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Zugleich Amtliches Organ für KreiS und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Eorrespondenz.
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Nr. 26.
Dienstag den 1. Februar
1881.
Amtliches.
Nach Beschluß des Bundesrathes findet auch für das Jahr 1880 im Deutschen Reiche eine Ermittelung des Erndteert azs statt.
Die Stadt- und Ortsvorstände erhalten per Eouvert die Ermit- telungs-Nachweisungen zur Ausfüllung zugefertigt und wird hierbei auf die der ersten Seite dieses Formulars aufgedruckte Instruktion aufmerksam gemacht.
Die ausgefüllten Nachweisungen sind spätestens zum 1. März er. wieder anher zurückzusenden.
Hanau am 1. Februar 1881.
Georg Hartherz (Schlosser und Mechaniker) in Seckbach wurde als Sachverständiger zur mikroskopischen Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen widerruflich bestellt.
Hanau am 26. Januar 1881.
Der Landrath.
Gefunden: Ein Arbeitsbuch, ausgestellt von Königlich Bayerischer Regierung von Mittelfranken auf den Namen Friedrich Ranft aus Berkach.
Hanau am 1. Februar 1881.
____________________Aus Königl. Landrathsamt.____________________
Rundschau.
R. F. (Deutsch es Reich.) Am vergangenen Donnerstag fand am Berliner Hof die übliche große Vorstellung der gesammten Mitglieder des diplomatischen Corps nebst deren Damen statt, außerdem wurde den kaiserlichen Majestäten eine große Anzahl hervorragender Persönlichkeiten aus den höheren Verwaltungs-Zweigen vorgestellt.
Am Freitag hat im Abgeordnetenhause die Debatte über den von der Regierung vorgeschlagenen Steuererlaß begonnen. Zur Berathung standen die betreffenden Etatstitel der Klassen- und der klassificirten Einkommensteuer, bei welchen 14,000,000 Mark erlassen werden sollen, ferner der Antrag Richter, welcher diesen Erlaß zu einem dauernden machen will, dann der Antrag der Budgetkommission (Antrag von Minnigerode), welcher dasselbe bezweckt, aber vorbehaltlich der Reform der direkten Steuern. Für den letzteren Antrag meldeten sich 13, gegen denselben 9 Redner, unter den Gegnern des Antrages befanden sich die ultramon- tanen Abgg. v. Huene und Windthorst, ferner die Redner der freikonservativen und der nationalliberalen Partei, während die secessionistischen, fortschrittlichen und konservativen Redner den Antrag von Minnigerode vertheidigten. Die Berathung über den Steuer-Erlaß wurde in der Sonnabend-Sitzung fotgesetzt, in welcher der Antrag der Budget-Commission, den SteuercErlaß zu einem dauernden zu machen, mit 243 gegen 106 Stimmen zur Annahme gelangte, worauf der Rest der zweiten Etatsberathung erledigt wurde. Am Montag trat das Haus in die dritte Lesung des Etats ein.
Für den Volkswirthschaftsrath ist nunmehr die aus acht Paragraphen bestehende Geschäftsordnung nach Maßgabe des §. 9 der Verordnung vom 17. November 1880 festgesetzt worden. Aus der Eröffnungssitzung vom Donnerstag ist noch nachzutragen, daß Staatsminister v. Bötticher die Verhandlungen leitete, der auch voraussichtlich den ständigen Vorsitz im Volkswirthschastsrath erhalten wird. Nach der Rede des Reichskanzlers konstituirten sich die Mitglieder des Volkswirth- schastsrathes nach den drei Sektionen des Handels, des Gewerbes und der Forst- und Landwirthschast, den einzelnen Sektionen präsidiren die betreffenden Specialminister. In seiner Freitags-Sitzung beschäftigte sich der Volkswirthschastsrath mit der Bildung des permanenten Ausschusses.
Durch die Ablehnung des Antrages Windthorst auf Straffreiheit des Messelesens und Spendens der Sakramente hat die Centrumspartei im Abgeordnetenhause eine Niederlage erlitten, welche der gewandte Führer der Ultramontanen sich eigentlich hätte Voraussagen können.
(O esterreich-Ungarn.) Die oberösterreichischen Bauern haben in voriger Woche abermals eine Deputation an den Ministerpräsidenten Grafen Taaffe abgesandt, welche sich in eindringlichster Weise gegen die Erhöhung der Grundsteuer aussprach. Graf Taaffe versprach, nach Möglichkeit Abhilfe für die vielen Schäden, an denen der oberösterreichische
Bauernstand leide, zu schaffen, nur sollten die Bauern der Regierung mit Vertrauen entgegenkommen, dann würde sich auch die Grundsteuer- Angelegenheit zu allseitiger Zufriedenheit erledigen.
(Frankreich.) Die französische Deputirtenkammcr hat in den letzten Tagen ein Werk zu Tage gefördert, an dem sie schon seit zwei Jahren arbeitet, das französische Preßgesetz. Dieses, im liberalsten Sinne abgesaßte Gesetz, besteht aus nicht weniger als 71 Artikeln, von denen die kleinere Hälfte bereits erledigt ist. Durch das neue Gesetz wird die französische Presse hauptsächlich von zwei drückenden Bestimmungen be- sreit, von der Cautionshinterlegung und von der Censur bezüglich der Zeichnungen und Carricaturen, doch auch in Hinsicht auf die eigentlichen Preßvergehen sind von der betreffenden Commission eine ganze Anzahl von Strasbestimmungen gestrichen worden, so daß also das neue Preßgesetz der freien Meinungsäußerung die weitesten Grenzen zieht. Nach den Berechnungen der französischen Statistiker ist dieses Gesetz das 43., welches in Frankreich seit 1799 über die Presse erlassen wurde — gewiß ein Beweis, daß es an und für sich kein leichtes Sing ist, ein gutes Preßgesetz zu verfassen.
(E n g l an d.) Im englischen Unterhause dauert die Debatte über die Bill, betreffend den Schutz der Personen und des Eigenthums in Irland, fort und es kann als feststehend betrachtet werden, daß das Haus die Bill trotz aller Machinationen der irischen Partei annehmen wird. Besonders bie Rede, welche der Kanzler sür das Herzogthum Lancaster, Mr. Bright, im Unterhause hielt und in welcher er die betreffende Bill als eine Beschränkung für Wenige und als eine Gnade sür Viele auf's Wärmste vertheidigte, wird sicherlich nicht wenig dazu beitragen, das Haus für den genannten Gesetzentwurf günstig zu stimmen. — Im Transvaallande wurden die englischen Truppen unter General Colley bei einem Angriffe auf die Stellung der Boers bei Laings-Neck zurückgeschlagen, wobei die Engländer, mich der eigenen Meldung Colley's, schwere Verluste erlitten.
(Rußland.) Rußlands greiser Kanzler, Fürst Gortschakoff, hat der „Times" zufolge seinen Posten, den er in der letzten Woche auch nur dem Namen nach noch inne hatte, jetzt definitiv niedergelegt, da sein hohes Alter ihm nicht mehr erlaubt, sein schwieriges Amt weiter zu verwalten. Ob Fürst Gortschakoff einen bestimmten Nachfolger erhalten soll, dürfte sich zur Zeit schwer bestimmen lassen, wahrscheinlich ist, daß Staatsrath Giers, der schon längere Zeit die Seele des Auswärtigen russischen Amtes ist, auch fernerhin die auswärtigen Angelegenheiten Rußlands leiten wird, ohne gerade den Kanzler-Titel zu führen.
(Italien.) Das große Meeting der italienischen Jrredentisten, das zu Rom abgehalten werden sollte, ist bis auf Weiteres verschoben worden. Vielleicht haben die Andeutungen, welche die italienische Regierung den Arrangeuren dieses demokratischen „Verbrüderungsfestes" zukommen ließ, mit zu dieser Verschiebung beigetragen, denn die Regierung erklärt in ihren Organen, daß sie keinerlei Ausschreitungen der Jrredentisten und namentlich keine antiösterreichische Demonstrationen dulden werde.
(Orient.) Die Lage auf der Balkanhalbinsel dürfte durch die demnächst zu Konstantinopel beginnenden Verhandlungen über die griechisch-türkische Grenzfrage kaum geklärt werden, denn Griechenland hat bekanntlich bestimmt erklärt, daß es eine etwaige Entscheidung in Konstantinopel niemals anerkennen würde, die Verhandlungen in der türkischen Hauptstadt würden demnach im Grunde genommen zwecklos sein. Jedenfalls hat aber die türkische Diplomatie durch ihr unerwartetes Entgegenkommen wieder einmal ihren alten Ruf bewährt und es versteht sich, daß sie die der Pforte jetzt günstige Strömung in den europäischen Cabinetten gehörig ausnutzen wird.
(Süd-Amerika.) Der Kampf in Süd-Amerika ist nun durch die Einnahme Limas zu Gunsten Chile's zwar beendigt, aber weder ein Waffenstillstand noch sonst ein Vertrag ist bis jetzt zwischen den kriegführenden Staaten abgeschlossen worden. Im Gegentheil verlautet, daß der geflüchtete peruanische Präsident Pierola entschlossen sei, im Innern des Landes neue Truppen zu sammeln und den Krieg unter allen Umständen foetzusetzen, ein Beginnen, das aber unter den heutigen Umständen Peru leicht seine nationale Selbstständigkeit kosten könnte.