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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Eorrespondenz.
Nr. 21.
Mittwoch den 26. Januar
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1881.
Tagesschan.
Das Unfallverficherungsgesetz für die Fabrikarbeiter.
Schon jetzt kann man sagen, daß der erste Eindruck, welchen der Entwurf eines Gesetzes für die Versicherung der Fabrikarbeiter gegen Unfälle gemacht, soweit die Presse gesprochen hat, ein überwiegend günstiger ist. Mit Ausnahme einiger fortschrittlicher Blätter sprechen die sämmtlichen größeren Blätter von dem Entwurf mit der größten Achtung und zeigen sich schon jetzt durchdrungen von der schweren Verantwortung, welche diejenigen treffen müßte, welche aus partheipolitischen oder ähnlichen kleinlichen Gründen das Zustandekommen des Gesetzes vereiteln würden. Vor allem berührt es angenehm, daß man es mit einer wohldurchdachten, im Großen und Ganzen klaren Vorlage zu thun hat. Was manche als einen Fehler anseheu, oder wie eine Enttäuschung überraschte, daß die Vorlage sich auf die Versicherung gegen Unfälle beschränkt, wird von Allen, welchen der Sperling in der Hand lieber ist, als die Taube auf dem Dach, gerade als eine weise Vorsicht willkommen geheißen werden. Die Vorlage betritt einen so neuen Boden, daß man nur rathen kann, nicht mehr als einen Schritt auf einmal zu machen. In vollbewußter Beschränkung knüpft der Entwurf an die bestehenden Verhältnisse und Gesetze an. Im Grunde ist derselbe nichts als eine andere Fassung, noch mehr eine Verbesserung und Erweiterung des Hastpflichtgesetzes. Da über die Unzulänglichkeit und Mangelhaftig- keit des letzteren nur eine Stimme herrscht, so ist man schon dadurch für den vorliegenden Entwurf empfänglich und geneigt. Das Haftpflichtgesetz bedeutet den sozialen Krieg, die gegenwärtige Vorlage bezweckt den sozialen Frieden. Dort der verunglückte Arbeiter im Prozeß mit seinem Arbeitgeber oder mit der Unfallversicherungsgesellschaft; hier kein Prozeß, kein Streit, nicht Ungewißheit und Sorge, sondern bie Zuversicht einer angemessenen Rente; dort ein Markten und Feilschen um die Abfindungs- fumme, ein Hin- und Herschleppen des Streits durch Jahr und Tag, hier eine glatte Abwicklung durch unparteiische Behörden, welche über den Partheien stehen, um eine prompte Erledigung. Die Reichsversicherungsanstalt und durch sie der Bundesrath würde durch das Gesetz einen bislang unbekannten klaren Blick in die Lage und Zustände der betreffenden Arbeiterklassen und auch der Industrie erlangen. Als Wirkung des Gesetzes darf eine Verringerung der Unglücksfälle überhaupt erwartet werden, indem ein neuer Antrieb gegeben ist, die Sicherheit des Betriebs immer mehr zu vervollkommnen. Doch wir wollen hier nicht auf die möglichen Folgen und Wirkungen des Gesetzes, ebensowenig wie auf die einzelnen Punkte desselben, näher eingehen, sondern die Hauptsache im Auge behalten, daß hier die erste schöpferische Grundlage für die Bekämpfung eines Theils der sozialen Frage und für die Organisation der Selbsthilfe gegeben ist. Das Wort Zwangsversicherung darf nicht daran irre machen, daß es sich hier in der That mehr um Selbsthilfe als um Staatshilfe handelt. Der Staat tritt hier lediglich als Organisator auf. Die ins Leben zu rufende Kasse wird nicht mit Staatsmitteln unterstützt, sondern wird ausschließlich aus den Beiträgen der betheiligten und interessirten Personen und Körperschaften (Landarmenverbände) erhalten. Der Staat richtet das Werk.ein, weil bei der heutigen zersplitterten und vom Konkurrenzkampf beherrschten Produktionsweise sich die Hoffnung auf die eigene Organisation der Selbsthilfe als aussichtslos erweist. Warten wir nun ab, wie sich die Ansichten über die Durchführbarkeit und die Verbesserungsfähigkeit des Entwurfs klären; zunächst wie sich der Bundesrath, sowie der preußische Volkswirthschaftsrath, welchen jetzt der Entwurf zur Berathung vorliegt, oder bald vorliegen wird, zu demselben Verhalten. (Schw. Merk.)
— Berlin, 25. Januar. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen heute Morgen den Polizei-Präsidenten von Madai und nahmen später in Gegenwart Sr. Königlichen Hoheit des Prinzen August von Württemberg, des Gouverneurs und des Kommandanten militärische Meldungen sowie demnächst die Vorträge des Chefs der Admiralität, Staats-Ministers von Stosch und des General-Adjutanten von Albedyll entgegen. (R. u. St.-A.)
— Berlin, 24. Jan. (K. Z.) Fürst Bismarck präsidirte heute einem Ministerrath, welcher im Conserenzzimmer des Abgeordneten
hauses stattfand und zwei Stunden währte. Man wollte wissen, es hätte sich dabei um die Stellung der Regierung zu dem Anträge Windt- Horst gehandelt, doch begegnete diese Nachricht verschiedentlich Zweifeln. Man erwartet, daß Bismarck sich an den Debatten über den Antrag Windthorst betheiligen werde. Heute erschien der Fürst im Saale nur ganz vorübergehend. Der Abg. v. Rauchhaupt trat an den Ministertisch und hatte eine Unterredung mit dem Fürsten, der sich dann auch einige Zeit mit dem Präsidenten v. Köller unterhielt. Man hörte, daß es in der Absicht des Fürsten lag, sich an den Debatten über den Steuererlaß zu betheiligen, und daß er das Haus verließ, als er die Gewißheit erlangte, daß dieser Gegenstand heute nicht mehr berathen würde. Morgen wird man sich zweifellos mit diesem Gegenstände beschäftigen; ob abermals unter. Theilnahme des Fürsten Bismarck, steht dahin. — Im April dieses Jahres wird die Einziehung der Reserven, welche im Herbst 1879 entlassen worden sind, zu einer 12tägigen Uebung stattfin- deu. Andererseits erfolgt im Juni eine Landwehrübung solcher Mannschaften, welche im Herbst 1880 zur Landwehr übergetreten sind. Während der 12tägigen Uebung der Wehrleute rücken Bataillone des stehenden Heeres, zu welchen diese Landwehr gehört, in die nächste Umgebung ihrer Garnisonsorte aus, um dort Gefechtsübungen abzuhalten.
— Berlin, 25. Jan. In der heutigen (45.) Sitzung des Hauses der Abgeordneten setzte das Haus die zweite Berathung des Entwurfs des Staatshaushalts für 1881/82 fort.
— Die Buchhändler in Berlin bringen dem Prinzen Wilhelm als Hochzeitsgeschenk eine Hausbibliothek, lauter ausgewählte Werke in den schönsten Einbänden, und auch die Bücherschränke dazu.
— Sachsen. In dem Berichte des Löbauer Fabriken-Jnspek- tors wird folgende auf Heranbildung eines ständigen, zuverlässigen, nüchternen Arbeiterstammes zielende Wohlfahrtseinrichtung gerühmt: 1) Der Besitzer des Etablissements sichert allen sich tadellos haltenden Arbeitern von jeder verdienten Mark nach Jahresschluß ein Zwölftel Nachschuß als Gratifikation zu; 2) jeder seine Zeit pünktlich Einhaltende erhält nach Ablauf der Woche noch ein Zwölftel des Wochenlohnes als Prämie, wogegen diese wegfällt bei Versäumnissen, für welche außerdem ein verhältnißmäßiget Abzug stattfindet und bei öfterer Wiederholung Kündigung eintritt; 3) alle Feier- und Festtage, ausschließlich der Sonntage, werden wie Arbeitstage bezahlt; 4) in der Frühstücks- und Vesperzeit erhält Jeder frisch bereiteten Milchkaffee. Die betreffende Fabrik beschäftigt 70 Leute beiderlei Geschlechts, von denen manche auf diese Weise an 100 Mark extra empfingen. Uebertretungen kommen, seitdem diese Einrichtung getroffen ist, fast gar nicht mehr vor.
— München, 24. Jan. Der König hat dem hiesigen preußischen Gesandten v. Werthern das Großkreuz des Verdienstordens der bayerischen Krone, dem deutschen Gesandten in Athen, v. Radowitz, das Großkreuz des Verdienstordens vom h. Michael und dem Legationssekretär in Athen, v. Waldenburg, das Comthurkreuz desselben Ordens verliehen.
— Wien. Als erfreulich für den hiesigen Arbeitsmarkt verdient mitgetheilt zu werden, daß in manchen Zweigen unserer Industrie der in den letzten Jahren wieder erzielte Aufschwung ein andauernder ist. Dies gilt für das Hutwaarengeschäft. Freie Hände gibt es derzeit unter den Hutmachern nicht, ausgenommen jener gewisse Prozentsatz, den es nirgends leidet und der nirgends gelitten sein will. Vor einigen Jahren noch hat französische und englische Waare auf den Wiener Platz stark gedrückt, heute wird von Frankreich und England nur noch feinste Waare eingeführt, da von den einheimischen Hutmachern alle billigeren Sorten erzeugt werden, nach welchen auch die größte Nachfrage von Seiten des Publikums herrscht. Gegenwärtig wird von den Hutfabriken mit großem Fleiße für das Frühjahrsgefchäft gearbeitet, für welches man große Vorräthe anfertigt. Der Verdienst ist lohnend.
— Aus Böhmen. Die „Dorf-Ztg." schreibt: Als ein Beispiel, wie die Czcchen gegen uns Teutsche vorgehen, mag Ihnen folgendes Beispiel dienen. Als ich vor einigen Jahren die Absicht hatte, mich in Prag zu etabliren, erklärte mir einer der bei der „Politik" angestell- ten Journalisten: „Wollen Sie in Prag aufkommen, dann treten Si in die czechische Bürger-Resource (Beseda). Sie treten damit zur czechi