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Hanmer Dynger

Zugleich Amtliches Organ füv Kreis und Stadt Ha«a«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Ssrm- und Feiertage, mit beTktristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner Prsvmzial-Cowespondmz.

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Preis:

Die 1,'paitize Sarmandzeile ob. deren Raum io Pig

Die Sjpall. Seile

20 Pig.

Lie3spaltige<ieil>

30 Psg

Nr. 298

Dienstag den 23. Dezember

18W*

Amtliches' Steckbrief.

Gegen den Pflasterer Heinrich Krähling zu Hanau, welcher flüchtig ist, ist die Untersuchungshaft weg^n Körperverletzung verhängt.

Es wird ersucht, denselben zu verhaften und in daS Landgerichts- Gefängniß zu Hanau abzuliefern.

Hanau den 17. Dezember 1879.

Königliche Staatsanwaltschaft. Schumann.

Rnndscha«.

R. F. Im Kreisläufe des Jahres stehen wir wieder vor dem frei* und friedvollen Wechnachtsfeste, welches das Geräusch des poli- tisch-n Lebens auf eine ganze Festwoche aus d,m Thun und Denken der K euschen ^e;drängt und ihren Geist erfüllt mit christlichen und bims- lichen Freuden. Er ist daher für die Festzeit auch eine undankbare Aufgabe, für die poliiischen Ereignisse, die ohnehin schon durch die rm° mittelbare Nähe des Wechnachtsfestes spärlicher geworden sind, Interesse zu erwecken. Doch eine Lücke soll nicht in unserer Behandlung der Tageszesch^te entstehen, weshalb wir in gewlhuter Weise über die po­litische Lage berichten.

Der Bnntetraih bat in den Togen vor Weihnachten noch eine Menge Arbeiten zu erledigen gehabt. Es handelte sich dabei rw eine Meng« lur senk er k rl eiten und Entgegen«alme von Gesetzentwürfen über die Versorgung von Militärpersonen und über die Pensionen und Cau- twneN von Reichsleamten. Auch hatte der BundkSrath noch alle d?e- jenigen Anordnungen, welche mit dem Inkrafttreten der neuen Zölle am 1. Januar 1880 in Verbindung stehen, zum Abschluß zu bringen.

Große Theilnahme hat ein Unfall erweckt, welcher dem ältesten Sohne des deutschen Kronprinzen, dem Prinzen Wilhelm von Preußen, in voriger Woche zugestoßen ist. Der Prinz zog sich durch eben uu- glücknchen Fall eine nicht unerhebliche Verletzung der rechten Kniescheibe zu, welche zwar jetzt als ungefährlich geschildert wird, aber immerhin eine mehrwöchentliche ärztliche Behandlung verlangt.

Unser Landtag und mit ihm auch die in letzter Zeit tagenden Landtage Bcyerns, Sachsens, Badens u. s. w. haben sich in die Weih- rachtsferien begehen. Unser Herrenhaus hielt seine letzte Sitzung im alten Jahre schon am letzten Mittwrch, in welcher von demselben nach ziemlich erheblichen Debatten die Eisenbahnvorlage nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhauses genehmigt wurde. Das Abgeordnetenhaus hat sch vom 20. Dezember d. I. bis zum 8. Januar f. I. vertagt. In seinen letzten Sitzungen beschäftigte sich das Abgeordnetenhaus mit mehreren wichtigen Interpellationen, betreff-nd die Elbinger Echulange- legenheit, den Nothstand in Oberschlesien und die Einführung einer Wegeordnuvg. Nur die erste Interpellation führte zu einer längeren Debatte, doch begnügte sich das Haus schließlich mit den Erklärungen des CultusMinisters v. Puttkammer, wonach die Errichtung einer katho­lischen confefsionellen Schule in Elbing einem dort vorhandenen Bedürf- nisse entsprochen habe. Man ging daher über diese Interpellation zur Tagesordnung über. Ein gleiches Schicksal hatte auch eine Interpellation des Nbg. Frhr. v Hüne Über den Nothstand in Oberschlesie«. Diese Jnterpelation beantwortete der Finanzminister Bitter dahin, daß durch mildthätige Anstalten, barmherzige Gaben und Gewährung von Arbeit an die rothleidende Bevölkerung in Oberfchlesien dem dortigen drücken­den Nothstände abgehoben würde und daß die Staatsregierung weitere Mittel dem Hause vorschlagen werde, wenn eS der dortige Nothstand erfordere. Ebenso beantwortete der Minister Maybach die Interpella­tion des Grafen Wintzingerode über den Erlaß einer Wegeordnung dahin, daß die Regierung mit Rücksicht auf die Geschäftslage einen entsprechen­den Entwurf in dieser Eessirn nicht vorlegen werde, daß eS der Regie­rung aber darum zu thun sei, ein solches Ersetz möglichst zu fördern.

Die Session deS bayerischen Landtages ist auf Befehl des KönigS Ludwig bis zum 31. Januar 1880 verlängert worden, worauf vom Finanzminister dem bayerischen Abgeordnetenhaus« vier Gesetzentwürfe bezüglich der Steuererhebung vorgelegt wurden. i

Der LandssauSschuß von Elsaß-Lothringen ist diesmal unter recht günstigen Russickten eröffnet worden. Machte schon das vollzählige Erscheinen der Mitglieder bei der Eröffnung des LandeSsusschusseS in Elsaß-Lothringen einen günstigen Krndruck, so hat doch noch mehr die Rede des Etatthe lters Generalfeldmarschalls v. Manteuffel bei dem Festmahle, welches Nieser dem LandesauZschusse gab, eine schöne Hoff­nung erweckt. In der Rede des Statthalters, die mit steigendem Bei­fall ausgenommen wurde, betonte dieser hauptsächlich, daß Elsaß- Lothringen keine eroberte und unterjochte Provinz sei, sondern ein altes uns wiedergegebenes Reichsland, welches bald im Besitz aller Rechte und Freiheiten wie jeder andere deutsche Staat gelangen müsse.

Die in den früheren Wochen kritisch gewordene politische Lage Oesterreichs hat sich in den letzten Tagen nahezu vollständig aufgeklärt. Diese Besserung trat vorwiegend durch zwei Momente zu Laße durch die Ansprache des Kaisers Franz Ilses an die in Wien versammelten Anschüsse des österreichischen Rkichsratls und ungarischen Reichstags und durch die letzte Mstimmung des österreichischen Abgeordnetenhauses über die Wehrvorlage. Der Kaiser Franz Josef sprach mit Vertrauen über die allgemeine Situation Europas und betonte bejondees das innige Verhältniß Oesterreich-Ungarns zum deutschen Reiche, welches BerhäL-.- dazu gemessen fei, bie äußere und innere Wohlfahrt beider Reiche zu fördern. Diele und andere bibtufame Kundgebungen des Kaisers verfehlten ihre Wirkung auf die Bold mtiutrr nicht und ist auch im österreichischen Abgeordnetenhause das Wehrgesetz im Sinne der Regie­rung mit genügender Etimmenu ehrtzeit endlich engerermmen worden.

In Frankreich ist der seit dem Sommer ununterbrochen andauernde Kampf des Ministeriums Waddington mit dem Radikalismus zu einrr endlichen Entscheidung gebracht. Die von dem Gabinet neuerdings noch erfochtenen Siege über die Gegner ermöglichten nur einen geordneten Rückzug, an einen dauernden Sieg desselben h«t feit Wochen wohl Nie­mand mehr geglaubt, der nur einigermaßen mit der in Frankreich herr­schenden Strömung vertraut ist. Die Ernennung des neuen französischen Cabinets ist bereits erfolgt. Ist nun auch über die Zusammensetzung desselben bis jetzt officieß noch nichts veröffentlicht, ss wird doch als bestimmt angenommen, daß demselben unter dem Präsidium Freye,net's, deS jetzigen Arbeiisrmmsters, welches 8mt er auch ferner derb eh alten will von den bisherigen Ministern noch Ferry, Waddington, Satz und Tirard argehören werden; Lochery's Wiedereintritt in das Eabinet war noch ungewch, während der Rücktrstt des KriegS- und Marine- ministers für wahrscheinlich gilt Die neu hinzutretende» Minister dürsten aus den Mitgliedern der republikanischen Union gewählt worden fein, man spricht von Brisson, dem Obmann der republikanischen Union, welcher das Ministerium deS Innern erhalten werde. Als erste Haupt­aufgabe des neuen Ministerrums wird die Reform des französischen RichterstandeS bezeichnet und hiuzugesügt, Freycinet werde den diesde- züglrchen Entwurf Brisson's zu dem seinigen machen.

In England herrscht große Bestürzung in Folge der beträbenben Nachrichten aus Afghanistan. Man gibt sich keinen rosigen Hoffnungen in Bezug auf den afghenischen Feldzug mehr hin, seit eS feststeht, daß die britifche Armee unter General Roberts gezwungen wurde, die kaum dem Feinde abgerungenen Stellungen in und um Kabul wieder aufzu- geben und sich in das befestigte Lager von Shirpur zurückzuziehen. Hier sind nun die britischen Truppen von dem mehr als 30,(00 Mann starken Feinde vollstäudig eingeschlossen, so haß alle Verbindungen zwischen dem britischen Heer und Indien abgeschnitten sind. Die Lage des ersteren ist daher eine sehr dedenkliche, wenn es nicht gelingen sollte, ihm iuru: bedeutende Verstärkungen die Uebermacht über die Feinde, oder durch einen Ausweg aus der Falle, in die es gerathen ist, zu ver­schaffen. In Folge dieser besorgnißerregenden Nachrichten fand em letzten Freitag eine Sitzung des englischen EabjnetSrattzS statt, um über die zu ergreifenden Maßregeln zu berathen, man glaubt, daß auch beschlossen sein wird, daS englische Parlament in Folge der schlimmen Wendung der Dinge in Afghanistan, nicht erst, wie beschlossen war, am 5. Fe­bruar n. I., sondern schon für einen näheren Termin zu berufen.

Die Nachrichten Über bte inneren Zustände in Rußland haben sei^