= Herr Sladtpfarrer ObertimPfler aus Karlsruhe, der morgen, Sonntag, Abend einen Vortrag in Offenbach hält, wird auf die Bitte des hiesigen altkatholischen Vereins nächsten Montag Abends 7 Uhr in der hiesigen niederländischen Kirche predigen. Es geht ihm der Ruf eines bedeutenden Kanzelreduers voran. Bevor er seine gegenwärtige Stellung einnahm, in welcher er auch noch in den Gemeinden Rastatt und Durlach pastorirt, war derselbe Gymnasialprofessor in Wiener-Neustadt. Ein tüchtiger Gesangverein hat zur Verherrlichung obigen Gottesdienstes seine Mitwirkung bereitwilligst zugesagt.
— (Immobilien-Umsätze.) Das Trottner'sche Haus, Lang- straße Nr. 69, ging um die Summe von 13,800 Mk. an Herrn Schuhmachermeister Fäth über.
Versteigerungs- und Verpachtungs- rc. Kalender für Montag den 17. Januar.
Angebote auf Lieferung von ca. 520 Centner Roggenstroh für die hiesige Garnison-Verwaltung sind vor dem um 10 Uhr statthabenden Submissionstermin genannter Verwaltung einzureichen (s. Nr. 11 „Han. Anz.").
—Für heute. Kraulen- und Beerdignngskasse für Gold- und Silberarbeitergehülfen: Abends 71/a Uhr: Zur Feier des fünfzigjährigen Jubiläums „Bankett" im großen Saale der „Centralhalle". —Männer- Abtheilung der Turngemeinde: Abends von 9 bis 10 Uhr Turnen.
— Bockenheim. In dem abgelaufenen Jahre 1880 wurden in unserer Stadt 123 Ehen geschlossen, darunter 61 evangelischer, 18 katholischer Confession; 25 Evangelische verehelichten sich mit Katholikinnen und 19 Katholiken mit Evangelischen. 673 Kinder wurden geboren und zwar: 367 Knaben und 306 Mädchen. Es starben im Ganzen 359 Personen davon waren 229 ledig, 85 verheirathet und 45 verwittwet. (Kinder 183 und Erwachsene 176). (B. A.)
— Cassel, 14. Jan. Die Nützlichkeit des Schiedsamtsinstitutes ergibt sich u. a. auch aus den Resultaten, welche in den 9 Schiedsamts- bezirken hiesiger Stadt im Jahre 1880 erzielt worden sind. In einer am 10. Dezember auf dem „Bunten Bock" stattgehabten Versammlung der Schiedsmänner und deren Stellvertreter wurde nämlich festgestellt, daß in Summa 678 Anträge auf Sühneverhandlung festgestellt worden sind. Hiervon sind 345 Fälle (also an 50 pCt.) durch Vergleich erledigt worden; in 237 Fällen blieb der Sühneversuch ohne Erfolg und 90 Falle kamen in Folge von Zurückziehung der Anträge seitens der Antragsteller oder in Folge des Ausbleibens einer der Parteien im Termin gar nicht zur Verhandlung. Von den obigen 678 Anträgen ent- fielen, nach dem „C. I!.", 441 auf Beleidigungs- rc. und 237 auf ver- mögensrechtliche Fülle.
— Die gesetzliche Regelung der Baupolizeiordnung ist nach einer Verfügung des Ministers der öffentlichen Arbeiten bis auf Weiteres aufgegeben. Da jedoch eine Anzahl theils veralteter, theils beschränkender Bauordnuugsbestimmungen der nicht länger zu umgehenden Aenderung bedarf, so hat der Minister eine Zusammenstellung von Gesichtspunkten für etwaige Aenderungen drucken und den Regierungsbehörden zugehen lassen und darin namentlich die Vereinigung der allgemeinen Interessen mit den besonderen der Gesnndheits-, Sicherheits- und Feuerpolizei nach den deshalb gemachten Erfahrungen betont.
Aus der Umgegend.
— Frankfurt a. M., 14. Jan. Der hiesige Gewerbeverein wird binnen Kurzem eine Idee verwirklichen, die für alle Gewerbetreibenden unserer Stadt von größter Wichtigkeit sein dürfte und auch anderwärts Nachahmung verdient. Es wird nämlich hierselbst eine Commission, bestehend aus Ingenieuren, Architekten, Chemikern, sowie Meistern aller Gewerbsbranchen, auch Zimmer- und Maurermeistern, zusammentreten, , zu dem Zwecke, den Mitgliedern aller Industrie- und Ge- Werbszweige in den in ihr Fach einschlagenden technischen und praktischen Fragen unentgeltlich Rath nnd Auskunft zu ertheilen, event, gewünschte Entwürfe und Zeichnungen anzufertigen. Die entstehenden Kosten trägt der Verein und wird in einer der nächsten Sitzungen das Projekt zur allgemeinen Kenntniß gebracht werden. — Die von dem Magistrate beantragte Lustbarkeitssteuer beginnt in die zunächst davon betroffenen Kreise der Musiker ihre Schatten zu werfen. Der Vorschlag, die einzelnen Concerte, sobald sie sich nicht über ein gewisses Niveau erheben, d. h. wahrhaft künstlerische Leistungen sind, zu bestimmen, hat in den Kreisen, welche sich vorzugsweise mit Gelegenheits-Musik befassen, eine große Aufregung hervorgerufen und ist in den betr. Kreisen eine Agitation im Gange, die nächste Woche ihren öffentlichen Ausdruck in einer Mnsiker- und Künstler-Versammlung iq der „Concordia" findet. (G.-A.)
— In Ost erwick in Hessen stürzte ein alter Geizhals, der ein Vermögen von 800,000 Mark zusammengescharrt hatte, von einem hohen Baum, von welchem er sich etwas trockenes Holz stehlen wollte, um sich eine warme Stube zu machen.
Marktbericht.
Hanau, den 15. Januar, 8V2 Uhr Morgens. Der heutige Markt war ziemlich befahren; Viktualienpreise folgende: Butter 1 bis 1,20 M., Käse 4—5 Pf. und Eier 7—9 Pf. das Stück; Kartoffeln 7—9 Pf., Bohnen 46—50 Pf., Erbsen 38—40 Pf., Linsen 48—50
Pf. das Doppelliter; Meerrettig 8—10 Pf. die Stange; BlumenkoW 40—60 Pf.; der Stiel Wirsing 5—6 Pf.; Weißkraut, das Stück 8—10Pf. und Rothkraut 15—25 Pf.; Zwiebel 28—30 Pf.; Sellerie 5—8 Pf.; Schwarzwurzeln, die Portion 30—40 Pf.; Welschkorn das Doppelliter 30 Pf.; Kastanien O2 kg 18—20 Pf.; Waizen- mehl 1. Sorte 24 Pf., 2. Sorte 20 Pf., 3. Sorte 17 Pf. und 4. Sorte 15 Pf. = 0,50 kg; Geflügel: junge Tauben das Pärchen 90 Pf. bis 1 M., ein Hahn 90 Pf. bis 1 M., ein Huhn 80 Pf. bis 1,20 M., eine Gans 4 bis 4,30 M. (gerupfte V2 kg 60—65 Pf.) und eine Ente 2 bis 2,20 M.; Fische: gewöhnliche Sorte 20 Pf., bessere
35 Pf., Hecht 1 M., Barben 45-50 Pf., Steinbutt 2,20 M., Schellfische 40 Pf., SeezungeM'1,70 M. --- 0,50 kg; Stroh 2,50 bis 3
M. und Heu 3,50 bis 4 M. — 50 kg; Holz der Meter 6,65 bis
Thermometer st and.
14. Januar. Tiefster Stand — 71/2U, Abends 7 Uhr — 7'/-;
15. Januar. Morgens 7 Uhr — 130a°, Vormittags 10 Uhr — 13°.
Gedenket der hungernden Vögel. "IM
Börsennachrichten.
N—r. Hanau, 14. Januar 1881.
Das Geschäft war in dieser Woche ziemlich belebt und die Tendenz im Allgemeinen günstig. Man hält sich zwar noch etwas reservirt, aber die Aussicht auf friedliche Gestaltung der Politik und bessere Emwick- lung der Geschäftsverhaltnisse im begonnenen Jahre wird fast allseitig anerkannt und es steht einer Hausse eigentlich nur der Umstand im Wege, daß ein Theil der Spekulationswerthe bereits ziemlich hoch, vielleicht zu hoch im Course steht. Es sind dies namentlich einige österreichische Bahnaktien sowie Papiere, die an der Pariser Börse gehandelt werden, uns daher nicht direkt angehen. Da aber die Erfahrung lehrt, daß bei einem Rückgang solcher hervorragenden Werthe auch die sonstigen nur einigermaßen speculativen Papiere in Mitleidenschaft gezogen werden ohne jeden speziellen Grund, so ist man sehr vorsichtig und selbst günstige Momente bleiben aus dieser allgemeinen Rücksicht vielfach unwirksam.
Das Ereigniß der Woche war die Einführung der neuen 5 pCt. ungarischen Papierrente. Diese Operation ist sehr glatt und günstig verlaufen und haben die Emissionshäuser der Nachfrage nicht genügen können. So ist bereits am ersten Tage der gesammte Betrag aus erster Hand vergriffen. Der Betrag (13 Millionen Gulden) ist allerdings relativ gering, doch wird die ungarische Regierung für die Beseitigung dieses Fehlers ohne Zweifel rasch Gelegenheit bieten. Der Cours stellte sich gestern Abend auf 695/s, also 2 pCt. höher als der Anfangscours. So lauge man jedoch 5 pCt. ungarische Papiere verloosbar und in Gold verzinslich zu ca. 89 haben kann, scheinen uns Letztere für den Capitalisten entschieden dem neueren Papier vorzuziehen.
Wir bemerken, daß der noch ausstehende Rest des früher 4 pCt. später auf 30- pCt. reduzirten Jsenburg-Birstein'schen Anlehens von 1830 auf 1. Juli 1881 zur Rückzahlung gekündigt worden ist nnd daß in diese Kündigung die durch Verloosung auf später bereits gekündigten Obligationen mitinbegriffen sind.
Frankfurter Course
am 6. Januar
am 13. Januar
4 °/o Reichsanleihe
IOOV2
WO7/«
4 ®/o Bayern
1000i«
1000«
Oesterr. Creditactien
25 l3/i
2520s
„ Staatsbahnactien
238-04
239° 8
„ Goldrente
7513/i6
763/i6
„ 60er Loose
1233 4
1237/8
Ungar. Goldrente
94^4
940»
Russen von 1877
930«
9304
Hess. Ludwigsbahnactien
9402
9404
Reichsbankactien
1465/s
145n/i6
Badeeuren.
Dieses interessante Thema behandelt Dr. Paul Niemeyer, Sanitätsrath und Arzt des Vereins für „volksverständliche Gesundheitspflege" zu Berlin, in dem von ihm herausgegebenen Werke „Aerztliche Sprechstunden" in einem Cursus für angehende Wasserfreunde wie folgt:
Der Zustand völliger Unkenntnis, in dem sich die Meisten in Sachen der hygieinischen Hautpflege befinden, offenbart sich im Bereiche ärztlicher Berathung in dem Umstände, daß wenn — wie das in meiner Poliklinik fast regelmäßig geschieht — „Baden" verordnet wurde, der also Berathene, wenn er sich überhaupt dahin „wagt" oder sich nicht von weiblicher Vormundschaft abbringen läßt, sich beim gewöhnlichen Wannenbade „nichts Ordentliches denken kann", sondern meist ein Billet zur römisch-irischen oder zur russischen Dampfbadeabtheilung verlangt. Ohne mich hier schon jetzt über die Bedeutung dieser höheren und zusammengesetzten Formen im Allgemeinen zu verbreiten, so muß ich den Neuling vorläufig doch so weit aufklären, daß „Römisch-irisch" oder „Russisch" für Jemanden, der bisher möglichst wasserscheu gelebt, durchaus nicht passen und ihm höchst wahrscheinlich um so schlechter bekommen müssen, je „ängstlicher" er sich nachher benimmt, gar nicht zu reden von