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Nr. 2.
Amtliches.
Gesunden: Ein halber Fensterladen. Ein Gesangbuch. Ein Regenschirm. Ein schwarzes Eiswolltuch.
Verloren: Ein Waffenpaß pro 1880/81, auf den Namen Konrad Schmidt aus Kesselstadt ausgestellt.
Hanau am 4. Januar 1881.
Aus Königl. Landrathsamt.
Rundschau.
R. F. (Deutsches Reich.) Das neue Jahr, in das wir nun getreten sind, lenkt den Blick vor Allem auf die großen Aufgaben, welche dem Reiche und den Einzelstaaten in diesem Jahre noch harren und deren Lösung im vergangenen Jahre nur theilweise gelang. Hauptsächlich ist es die begonnene wirthschaftliche Reform, welche die allgemeinste Aufmerksamkeit in Anspruch nimmt und die weitere Entwickelung dieser Lebensfrage hängt so eng mit der Entwickelung des gesammten Reichsorganismus zusammen, daß wir dieselbe mit dem höchsten Interesse verfolgen müssen. Leider ist auf diesem Gebiete noch kein entscheidender Schritt nach Vorwärts gethan worden, wozu die gegenseitige Erbitterung der Parteien auch nicht geeignet war. Die Erregtheit der Gemüther scheint sich aber doch etwas gelegt zu haben und so binnen wir doch noch hoffen, das einst unter so günstigen Vorzeichen begonnene große Werk der wirthschastlichen Reform noch beendet zu sehen.
Am Neujahrstage empfingen die Kaiserlichen Majestäten in hergebrachter Weise im Palais die Glückwünsche seitens der Mitglieder der Königlichen Familie sowie der Spitzen der Reichs- und Staatsbehörden, Nachmittags fand im Kaiserlich!n Palais große Familien-Tafel statt.
In sämmtlichen Abtheilungen des Kriegsministeriums herrscht zur Zeit eine rege Thätigkeit, da der 1. April 1881, der Termin, mit welchem die im vorigen Jahre angenommene Heeres-Vorlage zur Aussüh- rung kommt und die Formation der neuen Truppentheile stattfindet, immer näher rückt. Im Allgemeinen Kriegsdepartement werden alle die Fomation, Dislokation, Bewaffnung und die Landwehrangelegenheiten der neuen Truppentheile betreffenden Arbeiten eifrigst betrieben und da auch im Militair-Oekonomie-Departement die regste Thätigkeit herrscht, so darf man bestimmt hoffen, daß die Formation der neuen Regimenter zu dem festgesetzten Termine auch vor sich gehen werde.
Die bis jetzt ermittelten Resultate der Volkszählung lassen nach den Ansichten der Statistiker schon zwei erfreuliche Thatsachen konstatiren, einmal, daß gegenüber dem unverhältnißmäßigen Zuströmen der Bevölkerung nach den großen Städten jetzt naturgemäß eine gesundere Ver- theilung der Bevölkerung auf das ganze Land eingetreten ist und sodann, daß die Zunahme der Bevölkerung keineswegs eine so große ist, daß auf irgend eine künstliche Weise der Uebervölkerung vorgebeugt zu werden brauchte. Die vielfachen Besorgnisse, welche bei der letzten Volkszählung wegen der unnatürlichen Concentration der Bevölkerung nach den großen Städten und wegen der rapiden Bevölkeruneszunahme laut wurden, find demnach unbegründet.
Die große Versammlung des Westfälischen Bauernvereins zu Münster hat an den Kronprinzen auf ein von dem hohen Herrn eingegangenes Schreiben eine Dankdepesche gerichtet, in welcher dem Krön- Prinzen für dessen lebhastes Interesse für die Erhaltung eines kräftigen, lebensfähigen Bauernstandes der tiefgefühlteste Dank der Versammelten dargebracht wird. Freiherr von Schorlemer-Alst, der bekannte ultra- montane Reichstags-Abgeordnete, ist der Unterzeichner der Depesche.
Die Verhandlungen des jetzt serienseiernden Landes-Ausschusses für Elsaß-Lothringen bilden zur Zeit den Hauptgegenstand der Unterhaltung in den deutschen Kreisen des Reichslandes. Die maßlosen Ausfälle eines, wenn auch kleinen Theiles der Landes-Ausschußmitglieder gegen das Deutschthum im Allgemeinen, insbesondere aber gegen die deutschen Beamten der Reichslande, haben eine tiefe Bestimmung in dortigen altdeutschen Kreisen hervorgerufen.
(O e st erreich-Ungarn.) Die in der oberösterreichischen Bauernschaft entstandene Erregung, welche ihren Grund in dem, den Interessen der Bauernschaft in der Grundsteuerfrage entgegengesetzten Standpunkte der Regierung hat, hält an. Diese Erregung ist noch durch das Verbot
Dienstag den 4, Januar
1881
des Linzer Bauerntages gesteigert worden und die Bauern gehen daher mit der Absicht um, ein Cwmitö nach Wien zu senden und dem Kaiser die Lage des oberösterreichischen Bauernstandes vorzustellen und um Berichtigung der Grundsteuerregulirung zu bitten. Indessen scheint die oberösterreichische Statthalterei eine starke Pression auf die Bauern ausgeübt zu haben, da das Comitö seine Abreise einstweilen verschoben hat.
(Frankreich.) In Frankreich hat sich die Spannung der in- neren politischen Lage keineswegs gemildert und allem Anschein nach werden die Gegensätze zwischen den Monarchisten und den gemäßigteren Republikanern, sowie zwischen den Letzteren und den Radikalen nur noch schärser im neuen Jahre hervortreten. Die Erbitterung im Lager der Pariser Ultraradikalen gegen die Anhänger der gemäßigten Republik ist im Wachsen begriffen und jeder an und für sich unbedeutende Zwischen- fall steigert noch diese Erbitterung. So hat der „Fall Protot" Anlaß zu einer ungemein heftigen Polemik zwischen der republikanischen Presse und den Communarden-Blättern gegeben. Protot war unter der Commune Delegirtcr im Justizministerium und wandte sich nach der Amnestie mit dem Gesuche um Zulassung zur Advokatur an die Pariser Advo- katcnkammer, welche Protot aber abwies, worüber unter den Ultraradikalen natürlich ein wahrer Sturm der Entrüstung entstand. Merkwürdiger Weise nimmt das Organ Gambetta's, die „Rep. Fraugaise",Partei für Protot und bezeichnet das Verhalten der Advokatenkammer als eine Thorheit und Ungerechtigkeit. Es erscheint diese Stellungnahme Gambetta's sür einen amnestirten Communard als ein schlauer Schachzug, daraus berechnet, kurz vor den Wahlen am 9. Januar noch möglichst Eindruck auf d'- nltraradiknlcn Wähler zu machen und die Gambetta feindliche Stimmung derselben zu mildern, der Schachzug dürste jedoch bei den „Unversöhnlichen" schwerlich von irgend welchem Erfolge sein.
(England.) Die immer ungünstiger lautenden Nachrichten aus dem Transvaallande haben das englische Cabinet veranlaßt, in der vergangenen Woche abermals zu einer Sitzung zusammenzutreten und über die Lage zu berathen. Die Boers sollen bereits die Hauptstadt des Transvallandes, Pretoria, besetzt haben und die dortigen englischen Truppen sollen zum Rückzug in das Fort genöthigt worden sein. Kenner der Verhältnisse im Transvaallande sprechen sich entschieden dahin aus, daß die jetzige Rebellion der Boers durchaus nicht das Werk von nur wenigen Agitatoren sei, dieselbe sei im Gegentheil eine nationale Bewegung, welche den Ausbruch des Zornes und Hasses aller Boers gegen die britische Herrschaft bekunde und von der bestimmten Absicht der Boers spreche, ihre volle Unabhängigkeit in jeder Beziehung wieder zu gewinnen.
(R u ß l a n d.) Die Reformen des russischen Finanzministers Abaza bilden in den politischen Kreisen der russischen Hauptstadt gegenwärtig den Hauptgegenstand der Unterhaltung. Für den 1. Januar alten Styles steht ein finaucielles Ereigniß von großer Tragweite in Aussicht, die Veröffentlichung eines Ukas, welcher die Tilgung der Schuld des Staatsschatzes an die Reichsbank anordnet, welche Schuld sich auf 370 Millionen Rubel beläuft und deren Tilgung auf eine Reihe von Jahren zu vertheilen beabsichtigt ist. Der Ernst, mit welchem die russische Regierung an die Regulirung des Finanzwesens geht, wird in Petersburg allgemein als ein Zeichen aufgefaßt, daß die Regierung von durchaus friedlichen Gesichtspunkten ausgeht.
(N i e d e r l a n d e.) Für die Holländer hat sich die Lage in Atchm, wo sie bekanntlich schon' seit langer Zeit einen kostspieligen Krieg gegen die dortigen Eingeborenen führen, erheblich gebessert, so daß die Holländische Regierung in diesem Jahre einer völligen Beendigung des Kampfes entgegensieht. Sämmtliche Häuptlinge sind vom Gouverneur in großer Audienz empfangen worden, welche ihre Huldigungen darbrachten. Bei ihrer Abreise wurden ihnen zu Ehren 15 Artilleriesalven gelöst und diese Ehrenerweisungen scheinen tiesen Eindruck auf die Atchinesen gemacht zu haben, da seit dieser Zeit vollständige Ruhe herrscht.
(Spanien.) Am vergangenen Donnerstag wurden die spanischen Cortes durch König Alphons in Person eröffnet. In der Thronrede wurde erklärt, daß die spanische Regierung in Bezug auf die auswärtige Politik von keinerlei Ehrgeiz geleitet werde und daß sie in Bezug auf die anderen Verhältnisse des Landes durchaus keine Besorgnisse hegst,