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S Kart 25 Psg. Kür auswärtige Htonnenten mit dem betreffenden Postausschlag. Die einzelne Nummer 10 Psg.
Hnnnner Anreißer
Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.
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30 Pfg.
Nr. 14.
Dienstag den 18. Januar
1881.
Rundschau.
TL F. (Deutsches Reich.) Abermals ist ein für die Geschichte des jungen deutschen Reiches bedeutungsvoller Tag herangenaht — der Tag der Kaiserproklamation in Versailles. Ein Decennium ist verstrichen, seit König Wilhelm am 18. Januar 1871 in den Prunkgemächern des Versailler Schlosses von den deutschen regierenden Fürsten und Vertretern der freien Städte zum deutschen Kaiser proklamirt wurde. Vor 65 Jahren hatte der letzte deutsche Kaiser aus dem Hause der Habsburger, Franz II., die Krone des längst morsch gewordenen Reiches „deutscher Nation" niedergelegt, bis das deutsche Reich nun mitten im Herzen des feindlichen Landes von der kraftvollen Hand des Hohenzollernfürsten wieder aufgerichtet wurde. Unter dem Flügelschlage des kühn aufstrebenden Hohenzollernaares vereinigten sich die deutschen Stämme zum ersten Male nach langen Jahren tiefster nationaler Zerrissenheit und Erniedrigung wieder zu Einem mächtigen Volke, der Kaisertag von Versailles gab diesem Werke der Hohenzollern aber erst die rechte Weihe und darum wird der 18. Januar 1871 in den Annalen Deutschlands fortan als der eigentliche Tag der Wiedergeburt des deutschen Reiches strahlen.
Der Kaiser leidet seit einigen Tagen an einer leichten Erkältung, mit Heiserkeit verbunden, welche den verehrten Monarch gegenwärtig an's Zimmer fesselt. Doch gibt das Befinden des Kaisers keinen Anlaß zu ernsten Bedenken und konnten Se. Majestät am Freitag bereits die Vorträge der Oberhofmarschälle, sowie am Sonnabend wiederum den Vortrag des Reichskanzlers Fürsten Bismarck entgegennehmen.
Im Abgeordnetenhause wurden am Sonnabend die Titel 2—5 des Competenzgesetzes in zweiter Berathung erledigt, welche die Angelegenheiten der Landgemeinden, Einquartierungsangelegenheiten, Armen- und Schulsachen umsassen. Von den zum Tbeil sehr ausgedehnten Debatten war besonders die Diskussion über § 16 eine lebhafte, in welchem die Regierung vorgeschlagen hatte, die Verwaltung der Landgemeinden in erster Instanz dem Landrathe, in zweiter dem Regierungspräsidenten zu übertragen. Dagegen hatte die Commission vorgeschlagen, die Aufsicht dem Kreisausschuß, resp, dem Bezirksrathe zu überweisen, welcher Commissionsantrag auch vom Hause gegen die Stimmen der Conservativen angenommen wurde. Am Montag wurde die Berathung des Compe- lenzgesetzes fortgesetzt.
Die Ernennung der Mitglieder des Volkswirthschaftsrathes, welche der König zu ernennen hat, ist nunmehr erfolgt und veröffentlichte der Reichsanzeiger bereits die Namen der ernannten Mitglieder. Es sind im Ganzen 75 Personen aus allen Theilen der Monarchie, welche von der Krone zu Mitgliedern des Volkswirthschaftsrathes für eine fünfjährige Sitzungsperiode berufen worden sind.
Das Fürstenthum Liechtenstein nahm bekanntlich nach dem Kriege von 1866 insofern eine eigenthümliche Stellung zu Preußen und später zum deutschen Reiche ein, indem dasselbe nicht in den Präger Frieden mit eingeschlosscn wurde, so daß Preußen und dann der norddeutsche Bund und das deutsche Reich sich nicht auf dem förmlichen Friedens- fuße mit Liechtenstein gestellt haben. Diesem merkwürdigen Zustande ist nunmehr ein Ende gemacht worden, da die österreichisch-ungarische Botschaft in Berlin dem preußischen Minister des Innern mitgetheilt hat, daß sie „beauftragt" sei, „von jetzt ab auch die Vertretung der fürstlich Liechtenstein'schen Angelegenheiten ihres Amtsbereiches zu übernehmen".
(O est err eich -U ng arn.) Im österreichischen Cabinet sind einige bemerkenswerthe Veränderungen vor sich gegangen. Auf ihr Ansuchen wurden der Justizminister Streit und der Handelsminister Kremer ihrer Aemter in Gnaden enthoben und Baron Pino zum Handelsminister und der Minister Prazak zum Leiter des Justizministeriums ernannt. Mit Streit und Kremer sind die beiden letzten Mitglieder des Ministeriums, welche noch auf dem Standpunkte der deutsch-liberalen Partei in Oesterreich standen, aus dem Cabinet Taaffe geschieden. Im Uebrigen ist je- doch der Ministerwechsel so überraschend schnell gekominen, daß selbst die Wiener Zeitungen am Freitag noch nichts von der bevorstehenden Mi- nister-Krlsis wußten, während im Cabinet selbst dieses Ereigniß schon längere Zeit vorbereitet worden zu sein schien.
. (Frankreich.) Die militärische Organisation Frankreichs wird demnächst durch eine ganze Reihe wichtiger Gesetzentwürfe vervollständigt
werden. Zunächst wird das Rekrutirungsgesetz durch die in Aussicht stehende Aufhebung der Institution der Einjährig-Freiwilligen erhebliche Modifikationen erfahren und in Zukunft werden die Angehörigen gewisser Kategorien der französischen Armee nur provisorisch eine abgekürzte Dienstzeit beanspruchen dürfen. Einen großen Uebelstand im französischen Heer bildet seit geraumer Zeit auch die mangelhafte Organisation der unteren Cadres, namentlich der Mangel an tüchtigen Unterosficieren; diesem Uebelstand soll durch eine Verbesserung der moralischen und materiellen Lage des französischen Unteroffieierstandes abgeholfen werden und ist ein hierauf bezüglicher Gesetzentwurf bereits ausgearbeitet. Aus alledem springt das Bestreben der jetzigen französischen Regierung hervor, die Wehrkraft Frankreichs immer mehr zu steigern und eine ernsthafte Opposition ist hiergegen im französischen Parlamente schwerlich zu erwarten.
(England.) Die Partei der Homeruler, der irischen Partei im englischen Parlamente, hat ein empfindlicher Schlag betroffen, durch welchen die Agitation in Irland nahe berührt werden wird. 16 irische Deputirte haben sich unter Führung Shaws von der Homerulerpartei und somit von dem Agitator Parnell losgesagt und eine besondere Partei unter der Bezeichnung: Trische Whigs gebildet, da sie mit der extremen Richtung der Parnell'schen Partei nicht mehr einverstanden waren. Wenn die einzubringende irische Landbill nur entfernt den Anforderungen der gemäßigten Jrländer entspricht, so gehört eine theilweise Pacificirung der „grünen Insel" nicht zu den Unmöglichkeiten und die erwähnte Secession in der irischen Partei kann daher dem Cabinet Gladstone nur erwünscht kommen. — In der Freitags-Sitzung des Parlaments wurde in der Adreßdebatte der Antra; Parnell, welcher sich gegen die Aufhebung der Constitution ausspricht, mit einer Majorität von 378 Stimmen zu Gunsten der Regierung abgelehnt.
(Rußland.) Bekanntlich operiren die Russen seit längerer Zeit in Central-Asien gegen die Tekke-Turkmenen, welche sich dem weiteren Vordringen der Russen in Central Asien bisher mit Erfolg entgegenge- stelll hatten. General Skobeleff, der wegen seiner Heldenthaten vor Plewna vielgefeierte rnssische General, wurde im Anfang des vorigen Jahres mit dem Oberbefehl über das russische Expeditionskorps gegen die Turkmenen betraut, ihm soll es nun nach den neuesten Petersburger Nachrichten gelungen sein, die Turkmenen bis hinter die Wälle von Gerktepe zurückzudrängen und sie dort einzuschließen. General Skobeleff schildert die Verluste der Turkmenen als „enorm", während er den eigenen Verlust als gering angibt.
(Schweiz.) Die Volkszählung in der Schweiz ist jetzt ihrem Gesammtergebniß nach bekannt Ende des Jahres 1880 betrug die Bevölkerung der Schweiz 2,841,118 Seelen, was gegen die Volkszählung von 1870 eine Zunahme von 174,370 Seelen bedeutet. Bei der nächsten Nationalrathswahl werden also in diese Behörde zehn Volksvertreter mehr als bisher zu wählen sein.
(Orient.) Die Nachrichten über den Stand der Schiedsgerichtsfrage lauten noch immer widersprechend; indessen scheint trotz der sowohl von der Pforte als von Griechenland fortgesetzten Rüstungen in diplomatischen Kreisen die Auffassung der Situation auf der Balkanhalbinsel eine friedliche zu sein. Der „mündlichen" Ablehnung des Schiedsgerichtsvorschlages seitens Griechenlands legt man keine große Bedeutung bei, jedenfalls ist die diplomatische Aetion für das Schiedsgericht durch die ablehnende Antwort d<s Athener Cabineis keineswegs als abgeschlossen zu betrachten, es werden vielmehr neue Schritte der Mächte in dieser Angelegenheit erwartet.
(China.) Die chinesische Regierung hat zwar dem von ihrem Gesandten in Petersburg, Tseng, und der russischen Regierung vereinbarten Vertrag wegen Kuldscha ihre Zustimmung noch nicht ertheilt, doch zweifelt man in Petersburger Regierungskreisen nicht an dieser baldigen Zustimmung. Das englische Cabinet soll bei dem russisch- chinesischen Abkommen gute Dienste geleistet haben.______________________
Tagesschau.
— Berlin, 17. Januar. Se. Majestät der Kaiser und König hörten heute Vormittag die Vorträge des Wirklichen Geheimen Raths von Wilmowski und des General-Intendanten von Hülsen.
— Berlin, 17. Januar. (Abgeordnetenhaus, 38. Sitzung.) Präsident v. Köller eröffnet 11 Uhr 20 Minuten die Sitzung. Das Haus fährt in der zweiten Lesung des Competenzgesetzes fort und ge-