurden der Militäretat, zwei Capitel des Etats der Marineverwaltung, sowie einzelne Capitel der Einnahme der Budgetkommission überwiesen.
Das Entlassungsgesuch des Ministers des Innern ist, laut einer Meldung des „Reichsanzeigers", vom König angenommen worden, Graf Eulenburg behält den Rang und den Titel eines Staatsministers. Ueber den Nachfolger des Grafen Eulenburg coursiren verschiedene Gerüchte, wahrscheinlich aber ist es, daß der Cultusminister, Herr v. Putt- kammer, das Portefeuille des Ministers des Innern übernehmen wird.
(O est err eich - U ng arn.) Die inneren Verhältnisse in Oesterreich sind zur Zeit recht unerquickliche. Die Zerfahrenheit in der österreichischen deutsch-liberalen Partei ist an dieser unerquicklichen Lage nicht weniger schuld, als die Prätensionen der Czechen und die antideutsche Haltung der Ultramontanen und Conservativen. Der Ministerpräsivent Graf Taaffe wird hierdurch in seinen Entschlüssen sehr gehindert, da er durch die eigenthümlichen Parteiverhältnisse zu einem fortwährenden Ba- lanciren zwischen den einzelnen Parteien genöthigt ist, auch die Arbeiten des österreichischen Parlaments leiden unter diesen Umständen und ziehen sich unverhältnißmäßig in die Länge, der parlamentarische Apparat fun- girt so langsam, daß die Arbeiten für das Budget des laufenden Jahres noch immer nicht aus dem Stadium der Ausschußberathungen herausgekommen find.
(Frankreich.) Im französischen Senate hat die griechische Wäffenaffaire, welche die öffentliche Meinung in Frankreich seit 14 Tagen beschäftigt, noch ein Nachspiel gehabt. Der Herzog von Broglie interpellirte die Regierung über ihre Haltung in der griechischen Frage und verlangte besonders Erklärungen über den Beginn und die Ausführung der Gewehrsendung nach Griechenland. Der Ministerpräsident Ferry erklärte, daß die französische Regierung erst im letzten Augenblick Kenntniß von dem Verkaufe französischer Waffen und Munition nach Griechenland erhalten und dann sofort die Ausfuhr untersagt habe, von einer geheimen Unterstützung Griechenlands durch Frankreich sei niemals die Rede gewesen. Diese Erklärung scheint den Senat befriedigt zu haben, denn er nahm mit 166 gegen 112 Stimmen den Antrag auf Ueber- gang zur Tagesordnung an. Hiermit ist diese ganz unerwartet in der politischen Tagesströmung Frankreichs aufgetauchte Angelegenheit in einer für das jetzige französische Cabinet durchaus befriedigenden Weise beseitigt.
(England.) Das englische Unterhaus ist in vergangener Woche noch immer nicht dazu gelangt, die dritte Berathung über die irische Zwangsbill zu Ende zu führen, woran nicht zum Mindesten die umständliche Geschäftsordnung des englischen Parlaments Schuld ist. Doch hoffte man in Londoner Regierungskreisen, daß in den ersten Tagen dieser Woche die Bill in ihrem ganzen Umfange vom Hause angenommen werden würde. Die parlamentarischen Verhandlungen haben durch den Unfall des Premier Gladstone — Gladstone zog sich in der vergangenen Woche durch einen unglücklichen Fall eine nicht unbedeutende Kopfwunde zu — keine Unterbrechung erlitten. — Auf dem Kriegsschauplatze in Südafrika find die größeren Actionen einstweilen eingestellt; die Engländer beschränken sich auf Recognoscirungen und die Boers befestigen ihre ohnehin schon starke Stellung bei Laingsneck noch weiter.
(Rußland.) In Petersburg ist am vergangenen Donnerstag der Vertrag zwischen Rußland und China wegen Kuldscha von den beiderseitigen Bevollmächtigten unterzeichnet worden, worauf der chinesische Bevollmächtigte, Marquis Tseng, nach Paris abreiste. Die Stipulatio- nen des Vertrages sind noch nicht zur öffentlichen Kenntniß gelangt, doch verlautet, daß China bedeutende Concessionen gemacht habe. Die Unterzeichnung des Kuldscha-Vertrages bedeutet den Abschluß langer Unterhandlungen, in denen sowohl von der russischen wie von der chinesischen Diplomatie mit außerordentlicher Geschicklichkeit operirt worden ist und bei welchen beide Theile eine ungemeine Zähigkeit entwickelten.
(Spanien.) Die Veränderungen in der spanischen Diplomatio verlaufen nicht ganz glatt, da verschiedene Persönlichkeiten die ihnen von