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1754

dem Moskauer Attentat einen so grauenerregenden Charakter angenom­men, daß man wünschen möchte, sie sämmtlich als „unbegründete* Ge­rüchte bezeichnen zu können. Daß aber selbst an den unglaublichsten Gerüchten auS Rußland immer nur zuviel Wahres ist, beweist die Be­stätigung der neulicheu Gerüchte von der Spannung zwischen dem Czaren «nd dem Großfürst-Thronfolger. Diese Bestätigung liegt in der That­sache, daß Kaiser Alexander am 7 d. M. Zarskoje-Selo, den derzeiti­gen Aufenthaltsort des Thronfolgers und feiner Familie, besucht hat, ohne hierbei den Thronfolger empfangen, oder überhaupt nur gesehen zu haben. — In der Reihe der Attmtatsversuche, an denen daS Czarenreich in letzter Zeit e ne schreckenerregende Fülle aufzuweisen hat, sind die am 9. d. M. in Moskau und am 10. in St. Petersburg vor- geksmmenen Versuche, Brücke mittlst Dynamit in die Luft zu spren­gen, zu verzeichnen; beide Attentate, von denen man nicht recht weiß, gegen wen sie gerichtet waren, verliefen, ohne erheblichen Schaden an- zurichten.

In der Anerkennung der Unabhängigkeit RumänienS sind die Großmächte sehr zurückhaltend. Nur Italien hat schon vor einiger Z'it der Schwester-Nation an der unterm Donau diese Freude bereitet, da­gegen hat Frankreich bis jetzt nur zugesazt, Rumänien eine wohlwollende Behandlung angedeihen lassen zu wollen während seitens des deutschen Reichs auch dies noch nicht einmal der Fall sein soll, da dasselbe mit dem Eifer des rumänischen Finanzministers Sturdza, welchen dieser in Angelegenheit der rumänischen Eisenbahn-Actien-Gesellschaft zum Nach­theile beteiligter deutscher Bankhäuser entwickelt hat, nicht zufrieden ist. Sturdza soll dem Unwillen Demsr.lands geopfert werden.

Die niederländi che zweite Kammer berieth in der letzten Woche das Finanzbudget, wobei der Fi «anzminiller Bissering abermals d e be­stimmte Erklärung abgab, daß die niederländische Regierung an den Grundsätzen des Freihandels festhalte und die Zumuthung einiger Kam- nur Mitglieder, wenigstens in Bezug auf Deutschland in den Schutzzoll einzulenken, entschieden zurückwieS. Auch beharrt Bissering bei seinem System der direkten Steuern und will indirekte Steuern nur als Noth- behelf gelten lassen.

LageAschsm

— Berlin, 22. Dezbr. Se. Majestät der Kaiser und König empfingen heute Vormittag den Besuch Er. Kaiserlichen und Königlichen Hoheit des Kronprinzen. — Um 11 Uhr nahmen Se. Majestät in Ge­genwart des Gouverneurs, Generals der Infanterie von Fransecky, und des Kommandanten, General - Lieutenants Grafen von Wartens leben, militärische Meldungen entgegen und arbeiteten hierauf mit dem Chef des Civil-Kabinets, Wirklichen Geheimen Rath von Wilmowski. Nach­mittags hatte der Minister des Königlichen Hauses, Graf v. Schleimtz Bortrag. (R. u. St.°A.)

— Der „R. u. St.-A.* Nr. 300 veröffentlicht das Gesetz, betr. den Erwerb mehrerer Privateisenbahnen für den Etaat.

— Bekanntmachung auf Grund des ReichsgesetzeS vom 21. OMr. 1878. Nach b®ss „R. u Gt.-A.* Nr. 300 wurde unterm 18. Dezember verboten: der Gesangverein „Geselligkeit* zu Frankfurt a. M.

— Bei Körperverletzung und Beleidigung kann nach den Bestim­mungen des Strafgesetzbuchs der Strafrichter auf eine Buße erkennen, welche die Geltendmachung eines weiteren civilrechtlichen Entschädigungs­anspruches ausschließt. In Bezug auf diese Bestimmung hat das Reichs­gericht, I. Strafsenat, durch Erkenntniß vom 10. November 1879 aus- gesprocheu, daß vom Strafrichter auch in den Fällen, in welchen der eisilrechtliche Entschädigungsanspruch landeSgesetzlich unzulässig ist, eine Buße zuerkannt werden kann.

— Ratib or, 19. Dez. Der Landrath Pohl hat an die OrtS- vorstände des Kreises Ratibor nachstehende Verfügung erlassen:

Die zu Tage getretene große ungerechtfertigte Begehr­lichkeit und die deßhalb an mich ergehenden Beschwerden seitens Richtbedürftiger wegen versagter Gewährung von Unterstützungen, resp, von Entschädigungen für die ihnen in Folge der Überschwemmung und Mißernte entstandenen Verluste veranlassen mich, die OrtSvorstände auf das strengste anzuweisen, die zur Linderung des Nothstandes überwie- senen Unterstützungen an Lebensmitteln, Kleidungsstücken und HeizungS- material in keinem Falle ohne Zuziehung der sämmtlichen Mitglieder des Lskal-HülfScomits» und nur an die OrtSarmen und diejenigen hülfsbedürftigen Personen zu vertheilen, die absolut nicht in der Lage sind, durch Arbeitsverdienst den nöthigen Lebensunterhalt sich zu erwer­ben Die Gemsindevorstände mache ich für die gerechte Bertheilung der Unterstützungen und für die gewiffenhafte Berichterstattung in allen Nothstandsangelegenheiten verantwortlich. In allen Fällen, in welchen eventuell festgestellt werden sollte, daß Unterstützungen seitens der Ge­meindevorstände und der Lokal-HülfSesmitäs an Nichtbedürftige, insbe­sondere anch an Grundbesitzer, vertheilt worden find, welche durch Auf­nahme von Darlehen ober auf andere Weise sich helfen können, müßte ich die Gsmeiudevorstände zur Erstattung des Werther der den Nicht- bedürftigen überwiesenea Unterstützungen aahalte«.

Diese dankenSwerthe Verfügung wird hoffentlich ähnlichen Miß­

ständen, wie sie bei der Bertheilung von Gaben für Rothleidende in Ostrog sich herausgestellt habe«, in wirksamster Weise vorbeugen. — Die Vertheilung von alten Uniformstücken an Nothleidende hat bereits begonnen, indem am 18. d. M. 100 alte Uniformen, darunter auch Wachimäntel, an Bedürftige au» den Amtsbezirken Hammer, Nsndza, Groß'Hsrzytz, Lubow, Syrin und Hultschin erfolgte. Am nächsten Dienstag findet eine weitere Bertheilung in den Amtsbezirken Dsutscha Krawarn, Kceuzmsrt, Annaberg, Antoschowitz, Kobla« u. s. w. Statt.

(K. Z.)

— Paris, 22. Dezbr. DaS Journal „Temps* meldet: GrSvy hat das Entlassungsgesuch des CabinetS noch nicht angenommen, und Freye inet hat sich noch nicht darüber ausgesprochen, ob er den Auftrag zur Bildung deS CabinetS annimmt. (N. Fr. Pr.)

— Rom, 21. Dezbr. Die Deputirtenkammer hat die Vorlage, durch welche der Regierung 12 Millionen Lire zur beschleunigten Aus­führung öffentlicher Arbeiten bewilligt werden, angenommen, die provi­sorische Finanzverwaltung für die Monate Januar und Februar k. J. genehmigt und sich darauf bis zum 19. Januar vertagt.

— London, 20. Dechr. (K. Z) Ein Telegramm deS indischen BicekönigS vom heutigen Tage meldet: In Peizeran ist Alles wohl, kein ernstlicher Kampf ist vorgefallen und keinerlei Gefahr vorhanden. General Gouzh ist in Jagsalak, woselbst ebenfalls keine Gefahr vor- liegt. Das frühere Gefecht in Jsgdallal war unbedeutend und die an­greifende« GhilzaiS erschienen als ordnungsloser Hauke. In Gandamak ist Alles ruhig und der Weg nach Peizeran offen. Der Kuziani-Stamm zwischen Nogaubad und Sarkub hält gegenwärtig noch zu den Englän- sern. Im Falle Gough verhindert sein sollte, gedenkt General Bright mit achttausend Mann auf Kabul zu marschiren. — DaS Transport­schiff Jumna mit elfhundert Mann Ersatz ist erst heute nach Indien abgefigeU. — 22. Dezbr. Eine amtliche Depesche von Oberst Harrison, Commandirendem in Transvaal, bestätigt die erfolgte Erstürmung von Sekukuni's Berg vom 28. November. Der Verlust an Truppen ist un­erheblich, der gegnerische Verlust bedeutend. Sekukuni's eigener Kraal fiel den Engländern in die Hände. Die Truppen besetzten am selbigen Tage Sekukuni's Stadt und verschanzte Stellung.

— New York. Wie gefährlich das Amt des Steuereinnehmers in den Ver. Staaten ist, mag »an daraus ersehen, daß im vorigen Jahre 27 Beamte im Dienst getödtet und 48 verwundet worden sind. 3117 Drstillaturen mürben geschlossen und 6363 Personen wegen «ner- lanbtem Branntweinbrennen verhaftet. Es wurden 71,892,621 Gallonen destillirt (16 Mill. Gallonen mehr als im Vorjahre), was für den Staat eine Einnahme von 52Vi Mill. Dollars bedeutet. Die Tabak­steuer ergab 40 M., die Bankensteuer 3,184,979 Doll. — alle Inland- Steuern zusammen 113,449,621 Doll. Die Kosten der Erhebung be­tragen 3,7 pCt.

Lokales.

Hanau, 23. Dezember 1879.

— Heute Abend findet im oberen Rathhaussaale die Weihnachts« bescheerung für die Zöglinge unserer Klein - Kinderbewahranstalt statt, welcher Festlichkeit beizuwohnen allen sich dafür Jnteressirenden gestattet ist. Auch hier haben gute Menschen in reichem Maße gesorgt, daß den lieben Kleinen eine recht sinnige WeihnachtSfreude bereitet werden kann und mögen die fröhlichen freundlichen Blicke, die beim Anzünden des Christ­baumes a«S den Gesichtchen der Kinder leuchten, allen lieben Gebern als ein Zeichen warmen Dankes gelten.

ME- Auch am diesmaligen Vorabende deS hl. Weihnachtsfestes sowie am Sylvesterabende werben in der Marienkirche liturgische Got­tesdienste abgehalten. Weil dieselben jederzeit sich eines ganz außerge­wöhnlich starke« Besuches zu erfreuen haben, so dürfte Vielen angenehm sein zu erfahren, daß der Gottesdienst morgen Abend um 8 und am Sylvesterave«d um 7 Uhr beginnt und daß schon jetzt die Programme für die Feierlichkeit in der Schulz'schen Papierhandlung zu haben sind.

— Gestern wurde unS ein wohlauSgebildeter lebender Maikäfer, der sich gewaltig in der Zeit »errechnet hat und diesen Leichtsinn aller Wahrscheinlichkeit nach mit dem Leben büßen wird, vorgezeigt.

— Während der Weihnachtsfeiertage wird ein Circa» ganz eigen­thümlicher Art hier zu sehr» sein, nämlich ein — „Floh Circa»*. Ue­ber die Leistungen der kleinen braunen Künstler, die sich im Leben sonst keiner großen Beliebtheit erfreuen, lesen wir sehr AnerkennungSwerthes, u. Ä. schreibt da» „Darmst. Tgbl.*:

„Die interessanteste und zugleich komische Schaustellung in der Messe ist unstreitig der „Floh-Circus*. Die Fesselung des kleinen Blut« abzapfers mittelst Holddcatztschlmge um den Hals erfordert jedenfa!» ebenso große Geduld als Uebung und Geschick. Herr Aufrichtig schein^ in Dressur seiner Eleoen unübertroffen dazustehe«; er hatte die hohe Ehre vor Ihrer Majestät der Kaiserin von Rußland sowie der Königin von Würtemberg zu Schloß Heiligenberg bei Jugenheim eine Extra«