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Nr. 8.

Dienstag den 11. Januar

1881

Amtliches.

Für den am 12. September 1862 geborenen Ludwig Karl Meng er aus Hanau ist um Entlassung aus dem Preußischen Unter- thanen-Verbande behufs Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

Hanau am 4. Januar 1881.

Gefunden: Ein Dessinbracelette von Talmigold. Ein Porte­monnaie mit Geld. Ein Paar graue Handstauchen.

Hanau am 11. Januar 1881.

Aus Königl. Landrathsamt.

Rundschau.

R. F. (Deutsch es Reich.) Nachdem über den Zeitpunkt des Eintreffens unseres leitenden Staatsmannes in der Reichshauptstadt be­reits die verschiedensten Versionen aufgetaucht sind, wurde der Reichs­kanzler Fürst Bismarck in Berlin für Sonnabend den 8. Januar be­stimmt erwartet, jedoch verlautet noch immer nichts Bestimmtes darüber, ob sich der Reichskanzler noch an den ferneren Verhandlungen des Ab­geordnetenhauses betheiligen werde, vermuthlich werden die demnächst beginnenden Ministerkonferenzen im Bundesrathe und die Eröffnung des Volkswirthschaftsrathes seine Thätigkeit mehr als die parlamentarischen Geschäfte in Anspruch nehmen. Jedenfalls aber ist die persönliche Theil­nahme des Fürsten an den Berathungen des Landtages im höchsten Grade erwünsckt, da durch das persönliche Eingreisen des leitenden Mi­nisters in die Debatten gewiß die so nothwendige Klärung in der zur Zeit recht verworrenen Stellung der Parteien herbeigeführt würde.

Mit dem am Sonnabend erfolgten Wiederbeginn der Verhandlungen des Abgeordnetenhauses hat die in unserem inneren politischen Leben durch die Weihnachtsferien eingetretene Pause ihr Ende erreicht. Wohl der wichtigste Berathungsgegenstand für die zweite Hälfte der gegenwär­tigen Landtags-Session ist das neue Verwendungsgesetz, ob aber das Gesetz in den dem Landtage zu Gebote stehenden wenigen Wochen noch zu Stande kommen wird, ist bei der Fülle des anderweitigen noch zu bewältigenden Materials zu bezweifeln, indessen wäre es schon als ein Erfolg zu betrachten, wenn es gelänge, eine Verständigung zwischen den Parteien und der Regierung über den Entwurf herbeizuführen. In der am Sonnabend stattgefundenen Sitzung gelangten nur eine Anzahl Vor­lagen von untergeordneter Bedeutung zur Annahme, darunter das Gesetz über die Veränderung der Grenzen des Stadtbezirks Berlin. Am Dienstag beschäftigt sich das Abgeordnetenhaus mit der Berathung des Gesetzentwurfes, betr. das Pfandleih-Gesetz, nachdem das Herrenhaus den Entwurf bereits durchberathen hat.

DerReichsanzeiger" enthält eine kaiserliche Verordnung vom 29. Dezember vorigen Jahres, wodurch die Verpflichtung der aus Rußland kommenden Reisenden, ihre Pässe an der Grenze visiren zu lassen, für die Angehörigen des deutschen Reiches und derjenigen Länder ausgehoben wird, in welchen den Deutschen der Eintritt ohne Visirung des Passes durch eine gesandtschaftliche oder Consularbehörde des betreffenden Landes gestattet ist. Diese Verordnung schafft einer seit langer Zeit bestehenden Beschwerde über Belästigung des deutsch-russischen Grenzverkehrs endlich Genüge, da namentlich die Visirungsgebühren für diejenigen Personen, welche durch ihr Gewerbe gezwungen waren, die Grenzen häufiger zu passiren, eine hohe Abgabe bildeten.

Ueber den Gesetzentwurf wegen Beschränkung der Trunksucht er­fährt man, daß die Vorlage in Form einer Novelle zum Strafgesetzbuch ausgearbeitet wird und es wird der betreffende Entwurf nack seiner Fertigstellung im Reichsjustizamte wahrscheinlich nächstens dem Bundes- the rugeheu.^ ^^ichen Ernennungen für den Volkswirthschaftsrath, bessert Zusammentritt man in allernächster Zeit entgegensieht, befindet sich auch die des Geh. Rath Schule, bekanntlich früher Präsident des Reichs- eisenbahnamts, ferner hat die Regierung mehrere Meister aus den ver­schiedenen Handwerken in den Rath berufen, so daß man durch die Hinzuziehung dieser Sachverständigen einer ersprießlichen Thätigkeit des Volkswirthschaftsrathes auch in Bezug auf die Wahrung der Interessen des Handwerkerstandes entgegensieht.

(O est erreich-Ung arn.) Die oberösterreichische Bauernbewe­gung ist in dem gegenwärtigen politischen Leben der Donaumonarchie eine ganz eigenthümliche Erscheinung. Sie charakterisirt sich vor Allem dadurch, daß sie an und für sich kdine politische Bedeutung hat, sondern sie bezweckt lediglich die Wahrung der durch die neue Grundsteuerbe­lastung schwer bedrohten bäuerlichen Interessen in Oberösterreich. Die Deputirten der oberösterreichischen Bauern versicherten auch dem sie em­pfangenden Ministerpräsidenten Grafen Taaffe, daß die Bauern von allen politischen Fragen absehen und sich nur mit materiellen Fragen beschäftigen wollen, damit ihre Vertreter in den parlamentarischen Kör­perschaften eine Richtschnur für ihr Vorgehen erhalten. Ob indessen die Bauernbewegung diese lediglich auf Wahrung der wirthschaftlichen In­teressen des Bauernstandes gerichtete Tendenz auch ferner wird beibehalten können, muß bei den gegenwärtig so schroff hervortretenden Gegensätzen der Parteien in Oesterreich bezweifelt werden.

(Frankreich.) Wenn man den Weg betrachtet, den der alles über Bord werfende Radikalismus in Frankreich in steigender Progres­sion in wenig Jahren zurückgelegt hat, so lenkt sich unwillkürlich der Blick in eine noch so nahe Vergangenheit zurück. Dieselben Männer, dieselben Tendenzen, welche vor zehn Jahren die kurze, aber blutige Herrschaft der Commune in der französischen Hauptstadt charakterisieren, können sich bereits heute wieder öffentlich und ungestört Raum machen und dieselben finsteren Erscheinungen treten wieder an das Tageslicht. Die Brandreden der Führer der Communisten, die beispiellos heftigen Angriffe in den Spalten der radikalen Blätter gegen das jetzige gemäßigt­republikanische Regime lassen erkennen, wie es in den Tiefen der ultra- radikalen Partei in Frankreich tobt und gährt, so daß man nicht ohne Besorgniß die Frage aufwerfen kann, ob die heutige Republik in Zu- kunst die Kraft haben werde, die entfesselte radikale Strömung einzu- dämmen. Jedenfalls ist der Kampf zwischen derblauen" Republik und dem revolutionären Radikalismus in Frankreich früher oder später un­vermeidlich.

(England.) Durch den am Donnerstag erfolgten Zusammentritt des englischen Parlaments drängt die irische Angelegenheit unabweisbar in den Vordergrund des politischen Lebens in England. Schon die erste Sitzung fühlte in dieser Frage zu einem starken Zusammenstoß der Par­teien und während im Unterhause der konservative Abgeordnete North- cote die irische Politik der Regierung heftig angriff, unterzog der frühere Premier, Lord Beaconsfield, im Oberhaufe das Verhalten der Regierung i in dieser Frage einer vernichtenden Kritik, wie er überhaupt die gesammte Politik des jetzigen englischen Cabinets scharf verurtheilte. In seiner Vertheidigung erklärte der Staatssekretär des Auswärtigen, Lord Gran- ville, daß der gegenwärtigen Regierung die Verantwortlichkeit für die Zustände in Irland nicht zusalle und betonte, daß man Irland mit Sorgfalt und Festigkeit behandeln müsse.

(Rußland.) In Rußland ist wieder einmal die Deutschenhetze an der Tagesordnung. Besonders die panslavistischen Blätter fahren fort, in allen Tonarten gegen die Deutschen zu hetzen und wo sich nur die Gelegenheit bietet, werden den Deutschen die kecksten Verläumdungen und Schmähungen entgegengeschleudert. Wenn diese systematische An­feindung des deutschen Elements im russischen Volke tiefere Wurzeln schlagen sollte, so könnte ein bitterer Rassenkampf nicht ausbleiben.

(Italien.) Das italienische Königspaar hat mit Zahlreichem Gefolge eine dreiwöchentliche Reise nach Sicilien angetreten. Die besten Wünsche begleiteten das hohe Paar, an dessen Reise nach der schönen, aber in jeder Beziehung arg vernachlässigten Insel sich viele Hoffnungen knüpfen. Nach der Rückkehr des Königs wird die Wiedereröffnung der Kammer stattfinden, während die jetzige politische Pause mit Nachwahlen zum Parlamente ausgefüllt wird.

(Spanien.) Die Thronrede, mit welcher jüngst die spanischen Cortes eröffnet wurden, erscheint durch ihre Schlußworte besonders be- merkenswerth. Es heißt hier, daß es nicht unmöglich erscheine, daß Spanien eines Tages wieder dahin gelange, seine Stellung in der Welt wieder einzunehmen, die es bis zu diesem Jahrhundert inne gehabt habe. Dieser Wunsch der spanischen Regierung ist begreiflich, aber bei dem in Spanien herrschenden Parteiunwesen, der zerrütteten Finanzlage und vor