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Nr. 20.
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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Dienstag den 25. Januar
1881.
Amtliches.
Gefunden: Ein goldenes Hemdenknöpfchen.
Zugelaufen: Ein glatter brauner Pinscher mit weißen Pfoten und weißer Brust.
Hanau am 25. Januar 1881.
____________________Aus Königl. Landrathsamt.____________________
Bekanntmachung.
Betreffend Wahl der Abgeordneten für die Gewerbesteuer-Veranlagung.
Die den Gewerbesteuer-Klassen A. II. (größere Handeltreibende, Bierbrauer, Bäcker und Metzger) und C. (Wirthe, Conditoren) ungehörigen Gewerbetreibenden hiesiger Stadt werden hierdurch, und zwar die Wirthe rc. aufD onnerstag den 2 7. Januar d. I. und die größeren Handeltreibenden rc. auf Freitag den 28. Januar d. I., jedesmal Vormittags 10 Uhr, in den unteren Rathhaussaal zur Vornahme der Wahl von 7 Abgeordneten und ebensoviel Stellvertretern für jede der vorgenannten Gewerbsteuerklassen für die Wahlperiode vom 1. April d. J. bis Ende März 1884, welchen demnächst die Verthei- lung der Gewerbesteuer unter die Mitglieder der Gewerbesteuerklassen obliegt, berufen.
Die Wahl findet ohne Rücksicht auf die Zahl der Erschienenen statt. Falls die Wahl der Abgeordneten überhaupt nicht oder nicht in vorgeschriebener Weise zu Stande kommt, erfolgt die Steuervertheilung durch die Beranlagungsbehörde.
Hanau, am 21. Januar 1881.
Der Oberbürgermeister _____________________Rauch._______________,____
Rundschau.
R. F. (Deutsch es Reich.) Der Kaiser ist erfreulicher Weise von dem leichten Unwohlsein, das ihn befallen hatte, vollständig wieder hergestellt und konnte bereits am Freitag im geschlossenen Wagen die erste Ausfahrt machen. Nach seiner Rückkehr empfing der Kaiser den Fürsten Bismarck zu einer längeren Conferenz. — Die Wiedergenesung des Monarchen machte es auch möglich, daß derselbe den am Samstag, den 22. Januar, begonnenen Feierlichkeiten des Capitels des Schwarzen Adler-Ordens beiwohnen konnte, welches bekanntlich alljährlich am Berliner Hofe zum Andenken an die Stiftung und erste Investitur des Hohen Ordens vom Schwarzen Adler am 17. Januar 1701 zu Königsberg i. Pr. unter großer Prachtentfaltung abgehalten wurde.
Der Bundesrath hat in seiner Donnerstagssitzung den Entwurf über das Arbeiterversicherungsgesetz nicht, wie erwartet wurde, in pleno berathen, sondern denselben ohne Debatte den Ausschüssen für Handel und Verkehr und für Justizwesen übewiesen. Bezüglich der Gesetze über Besteuerung der Dienstwohnungen der Reichsbeamten, sowie über Abänderung der Artikel 13, 24, 69 und 72 der Reichsverfassung wurde beschlossen, dieselben demnächst im Plenum weiter zu berathen. Der KüstemFrachtfahrb Gesetzentwurf gelangte unverändert zur Annahme, während die Vorlagen wegen Erhebung von Reichsstempelabgaben und wegen der Brausteuer einer späteren Berathung Vorbehalten bleiben sollen.
In der Freitagssitzung des Abgeordnetenhauses wurde endlich das Zuständigkeits-Gesetz in dritter Lesung zu Ende gebracht und bei der Schlußabstimmung mit unerheblichen Abänderungen gegen die Stimmen des Frotschritts, der Secessionisten und eines Theils des Centrums angenommen. Hierauf wurde nach kurzer Debatte die Novelle zum Cchlachthausgesetz ebenfalls unverändert nach den Beschlüssen der zweiten Lesung genehmigt. Am Sonnabend erledigte das Haus das Lehrer- wittwen-Pensiousgesctz, sowie kleinere Vorlagen und begann am Montag die Berathung der noch außenstehenden Theile des Etats.
Der Zusammentritt des Volkswirthschastsrathes ist nun, wie osfi- ciös mitgetheilt wird, auf Donnerstag den 27. Januar festgesetzt und zwar wird das genannte. Institut seine Sitzungen im Reichstagsgebäude abhalten. Was die Diäten und Reisespesen der Mitglieder des Volks- Wirthschaftsrythes anbelangt, so sollen dieselben den in den Volkswirth
schaftsrath berufenen Handwerkern in der Höhe von 15 Mark pro Tag gewährt werden. Eine Tagesordnung für den ersten Berufungstag ist jedoch noch nicht festgesetzt worden.
Die Gerüchte über den bevorstehenden Rücktritt des Finänzministers Herrn Bitter erhalten sich hartnäckig und die verschiedensten Versionen über seinen eventuellen Nachfolger sind im Gange. Bald wird der Staatssekretär im Reichsschatzamt, Herr Scholz, bald Herr v. Rauchhaupt, der Führer der Conservativen, als derjenige bezeichnet, der dazu ausersehen sei, die Leitung des Finanzwesens zu übernehmen. In wie weit alle diese Gerüchte und die anderweitig daran geknüpften Combinationen den Thatsachen entsprechen, läßt sich zur Zeit noch nicht beurtheilen, ob indessen der Zeitpunkt in diesem Personalwechsel so nahe ist, Wie von manchen Seiten verkündigt wird, erscheint sehr zweifelhaft, da doch jedenfalls der künftige Finanzminister erst seine Ansichten über die Durchführung des Finanzprogrammes des Reichskanzlers darlegen müßte.
Die bayerische Abgeordnetenkammer hat in der vergangenen Woche ihre regelmäßigen Sitzungen wieder ausgenommen, nachdem bie Ausschüsse schon längere Zeit getagt hatten.
Tagesschau.
— Berlin, 23. Jan. Die Dauer der bevorstehenden Session des Volkswirthschastsrathes wird auf 14 Tage angenommen. — Man nimmt an, daß die Landtagssession zwischen dem 1.0. und 20. Februar schließen wird.
— Berlin, 24. Januar. In der heutigen (44.) Sitzung des Hauses der Abgeordneten vollzog das Haus zunächst die erste Berathung des Nachtrags zum Staatshaushalts-Etat für 1881/82. Hieran schloß sich die Fortsetzung der zweiten Berathung des Entwurfs des Staatshaushalts-Etats für 1881/82.
— Den Königlichen Eisenbahn.Direktionen ist wiederholt bei Aufstellung der Fahr Pläne eine sorgsame Berücksichtigung auch der lokalen Interessen zur Pflicht gemacht. Der Minister der öffentlichen Arbeiten hat die Königlichen Direktionen, namentlich diejenigen, welche Staatsbahnen bezw. Privatbahnen für Rechnung des Staats verwalten, durch Reskript vom 3. d. M. wiederum angewiesen, stets dessen eingedenk zu sein, daß Staatsbahnen, bei aller pflichtmäßigen Oekonomie, es doch ganz besonderes als ihre Aufgabe zu betrachten haben, den Verkehrs- intereffen zu nützen und die Pflege des Lokalverkehrs sich angelegen sein zu lassen. Die Königlichen Direktionen haben diese Gesichtspunkte schon bei der nächsten Fahrplanausstellung die gebührende Berücksichtigung finden zu lassen.
— Der Kassier Gustav Zander, der mit 190,000 Mark flüchtig und mit 187,000 Mark gefangen wurde, ist ziemlich gut weggekommen. Das Landgericht in Berlin hat ihn zu 4 Jahr 3 Monat Gefängniß verurtheilt.
— Das päpstliche Breve, welches den Domkapiteln von Pader- born und Trier die Wahl eines Bisthumsverwesers anheimstellt, ist bei diesen Domkapiteln bis zur Stunde nicht eingegangen.
— Augsburg, 22. Januar, Vormittags. Die „Allgemeine Zeitung" erfährt aus bester Quelle, daß der Ministerialerlaß, welcher in Bayern in Bezug auf die Antisemitenbewegung jüngst an die Regie- rungspräfidien ergangen ist, einem ausdrücklichen Besehle des Königs Ludwig entspricht.
— Wien, 24. Jan. (R.- u. St.-A.) Der Kardinal Kutschker ist von einem Schlaganfall betroffen worden; sein Zustand ist bedenklich.
— Unterhalb der Brücke von Argenteuil bei Paris zog man kürzlich die Leiche eines Unbekannten aus der Seine, der an einem Stricke eine Reisetasche mit 360,000 Francs am Halse trug. Dieser Betrag sollte laut letzwilliger Verfügung den Armen derjenigen Gemeinde über- gebcn werden, auf deren Grund und Boden sein Leichnam aufgefunden würde.
— Rom, 24. Jan. Der „Diritto" tritt in einem Artikel den deutschen Blättern entgegen, welche das jüngste Schreiben Garibaldi's dazu benutzen, um aufs Neue Mißtrauen gegen das italienische Vol^ und die italienische Regierung zu erregen. Der „Diritto" bedauert leb