1733
Herrn Kreisthierarzt Dr. Collmann über die Behandlung deS Milzbrandes, als auch Anträge, bezüglich Abänderung bei Seuchengesetzes, Veranlassung waren. Der Be prechung über die Gründung eines Mol- kerei-Instituts konnte keine weitere Folge gegeben werden, da sich die Interessenten nicht fanden, welche eine betreffende Verwerthung ihrer Milch anzustreben gesonnen waren. Die KnWletzenheit wurde deßhalb für spätere Zeit im Auge b-ha ten, in welcher sich vielleicht Unternehmer findeN werden, um der guten Seche mit Erfolg näher treten zu können. — Herr Dr. Collmann ipre^ nun über die Behandlung der vom Milzbrand befallenen Thiere, — als Fortsetzung seines früheren Vor- trags über Thiersenchen, — und erllürte, daß eine Heilung nicht wohl möglich wäre, wenn das Milzbrondgift bereits in das Blut des Thieres gedrungen sei. Die zahlreichen Mittel, bte man als unfehlbar wirksam vorgeschlagen, hüttm noch niemals ein Thier geheilt, welches wirklich an Milzbrand erkrankt gewesen, und aus seinen früheren Witsheilungen fei es auch erklärlich, daß der ungemein raschen Entwicklung der betreffenden Bakterie» im Blute gar nicht beizukommen sei, die sich ja selbst im todten Thiere, im L oden und cn den äußeren Theilen der Pflanzen nach Jahren als lebenSfühig zeigte«. Die Thiere aber, bei denen das Wilzbrandkontagir m noch keinen Weg zum Bluie gefunden, diese könnten aßerbingi zweckmäßig mit sehr verdünnten Mineralsäuren behandelt werden, wodurch die übettragenen Keime unschödlich gemacht würden. Für jeden Landwirth sei die Hauptaufgabe, das an Müzbrsnd erkrankte Vieh zu isoliren, die Kadaver so schnell als möglich unter strengster Beobachtung der betreffenden Boifchnsten fortschaffen zu lassen Leider feien in Hascher Gegend die erifpredserben Schrnderwazen nicht vorhanden, um Thierleichen mit der nothwendigen Reirüichkert transpor- tiren zu können. Für die Zukunft fei es aber gebotru, daß die Gemeinden Sorge trügen, derartige Wagen auzuschoffen, und könnte ein solcher für mehrere naheliegenden Dörfer dienen, nodmch die Kosten zur Lnschosiung sich nicht erheblich stellen Nürden. — Flei-ch und Heut deS an Mllzbrand gefallenen Viehes zu benutzen, sei ^anz und gar unstatthaft. Es lägen viele Beispiele von den schrecklichsten Erkrankungen bei Menschen vor, die durch den Genuß von milzbrandigem Fleisch erzeugt wordtn seien, und wenn hier und da die Verwendung solchen Fleisches in der Kicke fernen Nachtheil gebracht habe, so seien derartige Beispiele «ur als glückliche Zufälle zu betrachten, wo die Bedingungen der Ansteckung nicht vorhanden waren, in em ja schon die Siedehitze auLreiche, das Eontagium zu zerstören. Nachdem der Redner die gesetzlichen Bor- schrifttN für Seuchen vorgetragen, greift derselbe auf seine früheren Mittheilungen zurück und führt an, wie sehr der Milzbrand im Streife Hanau abgenommen habe, ja sogar selten geworden sei, nachdem die Schaasheerden vielfach eingegangen, durch welche die Verschleppung deS Milzbrandes meistens fiatlgkfurdm hätte. Es liege nun gewiß im In- fett sie aller Landwirthe dafür Sorge zu tragen, daß diese Seuche auch für die Zukunft fern bleibe, was zu erteilen sei, wenn die Vorschriften bei jedem bezüglichen Krankheitsfall streng befolgt würden, die bei Gesetz vor schreibe. Herr vr. Collmann schloß seinen geschätzten Vortrag und versprach bet Versammlung, gelegentlich über die Luugenstuche reden zu noDin. — Herr Jean Ko ch vom Bruderdiebacher Hof stellte den Autrag: der Verein wolle bewirken, daß das Gesetz für die Vielsevchen dahin abgeändert werde, um einerseits volle Entschädigung für die Verluste erlangen zu können, anderseits die Zeit des Besitzes verkürzt werde, welche zur Entschädigung berechtige. Herr Koch führte zur Begründung seines Antloges an, daß, ein erhöhter Beitrag für die Gesammtheit der belheiligten Biehbesitzen weniger drückend sei, eil der Verlust bei Einzelnen, dessen Vieh durch die Seuche falle. Ferner sei die halbjährige Frist für den Besitz deS erkrankten Viehes zu lange bemeffen, weil der Verkäufer deffelben nicht mehr nach 6 Monaten Ostler gemacht werden könne. Ueber vorstehenden Antrag entspann sich eine lebhafte Debatte. Herr 8. Riegelmann hält eS nicht für gerathen, die »o8e Entschädigung z. B. bei Rotzkrankheit zu gewähren, da der Besitzer von Pferde« stell dafür Sorge tragen müsse, daß eine Ansteckung möglichst fern bleibe, und wenn eine solche stottgefunden, deren strengste Einschränkung zu erstreben habe. Bei voller Entschädigung läge es gewiß weniger im Jnter.sse bei Biehbesirtzers, der Seuche mit aller Sorgfalt zu begegnen, welches Interesse aber von großer Bedeutung für die Beseitigung bei Uebels sei, die daS ®ef-| aber ganz besonders zu erstrebe» suche. Herr Laudrath vo» Schrörrer sprach für bei Antrag und führte an, daß man ebensogut hier volle Entschädigung gewähren könne, all solches bei Brandschäden Leschehe. Nachdem noch mehrfach zu Gunsten bei AntragS gesprochen wär, stellte Herr Jnspestor Menne den Antrcg auf Schluß der LÜivtün, um in der nächsün Versammlung unter Zugrundelegung des bezüglichen Theils bei SeuchengesetzeS eilte weitere Berath»», über den Gegenstand Folge zu geben, welcher Antrag angenommen wurde. — Ta wtgm der vmgr chrwemv Zeit der angekundigte Vortrag über die „Entwickelm g der vaterländischen Landwirthschaft" nicht gehalten werden körnte, sprech noch Herr A. Riegelmann über bte „Bertreiburg des HedrickS", indem er den Bau von Sommerfrücbten unter Weglaffung des Wirtergetreide» empfahl. Wo eine sollte Bauweise nicht ihunlich sei, da wäre die Einsaat von Hopjentlec (midieago lupulina) in die
Winterfrucht ein durchgreifendes Mittel, wodurch nicht allein der Hederich, sondern auch alle übrigen Unkräuter uv!erdrückt würden. Der Sacmen dieses Klees stelle sich sehr billig (20 P, a Pfund) und komme häufig als Fälschung unter dem deutschen Klee vor, mit dessen Saamen er große Aehnlichkeit habe. In der Saargegend wü de Hopfenklee in alle Winter- wie Sommerfrucht sehr läufig ein^esäer, wenn nicht deutscher Klee über Luzerne rc. Platz zu greifen hätten. £m Frühjahr, wenn der Lupulina sich gut erhalten habe, nehme man dorten einen Schnitt und cefitlie daS Feld mit Dickromzel, 5!oh! rc Welle man frühe den Acker bestellen, so verzichte man auf Futter und begnüge sich mit dem Gründinger des Klees. Der Redner, der auS eigener Erfahrung lp icht, bemerkte noch, daß der Hopfenklee d e Nachfolge der grröhn- lrchen Kleearten nicht schädige, und femit (önue man ohne Bedenken denselben in angegebener Werfe, gleichsam als „Lücken! üßer" überall mit einsäen, wo Raum und Zeit seine Entwickelung gift-iteten. Besonders für hiesige Gegend, wo sooft das Uutraut die Kulturpflanzen überwuchere und auch öfters an G rün- futter fehle, sei die Einsühiui g der b t f c g u n Psl anze von ganz bedeutendem Vortheil, da dieselle da ihren Platz ernnehmen solle, wo der malen nur sch äbliche Unkräuter sich erzeugten. Zum Schlüsse wurde noch bemerkt, daß der Hapseullee sehr gern und reichlich Esamrn ansetze, und somit leicht gewonnen werden könne. — D e nächste Versammlung murde hierauf auf den 10. Januar 1(80 festgesetzt und die Sitzung geschlossen.
— Freiherr v. LL1 twitz, der seitherige Commandeur unseres Bataillons wurde als Oberstlieutenant mit Pension m b d.r Regiments- uniform zur Disposition gestellt.
— Gestern Abend ist der neuernannte Commandeur unseres Bataillons, Herr Major v Oestreich dchier ervgitroff n rud vrm O-si« zier-CorpS am Tahnhose begrüßt worden.
— Heute Morgen wurde die Bataillorsfahn? nach dem „Hotel Adler", allwo unser neuer Bataillonskommandant Wohne ng genemme», verbracht.
— Morgen Abend 5 Uhr wird d-r Frauenve-ein im Saale drS „Nürnberger Hof" den Weihnacht-baum für arme Kinder anzünden. Wie wir hören, sind die Gaben hrerzu aus der kÄrgerschast in so er» sriulichem Maße <ingelaufen, laß eine recht rrkleckache Anzahl Kinder mrt eirem Christkindchen bedeckt w-rden können.
— Vorgestern produziere sich im Saale des«Nürnberger Hof" da« hier ein ächter Sohn Lstafiens, der Chinese Arr-You. Derselbe leistete im Messnwerstp, Wasser s^wenken, Messer und G.erspielen, in humo« rist sch-inkiscken Zaubereien, in Jonglemproduktiomn und Schmetterlings« fang Vorzügliches. Seine außerordentliche Gevaulth-it und Sicherheit bei allen Vorführungen sind staunenswerth und kann d r Besuch der noch statthabenden Voistellungen bestens empfohlen werden.
Bersteigermngt- und Verpachtungs- rc. Kalender für Montag den 22. Dezember.
Reflektanten auf Lieferung des Oelbedarsk für die Cladt für die Zeit vom 1. Januar bis Ende September 1880 heben ihre Angebote im Laufe des Tages verschlossen an Herrn Lb.r bü rgn Meister Rauch einzureichen (f. Nr. 295 „Hon. Anz."). — Vormittags 9 Uhr wird die Lieferung von 60 Paar leb einen Hausschuhen zu Zwecken des hiesigen Landki anlenhauseS, sowie die Abfuhr von Abtritt-stoff n für 1880 auS genannter Anstalt submissionsweise vergeben (f. 9h. 295 „Han. Anz.").
— Für heute. Im großen Saale deS „Nürrbrmr Hof": Auftreten der original-chinesischen Künstler-Gesell cha't Mr & Miss Arr- You; Nachm. 4 Uhr Kinder Vorstellung; t bti bi 8 Uhr Große Vorstellung ; morgen Abend 8 Uhr ebendascibst letzte Vorstellung.
— Für morgen. Nachmittags 4 Uhr Theilung der Spar laste zur „Sarthaune".
Wohin gehen wir heute und morgen? VergnügungS-Anzeiger für Hanau und Umgegend.
Bezüglich deS VergnügungSanzeigers verweisen wir auf den In- feratentheil (Seite 1738) unseres heutigen Blattes.
— Bvrgesternc Abend sprang zwischen Langen und Egel-bach an dem Tender der Zuges, in welchem der Eroßberzog von Hessen saß, der von der Jagd deS Landgrafen Friedrich Wilhelm nach seiner Residenz zurückkehrte, ein Reif. Der Schaden, welcher leicht ein großes Unglück — cs war ein Schnellzug — Hütte herbeiführen Sönnen, wurde rechtzeitig durch den Lokomotivführer emdcckt. Hülfe wurde von Darm- stadt requirirt, und nach anderthalbstündigem Auferthalte war die Bahn frei. (Fr. Z)
— Die Berliner „Post" brächte folgende Mittheilung aus Easiel: „Die hiesige Hessische Morgen-Zeitung, bestehend feh 10. November 1859, wird mit Abhauf dieses Monats eingehen. Des Elatt defielben Namens, welches v. 1. Januar erscheinen wird, hat mit dem bisherigen uchrS anderes gemein, als eben diesen Namen. ToS eirgeherde Blatt war inS Leben gerufen, um die Agitation für die Wiederherstellung der Kmhessischen Verfassung von 1831 zu beginnen. M an wird sich erinnern, wie nach und nach fast die ganze Bevölkerung KurhessenS stch um dieses
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