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1772

M — Paris 27. Dezbr. Wie das .Journal offiziel" «eldrt, hat der Präsiden Grävy die TutlaffungSgemche sämmtlicher Minister auge- nommen und Herr« de Freycinet mit der Bildung des neuen Kabinets beauftragt. Die bisherigen Minister werden inzwischen provisorisch die Geschäfte fsrtführen.

. ^°nd°^! 27. Dez. (K. Z.) Das KriegSamt hat ange- Anet, daß dre Grschützzießerei des woolwicher Arsenals nächsten Montag chre volle Thätigkeit wieder aufnchAe. Wie verlautet, ist die Entscheidung in dem Kampfe zwischen Vorderlader «nd Hinterlader ßkfallsn und handelt es sich um Anfertigung einer größeren Anzahl Hinterlader »ach französischem System. Diese Hinterlader fallen an Rohrgewicht schwerer aus a?Z das Kaliber der entsprechenden Vorder« lader. Die Admiralität hat Weisung gegeben, daß auf den Staaü* Werften weiter keine Arbeiter entlasso« werden sollen.

— Petersburg, 27. Mz. (K. Z.) Amtliche Gerichte aus CanneS vom 26. d melde« fortdauernbe BesserunZ in dem GrsuutzheitS« zuftaude der Kaiserin.

Spezialtelegramme deL „Deutsche« ÄsntLgS«Blatt.-

— Wien, 28. DeAr., 11 Uhr 30 Min. Morgens. Sämmtliche Gerüchte betreffs Wiederherstellung des Dreikaiser«Behältnisses werden kompttenten Orts kategorisch drmentirt. — Die Verstaatlichung der österreichische» Bahnen hat begonnen. Die Rudolfbah» geht zum 1. Jaunar in Staatshände über; andere Bahnen werden folgen. — In der türkisch montenegrinische» Grenzfraze wird ein blutiger Konflikt un« verAeidlch.

— Paris, 28. Dezember, 12 Uhr 16 Min. Das .Journal osfizrel" ist stumm, wie das Grub. Diejenigen republikanischen BtLtte.-, welche die beste Fühlung haben «d über die bisherige Phae» her Ministerkrise zuerst unterrichtet waren, gestehen heute Morgen ein, es sei «üß;g, irg nSwrlLe Kombination mitzutheilen, da jede Beseitigung einer Schwie izkrit bisher zwei andere hervorgerufen habe.

8 o k a L e s.

Hanau, 29. Dezember 1878.

1. Theater. (Verspätet.) In der letztoergangenen Thratrr« Vöche schelte hauptsächlich das Gastspiel des Wiener Komikers Knaack am Mittwoch den 17. Dez. In dem ersten der 3 kleinen Lastspieie .Im Äpätsom Wer- trat der Komiker mehr zurück, jedoch ein äußerst ftw nüaveirteS Spiel bewies das bedeutende Talent, welches er besitzt. In den beiden folgenden Stück« .Der Sohn aus Reisen- und .Schneider Fips" entlrckte sein derb-komisches Spiel einem jeden Zuhörer das herzhast-ste Lachen, wobei desons-rs sein eminentes mimi ich es Talent zu bewundern war. Allerdings erlaubte er sich manumal Gche«, die vielleicht nur bei ihm gefallen konnten, doch entlp ach sein Spiel auch den kühnsten Urwartungen, die man in Folge seiner Autündi- gungen in unseren Zeiinnzen hegen durft-, und es kann nur der den volle» Eindruck dieser urkomische« Rollen fest in sich bewahre», der ihn selbst gesehen hat, deßhalb erlasse« sie mir wohl weitere Bemerkungen.

GottschallS „Vermittler" vom letzte« Mo»tag enttäuschte einigermaßen ««fere HofsnuugÄh die wir von dem so berühmten deutschen Lckeraten Hütten. Die Charaktere seines Stückes sind durchweg zu un bestimmt gezeichurt, nicht genug individualisirt, wodurch beo aach der Totalemdruck sehr zu leiden hat, Satan v. Rock« vermittelt in manchm Scenen nur deßwegen, um dem Titel des Lustspiels gerecht zu werden. — Herr Saiten zeichnete sich in dieser Rolle wie sonst immer aus, efefo die Herrren Hertel (Rlliergmsbrfitzer W-rthheim) und Muff (RitterKUtsbesitzer v. Feuerlhal); auch Herr Krause (Maler Feldmann) uud Schwarz (Schutze Müller) sind ob ih er guten Leistungen lobend heroorzuheben.

Die Vorstellungen an unsere« Weihnachtkfesttagen waren wirklich vortrefflich zu nenn«. Am ersten Feiertage wurde „Narziß" aifge führt; dar beste Stück des unglücklichen Dichter« Brachvogel, der bei dem ersten Hischeiuen desselben als Messias der neu ei blühend« drama­tischen Kunst gepriesen wurde, sich aber in semen späteren Dramen «icht wieder zu der Höhe des Narziß emporschwingeu konnte. Brachvogel hatte den moderne« Instinkt der Wayl seiner Stoffe; ja in der Box. rede zu seinem Narzch sprach er es selbst aus, daß er im Brg nsatz zu den überwundenen Siandpunkten des Ciassicrsmus und Romant cismus — welche einmal, durch zu sta keS Aalehne» an die Ueschich e, die Idee, welche sie Nsranschanüchen wolle», zu sehr außer Acht lasten, um »nun wieder im Oegealatz zwisch« Ideal und B lt, durch ein völliges Affi« miliren der Wirklichkeit an das Ideal, beseitigen wollten — das ©einige thun wollte, an den Wsthorizont zu erw-»ter», um die unaväno-r« lichen Gesetze und Ideen, wonach Alles geschieht, in allen Begebenheiten Md Cyaraktere« des D amaS «SMfpiegel». D?"?ea Trndrnze« ist der Dichter bis zum Schöffe seiner dramatische« Lauchayn treu geblieben, aber er hat auch alle die Wider särtigkeitea a«Sz«?sstea gehabt, welche «it der BerfÄgu g neuer, noch «tcht oe;a lgemeinerter Ziele oerfn ipft fisb. Jsdeffeu warten wir noch auf den Dichter, S^r unserer Zeit auch eine moderne Tragödie bes schafft.

Die Direktion hatte alle ihre Kräfte aufqeboten um die Darstellung zu einer möglichst tadellose» zu machen, insbesondere die figurenreiche« und belebten Scenen waren mit Geschick und Geschmack arrangirt. Die Darstellung verdient in den drei Hauptrollen »arme Anerkennung Herr Hertel (Narziß) war besonders gut in der Scene mit dem Bagoden, und am Schlüsse. Frl. Ziegler war mehr durch ihre Ericheinunz ene Pompadonr, als durch ihr Spiel. Herr Wentscher(Lho«e«l) war nicht alt genug für seine Rolle, doch diese drei Rolle» Vkrhältnißmäßig am besten besetzt und einstudirt. Von dem jüngere» Damrnpersonal gab Frl. Gläser die Quinault, jedoch mochte sie uns nicht recht gefallen. Die Dame ist allerdings eine rngm-hme. ja« gend iche Erscheinung, hat eine frische, reine «ud h lle Stimme, doch ist ihre Aussprrchz und ihr ganzes Spiel oft zu verschieden. Wem st- i» der eisen Seme vortrefflich gespielt hat, so verfehlt sie dagegen in der andern den richtig« Accent, usib spielt baun auch manchmal ohne rich­tiges Verständniß drs Thara-ters. Fräul. Fischer als Aarquise d'Epinay, war nicht gut, sie sprach auch zu leise, und besonders im ersten Site war sie sehr unsicher.

Die Aufführung des „Pfarrer von Kirchfeld- vom Weite« Feiertage gehört zu den besten, die wir in dieser Saison gesehe« haben. Das St -ck ist durch seinen charakteristischen und levsaßwahren Inhalt äußerst fesselnd. GruberS Bolktstück erzielt feine größte Wirkung d«rch die einfache und anspeuchlofe Sch ld°rung der Charaktere und gegeben» heiten, die Cnnfl kts sind so ergreifend und natü lich, das ganze Thema des Stückes so sehr von allgemeinem Interesse, daß es gerade in unss. rrr Zeit stets von bedeutender Wirkung sein muß. Fast ein Jeder der Mitwirkende» hat seine Rolle gut durchgeführt. Und wenn einerseits die Ensemble Scene» von größtem Erfolg b^leitit waren, so war bann das Spiel des Herrn Muts als „Wurzelsepp" eine eminente Leistung leidenschaftlicher Tragik. Wenn für ihn allerdings dir Schwierigkeite» des Dialektes nicht vorhanden waren, so erweckte er umsomehr allge« meine Bewandrrung durch fein inniges, naturwahreS, überhaupt ««über- treff iches Spiel. Wir wünschen den Herrn noch oft in dieser und ähn­lichen Rollen zu sehen, damit ihm einmal GetegsAheit geboten würde, ssin beratendes Talent weiter zu entfalten.

Lm Samstag den dritten Festtag wurie „Rolf Berndt" wieder­holt.

— (Sreislehrerverein Hanau.) Die nächste Eonfereuz fin- bet Dienstag, den 30. b. MtS., Nachmittags präcis 1 Uhr in der „Ernt^achallr- dahiec .statt Tagesordnung: 1> Vortrag des He-m^wsh« rer Eckhard-Seckmch über die F age: „Wie soll der Lehrer den RechenuRterricht in der Botksschule ertheilen, damit nickt blos materielle, sonder» auch formelle Bildung erzielt wirb?" 2- B-reinsangelegrnhei« ten.

— D r „R. «. St M." Nr. 303 veröffmtlicht die Ernennung des ordestlichen Lehrer Nicker am ByMasium dahier zum Oberlchrer.

— An ber Beleuchtung des -Weges nach b?m Nordbahnhofs und weiterer AufstMwg einer Lampe dortjelbst wird eben gearbeitet Deß bis Maßregel nothwendig geworden, beweist der Verkehr"; es sind m der Zeck vom 1. bis 17. Dezember auf dem Nordbahnhofe 843 SiSete ausgegeben worden nnb habe» denselben überhaupt 2000 Bassa« giere fr qaeniirt.

— Bon der gestrigen Moudfiasterniß war wegen des bedeckte» Firmamems nichts zu bemerken, als der Mond zeg n 7 Uhr das G> wölke da-chorach, war die Sichtbarksit für unsere Gegend vorüber.

— Morgen ist unsere städtische Sparkasse für den Verkehr ae- schloffen.

VersteigerungS- und Berpachtungs- rc. Kalender für Dienstag den 30. D zember.

Holzverst igeruug i« Ooerrodenbacher Gememdewald; Termin von Vormittags 10 Uhr ab im Fickert'jchen Gafthause. Verkauft werden 5 Kiefern Stämme. 223 bo. ©tätigen, sowie verschiedene Partieen do. Brenn­holz (f. Nr. 300 „ yan. Änz."). — Nachmittags 2 Uhr versteigert Herr T xator W. Se-ffert im Gasthaus; „zum Elepyantea" gegen Baarzah. luug: Ktuben- uns Küchrnmodiliar. darunter 1 Sekretair und 4 Kana- pee's, Kach-»schränke rc., Betten, Mehlkasten, kupf. Wajchkesstl, Hand- nähmaschme, 2 Nähmaschinen re.

— Für heute. Äunstoereiu zu Hmaa: Abeudr 8 Uhr Gene- ralversammlu«g im unteren Rattzhaussaale; Tagesordnung: Wahl des Borstaudes m,d enSgültige Feststellung der Statuten. — Ebenfalls 9 Uqr WkndS: Spritze Nr. 4 tu de» „drei Schwane»-; Nr. 5 im „goldenen Herz".

„ Für morgen. Vormittags 11 U r im untere« Zimmer des RathhauseS: Neuwahl der HaudeUkammer.

— Der ständlsche ÄerwaltungS-AuSlchuß tritt am 5. ZaWür zu seiner ord ntUch n Monats-Sitzunz zusammen^

. , — Nach §, 219 der Gtrafprozeßordttüng sind in UnteTsuHunzs« prykn Personell, welche im Äuckrsge des Ävgettazte« durch den «e» rechts wüziehlr als Zeugen vorgelaoen, nur bann zum Srscheive» vrr« Pst:ch;rt, wenn ihnen bei der Lasmg die gefttzliche E«isHSdig«»g für