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Nr. 41.

Freitag den 18. Februar

18*1.

Amtliches.

Bekanntmachung. Einfuhr- bz. Durchfuhr-Bewilligungen zu Sendungen mit Tabak oder Cigarren nach Oesterreich-Ungarn und im Durchgang durch Oesterreich-

Ungarn.

Nach einer Mittheilung der K. K. Oesterreichischen Postverwaltung müssen alle Sendungen mit Tabak oder Cigarren, welche nach Oesterreich- Ungarn gerichtet sind oder im Durchgang durch Oesterreich-Ungarn be­fördert werden sollen, von einer Einfuhr- bz. Durchfuhr-Bewilligung begleitet sein. Die Postanstalten ertheilen auf Befragen darüber Aus­kunft, welche K. K. Oesterreichischen Behörden zur Ertheilung derartiger Einfuhr- bz. Durchfuhr-Bewilligungen berechtigt sind.

Berlin W., 12. Februar 1881.

Der Staatssekretair des Reichs-Postamts.

_____________________Stephan.____________________

Bekanntmachung.

Post-Dampsschiffverbindung zwischen Dänemark, den Faröer und Island.

Nach einer Mittheilung der Königlich Dänischen Postverwaltung wird die Post-Dampsschiffverbindung zwischen Kopenhagen und Reykjavik auf Island über Leith (Schottland) und Thorshavn (Faröer) während des Jahres 1881 sich, wie folgt, gestalten:

Aus Kopenhagen am 1. März, 15. April, 8. Mai, 25. Mai, 2. Juli, 23. Juli, 28. August, 30. September und 10. November;

in Reykjavik am 13. Mäiz, 27. April, 26. Mai, 5. Juni, 22. Juli, 3. August, 15. September, 13. Oktober und 24. November.

Aus Reykjavik am 23. März, 5. Mai, 3. Juni, 2. Juli, 30. Juli, 12. September, 20. September, 20. Oktober und 1. Dezember; in Kopenhagen am 6. April, 17. Mai, 24. Juni, 12. Juli, 19. August, 22. September, 9. Oktober, 2. November und 14. Dezember.

Berlin W., 12. Februar 1881.

Der Staatssekretair des Reichs-Postamts.

Stephan.

Rundschau.

R. F. (Deutsches Reich.) Die Eröffnung des Reichstages hat am vergangenen Dienstag Nachmittags 2 Uhr durch den Stellver­treter des Reichskanzlers, Grafen Otto zu Stolberg-Wernigerode, im Weißen Saale des königlichen Schlosses stattgefunden. Anwesend waren die meisten Mitglieder des Bundesrathes und etwa fünfzig Reichstags- mitglieder, außerdem wohnten verschiedene Vertreter des diplomatischen Corps in besonderer Loge dem Eröffnungsakte bei.

Die erste Sitzung des Reichstages fand Dienstag Nachmittag 1/a4 Uhr statt. Da das Haus sich indessen nicht als beschlußfähig erwies — der Namensaufruf ergab die Anwesenheit von nur 183 Mitgliedern — so vertagte der Präsident der vorhergegangenen Session, Graf Arnim- Boitzenburg, die Sitzung auf Mittwoch den 16. Februar, an welchem Tage die Wahl der Präsidenten und der Schriftführer erfolgen sollte.

Was die Frage der Präsidentenwahl anbelangt, so gilt es als sicher, daß hierüber zwischen den beiden konservativen Parteien und der nationalliberalen Partei eine Verständigung erzielt worden ist. Es steht demnach zu erwarten, daß der Präsident des vorigen Reichstages, Graf Arnim-Boitzenburg, auch diesmal wieder dem Reichstage präsidiren werde, so daß die altkonservative Fraktion wiederum einen der ihrigen mit der höchsten Würde des Reichstages bekleidet sähe.

Im Herrenhause sollte am Mittwoch die Entscheidung über das BerwendungSgesetz stattsinden, doch liegen hierüber noch keine näheren Angaben vor. Das Abgeordnetenhaus nahm am Montag die Gesetze über die gemeinschaftlichen Holzungen, über die Herstellung mehrerer Sekundärbahnen, sowie daS Pfandleihgesetz in dritter Lesung an. Be­züglich des Zuständigkeitsgesetzes hielt das HauS an seinen früheren Be­schlüssen fest, so daß dieses Gesetz nochmals an das Herrenhaus zurück­gehen muß. Am Dienstag und Mittwoch hielt das Abgeordnetenhaus

nur kurze Sitzungen, in denen es Vorlagen von untergeordneter Bedeu­tung erledigte.

Die bayerische Abgeordnetenkammer hat das Disciplinargesetz für die richterlichen Beamten mit einer unerheblichen Abänderung in der vom Reichsrathe beschlossenen Fassung mit 124 gegen 13 Stimmen ge­nehmigt.

Am 15. Februar ist der hundertjährige Todestag unseres großen Dichter-Philosophen Lessing in allen größeren Städten Deutschlands feierlich begangen worden.

(Oesterreich-Ungarn.) Die Wiener Polizei scheint nicht zu den Verehrern Lessings zu gehören. Die genannte Behörde hat nämlich den Fackelzug, welchen die Wiener Studenten zu Ehren der Lessingfeier veranstalten wollten, verboten und ebenso verbot sie die Absingung des Liedes „Deutsche Worte hör' ich wieder" auf dem Festkommers der Studenten. Die Wiener Polizei scheint demnach mit den antideutschen Bestrebungen gewisser Wiener Kreise zu sympathisiren.

(Frankreich.) Die augenblickliche Stimmung in Frankreich ist den kriegerischen Plänen Gambetta's, des ehrgeizigen Kammerpräsidenten, durchaus nicht geneigt. Dies sollte ein so kluger Politiker, wie der Ex- Diktator, doch schon längst erkannt haben, aber derselbe läßt durch seine Schildknappen trotzdem die Minirarbeit gegen den französischen Minister des Aeußern, Barthölemy-St.-Hilaire, und dessen Friedenspolitik uner­müdlich sortsetzen. Dies beweist der vor Kurzem in der Pariser „Revue politique" erschienene, von Reinach, einem der Günstlinge Gambetta's, versüßte Artikel: „Die falsche Friedenspolitik". Der Artikel, in welchem man weniger die Ansichten des Herrn Reinach als vielmehr die seines Gönners erkennen will, und dies wohl nicht mit Unrecht, greift in hef- tigster Weise die vsn Barthölemy vertretene Pvlitik der „Nichtinterven- tion" an, diese Politik sei nicht nur verletzend für die Würde Frank­reichs, sondern auch gefährlich für den Frieden Frankreichs und für den Frieden im Orient. Dieser Artikel gegen Barthölemy hat indessen eine sehr getheilte Aufnahme gefunden; während natürlich die andern von Gambetta inspirirten Blätter mit gegen Barthölemy vom Leder ziehen, ignoriren die gouvernementalen Blätter den Artikel ganz und gar, da­gegen erklären die gemäßigten republikanischen Blätter, daß der Artikel nur die von deutschen Blättern gegen Gambetta erhobenen Anschuldigun­gen rechtfertige. Gambetta hat also wieder einmal die Erfahrung machen müssen, daß die große Mehrzahl der Franzosen nicht immer nach seiner Pfeife tanzen will.

(England.) Während alle Anzeichen dafür sprechen, daß das englische Cabinet der Bewegung in Irland bald Herr und Meister sein werde, gestalten sich die Aussichten für England in Süd-Afrika immer trüber. Die Lage des englischen Oberstkommandirenden im Transvaal- > lande ist eine äußerst kritische, denn General Cölley ist in seinem be­festigten Lager vor Laings Nek von den Boers förmlich eingeschlossen und wenn der englische Entsatz nicht baldigst eintrifft, so wird General Colley der Capitulation kaum entgehen können, eine Katastrophe, welche das Prestige der englischen Waffen schwer schädigen müßte. Zwar sind neue Verstärkungen von England nach dem Cap unterwegs, doch ehe dieselben dort eintreffen, kann sich das Schicksal Cvlley's in der ange­deuteten Weise bereits entschieden haben. — Nach einer Depesche aus der Capstadt ist von den Engländern mit den aufständischen Basutos einen siebentägigen Waffenstillstand abgeschlossen worden.

(Italien.) Die italienischen Demokraten und Radikalen haben mit ihrem Meeting zu Rom gründlich Fiasko gemacht. Im scharfen Gegensatze zu den antimonarchistischen Bestrebungen der Anhänger Ga- ribaldi's fand, während noch das Meeting tagte, im Apollo-Theater zu Rom eine große Kundgebung zu Gunsten König Humberts und seiner Dynastie statt. Auf Verlangen des Publikums mußte die Nationalhymne gespielt werden und am Schlüsse derselben brach das Publikum in wie­derholte stürmische Hochrufe auf das Haus Savoyen aus. Im Uebrigen ist das demokratische Meeting ohne ernstliche Ruhestörungen verlausen.

(Rußland.) Das Schreckgespenst des Nihilismus in Rußland will sich immer noch nicht bannen lassen. Aus den großen Städten des russischen Südens werden neuerdings wieder Anzeichen gemeldet, welche auf ein stärkeres Hervortreten der revolutionären Bewegung schließen