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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertage, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Provinzial-Correspondenz.

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Nr. 11.

Freitag den 14. Januar

1881.

Rundschau.

R. F. (Deutsch es Reich.) Fürst Bismarck ist vom Kaiser am Sonntag Nachmittag zu einer Conferenz empfangen worden. Endlich ist der Reichskanzler Fürst Bismarck nach einer siebenmonat- lichen Abwesenheit, die nur auf einige Tage unterbrochen wurde, in die Reichshauptstadt zurückgekehrt. Die Rückkehr des leitenden deutschen Staatsmannes von seinem Landaufenthalte nach Berlin pflegt auf die politische Geschäftslage im Innern in der Regel die Wirkung eines als­bald merkbaren Druckes nach vorwärts zu äußern, für alle wichtigeren schwebenden Fragen eine Beschleunigung des Behandlungs-Tcmpcs zu bedeuten. Von dieser Erfahrung geleitet, sieht man deshalb den nächsten Wochen mit größerer Spannung entgegen, als dieselbe durch den blosen Zusammentritt des Abgeordnetenhauses hervorgebracht worden wäre. Die große, noch ungelöste Frage für die Tagespolitik ist die, ob der Reichskanzler noch in die Verhandlungen des Abgeordnetenhauses ein­greifen, oder seine Kräfte für die Debatten im Reichstage aufsparen werde und glaubt man in parlamentarischen Kreisen, daß Fürst Bismarck es einstweilen dem Finanzniinister überlassen werde, im Abgeordneten­hause eine Majorität für das Verwendungsgesetz zusammenzubringen.

Das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich am Dienstag mit dem Ge­setzentwurf über den Einkauf der Rhein-Nahe-Bahn und verwies den­selben an die Eisenbahnkommission zur Vorberathung. Hierauf folgte die erste Lesung des Pfandleihgesetzes, welches an die Justizkommission verwiesen wurde. Zum Schluß gelangte der Gesetzentwurf über die Zahlung der Beamtengehälter und des Gnadenquartal mit unwesentlichen Modifikationen in dritter Lesung zur definitiven Annahme. In der Sitzung am Mittwoch bildeten Petitionen und kleinere Vorlagen den Gegenstand der Berathung.

Wie mit Bestimmtheit verlautet, ist im Abgeordnetenhause die Einbringung eines Antrages durch Herrn Windthorst zu erwarten, der die Spendung der Sakramente von den Voraussetzungen der Maigesetze unabhängig macht, diese daher zum wesentlichen Theile außer Kraft setzt. Auf eine Annahme dieses Antrages dürften die Ultramontanen weder bei den rechts noch bei den links sitzenden Abgeordneten zählen und auch die Regierung hat durch Herrn v. Puttkammer ihre ablehnende Stellung gegenüber dem erst angekündigten Anträge kund gethan und so erscheint dieser neueste Feldzug des Hauptführers der Centrumspartei nur als ein taktischer Vorstoß, um die Stellung der Regierung und der Couserva- tiven gegenüber den ultramontanen Bestrebungen zu erforschen.

In den höheren Commandostellen der deutschen Kriegsmarine ha­ben einige Veränderungen stattgefunden. Der Contreadmiral Kinderling ist auf sein Ansuchen zur Disposition gestellt und der Vice-Admiral Batsch zum Chef der Marinestation der Ostsee ernannt worden. Inte­rimistisch führt der Contre-Admiral Mac-Lean die Geschäfte des Sta- tionschess.

(Oesterreich-Ungarn.) In der österreichischen Presse ist seit einiger Zeit von einer Annäherung Rußlands an das Wiener Cabinet die Rede. Diese Auffassung ist auf die feierlichen Versicherungen zu- rückzusühren, denen der russische Botschafter von Oubril bei seiner Rück­kehr nach Wien dem österreichischen Minister des Aeußern, Baron v. Haymerle, gegenüber Ausdruck verliehen hat und die nun von optimisti­schen Politikern in Wien sofort im Sinne einer Annäherung Rußlands an Oesterreich ausgelegt worden sind. Der Gegensatz der Interessen Rußlands und Oesterreichs ist eben ein zu großer, als daß man auf ein dauerndes Einvernehmen beider Staaten rechnen könnte.

(Frankreich.) Die große Wahlschlacht in Frankreich ist ge­schlagen, das Ergebniß der so erbittert geführten Wahlkampagne ist der Sieg der gemäßigten Elemente über die extremen Parteien. In 36,500 Gemeinden wurden 480,000 Mitglieder der Gemeindevertretungen ge­wählt, welche zum größten Theile Anhänger der gemäßigten Republik sind. Was speciell die Municipalwahlen von Paris anbelangt, so be­finden sich unter den gewählten 80 Municipalrathsmitgliedern 44 mehr oder weniger fortgeschrittene Republikaner, 6 Ultraradikale und 8 Con- servative, bei 22 Wahlen ist eine engere Wahl erforderlich. Dieses vor­läufige Resultat der Municipalwahlen beweist, daß die hochfliegenden Erwartungen der Communards arg getäuscht worden sind und daß die

Anhänger Gambetta's sich dichter um die Fahne der gemäßigten Repu­blik zu schaaren beginnen. Der französische Kammerpräsident darf daher mit dem Wahlergebniß vom Sonntag zufrieden sein, zumal da die Wah­len in den Departements seine Aussichten auf den Besitz der höchsten Macht in der französischen Republik nur erhöht haben werden Der französische Kriegsminister Farre wird demnächst der Deputirtenkammer einen Gesetzentwurf vorlegen, welcher die Abschaffung des Einjährig- Freiwilligen-Instituts in der französischen Armee bezweckt.

(England.) Das britische Weltreich beginnt in allen Fugen zu wackeln. Zu den Verlegenheiten der englischen Regierung in Irland und Südafrika gesellt sich nun noch die Kunde von einer entdeckten Ver­schwörung unter den Hindus der Stadt Kolapoor, welche die Nieder- metzelung der europäischen Bewohner jener Stadt zum Zwecke hatte. Gegen 3000 Personen sollen in das Komplott verwickelt sein. Wenn zu den bisherigen, das englische Cabinet in Athem erhaltenen Verlegen­heiten noch ein Aufstand in Indien käme, so würden Ansprüche an das Mutterland gestellt werden, welche dasselbe nur mit der größten An­strengung befriedigen könnte.

(Rußland.) Das Gespenst des Nihilismus taucht in Rußland immer wieder auf. Vor einigen Tagen wurde in einem niederen Lokal in Petersburg ein Individuum verhaftet, welches sich bemühte, den an­wesenden Gästen Papierrollen zuzustecken, die sich als aufrührerische Proklamationen des nihilistischen Comitö's erwiesen. Auch gehen in Petersburg Gerüchte umher, daß die Nihilisten bei einem Londoner Uhr­macher Höllenmaschinen bestellt hätten, in wie weit dieses letztere Gerücht begründet ist, wird die von der russischen Botschaft in London unver­züglich augestellte Untersuchung der Angelegenheit ergeben.

(Spanien.) In Madrid starb vor Kurzem der General Mo- rionei, der im letzten Carlistenkriege eine Zeit laug den Oberbefehl ge­gen die Carlisten führte und Don Carlos nach der Schlacht bei Oro- quieta zur zeitweiligen Flucht aus Spanien zwang. Der Tod des ver­dienten Generals erregt in den parlamentarischen und politischen Kreisen Spaniens lebhaftes Bedauern.

(Griechenland.) Die Stimmung im griechischen Cabinet be­züglich der Schiedsgerichtsfrage ist fortwährend eine schwankende und die ganze Situation der politischen Lage auf der Balkanhalbinsel entbehrt durch diese Schwankungen der so nöthigen Klarheit. Der griechische Ministerpräsident soll dem französischen Gesandten in Athen, Mony, be­stimmt erklärt haben, Griechenland könne den Weg nicht verlassen, auf den es durch die Entscheidung der Berliner Signatar-Mächte gebracht worden sei, von ber Pforte sei nichts zu hoffen, dieselbe werde auf einen Schiedsspruch'hin niemals Thessalien und Epirus abtreten, die Ent­scheidung durch die Waffen sei demnach eine schmerzliche, aber unab­änderliche Nothwendigkeit.

(Türkei.) Im türkischen Cabinet haben einige Veränderungen stattgefuuden; der Marineminister Rassim Pascha wurde durch Hassan Pascha ersetzt, Hobart Pascha zum Generalstabschef der Marine und Osman Pascha an Stelle Husni Pascha's zum Kriegsminister ernannt

( d a m er i ka.) In Washington cirkuliren Gerüchte, nach denen die Chilenen die peruanische Hauptstadt Lima im Sturm genommen ha­ben sollen, wodurch der blutige Krieg in Südamerika allerdings sein Ende erreicht hätte. Eine Bestätigung dieser Nachricht bleibt indessen noch abzuwarten.______

Tagesschau.

Berlin, 13. Januar. Se. Majestät der Kaiser und König sind seit zwei Tagen durch eine leichte Erkältung mit Heiserkeit genö­thigt, das Zimmer zu hüten. (R. u. St.-A.)

Berlin, 13. Januar. (Abgeordnetenhaus, 35. Sitzung.) Präsident v. Köller eröffnet IVk Uhr die Sitzung. Erster Gegenstand der Tagesordnung ist die dritte Lesung der Höserechte in Lauenburg. In der Generaldebatte nimmt v. Schorlemer-Alst das Wort. Redner hält die statistischen Zahlen des Ministers nicht für zutreffend. Land- wirthschaftsminister Dr. Lucius: Ich bezweifle nicht, daß die Zahlen des Abg. v. Schorlemer richtig sind; er übersieht nur, daß den subhastirten Höfen eine große Zahl neugebildeter gegenüber stehen. Ich kann nur bei den Angaben stehen bleiben, welche ich auf Grund des mir über-