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Nr. 29.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Srscheint^täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, unb Samstags mit der Berliner Provinzial-Carrespondenz.
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Freitag den 4. Februar
1881
Rundschau.
R. F. (Deutsches Reich.) Unser Kaiser hat die Folgen seiner letzten Erkältung erfreulicherweise gänzlich überwunden und er widmet sich schon längere Zeit wieder mit gewohnter Frische und Lebendigkeit sowohl den kleinen Angelegenheiten des täglichen Lebens wie auch den Regierungsgeschäften. Am Sonntag hatte der Kaiser mit dem Minister des Innern, Grafen zu Eulenburg, und am Montag Nachmittag mit dem Reichskanzler Fürsten Bismarck längere Conferenzen.
Dem Bundesrathe ist neben dem Gesetze über die Bekämpfung der Trunksucht jetzt auch der längst erwartete Gesetz-Entwurf über die Neugestaltung des Jnnungswesens zugegangen, durch welchen die §§. 97— 104 der Gewerbe-Ordnung eine Umänderung erfahren. Der Volks- Wirthschaftsrath ist bereits am Montag in die Berathung dieses Gesetz- Entwurfes eingetreten.
Die Eröffnung der nächsten Reichstagssession soll nun nach einer Aeußerung des Fürsten Bismarck für den 15. Februar in bestimmter Aussicht stehen. Hiernach lägen nicht einmal mehr zwei Wochen zwischen jetzt und dem Beginne der Reichstagsverhandlungen und in Hinblick auf die Berathungen des Abgeordnetenhauses drängt sich daher immer wieder die Frage auf, ob das Letztere seine Arbeiten in dieser kurzbemessenen Frist noch zu Ende bringen werde. Es ist allerdings wenig Hoffnung vorhanden, daß der Landtag die noch zu berathenden Gesetzentwürfe bis zum 15. Februar erledigen werde und die Regierung stünde daher wieder vor der Frage, welches von beiden Uebeln, ob ein gleichzeitiges Tagen des Landtages mit dem Reichstage, ob eine Nachsession des Landtages, das kleinere fei. Wie es scheint, hat man sich, osficiösen Andeutungen zufolge, in Regierungskreisen bereits mit dem Gedanken einer Nachsession vertraut gemacht, so unangenehm in mancherlei Beziehung eine solche auch ist.
Das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich in seiner Montags-Sitzung mit der dritten Lesung des Etats, in welcher bezüglich der Frage des Steuer-Erlasses auch diejenigen Abgeordneten, welche in den vorhergehenden Berathungen nicht zum Worte gelangt waren, ihren Standpunkt in dieser Angelegenheit darlegten. In der Speialdiskussion wurde das Gesetz über den Steuer-Erlaß nach den Beschlüssen der zweiten Lesung, durch welche der Steuer-Erlaß zu einem dauernden erklärt wird, definitiv genehmigt. Am Dienstag setzte das Haus die dritte Berathung des Etats fort, ohne dieselbe jedoch zu Ende führen zu können. Die Debatte wurde bei dem Cultusetat abgebrochen und in der nächsten Sitzung am Donnerstag weitergeführt, in der auch das Verwendungsgesetz zur ersten Berathung gelangte.
Der Volkswirthschaftsrath hat sich in seiner Sitzung vom vergangenen Sonnabend sehr eingehend mit dem ihm vorgelegten Arbeit er- versicherungs-Gesetz beschäftigt. Aus den Debatten erhellte, daß die meisten Redner sich im Princip mit den in dem Gesetz ausgesprochenen Gedanken einverstanden erklärten und es ist deshalb kein Zweifel, daß die Majorität des Volkswirthschaftsrathes dem Unfallversicherungs-Gesetz beistimmen wird. Am Montag trat der Volkswirthschaftsrath, wie bereits erwähnt, in die Berathung des Gesetz-Entwurfes, betreffend die Umgestaltung des Jnnungswesens, ein. Die Debatten über diese schwierige Materie werden sicherlich das allgemeinste Interesse hervorrufen, wie denn schon die Verhandlungen am Montag geeignet sind, den weiteren Verhandlungen des Volkswirthschastsrathes über das Jnnungswesen mit Spannung entgegenzusehen.
(O est erreich.Ungarn.) In den deutsch-liberalen Kreisen Oesterreichs waren in den jüngsten Tagen Gerüchte über eine bevorstehende abermalige Krisis im österreichischen Cabinett verbreitet und man nannte keinen Geringeren als den Ministerpräsidenten Grafen Taaffe selbst, dem man die Absicht zuschrieb, seine Demission zu geben. Indessen dementirt die Regierung in ihren Organen entschieden alle derartigen Gerüchte und es ist auch kein Grund vorhanden, welcher den Ministerpräsidenten zum Gehen nöthigen sollte, jetzt, wo die von ihm begünstigte feudal-ultramontane Strömung in Oesterreich sich in so offenbarer Weise mit den czechischen Prätensionen verbindet.
, (Frankreich.) Die jetzige französische parlamentarische Session ist durch die theils schon in Berathung stehenden, theils noch in dritter Lesung zu erledigenden Gesetzentwürfe bedeutungsvoll für Frankreich. Gegenwärtig beschäftigt sich der Senat mit dem von der Deputirtenkam-
mer bereits angenommenen Gesetz-Entwurf über die Unentgeltlichkeit des Schulunterrichts, während in der Deputirtenkammer die Berathung über das neue französische Preßgesetz stattfindet. Außerdem werden in dieser Session noch der Bardoux'sche Gesetz-Entwurf über Einführung des Listenscrutiniums, das Magistraturgefetz, sowie die Vorlagen des Kriegsministers Farre, betreffend die Umgestaltung der Unterofficier-Cadres in der französischen Armee u. s. w. zu erledigen sein. — Der Erzbischof Guibert von Paris hat in einem Briefe an die Deputirtenkammer gegen die Heranziehung der Cleriker zum Militärdienste protestirt, jedoch findet dieses Schreiben in Paris eine wenig günstige Aufnahme und man betont besonders, daß es Mangel an Patriotismus bekunde.
(England.) Welch' schreckliche Zustände iü Irland herrschen müssen, beweist eine jetzt von der englischen Regierung veröffentlichte Liste über die im Laufe des vorigen Jahres verübten Gräuelthaten in Irland. Hiernach fanden im Jahre 1880 nicht weniger als 1490 gewaltthätige Acte aller Art der irischen Landliga statt, Ermordung von Gutsbesitzern, Anzünden verschiedener Gutswohnungen, Zusammenrottungen u. s. w., so daß also im Monat durchschnittlich 125 illegale Handlungen vorfielen. Diese erschreckend hohe Ziffer spricht deutlicher als alles Andere für die Nothwendigkeit von Zwangs maßregeln gegen die irische Bewegung. — Die Niederlage des Generals Colley bei Laings-Nek im Transvaallande veranlaßt die meisten Londoner Journale zu der Erklärung, daß England die Ehre seiner Flagge rächen und Transvaal behalten müsse.
(Rußland.) Der Sieg des Generals Skobeleff ürer die Turkmenen drängt zu der Frage, ob nun mit der Einnahme von Geok-Tepe die militärische Action Rußlands in Centralasien einstweilen ihr Ende erreicht habe oder ob das russische Expeditionskorps seinen Marsch auf Merw fortsetzen werde. Allem Anscheine nach werden die Russen nicht in Geok-Tepe Halt machen und die Russen sind in der Verfolgung der Turkmenen auch bereits 60 Kilometer über Geok-Tepe hinaus vorge- drungen, hierdurch würde aber unbedingt die Eifersucht Englands auf den wachsenden Einfluß Rußlands in Centralasien noch verstärkt und die Russen werden darum bei ihrem weiteren Vordringen im Turkmenenland mit auf England Rücksicht zu nehmen haben.
(Spanien.) In Spanien sind Gerüchte über eine bevorstehende Suspension der Eortes mittelst königlichen Dekrets verbreitet. Das provocatorische Auftreten der Radikalen gelegentlich der Berathung über die Thron-Abrisse soll den Ministerpräsidenten Canovas del Castillo zu diesem Entschluß veranlaßt haben, zugleich begünstigt Canovas die Bildung einer ultramontanen Liga gegen die radikale Partei. Ob durch diese Mittel aber die oppositionelle Strömung in Spanien geschwächt wird, ist sehr fraglich.
(Schweiz.) Der Große Rath in der schweizerischen Cantonal- stadt Luzern hat einen unter den heutigen Verhältnissen überraschenden Entschluß gefaßt, indem er den Antrag auf Wiedereinführung der Todesstrafe und der Kettenstrafe mit großer Majorität genehmigte. Der Große Rath zu Bern verwarf den Antrag auf Revision der Verfassung mit 155 gegen 48 Stimmen, welcher, wie es scheint, von radikaler Seite gestellt worden war, um hierbei im Trüben fischen zu können.
(Nord-Amerika.) Die Finanzpolitik der nordamerikanischen Union hat bekanntlich glänzende Resultate zu Tage gefördert und vor Allem die stete Abminderung der Nationalschuld zur Folge gehabt. Der Nordamerikanische Schatzsekretär Sherman hielt darum auf einem Bankett der Bostoner Kaufmannschaft eine Rede, in welcher er die Erfolge der nordamerikanismen Finanzwirthschaft beleuchtete und empfahl, an den Prinzipien derselben festzuhalten.__________________________________________
Tagesschau.
— Berlin, 3. Febr. In der heutigen (52.) Sitzung des Hauses der Abgeordneten fand die Fortsetzung der dritten Berathung des Entwurfs des Staatshaushalts-Etats für 1881/82 mit den Gesetzentwürfen, betreffend die Feststellung dieses Etats und die Ergänzung der Einnahmen in demselben statt.
— Berlin, 3. Febr. Der Zusammentritt des Lehr-Infanterie- Bataillons findet in diesem Jahre am 21. April statt.
— Kaust Jemand einen gestohlenen Gegenstand von dem Diebe zu einem Preise, der den üblichen Marktpreis übersteigt, um diesen dadurch zu veranlassen, ihm öfter derartig gestohlene Waaren zum Kauf anzu- bieten und so bei den späteren Käufen Vortheil zu ziehen, so ist der