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*S form Setrcgen- tea P-ftMiffchiag. Sfcita^lne Num­mer 10 Pfg.

Nr. 32.

hanmicr Inniger.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erschein! läglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzml-Lvrrespondenz.

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10 Pfg.

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Dienstag den 8. Februar

18^1.

Amtliches.

Gesunden: Am 28. v. Mts. auf dem Wege von Hanau bis Großauheim ein Paar neue Schlittschuhe; Empfangnahme beim Herrn Bürgermeister zu Großauheim. Eine Rechnung, ausgestellt von Math. Jünger. Ein Loosungsschein, auf den Namen Franz Wilhelm Christian Lange aus Hamburg lautend. Ein Portemonnaie mit Inhalt.

Zugelaufen: Ein kleiner weißer Hund mit gelben Ohren und gelber Ruthe.

Verloren: Eine Brille mit Futteral.

Hanau am 8. Februar 1881.

Aus Königl. Landrathsamt.

Rundschau.

R. F. (Deutsches Reich.) Unser Kaiser ließ sich am Freitag diejenigen Zöglinge der Haupt-Cadettenanstalt in Lichterfelde, welche die­ses Jahr in die Armee eintreten, im Palais vorstellen. Die junge Soldateska war, 340 Köpfe stark, in Compagnieform im Weißen-Adler- Saale des königlichen Schlosses aufgestellt, der Kaiser richtete fast an jeden Einzelnen einige freundliche Worte. Unter den vorgestellten Ca- detten wurden Graf Schwerin I. und v. Colomb zu Leibpagen für den Prinzen Wilhelm designirt.

In unserer inneren Politik bildet die Rede, welche der Reichs­kanzler Fürst Bismarck in der Freitagssitzung des Abgeordnetenhauses gelegentlich der Berathung des Verwendungsgesetzes hielt, das Tages- Ereigniß. Nachdem der Abgeordnete Eugen Richter sich in beinahe zweistündiger Rede gegen das Verwendungsgesetz ausgesprochen und spe­ciell die Wirthschaftspolitik des Reichskanzlers einer scharfen Kritik unterzogen hatte, nahm der Letztere in seiner eigenthümlichen prägnanten Weise das Wort. Mit dem Verwendungsgesetz selbst hing die Rede nur lose zusammen, sie war vielmehr eine Rechtfertigung der von dem Reichs­kanzler inaugurirten Steuer- und Finanzpolitik. Vor Allem betonte der Fürst sein Prinzip in Bezug auf Steuerfreiheit, daß derjenige, der nichts hat, wie seine beiden Hände, überhaupt ganz steuerfrei sein soll, nicht blos von Staats-, sondern auch von Communalsteuern. Ferner erklärte es der Reichskanzler als ein Mißverständniß, daß er die Grundsteuer abschaffen wolle, nur als Maßstab für andere Anschläge sei sie ungeeig­net. Aus seinen weiteren Ausführungen erhellte, daß die Getränke und vor Allem auch der Tabak noch immer diejenigen Steuerobjekte sind, auf welche sich die Blicke des Fürsten Bismarck am meisten richten. Werth­voll war auch die Bemerkung, mit welcher der Reichskanzler das Gebiet der äußeren Politik streifte, nämlich, daß wir für lange Zeit keine Aus­sicht auf einen Krieg hätten; auch die Versicherung, daß es ihm nicht einfalle, von seinem Posten zurückzutreten, ist eine höchst bemerkenswerthe Aeußerung, welche uns die sichere Bürgschaft gibt, daß der Schöpfer des neuen deutschen Reiches noch ferner in seiner Stellung dem Vaterlande erhalten bleiben wird. In der Sonnabendsitzung wurde die erste Lesung des Verwendungsgesetzes beendigt und dasselbe an eine Commission von 28 Mitgliedern verwiesen. Ferner gelangte die Nothstands-Vorlage für Oberschlesien unverändert zur Annahme. Am Montag trat das Haus in die zweite Berathung der Novelle zur Kreisordnung ein.

Der permanente Ausschuß des Volkswirthschaftsrathes hat die Specialdiskussion über das Arbeiterunfallversicherungsgesetz bis §. 47 gefördert, wobei die meisten Paragraphen im Sinne der Regierungsvor­lage angenommen wurden, nur einzelne Bestimmungen erfuhren noch einige Zusätze. Es läßt sich, nach den Verhandlungen im permanenten Ausschuß zu urtheilen, schon jetzt mit Sicherheit voraussagen, daß der Gesetzentwurf im Wesentlichen unverändert bleiben und in seiner jetzigen Fassung auch von der Majorität des Volkswirthschaftsrathes angenommen werden wird.

Die Zunahme der Bevölkerung des preußischen Staates seit der Volkszählung von 1875 beträgt 5,866 Procent; Preußen zählt jetzt 27,260,331 Einwohner.

(O est erreich -Ung arn.) Die österreichische Bauernbewegung zieht, trotz des Verbots des oberösterreichischen Bauernvereins, immer weitere Kreise. Diese eigenthümliche Erscheinung in dem bäuerlichen Leben hat nun auch ihren Eingang in Tyrol gefunden, wo der land-

wirthschaftliche Central-Ausschuß die Vertreter sämmtlicher Landgemeinden Tyrols zu einer Versammlung in Innsbruck eingeladen hatte, die am 6. Februar stattfand. Die klerikalen Vertreter Tyrols im österreichi­schen Abgeordnetenhause haben sich eben auch durch ihr Votum für die Grundsteuer-Erhöhung den Unwillen des Volkes zugezogen und werden dies wahrscheinlich durch den Verlust ihrer Mandate büßen müssen.

(Frankreich.) Gambetta, der so allmächtig scheinende franzö­sische Kammerpräsident, hat in einem Kampfe mit Barthölemy St.-Hi- laire, dem französischen Minister des Aeußern, den Kürzeren gezogen. Die Deputirtenkammer beschloß nämlich in ihrer Donnerstagssitzung, über die Interpellation des Deputirten Proust, welche die Orientpolitik St.- Hilaire's scharf bekrittelte, zur Tagesordnung Überzugehen. Proust ist ein intimer politischer Freund Gambetta's und die Weigerung des Hau­ses, auf die Interpellation überhaupt einzugehen, bedeutet daher eigent­lich eine persönliche Niederlage des Exdiklators. Der von der Depu­tirtenkammer gefaßte Beschluß über die Interpellation Proust zur Ta­gesordnung Überzugehen, wurde überdies einstimmig gefaßt, also selbst die ergebnesten Anhänger Gambetta's in der Kammer haben ihren Herrn und Meister im Stich gelassen, Gambetta wird deshalb hoffentlich aus dieser seiner Niederlage ersehen, daß selbst er trotz seiner einflußreichen Stellung nicht immer die französische Deputirtenkammer nach seiner Pfeife tanzen lassen kann.

(England.) In England fesseln die tumultuösen Vorgänge im Unterhause fast ausschließlich das Tagesinteresse. Die Anhänger Par- nell's, des irischen Hauptagitators, wurden nach einer äußerst stürmischen Debatte, nebst Parnell selbst, mit Gewalt aus einer Sitzung des Unter­hauses entfernt, da sie fortwährend die Debatte unterbrachen. Die Aus­weisung der irischen Deputirten erstreckte sich übrigens nur auf eine Sitzung, denn dieselben wohnten der nächsten Sitznng des Unterhauses wieder bei. Diese scharfe Maßregel scheint aber doch etwas abkühlend auf die irischen Hitzköpfe gewirkt zu haben, denn die irischen Deputirten haben ein Manifest an die Bevölkerung Irlands gerichtet, in welchem dieselbe zur Geduld ermähnt und aufgefordert wird, jegliche Schritte gegen die Verfassung zu unterlassen.

(Italien.) Die italienische Deputirtenkammer ist in die Bera­thung des Gesetzentwurfes über die Aufhebung des Zwangskursus für das italienische Papiergeld eingetreten und es wird allseitig gehofft, daß die Kammer dieser vom Finanzminister Magliani projektirten Reform in den italienischen Finanzen zustimmen werde. Die Beseitigung des Zwangskurses würde allerdings einen Wendepunkt in der Finanzpolitik Italiens bedeuten und der jetzige Leiter der italienischen Finanzen scheint durchaus der Mann zu sein, in dem Finanzwesen des Apenninenstaates einmal Ordnung zu schaffen.

(Holland.) Die jüngst verbreitete Nachricht, daß Prinz Fried­rich der Niederlande als Großmeister der holländischen Freimaurer sich bei der Königin Victoria zu Gunsten der Transvaalboers verwendet habe, ist eine irrige und wird von dem „Baderland", dem officiellen Organ der holländischen Regierung, in aller Form dementirt. Aber die Sympathien in der holländischen Bevölkerung für die Stammesangehö­rigen in Südafrika dauern ungeschwächt fort und es hat sich im Haag bereits ein Comitä gebildet, welches für die holländischen Verwundeten im Transvaallande Hülfleistungen organisirt.

(Schweiz.) In der Schweiz gewinnen die Anhänger der Todes­strafe immer mehr an Boden. In verschiedenen Cantonen, wie in Lu- zern und Bern, ist die Todesstrafe bereits angenommen und auch die Stimmung in anderen Cantonen ist der Wiedereinführung dieser Strafe sehr geneigt.

(Türkei.) Die Hoffnung, daß die Pforte durch größere Con­cessionen an Griechenland den über die Balkanhalbinsel heraufziehenden Sturm beschwören werde, ist eine sehr schwache. Das türkische Cabinet hat den Mächten erklärt, daß sich die Türkei einstweilen auf keine weit­gehenden Concessionen gegenüber Griechenlands einlassen könne und daß sich erst in den bevorstehenden Verhandlungen mit den Mächten zu Con- stantinopel das Maximum dessen herausstellen werde, was Griechenland gerechterweise beanspruchen dürfe. Diese Sprache der Pforte, verbunden mit dem Umstände, daß mehrere Bataillone türkischer Truppen unter