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wir nicht befolgen. Er hat keine Dogmen aufgestellt, aber die Concile haben dafür gesorgt. Christus war ein Essener und deren Moral glich der des Zeno. Wenn ich die Religion Christi vertheidige, so vertheidige ich die aller Philosophen, aber ich opfere auch alle Lehren, die nicht von ihm selbst herrühren." Der König kommt zu dem Resultat, daß die christliche Religion seiner Zeit der Religion Christi so ähnlich sehe wie die der Irokesen.

Die deutsche Heeresverwaltung, welche diese Aussprüche jetzt in ihrem amtlichen Blatte wohl nicht ohne Absicht im Hinblick auf die Versuche, die antisemitische Agitation auch in das Heer zu tragen, re- producirt, gibt damit ihrer eigenen Stellung zu dem Treiben einen nicht mißzuverstehinden Ausdruck.

— Nach einem Spezialerlaß des Ministers des Innern, des Fi- nanz-Ministers und des Ministers der geistlichen zc. Angelegenheiten vorn 10. Dezember v. I. gehört Derjenige, welcher außerhalb seines Wohnorts ohne vorgängige Bestellung Tanzunterricht ertheilt, nicht zu den unter Nr. 4 des § 55 der Gewerbeordnung vom 21. Juni 1869 bezeichneten Gewerbetreibenden, welche verpflichtet sind, einen Legitima­tionsschein für den Gewerbebetrieb im Umherziehen nachzusuchen.

— Die subsidiarische Haftung des Brennereiunternehmers für die durch von seinen Gewerbegülfen begangenen Steuerkontraventionen ver­wirkten Geldstrafen wird nach einem Erkenntniß des Reichsgerichts, III. Strafsenats, vom 6. November v. I, dadurch nicht aufgehoben, daß der Unternehmer selbst sich an dem Steuervergehen als Mitthäter, Anstifter oder sonst wie betheiligt hat, und er ebenfalls principaliter mit einer Geldstrafe belegt wird.

— Bei der am 25. d. M. an Stelle des verstorbenen Landtags- Abgeordneten Beerbohm für den Wahlkreis Memel-Heydekrug (in Kö­nigsberg) stattgehabten Wahl erhielt nach der „Köln. Ztg." der fort­schrittliche Candidat Aecker 172, der Candidat der Conservativen, v. Plehwe, 131 Stimmen. Der erstere ist demnach gewählt.

— Paris, 25. Jan. Dem Temps zufolge ist der jetzige Stand der griechischen Frage folgender: Die Mächte berathen noch über die Form der Verhandlungen, die in Konstantinopel stattfinden sollen, sowie über die Ausdehnung der den Botschaftern zu ertheilenden Weisungen. Zu einem Gesanimtschritt wird es wahrscheinlich nicht kommen; jeder Gesandte wird getrennt unterhandeln, um von der Pforte die möglich größten Zugeständnisse zu erlangen; sollten diese Verhandlungen zu einem Ergebnisse führen, so werden die Mächte bei Griechenland Schritte thun, damit es die in Konstantinopel erzielten Grenzbestimmungen annehme, und man hegt die Hoffnung, daß Griechenland dem Rathe der europäi­schen Mächte nicht Trotz bieten werde. — Die Marseillaise wurde heute wegen Billigung des Attentats Berezowskis auf den Kaiser von Ruß­land durch Contumaz-Urtheil verurtheilt: der Gerant des Blattes zu einem Jahre Gefängniß und 2000 Fc. Geldstrafe, General Cluseret zu zwei Jahren Gefängniß und 3000 Fr. Geldstrafe.

— Rom, 25. Jan. Der Jtalie zufolge ist die Versammlung wegen des allgemeinen Stimmrechts, bei welcher Garibaldi den Vorsitz führen wird, auf den 14. Februar verschoben worden.

— Dublin, 25. Januar. (R.- u. St -A.) Prozeß Parnell. Die Geschworenen zogen sich Mittags zurück, um über das Verdikt zu berathen. Um 5 Uhr Nachmittags ließ der Richter die Geschworenen rufen und richtete die Anfrage an dieselben, vb sie ihre Entscheidung ge­troffen hätten. Der Präsident erwiderte, die Geschworenen seien noch nicht einig geworden, und fügte hinzu, daß die Erzielung einer Einigung wenig wahrscheinlich sei. Der Richter forderte die Geschworenen auf, sich auf's Neue znrückzuziehen. Um 8 Abends kehrten darauf die Ge­schworenen in den Sitzungssaal zurück. Ihr Vorsitzender erklärte, sie wür­den sich über einen Wahrspruch niemals einigen können. Der Richter erklärte darauf, er könne nach den heute stattgehabten Manifestationen auf ein freies und einstimmiges Verdikt keinesfalls rechnen und löste die Jury auf. Parnell wurden, als er den Sitzungssaal verließ, enthusiasti- Ovationen dargebracht.

— Petersburg, 26. Januar. Ein offizielles Telegramm aus Tiflis, vom 25. d. Mts., meldet: General Skobleff berichtet wegen der Anhäufung von in Verwesung befindlicher feindlicher Leichen vor und hinter den russischen Positionen und bei der Unmöglichkeit, dieselben ohne neue Verluste wegzuräumen, sei er am 19. d. M. von dem 40 Faden vom Hauptwall entfernten Beobachtungsthurme aus mit den Tekinzen in Ver­bindung getreten, um denselben vorzuschlagen, ihre Leichen fortzuschaffen. Es fand hierauf eine einstimmige Waffenruhe statt. Zur Vermeidung von Mißverständnissen wurde dem Feinde ferner vorgeschlagen, seine Po­sitionen mir Der einzunehmen um das Feuer zuerst wieder zu eröffnen, was derselbe um 4 Uhr Nachmittags ausführte, nachdem er uns gewarnt. Dabei sorgte der Feind dafür, daß feine Leute das Feuer nicht früher eröffneten, als bis die russischen Truppen, die sich aus den Trancheen entfernt hatten, in dieselben zurückgekehrt waren. Ueberhaupt war das Benehmen des Feindes ein ehrenhaftes. Die Belagerungsarbeiten dauern fort. Die Verluste der Russen am 16. d. betrugen 1 Soldat todt, 1 Offizier, 4 Soldaten verwundet. (R.- u. St.-A.)

— New-I ork, 26. Jannar. Der Dampfer „England" von der

National-Dampfschiffs- Compagnie (C. Messingsche Linie) ist hier ein­getroffen.

Lokales.

H a n a u, den 27. Januar.

(!zr! Theater.) Einen herrlichen Genuß bereitete uns Herr Carl schultz durch die Wahl des bekannten histor. Lustspiels von Ar­thur Müller „Gute Nacht Hänschen" zu seinem am Mittwoch den 19. b. M. stattgehabten Benefiz. Er selbst gab den „Joseph von Frohn" mit echt soldatischem Leben, Kühnheit und Entschlossenheit; auf der an­deren Seite aber auch den Liebenden mit edlem Feuer und wahrem Ge­fühl. Frau Baum spielte mit aristokratischer Noblesse die Rolle der „Maria Theresia". Herr Förster war ein wahrer „König Joseph II.“ durch seinen edlen Geist, welchen er in einem herrlichen Vortrag voll Wärme und Liebe für das bedrängte und unter dem Druck der Geist­lichkeit an dem Aufkommen zu Macht und Größe gehinderte Vaterland meisterhaft hervorhob, so daß er mit ranschendem Beifall geehrt wurde. Die „Gräfin Colloredo", eine thatkräftige, verwegene Frau, die dem wüh­lenden und zerstörenden Wesen der Jesuiten abhold war wie der König und die furchtlos in die Pläne derselben eingreift, fand an Frl. Sal- bach eine vortreffliche Vertreterin. Auch Frl. Röttger entfaltete in der Rolle der „Baronin Lederer" ihr umfangreiches Talent für das Fach, welchem sie sich noch nicht so lange zugewandt hat. An Herrn Normann haben wir immer wieder die alten Fehler zu rügen und so kam es auch, daß sein „Graf von Aspremont" nicht den Eindruck des Grobians machte, für den er „allgemein bekannt" war, sondern vielmehr in der Scene gegenüber der Kaiserin, welche von seiner Tochter Genug­thuung für die angeblich beleidigte Baronin Lederer und den Pater Häs- ler forderte, eher zu einem machtlos in sich hinein Wüthenden hinneigte. Noch dürfen wir nicht vergessen Herrn Wolfsohn, „Pater Häsler", lobend zu erwähnen, dessen Jntriguantennatur in die ureigene Domaine dieses Herrn gehört, Herr Merlo verstand es in seiner kleinen, aber für das Stück nicht unwichtigen Rolle den finsteren, unbeugsamen Cha­rakter des „Baron Turschkoi" Vortheilhaft heroorzuheben.

— Gelegentlich des vergangenen Sonntag zu Berlin abgehaltenen Krönungs- und Ordensfestes wurde u. a. auch dem hier stationirten Gendarmerie-Oberwachtmeister Pesse l das Allgemeine Ehrenzeichen ver­liehen. — Wie wir hören, machte rc. Pessel, der während des franz. Feldzugs dem 7. preuß. Kürassierregimente angehörte, den gefähr­lichen Reiterangriff der 12. Cavalleriebrigade (7. Kürassier- und 16. Ulanenregiment) zur Aufhaltung des franz. Corps, unter Oberst­lieutenant Grafen v. Schmettow, am 46. August 1870 bei Vionville mit.

Hiltl schrieb über diese unter dem Namen „Todtenritt" bekannte Attacke s. Z. im „Daheim" an einer Stelle: „Schmettow sammelte, was ihm ans diesem furchtbaren Gemetzel blieb, in der Eile um sich. Er hatte mit 310 Mann attackirt, er brächte 101 Mann zurück." An ei­ner anderen Stelle dieses Aufsatzes heißt es: „Mit drei schwachen Zügen kehren die Helden der 12. Kavalleriebrigade zurück — sie ha­ben ihren Auftrag erfüllt." — rc. Pessel, der wohl der Einzige Hiersein dürfte, welcher den gefährlichen Angriff mitmachte, gerieth bei dieser Ge­legenheit in franz. Kriegsgefangenschaft, aus welcher er aber nach Ver­lauf von 6 Wochen wieder ausgewechselt wurde.

— Auf die landräthliche Bekanntmachung in unserem heutigen Blatte, wonach bis nach eingetretenem Thauwetter das Auslassen von Gewässern ans den Häusern, sowie das Ausgießen auf die Fahrbahn der Straßen und auf die freien Plätze bei einer Strafe bis 10 Mark untersagt ist, glauben wir auch an dieser Stelle nochmals aufmerksam machen zu sollen. — Im Bestreuen des Bürgersteigs, welches bei der herrschenden Glätte im Interesse der allgemeinen Sicherheit Alle, die es angeht, schon von selbst unb wcht erst auf amtliches Geheiß ans- führen sollten, zeigt sich mitunter eine solche Lässigkeit, daß, wie wir hören, eine große Zahl Anzeigen deshalb ergehen mußten.

— Den gefeierten Künstler, Herr Ludwig Barnay, welcher bekannt­lich vor einigen Jahren hier schon einmal in der Rolle des „Na rz iß" die Theaterbesucher zu den stürmischsten Beifallsbezeugungen Hinriß, hat Herr Dir. Frey für morgen Abend zu einem einmaligen Gastspiel für dieselbe Rolle gewonnen. Die vielen Freunde, welche sich Herr Barnay s. Z. als Gast durch seine vorzüglichen Leistungen unter den hiesigen Theaterbesuchern erworben hat, werden sicher bei dieser Vorstellung nicht fehlen. Auch die Rolle der Marquise von Pompadonr wird von einem Gaste, Frau Clara Kitzing, gespielt.

Versteigerungs- und Verpachtungs- rc. Kalender für Freitag den 28. Januar.

Vormittags 11 Uhr ist vor Königl. Amtsgericht III hier weiterer Termin zum Verkauf des Aug. Fleischer'schen Grundeigenthums Wohn­haus Nr. 13 der Hospitalstraße, zum „goldenen Stiefel" genannt), an* beräumt (f. Nr. 4 „Han. Anz."). — Holzversteigerung in der Ober­försterei Wolgang; Termin Vormittags 11 Uhr bei Wirth Lukas zu Niederrodenbach. Verkauft werden: 290 Kiefern-Stangen, sowie größere und kleinere Posten Eichen-, Buchen-, Birken-, anderes Laubholz- und