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Nr. 300?
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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Harur«.
Srscheim täglich mit Ausnahme der ®m» und Feiert« W, mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner P?«»«yML«cv^sndLU.
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Samstag ve« 27. Dezember
18 ik.
Amtliches' Polhei-Verordnung für die Gemeinde Gronau.
Im Einverstäudniß mit der hiesigen GemEdebehörde wird auf Grund des §. 5 der Verordnung vom 20. September 1867 und in Gemäßheit der §§ 73 und 74 der Gewerbeordnung vom 21. Juni 1869 folgende Polizeiverordnung für den hiesigen Ort erlassen:
Die Bäder und die Verkäufer von Backsaare« (Brod, Wecke rc.) im hiesigen Ort werden hierdurch bei Meidung von 5 Mark Strafe für jeden Unterlassungsfall angewiesen, vom loten Januar 1880 an, am Iten jeden Monats ein von der Ortspclizeibehö-de beglaubri t s PreiL- Verzeichniß nebst Gewichtsangabe ihrer Backwaaren für den jedesmaligen Zeitraum deS betreffenden Monats durch einen von außen sichtbaren Anschlag am Verkaufs lokal zur Kenntniß bei Publikums zu bringen, so wie im Verkaufslokale eine Waage mit den erforderlichen gemähten Gewichten aufzustellen, damit von den Käufern nach blieben die Waare nachgewogen werden könne.
Gronan am 24. Dezember 1879.
D?e Ortspolizeibehörde.
8787______Böckel, Bürgermeister._____________________
Die fr?nzöUfchE M^niste^rkrisiS.
(S. d. Echv. Merk.)
Die Schwierigkeiten, auf weiche dre Bildung bei neuen französischen KabinetS stößt, kommen überraschend, insofern man die unvermeidliche Umgestaltung bei Ministeriums für eine ziemlich abgekartete Sache hielt, für deren Verkürdigung man bloß noch den Schluß der zuletzt noch ziemlich unerquicklich abgelaufenen parlamentarischen Session ab- warten wollte. Man wußte ei nicht anders, als daß Waddingron gehen, daß Freycinet sein Nachfolger sein werde, und bitfer hatte, so ichien es, inzwischen Zeit genug, sich die tauglichen Männer für sein Ministerium zusammenzulesen, in welchem ja nur wenige Plätze reu zu besetzen waren. Das bisherige Ministerium, aus verschiedenen Fraktionen der republ. Partei zusammengesetzt, unter dem Vorsitz eines Mannes, desi n Name nach außen wie nach innen eine solide Bürgschaft war, entsprach so ziemlich den Verhältnissen, und fragt man, warum überhaupt eine Umgestaltung nothwendig geworden, so ist hierauf schwer zu antworten; denn der Grund ist zuletzt nur der, daß das gegenwärtige Mimsierium nun schon seit Jahresfrist im Amte ist, daß Andere bereit und ungeduldig sind, die Stellen der bisherigen Minister einzunehmen, und daß insbesondere die Radikalen am Sturz einet Ministeriums arbeiteten, dessen Nachfolger nach bem bekannten verhängnißvollin Gesetz der schiefen Ebene nur einer vorgerückteren Echaltirung der republikanischen Partei angehören konnten. Allerdings wünschte Waddington auch auS ganz persönlichen Gründen bei Vorsitzes im Ministerium enthoben zu werden, für den er nicht ehrgeizig genug und vielleicht zu bequem ist. Ruch schien es gerade im Interesse des auswärtigen Departements, daß dess n Inhaber von seinen anderweitigen Funktionen befreit und damit auS den | politischen Kämpfen bei TageS herauSgehoben würde. Allein bisse Gründe wären schwerlich durchschlagend gewesen, wenn eS nicht der Umgebung Eambetta's an der Znt geschienen hatte, daß wieder einmal .allgemeine Veränderung- gespielt würde, wobei, wenn nicht er selbst, so doch vorläufig seine näheren Freunde ant Ruder gelangten. Bekanntlich gehört Freycinet zu Gambetta's nächsten Freunden, er war seiner Zeit der talentvollste Gehülfe bei Diktatort von Tours, und so setzt man auch voraus, daß Freycinet die Leute für die zu besetzenden Ministerposten, deS Innern oder der Justiz, aus derselben Fraktion 1 holen werde und auS dem Freundeskreise Gambetta's; man sprach von 1 Herold, Brissov, Epüller u. 8. Jetzt kommt die überrascherde Nach- i richt, daß Fr,ycinet den Auftrag, das kabinet zu bilden, in die Hand s Erävy's zurüügegeben und daß Weddirgton dem Präsidenten der Republik gerathen habe, Leon Eay, den Finanzwinrster, mit der Bildung des neuen KabinetS zu beauftragen. Dies würde nichts änderet bedeu- i ten, als daß die Schwenkung nach links unterbleibt, das Unke Zentrum I
den Vorsitz behält und überhaupt in der politischen Zusammensetzung bei Ministeriums n chtS geändert wird: die Veränderung würde ifich wirklich auf Persovensragen reduziren. Man darf wohl gespannt darauf fein, zu erfahren, wie diese unvermuthete Wendung sich erklärt und wo die HckWilligkeiten eigentlich sitzen; wie ei denn überhaupt auch für uns Deutsche von nicht geringem Interesse ist, zu wissen, ob die Reihe schon an die UmgeSung Gambetta's gekommen ist.
R. F. DaS deutsche Kaiserhaus hat das WeihnachtSfest wie alljährlich auch diesmal im traulichen Familienkreise und unter Theilnahme an den WechnachtAfreuden der Reichs Hauptstadt gefeiert. Kehr erfreulich war dabei die Frische und eisenfeste Gesundheit unseres greifen Kaisers, der in b?n Tage« vor Weihnachten auch unermüdlich in der Erledigung ernster RegierungSgeschüste war. Ganz so vollständig wie früher war in diesem Jahre die kaiserliche und königliche Familie auch nicht am Weihnachtstisch versammelt. Die Frau Kronprinzessin weilt wegen Gesundheitsrücksichten mit ihren jüngeren Kindern in Italien und den Prinzen Wilhelm hielt die Knieverletzung, dir er sich in voriger Woche durch einen unglücklichen Fall zuzog, vom Weihnachtstische des kaiserlichen Großvaters fern.
— Im vorigen Jahre hat das Abgeordnetenhaus die Staatsregierung aufgefordert, dem Cultusministerium eine ständige Sachverständigen- Commission für das technische UnterrichtSwesen zur Seite zu stellen. Wie m n der W. Z mittheilt, hat die Regierung dieser Aufforderung entsprochen und Gelehrte so wie Großindustrielle in die Commission berufen.
— In Petersburg findet jetzt wirklich allem Anscheine nach eine Art Tonferenz der ?rfRaster Statt. Allerdings war ei auch sonst wohl Brauch, daß die neuernannten Diplomaten, zumal in wichtigen Zetten, sich zuerst nach Hause begaben und mündliche Weisungen ernholtem Jedenfalls darf man auf das Ergebniß jener Gerathunusn gespannt sein. Seit der Kaiser Franz Joseph den Präsidenten der Delegationen gegenüber bestätigt hat, daß das Einvernehmen mit Deutschland Oesterreichs Stellung auf der Balkanhalbinsel befestigt und die strenge Ausführung bei Berliner Friedens verbürgt hat, wird Rußland nicht mthr glauben können, daß sich dieser welthistorischen Thatsache mit einigen Preßmanövern begegnen lasse. Man hat die Bedeutung dieser feierlichen Erklärung bei Kaisers von Oesterreich vielleicht nicht überall ausreichend gewürdigt. In Petersburg aber konnte sie nist mißverstanden werden, vnd sie wird auf die Beschlüsse, die dort jetzt gefaßt werden sollen, ohne Zweifel zurückwirken. (K. Z)
— Die Veräußerung von Vermögensbestandtheilen zum Nachtheile des Gläubigers bei drohender Zwangsvollstreckung ist, nach einem Erkenntniß bei Reichsgerichts, I. Strafsenats, vom 6. November 1879, auch in den Fällen strafbar, in welchen der böswillige Schuldner außer den veräußerten Gegenständen auch noch andere Befriedigungsobjekte besitzt, oder mit hm Erlöse der veräußerten Gegenstände bevorzugte, auf Zahlung dringende Gläubiger befriedigt.
— Stuttgart. Die von den hiesigen Armen in höchster Noth in'i Pfandhaus getretenen Betten und Bettsiücke sind aus Anregung bei Pfarrgemeir deraihS auSgrlöst und den Bedürftigen wieder zugepellt. Die hiefür aufgelegte Summe belief sich auf 700 Mark. Um einer wiederholten Lerpsindurg vorzubeugkn, wurden die einzelnen Stücke abgefiempelt und die Pfandleiher von dieser Maßregel mit der Weisung, dieselben nickt anzmuhmrn, in Kenntniß gesetzt.
— In Wten wurde vor Kurzem ein berüchtigter Wucherer, Jfidor Seliger, der namentlich mit Offizieren „arbeitete", verhaftet. Die bei ihm vorgenommene Haurdurchsuchung ergab ein Resultat, für welches der FiSlus lebhaftes Interesse zeigen wird. Man fand nämlich, einxenäht in der Bttibeee, so viele ungestempelte Wechsel und Schuldscheine, daß nach einer vberffächlichen Beltchnung die Stempelstrase 100,000 fl. beträgt.
— Petersburg, Mittwoch, 24. Dezember, Vormittags. Ein offizielles Bulletin aus Cannes, vom 22. d. M., meldet: Ihre Majestät die Kaiserin hatte wegen häufiger Hustenanfälle eine schlechte Nacht. Die