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Zugleich Amtliches Organ für KreiS uud Stadt Hauau.

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Nr. 23.

Erscheint täglich mit AuSncchme der Sonn« und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Lorrespondenz.

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Freitag den 28. Januar

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Amtliches.

Zugelaufen: Ein graublauer Pudel, m. Geschl.

Gefunden: Ein gestreiftes Taschentuch. Ein Hundemaulkorb. Ein weißer angestrickter baumwollener Strumpf. Ein weißes Taschentuch.

Hanau am 28. Januar 1881.

Aus Königl. Landrathsamt.

Rundschau.

E. F. (Deutsch es Reich.) Am Dienstag den 25. Januar hat das Herrenhaus seine Sitzungen wieder ausgenommen. Auf der Tagesordnung standen die Schlußberathungen über das Gesetz, betreffend die Bewilligung von Staatsmitteln zur Beseitigung des Nothstandes in Oberschlesien, über das Gesetz bezüglich des Gnadenquartals und über das Gesetz, betreffend das Höferecht im Herzogthum Lauenburg.

Das Abgeordnetenhaus verwies in seiner Montagssitzung die bei­den Nachtragsetats an die Budget-Commission und genehmigte die ver­schiedenen Etatspositionen des Finanzministeriums nach den Commissions- anträgen. Von dem Capitel 121 des Cultusetats wurde Tit. 23 (Be­soldung der Kreisschulinspektoren) in längerer Debatte in der Commis­sionsfassung genehmigt. Am Dienstag wurde die Etatsberathung sort- gesetzt, die Debatten zogen sich jedoch von Position zu Position so lang­sam hin, daß die Frage des Steuererlasses noch immer nicht zur Ver­handlung kam. Am Mittwoch trat das Haus in die, Berathung des Antrages Windthorst auf theilweise Aufhebung der Maigesetze ein.

Der Entwurf des dem Bundesrathe zugegangenen Arbeiterversiche­rungsgesetzes wird hauptsächlich von der sortschrittlichen Presse bekämpft und auch in den Organen der Sceessionisten begegnet er vielfachen Be­denken. Aber selbst der entschiedenste Gegner der wirthschastlichen Po­litik des Fürsten Bismarck wird zugeben müssen, daß der betreffende Entwurf ein ehrlicher und offener Versuch der Regierung ist, den in den Beziehungen zwischen Arbeitgebern und Arbeitnehmern herrschenden Mißständen durch eine arbeiterfreundliche Gesetzgebung ein Ende zu machen. In allen vorurtheilsfreien Kreisen hat die Unfallversicherungs­vorlage im Ganzen einen günstigen Eindruck gemacht und man ist in diesen Kreisen überzeugt, daß dieser erste praktische Schritt, den die Re­gierung thut, um auf gesetzgeberischem Wege den Interessen des Arbeiter- standes gerecht zu werden, der Nation nur zum Segen gereichen wird.

Die stürmische Witterung der letzten Tage hat an mehreren Schif­fen der deutschen Kriegsmarine schwere Beschädigungen verursacht. So wurde z. B. die JachtHohenzollern" durch einschlagende Waffermassen schwer beschädigt und auch die PanzerkorvetteBayern" hat durch die Gewalt eingedrungener Waffermassen sehr gelitten.

(Oesterreich-Ungarn.) Der österreichische Ministerpräsident Graf Taaffe scheint durch die Ernennung des verfassungstreuen Dr. Unger zum Präsidenten des Reichsgerichts in Wien beweisen zu wollen, daß er sich endlich entschlossen hat, dem Terrorismus der Czechen die Spitze zu bieten. Wie groß auch die Concessionen sind, welche Graf Taaffe bisher den Czechen gemacht hat, so dürfte er, wie die Ernennung Dr. Ungars beweist, nie darein willigen, daß eine gesetzeswidrige Hetze gegen die verfassungstreuen Richter arrangirt werde. Durch Ausspruch des obersten österreichischen Gerichtshofes ist die deutsche Sprache als die landesübliche" Sprache in Böhmen erklärt worden und Graf Taaffe wird hoffentlich diesen Spruch des höchsten Gerichts auch respektiren.

(Frankreich.) Gambetta, der wiedergewählte Präsident der französischen Deputirtenkammer, nimmt immer mehr Besitz von der Lei­tung der Regierung wie von der öffentlichen Meinung in Frankreich. Seine Antrittsrede in der Deputirtenkammer, in welcher er seinen ent­schieden friedlichen Gesinnungen unverhohlen Ausdruck gab, kann als ein wahres Regierungsprogramm der französischen Regierung betrachtet wer­den und es ist zu erwarten, daß dieselbe auch nach diesem Programm handeln werde. Durch seine Rede hat Gambetta auch zugleich Gelegen­heit genommen, alle ihm unterschobenen kriegerischen Zukunstspläne zu- rückzuweisen und wenn dieselbe ein Dementi der bekannten Cherbourger Revancherede" des Ex-Diktators sein soll und wohl auch ist, so hat Gambetta durch dieses Dementi sich den entschiedensten Beifall der gro­ßen Majorität der Franzosen erworben. Wie tief der Eindruck gewesen

ist, den die Gambetta'sche Rede in Frankreich gemacht hat, beweist übri­gens der Beschluß der Deputirtenkammer, die Rede nicht nur in Paris, sondern auch in allen Gemeinden Frankreichs anschlagen zu lassen.

(England.) Die irischen Abgeordneten im englischen Parlamente scheinen entschlossen zu sein, ihre Verschleppungstaktik auf alle mögliche Weise weiterzuführen. Hiervon zeugt der Beschluß, den die Partei Parnell gefaßt hat, die irische Frage durch Ueberhäufung der Tages­ordnung mit Interpellationen und Anträge so viel wie möglich zu ver­schleppen und im schlimmsten Falle selbst vor Gefängnißstrafe nicht zu- rückzuschrecken. Wie zu erwarten stand, hat unmittelbar nach Been­digung der Adreßdebatte die englische Regierung durch Mr. Förster, den Staatssekretär für Irland, die Bill gegen die irische Bewegung einge­bracht. Dieselbe ermächtigt den Vicekönig von Irland, Jeden, den er des Hochverraths oder anderer Verbrechen schuldig hält, verhaften zu lassen. Das Parlament ist bereits in die Berathung der Bill einge­treten, ihr Verzögerungssystem a tout prix noch länger aufrecht zu er­halten.

(Italien.) In Italien macht sich die irredentistische Bewegung zurErlösung" Triefts und Wälschtirols von der Herrschaft des Dop­pelaars wieder einmal bemerklich. Es foll nächstens in Rom ein repu­blikanisches Meeting, dem der alte Garibaldi präsidiren will, abgehalten werden und auf diesem werden auch die Triester Jtalianissimi durch Menotti Garibaldi vertreten sein. In Wien ist man natürlich nicht sehr erbaut über dieses Meeting und die italienische Regierung hat sich darum beeilt, dem Wiener Cabinet zu versichern, daß sie keinerlei antiöster- reichische Demonstrationen dulden würde.

(Rußland.) In den russischen Generalgouverneursposten stehen mehrere Veränderungen bevor. General Drentelen, der Generalgouver­neur von Odessa, wird an Stelle des Generals Tschertkoff nach Kiew gehen. Generalgouverneur von Odessa wird Fürst Dondukow-Korsakow, an dessen bisherige Stelle in Charkow General Fürst Swiatopolski- Mirki tritt. Unter den Hauptmotiven für diese Veränderungen wird der Wunsch der russischen Regierung mit genannt, als oberste Regierungs­vertreter in den gedachten Bezirken Chefs zu berufen, welche mehr als ihre Vorgänger die Sympathien der Bevölkerung besitzen.

(Montenegro.) Zwischen Montenegro und der Pforte haben sich wegen Festsetzung der neuen türkisch-montenegrinischen Grenze bei Dulcigno einige Schwierigkeiten erhoben. Die Pforte will die Hügel am Bojanaflusse und nicht, wie Montenegro will, den Thalweg als Demarkationslinie betrachtet wissen. Eine Einigung in dieser Frage steht vorläufig noch nicht in Aussicht.

(Griechenlan d.) Die Hoffnungen auf eine friedliche Beilegung des griechisch-türkischen Conflikts schwinden immer mehr. Griechenland hat jetzt durch seine Vertreter bei den Mächten erklären lassen, daß es den türkischen Vorschlag einer Conferenz in Konstantinopel noch weniger annehmbar finde, als das Schiedsgericht. Gleichzeitig soll Griechenland seine Vertreter im Auslande angewiesen haben, sich in diesem Sinne bei den Regierungen, bei denen sie beglaubigt sind, auszusprechen.

Tagesschau.

Eröffnung des Volkswirthschaftsraths.

Berlin, 27. Jan. Der Volkswirthschaftsrath wurde heute durch den Präsidenten des Staats-Ministerium, Reichskanzler Fürsten von Bismarck mit folgender Rede eröffnet:

Indem ich Ihnen, meine Herren für die Bereitwilligkeit, mit wel­cher Sie dem Rufe Sr. Majestät zum Eintritt in den Volkswirthschasts- rath gefolgt sind, den verbindlichen Dank der Staatsregierung aus- spreche, empfinde ich das Bedürfniß, mit einigen Worten den Gedanken Ausdruck zu geben, welche bei der Schaffung der neuen wichtigen In­stitution leitend gewesen sind.

Bei der Diskussion über den bedauerlichen Rückgang, in dem sich unser volkswirthschaftliches Leben einige Jahre hindurch bewegte, und bei den Verhandlungen über die Reformen, welche Se. Majestät der König in Gemeinschaft mit den übrigen Bundesfürsten erstrebte, haben sich we­sentliche Meinungsverschiedenheiten darüber ergeben, welchen Ursachen die­ser nicht minder auf landwirthschaftlichem, wie auf gewerblichem Gebiete