— Paris, 26. Febr. Gestern begab sich der Unterrichtsminister Jules Ferry zu Victor Hugo, der heute seinen 79. Geburtstag feiert, und übergab ihm eine prachtvolle Sövres-Vase, welche folgende ^Inschrift trug: „Le Gouvernement de la Republique Franchise ä Victor Hugo 27. Fevrier 1881.“
— Durch Allerhöchste Ordre vom 14. Februar 1881 ist bestimmt, daß das Vereinigte landwirthschaftliche Lehrinstitut und Museum in Berlin fortan den Namen „Landwirthschaftliche Hochschule" führen soll.
— Straßburg, 26. Febr. Die Session des Landesausschusses ist heute auf allerhöchsten Befehl im Auftrage des Statthalters durch den Staatssekretär Hofmann geschlossen worden.
— London, 26. Febr. (K. Z.) Die Heilung der Wunde Gladstones schreitet befriedigend fort, doch wird er wahrscheinlich erst am Donnerstag wieder im Parlamente erscheinen. — Der Morning Post zufolge ist vorgestern der russisch-chinesische Vertrag zur Ordnung der Kuldscha-Frage gezeichnet worden. — Der Staatssekretär der Colo- nieen, Kimberleh, benachrichtigte den Präsidenten des holländischen Trans- vaal-Comitüs, daß das Cabinet die Petition betreffs Herstellung der Unabhängigkeit des Transvaallandes in Erwägung ziehen werde.
— New-A ork, 25. Febr. Der Dampfer „Canada" von der Rational-Dampfschiffs - Compagnie (C. Messingsche Linie) ist hier eingetroffen. ----------------------------
Spezialtelegramme des „Deutschen Montags-Blatt."
— Wien, 27. Februar, 12 Uhr 15 Min. Die „ Neue freie Presse" und das Wiener „Fremdenblatt" bringen sehr sympathische Leitartikel zur Vermählung des Prinzen Wilhelm. Namentlich das offiziöse „Fremdenblatt" gratulirt dem Brautpaar und Deutschland.in schwungvollen Worten und schließt daran den Wunsch, daß Oesterreich und Deutschland wie heute immerfort als treue Alliirte zusammenstehen.
— Petersburg, 27. Februar. Der „Herold" beglückwünscht in seinem heutigen Leitartikel den Prinzen Wilhelm und dessen zukünftige Gemahlin, indem er die einfach-gediegene Erziehungsweise des Prinzen hervorhebt. Anstatt der strengen Abgeschiedenheit des Hofes habe der Prinz auf der schlichten Schulbank einer deutschen Lehranstalt gesessen ; er sei inmitten des Volkes zum Manne gereift. Die Sendung des Großfürsten Alexis sei ein neues Zeichen der herzlichen Beziehungen der beiden Herrscherhäuser, welche von Geschlecht zu Geschlecht sich zum Heile beider Staaten sortpflauzen mögen.
— Athen, 26. Februar. Die Vertreter der Mächte theilten gestern dem Ministerpräsidenten Komunduros mit, die Pforte werde keinen feindlichen Schritt gegen Griechenland unternehmen, und sei der griechischen Regierung eine gleiche Haltung zu empfehlen. Komunduros erwiderte, Griechenland werde während der Verhandlungen in Konstantinopel sich dem Wunsche der Mächte gemäß verhalten, in der Hoffnung, daß Europa diese Verhandlungen zu einem Ergebniß im Sinne der Ausführung der Beschlüsse der Berliner Konferenz bringen werde.
Lokales.
Hanau, den 28. Februar.
— Wie wir erfahren hat sich die in unserer Nr. 47 aus der Gegend von Kerzell mitgetheilte haarsträubende Mordgeschichte glücklicher Weise nicht bestätigt; dieselbe wird jedenfalls dem Gehirn eines zu frivolen Fastnachlsstreichen geneigten Burschen in dortiger Gegend entsprungen und von demselben colportirt worden sein. Unser Gewährsmann ist eine sehr glaubwürdige Persönlichkeit, der die Geschichte in Gegenwart Anderer von einem Gensdarmen mitgetheilt wurde, welch Letzterer sogar die von uns zum Drucke ausgezeichnete Notiz als richtig bestätigte. Wir zweifelten deshalb keinen Augenblick an der Richtigkeit des Mitgetheilten und glaubten dies der Oeffentlichkeit nicht vorenthalten zu dürfen. D. Red. (S. weiter unten den Artikel aus der „Fuld. Ztg.").
Zur Feier der Vermählung des erlauchten Brautpaars Prinzen Wilhelm und Prinzessin Auguste Victoria, sind Caserne, Landrathsamt und das Rathhaus in hiesiger Stadt beflaggt.
— Der frühere, allgemein geachtete Commandeur unseres Bataillons, Freiherr v. Lüttwitz, ist dem Vernehmen nach auf seinem Gute in Schlesien verstorben.
— Für heute. Nachmittags 5^^ Uhr in der „Centralhalle": Fr. Thiele's Soiree (Vorstellung). — Abends TU Uhr präcis: Populäre Vorträge über Astronomie in der „Centralhalle". — Abends 9 Uhr: Spritze Nr. 4 in den „drei Rindern" (oberes Sälchen): Nr. 5 tm „goldenen Herz".
— Cassel, 24. Febr. Dem Vernehmen nach ist das Restaurationsgebäude auf dem bei Großalmerode gelegenen Billstein in Folge eines Erd- und Felsrutsches gänzlich zerstört und in die Tiefe gesunken. yt Cassel, 26. Febr. Als Repräsentant des Generalstabes des c Corps ist der Major Freiherr v. Schleinitz zu den Hochzeits- felerlichkeiten^ nach Berlin abgereist. — Der Kriegerverband in Hessen und Waldeck wird am Sonntag den 20. März in unserer Stadt einen allgemeinen Delegirtentag abhalten. Unter Anderem werden die in- .zwrfchen von dem Verbandsvorstande ausgearbeiteten Statuten auf diesem Delegirtentage zur Berathung gelangen. Ferner wird die Wahl eines Ehrenvorsitzenden und die Neuwahl des gesammten Verbandsvorstandes vorgenommen werden. Zur Theilnahme an dieser Delegirten-Versamm-
lung nicht nur die dem Verbände angehörigen Vereine berufen, sondern auch die Anwesenheit von Vertretern solcher Vereine, die bisher noch außerhalb des Verbandes stehen, ist sehr erwünscht. Uebrigens wird auch über die Abhaltung des diesjährigen großen Verbandskriegerfestes, welches womöglich am Pfingstfest in Marburg stattfinden soll, berathen werden. (H. M.)
— Wie der „Kreuz-Zeitung" unterm 25. d. Mts. aus Berlin geschrieben wird, dürfte der Posten des Ober-Präsidenten der Provinz Hessen-Nassau jedensalls demnächst zur Erledigung gelangen.
— Marburg, 23. Febr. Eine sehr zahlreiche, aus etwa 500 Personen bestehende Versammlung beschloß aus Antrag des Professors Dr. Westerkamp eine Petition an den Reichstag in der Colonialfrage, nachdem zuvor Prosessor Dr. Rein in ausführlichem Vorträge die Frage: Bedarf Deutschland der Colonieen? bejaht hatte. Die Petition hat folgenden Wortlaut:
Die gehorsamst unterzeichneten Wähler des Wahlkreises Marburg erlauben sich die Aufmerksamkeit des Reichstages auf einen Gegenstand hinzulenken, dessen große Wichtigkeit von nationalgesinnten Deutschen des In- und Auslandes mehr und mehr anerkannt wird. Deutschland bedarf der Colonieen. Die stetig zunehmende deutsche Auswanderung darf nicht länger ganz an das Ausland abgegeben werden, mindestens einem Theile derselben muß deutsche Sprache, Bildung und Sitte erhalten bleiben. Deutschlands Industrie und Handel müssen neue Absatzgebiete jenseit des Meeres eröffnet werden, den deutschen Schiffen sichere Asyle in Kriegs- und Friedenszeiten. Von dem Verkehr mit eigenen Colonieen erwarten wir eine Steigerung unserer Machtstellung und eine günstige Rückwirkung auf unsere geistige und materielle Wohlfahrt. Verhinderte auch unsere frühere Zerrissenheit und staatliche Ohnmacht die Gründung eigener Colonieen, so braucht doch jetzt das im deutschen Reiche geeinte Volk nicht in der Colonisation hinter andern Nationen zurückzustehen. In weiser Voraussicht der Nothwendigkeit, die deutsche Auswanderung nicht auf immer ziellos sich selbst zu überlassen, haben die Urheber der Reichsverfassung die Zuständigkeit des Reiches ausdrücklich auf die Colonisation ausgedehnt. Möge diese Bestimmung nicht mehr lange ein leeres Blatt bleiben! An den hohen Reichstag richten wir hiernach die gehorsamste Bitte, in geeigneter Weise bei der Reichsregierung auf den Erwerb von Colonieen hinwirken zu wollen. (K. 3 )
— F uld a, 26. Febr. Die F. Z. schreibt: Ein Gegenstück zu der Michelsrombacher Teufelsgeschichte bildete vorgestern in Fulda und Umgegend das Tagesgespräch. Viele Leute aus verschiedenen Gegenden, die nach Fulda zu dem Viehmarkt gekommen, erzählten sich von einem gräßlichen Mord, der in der Nähe von Hattenhof von einem Wirth an einem Mädchen, bei welchem er Geld gesehen hätte, um dasselbe zu berauben, verübt worden sei, und daß der Mörder von der Sicherheitspolizei bereits entdeckt sei. Zur Erheiterung wollen wir mittheilen, daß jener „Halsabschneider" selbst in Fulda auf dem Viehmarkte war und jnach Beendigung seiner Geschäfte in der Windmühle gemüthlich seinen Schoppen trank. Als ihm hier Bekannte die greuliche Raubmordgeschichte erzählten, brach er vor Freude in lautes Lachen aus, weil er sich noch in Freiheit befand und — über die Erfindungsgabe, welche der Urheber jener Dichtung bewährte, in Verwunderung gerieth. Zu verwundern ist auch, wie sich diese erfundene Geschichte so schnell in alle Gegend verbreitet hat, und wie man gerade diesem Wirth, der ein so achtbarer Mann ist, solches aufbürden kann.
Aus der Umgegend.
— Frankfurt a. M., 26. Februar. Wie wir vernehmen, gibt sich in dem Kreise der hiesigen Schützen eine große Geneigtheit kund, das nächste deutsche Schützenfest in Frankfurt abzuhalten und dürfte bei dem Schützentag gelegentlich des Heuer in München abgehalten werdenden deutschen Schützenfestes ein darauf bezüglicher Antrag gestellt werden. Die Frankfurter Schützen werden für das Münchener Fest mehrere sehr werthvolle Preise stiften. — Für das Leben der von Hartfuß gemeuchelten Frau Schröter ist seit gestern zu fürchten. (G.-A.)
Sprechfaul. *)
Eingesandt.
W—g. Kilianstädten, 25. Febr. (Jubiläums-Feier.) Bei dem diesjährigen Krönungs- und Ordensfeste geruhte Seine Majestät, unser Kaiser und König, unserm geehrten nun bereits 25 Jahre im Amte stehenden Herrn Bürgermeister I. Zeh das allgemeine Ehrenzeichen zu verleihen. Zur Ueberreichung der Jnsignien dieser Auszeichnung an den Jubilar war vom Königlichen Landrathsamt der 24. Februar bestimmt. Zu dem Feste waren verschiedene Einladungen ergangen. Außer dem Königlichen Landrathe, Freiherrn v. Schrötter, waren erschienen: der hiesige Geistliche, die Lehrer — darunter auch der 94jährige Emeritus Engelhardt, früher Lehrer des Jubilars — die Bürgermeister der Nachbargemeinden, die sämmtlichen Gemeinderäthe und die Mehrzahl der Ausschußmitglieder.
Die Feier begann gegen 3 Uhr Nachmittags in dem schönen, geräumigen und geschmückten Saale des Gastwirths Peter Zeh, dem Sohne des Jubilars.
Als die Versammlung vollzählig war, verlas der Herr Landrath