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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.
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Nr. 5.
Freitag den 7. Januar
1881.
Amtliches.
1) Tie Königlichen Standesbeamten ersuche ich ergebenst gemäß §. 7 des Reglements zur Ausführung des Reichkimpfgesetzes vom 4. März 1875 (Amtsblatt pag. 118) in den vorgeschriebenen Formularen, welche per Couvert übersendet werden, die Nachrichten über die im Jahre 1880 geborenen und noch am Leben befindlichen Kinder in die Rubriken 1 bis 5 einzutragen und die aufgestellten Listen demnächst an mich zu- rückzusenden.
2) Die Herren Schulvorsteher ersuche ich gemäß §. 8 des Reglements zur Ausführung des Reichsimpfgesetzes vom 4. März 1875 (Amtsblatt pag. 118) in den vorgeschriebenen Formularen, welche per Couvert übersendet werden, die im Jahre 1869 geborenen Zöglinge in die Rubriken 1 bis 5 einzutragen und die aufgestellten Listen demnächst an mich zurückzusenden, sowie ferner 4 Wochen vor Schluß des Schuljahres (1. März) ein Verzeichniß derjenigen Schüler einzureichen, für welche der Nachweis der Impfung nicht erbracht ist.
Hanau am 6. Januar 1881.
Bürgermeister Steinmetz zu Berkersheim ist zum Ortstaxator für diese Gemeinde bestellt und verpflichtet worden.
Hanau am 3. Januar 1881.
Der dem Michael Klein zu Rüdigheim am 21. Juni 1879 ertheilte Auftrag zur Untersuchung des Schweinefleisches auf Trichinen ist zurückgezogen und hat die Geschäfte des Sachverständigen in dieser Beziehung der Bürgermeister Schmidt in Rüdigheim wieder übernommen.
Hanau am 30. Dezember 1880.
Der Taglöhner Nikolaus Geschwür dner, geboren zu Steinau am 21. August 1833, seither hier wohnhaft, hat sich heimlich entfernt und seine Familie, Frau und 5 unmündige Kinder, in hilflosem Zustande zurückgelaffen. Es wird ersucht nach dem Aufenthaltsorte desselben zu recherchiren und im Ermittelungssalle hierher Nachricht zu geben.
Hanau am 31. Dezember 1880.
__________________________Der Landrath.__________________________
Rundschau.
B. F. (Deutsch es Reich.) Der Neujahrs-Empfang bei den Kaiserlichen Majestäten gestaltete sich, wie alljährlich, auch diesmal zu einem ebenso glänzenden wie interessanten Schauspiele. Die Auffahrt eröffneten die Mitglieder der Königlichen Familie in zweispännigen Galawagen, die hohen Herrschaften brachten dem Kaiserlichen Paare im Salon der Kaiserin ihre Glückwünsche dar. Hieran schloß sich im Balkonsaal der Kaiserin der Empfang der Hofstaaten, der Generalität und der landsässigen Fürsten und Fürstinnen. Hierauf wurden die Minister empfangen und unmittelbar nach ihnen die Botschafter, welche den Reigen der Gratulanten schloffen und in großer Gala mit zahlreicher Dienerschaft auffuhren. Hervorgehoben zu werden verdient die Rüstigkeit und nicht zu ermüdende Liebenswürdigkeit des greisen Monarchen, die er beim Empfange der verschiedenen Gruppen entwickelte und diese Frische und Munterkeit berechtigte den hohen Herrn wohl zu dem scherzhaften Ausspruch, den der Kaiser den Leibärzten gegenüber that: Ich hoffe Sie in diesem Jahre nicht zu sehen.
Das Eintreffen des Reichskanzlers Fürsten Bismarck in Berlin ist noch immer nicht genau festgestellt. Die Meldung einzelner Blätter, daß Fürst Bismarck am 5. Januar wieder in Berlin eintreffen wollte, beruht jedenfalls auf falschen Informationen, wohl aber gilt es als gewiß, daß der Reichskanzler an den am 25. Januar beginnenden Bun- desraths-Conferenzen der leitenden Minister der Einzelstaaten mit Theil nehmen wird.
Man macht sich in Abgeordnetenkreisen immer mehr mit dem allerdings unangenehmen Gedanken einer Nach-Session vertraut. Die noch zu erledigenden Vorlagen der Regierung sind so umfangreich, daß auch bei angestrengtester Thätigkeit deren Erledigung bis zum Beginn des Reichstages unmöglich sein wird. Am dringlichsten ist selbstverständlich die vollständige Erledigung des Budgets. Rückständig sind noch die Etats der indirekten, der direkten steuern und der allgemeinen Finanz- verwaltung. In Verbindung mit den auf diese Etats bezüglichen Beschlüssen steht das neue Verwendung^gesetz, dessen erste Lesung jedenfaus
beschleunigt werden wird. Zu erledigen sind dann noch einige kleinere Gesetze, welche mit aus dem Herrenhause herübergekommen sind, sowie verschiedene Denkschriften und Rechenschaftsberichte.
Mittheilungen aus Marinekreisen zufolge ist in diesem Jahre die Entsendung eines Geschwaders, das sich aus den Schiffen „Moltke", „Stosch" und „Souife" zusammensetzen soll, nach den ostasiatischen Gewässern in Aussicht genommen. In den heimischen Gewässern werden in diesem Jahre noch die Kanonenboote „Delphin", „Drache" und „Komet" in Dienst gestellt, die beiden ersten, um Vermessungsarbeiten an der Nordsee- und Ostseeküste vorzunehmen, das letztere, um den Fischerei-Betrieb in der Nordsee zu überwachen.
Durch den Tod des Prinzen Ulrich von Württemberg, des bis jetzt einzigen männlichen Nachkommens des Thronfolgers Prinzen Wilhelm, ist die Eventualität einer Thronfolge der katholischen Linie in Württemberg nahe gerückt. Wenn Prinz Wilhelm keine männliche Erben hinterläßt, so würde die Erbfolge an den streng-katholischen Herzog Philipp von Württemberg übergehen und der Fall würde eintreten, den 1819 König Wilhelm von Württemberg als ganz undenkbar bezeichnete, nämlich daß ein katholisches Regentenhaus über Württemberg herrschte.
(Oesterreich-Ungarn.) Der oberösterreichischen Bauernbewegung, welche dem Cabinet Taaffe sehr unbequem zu werden drohte, ist durch einen geschickten Zug des österreichischen Ministerpräsidenten die Spitze abgebrochen worden. Graf Taaffe hat nämlich die Delegirten der oberösterreichischen Bauern empfangen, sich mit ihrien offen über die Ziele und Ursachen der Bauernbewegung auseinandergesetzt und durch seine entgegenkommende Haltung erreicht, daß sich die Delegirten für vollständig zufriedengestellt erklärten und dem Ministerpräsidenten ihr volles Vertrauen aussprachen.
lF rank reich.) Am Neujahrstag fand im Elysee, der Wohnung des Präsidenten der französischen Republik, Grävy, der übliche diplomatische Neujahrsempfang statt. Wie gewöhnlich, so brächte auch diesmal der päpstliche Nuntius Czacki im Namen des diplomatischen Corps die Wünsche desselben für das Wohl der französischen Republik und ihres Präsidenten dar. Nur richtete diesmal der Nuntius wider den Brauch eine förmliche Ansprache an Grövy, die aber ohne jede politische Anspielung war. Grövy dankte und unterhielt sich dann einige Augenblicke mit jedem einzelnen Mitgliede des diplomatischen Corps. — Am Abend des Neujahrstages starb auch der bekannte Erz-Revolutionär Blanqui, wodurch der Opportunismus in Frankreich von einem nicht ungefährlichen Gegner befreit wird. Blanqui, der 75 Jahre alt geworden ist, konspirirte gegen jede konstituirte Regierung, mochte dieselbe in der Form des Königthums, des Kaiserreiches oder der Republik bestehen, und hat deshalb fast die Hälfte seiner Lebenszeit theils in den Gefängnissen, theils in der Verbannung zugebracht.
(England.) Der Zusammentritt des englischen Parlaments steht unmittelbar bevor. Derselbe erfolgt zu einer für das gegenwärtige englische Cabinet äußerst kritischen Zeit und die Stimmung des Letzteren gegenüber der Volksvertretung ist darum keine vertrauensselige. Die neuesten aus Südafrika einlaufenden Nachrichten sind auch nicht geeignet, diese gedrückte Stimmung zu erhöhen, denn nach denselben sollen die Boers des Oranje-Freistaates fest entschlossen sein, ihren Brüdern im Transvaallande beizustehen. Da auch die Vorgänge in Irland zur<Entscheidung drängen, so finden fast täglich Sitzungen des englischen Caln- nets statt, doch verlautet über gefaßte Beschlüsse noch wenig.
(Rußland.) Die Verhandlungen zu Petersburg zwischen der russischen Regierung und dem chinesischen Gesandten, Marquis Tseng, wegen der Kuldscha-Frage sind ihrem Abschlüsse nahe. Es erübrigt nur noch, daß das Resultat dieser Verhandlungen nach Peking berichtet wird und man zweifelt nicht, daß die chinesische Regierung dem Abschlüsse eines Vertrages bezüglich Kuldscha's endlich ihre Zustimmung ertheilen werde.
(Portugal.) Am Sonntag sind die portugiesischen Cortes eröffnet worden. In der Thronrede wird aus die guten Beziehungen des Landes zu den fremden Mächten hingewiesen und ferner die lebhafte Betheiligung des in- und ausländischen Capitals an der neu aufgenommenen Anleihe hervorgehoben. ■ ..... ..
(Griechenland.) Alle Maßnahmen der griechischen Regierung i deuten darauf hin, daß dieselbe entschlossen ist, .in der griechisch-türkischen 1 Grenzfrage an den Entscheid der Waffen zu appelliren. Nachdem sie