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Nr. 299.
Mittwoch des 24. Dezember
L87S.
Amtliches-
Stadtrathsmit^lüd Franz Reul zu Windecken ist als OrtS- taxatsr verpflichtet.
Hanau am 20. Dezember 1879.
Der Landrsth.
Vefunden: Ein Gummischlavch. Eine Peitsche.
Zu gelaufen: Ein brauner Spitz. Ein kleiner schwarzbrauner Hund.
Verloren: Ein goldener Ohrring.
Entlaufen: Ein schwarzer Sp tz, m. Geschlechts.
Hanau am 24. Dezember 1879.
_____________________^*t« ZüniKlichem «nndr-sths«Mt_________
Belanntmacyung.
Statistik des WaarenverkehrS in Betreff der Postpäcksreifendungen.
AuS Anlaß deS zum 1. Januar bevorstehenden Inkrafttretens des ReichSgefetzeS vom 20. Juli 1879, betreffend die Statistik des W aare nver ke hrs deS deutschen Zollgeb ets mt dem AuSlande, if den Postpäckerei endungen nach dem ZollauSlande vom obigen Zrttpunkte ab eine Inhaltserklärung mehr als bisher beizugedk». Bei» spielsweise bedarf eS künftig bei Pos Pack rersendrngen nach Niederland, O sterreich.Unoarn, der Schweiz rc., für welche bisher eine Jrbolts- erk ä ung genügte, deren zwei. Für Sendnnge» nach den Zollaus'chtüssen d«s Deutschen Reichs (Hamburg, Bremen u. f. w.), sowie nach dem Sroßherzsgthum Luxemburg, sind JuhaltSerkiärun^en auch fernerhin nicht eriorderlich.
Berlin W., 20. Dezember 1879.
Kaiserliches General-Postamt.
_______________________Wiebe._______________________
TsßsSfch^G Weihnachten.
R. F. Ein liebliches Fest hat wieder seinen Einzug gehalten in dlP christlichen Welt und in den deutschen Landen! Die christliche Heilbotschaft, die vor fast zwei Jahrtausenden der bedrängten Menschheit verkündet wurde, hat sich bei unserer Nation mit uralter, nordischer Poesie zu einem Feste vereinigt, welches mit einem wunderbaren Zauber die Herzen der Menschen, ßlerchgiltig ob hoch oder niedrig, arm oder reich, erfüllt. Weihnachten richtet in der Hütte des Armen dieselbe Freude an wie im Palafte des Reichen, wenn nur empfängliche Herzen für die WeihnachtSfreude und das WechyacktSglück vorhanden sind, und wie unzählige Menschen der unteren Stufen sich am Weihnocktsfefte bei geringen oder gar armseligen Ge'chenken froh und glücklich füh en, so ist daS Bmhaudensein glänzender, prachtvoller Geschenke bei Denen, dre das Lebensloos höher stellt!», noch keine Bürgschaft für die Einkehr der echten WeihnachtSfreude. Dies macht aber gerade das Weihnachtsfest zu einem so gewaltigen Feste des Herzens, dies ist der unversiegbare Quell der christlichen Liebe, die Frieden auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen verkündet hat und die später in alle W4t hirausrüf: „K-mmt her, Ihr M LHsel g n m d Belademn, ich «M Euch erquicken!" Dieser tröstliche Zuruf gilt auch noch heute für alle D^ejenigin, die ihn im Herzen versteh n wollen, er enthält aber nicht nur Trost und Balsam für das eigene Herz, sondern er soll auch noch weiter und mehr wirkn. DaS diesjährige Weihnachtsfest hat sein echtes, nordisches Gewand an- gezogen. Schon seit einer Reihe von Wochen herrscht der Winter weit und breit. Der Frost ist in die Erde gedrungen und hat Wa-d und Flur, Dorf und Stadt mit Schnee und Eis schwer heimgesucht. Wohl erfreut dieses echte Weihnachtswetter das Menschenherz, doch kann diese Freude eine wahrhaft vollständige, christliche fern, wenn man nicht auch derjenigen seiner Mitmenichen g-d nkt, die derselbe rauhe Winteü-, der zur Vollständigkeit unseres Wechnachtssistes dient, r othleidend und elend gemacht hat?! Für jene Lnßlück'chen, die der Winter hungern und frieren läßt, existert die Wechi ochtssreude nur dann, wenn sich ihrer mitleidige Nel enmenschen erbarmen und die Noth und den Jammer, der Todes Verzweifelung erzeugen muß, lindern. Eine der ersten Gaben sei daher eme solche aus den nationalen Weihnachtstisch zur Steuer der Noth jener Mitglieder unseres Volkes, die ohne fremde Hülse dem Tode
des Erfrierens und Verhungerns anheimfallen müssen, und tritt die Noth und das Nend auch nicht überall in solcher Gestalt auf, so steuere man doch auch dieser geringeren Noth- Wenn auf diese Weise der christlichen Liebe rmd Pflicht genug gethan von Jedem nach seinen Kräften und Verhältnissen, dann wird die echte WeihnachtSfreude im Herzen erwachen und der Glanz des Festes wird nicht getrübt durch die Erinnerung an maßloses Elend, welches Angehörige unserer Nation betroffen hat. Mit vollem Rechte kann man sich dmn auch der herzerquickenden WeihnachtSfreude hingeben und während derselben die Noth und Sorgen des alltäglichen Lebens vergessen, zum Heile für die künftigen Lebens- tage! --------------
— Berlin, 21. Dez. Wie die Minister des Innern und der Medicinal. Bngelegenhe ten sämmtlichen Bezirksregierungen und Land- brefieien eröffnet haben, kann «ach der neuen Reichs-Proceßgefetzzebung eine Person für geisteskrank (wahnsinnig, blödsinnig u. s. w) nur durch I Beschluß des Amtsgerichts erklärt und dieser nur auf Antrag erlassen I werden. Zur Stellung dieses Antrages ist außer den im Gesetz ange« oebenen Angehörigen (Ehegatten, Vater, Vormund u. s. W) in allen Fällen auch der StaatSanwalt bei dem vorgeschten Landgerichte befugt. Es erscheint den Ministern ang^zeigt, die Unterarm« von Privat-- Jrrenanstalten auf diese Veränderung der Gesetzgebung besonders aufmerksam zu machen und sie darauf hinzuNtisen, daß alle Anzeigen, welche bisher den Gerichten zu erstatten Karen, also auch die über die Ausnahme geisteskranker Personen in ihre Anstalten, fortan nicht mehr dem Gerichte, sondern dem WstäudigM Staatsanwalt zu machen sind. Bei diesem Anlessr soll den Untern hmern von Privat Irrenanstalten zu besonderer Pflicht gemacht werden, sobald sie die Unheilbarkeit eines ihrer datierten erkannt Haien, unver-ü;lich hiervon dem zuständigen Stastsanwalt Unzeige zu erstatten. — Durch Verfügung vom 9. d. M. hat der Ainanzminister sämmtliche Provincial- Steuerdirectoren ermächtigt, für die Zukunft die Rückz hlung des Zolles für fslche Waaren fel"ständig anzuwerfen, welche irrthümlich zur Verzollung angemeldet md demnächst, ohne aus dem Gewahrsam der Zoll- oder Eisenbahn- verwaltung gewesen zu sein, in das Ausland wieder ausgefüh^t sind.
(K. Z.)
— Berlin, 22. Dez. Die Aussichten des Friedens mehren sich, und die Welt wird das Weihnachtsfest beruhigt feiern können. Drei mächtige Staaten, Deutschland, Oesterreich, England, haben keine begehrlichen Wünsche nach außen hin, die den gegenwärtigen Stand der Dinge in Europa gefährden könnten. Die drei andern, Rußland, Frankreich, Italien, umschließen allerdiußs Parteien mit bederklichen, ftiedens- bedrohlichen Plänen, welche eine stete Wachsamkeit erheischen, aber offenbar jetzt, ob freiwillig oder gezwungen, für eine übersehbare Zeit verlegt scheinen. Die russischen Diplomaten werden, wenn sie auf ihren der- fckiedenen neuen Posten eintreffen, sich gewiß sehr friedlich vernehmen lassen und damit willkommen fein. Eine anscheinend osficiöse Stimme bescheinigt j?tzt sogar Herrn v. Oubrtl, daß keine concrete Thatsache v rliege, die eine Beschwerde oder den Wunsch seiner Versetzung veranlassen konnte. Dies ist auch wohl glaublich. Ein solcher Wunsch wird selten ausdrücklich formulirt, und er war daS in dem gegenwärtigen Falle wohl noch weniger thunlich. Herr v. Oubril selbst würde sich wohl über jene Versicherung noch mehr gefreut hab-n, wenn sie etwas früher erfolgt wäre, bevor nämlich feine Versetzung eine vollendete Thatsache war und die Gründe derselben Wochen hindurch in der Presse erörtert wurden. Man glaubt auch hier, daß Herr v. Arapow, der schon eine längere Reihe von Jahren Botschaftssecretär in Berlin ist, bald einen löheren Posten erhalten werde, wenn auch die bestimmte Bezeichnung, für welche ein belgisches Blatt bekanntlich Karlsruhe nannte, hier noch nicht zuverlässig bekannt scheint. (K Z.)
— Der „R. u. St.-A." schreibt: Nachdem der Bundesrath mit der Betheiligung deS Reiches an der Ausstellung in Melbourne sich einverstonden erklärt hat, ist der Königlich preußische Geheime Regie« rungs Rath Herr Reuleaux mit der Leitung der Vorarbeiten für die deut che Betheiligung an dieser Nusstellung betraut und mit dessen Vertretung in diesen Geschälten der Königlich preußische Landrath a. D. Herr Freiherr v. Zedlltz betraut worden. Dre Eeschäftsräume für die Nutstellungsarbeiten bifinben sich bis auf Weiteres Berlin W. Wilhelm- strüße 75. Anfragen sind dorthin zu richten.