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1726

vor. General Roberts beschloß, die Höhen oberhalb Kabul» zu ver­lassen und die Truppen in der Gegend bei Nerpun zu eoncentrire«. Die Generale Gru^h (in Gandsmak) und Arbuthnot (in Jellalabad) erhielten Befehl, nach Kabul zu marschiren. Die Verbindungen sind zwar nicht unterbrochen, doch herrscht Besorgniß, die Agitation werde unter den Stämmen weiter um sich greifen. Die Regierung hat hinreichende Streitkräste zur Verfügung, um allen Eventualitäten entgegentreten zu können. — Ebenso müssen die Beziehungen der indo-britischen Regie­rung zu dem hinterindischen Nachbarstaat Birma sich nsch bedenklicher gestaltet haben, da nach den neuesten Telegrammen aus Bsmbay ein britisches Regiment Ordre erhalten hat, unverzüglich nach Birma abzu- gehen.

AuS Spanien kammm sehr widersprechende Nachrichten über die Ursachen uab Wirkungen des letzten ZabiuetsmeHselS. Während auf der einen Seite mitgetheilt wird, der Rücktritt des KarschrllS Martinrz Campos habe den Weggang sämmtlicher Generale und Civilbeamte«, welche unter ihm in Cum gedient hätten, zur Folge gehabt und müsse in Tuba die bedenklichsten Folgen haben, wird von anderer Seite ver­sichert, bog diese Nachrichten übertrieben seien; nur 6 Generäle hätten ihre Enttaffu?ig genommen, auch sei zAisch-n Aartinez CamM und dem jetzige« Ministerpräsisentrn CanovaZ del Erstillo in Fvlge einer langen Unterredung schließlich eine Zinigung in aäen wichtigen fragen hersei- gesüzrt worden.

In KonZantinopel ist man wie immer, so auch gegenüber den AuffarSerunM Montenegros zu; en-tlichen Uebergabe der ihm durch de« Berliner EonZreß zuzeiprochenen Theile Albaniens, mit zuwrksmmendrn Versicherungen sehr freigebig, ohne sich mit der That zu beeilen. Die Pfoite erklärt, ihr Möglichstes z rr baldigen Urbrrgabr det Gebiets a«f- bieten zu wollen und hat auch in einem Kundsch eiben den Großmächten von den zu diesem Z necke ergriffenen Maßregeln Mittheilung gemacht. Mit deren Ausführung wird es aber wahrscheinlich nach der bekannte« türkischen Act gehalten werden.___________________________________________

LsgeS schäm

— PotSdam, 18. Dezember. (Privat Telegramm der „Post".) Prinz Wilhelm hat sich gestern, nachdem er von einer Schlittenfahrt zurückgekehrt war, bei einem im RegimentShaus des 1. AarderegimentS zu Fuß veransta teten Tanzvergnügen die Kniescheibe ausgefallen. Gr- Heimrattz Dr. Wilms ist zu dem hohen Kranken berufen worden.

— B erlin, 17. Dez. In Herrenhaus« ist heute die Eisenbahn- vorlage nach den Beschlüssen des Abgeordnetenhaus:s mit großer Mehr- hett angenommen worden, nachdem u. Ä. der Gmeralpostmeifter Dr. Stephan sie aus Rücksicht auf die BerkchrSinterefsm, Feldmarschall Graf Moltke auS militärischen Gründen warm empfohlen. Bemerkenswerth ist, daß sich der Staatsminister Camphrusen gegen die Vorlage erklärte. Mit dem Vitum deS Herrenhauses ist die Eisenbahnverstaatlichung, so­weit sie in der ersten Vorlage vorgrichlazen war, endgültig genehmigt.

— Berlin, 18. Dez. (K.Z) Gestern Lbend spät ist folgende, von sämmtlichen Fractionen des AogeordnetenhauseS unterstützt: Fiter- pellatiou in Betreff des Nothstandes in Oberschlssten eingriracht worden:

Die llnierzeichneten richten an die königliye Staatsregierung fol­gende Fragen: 1) Welch: Resultate huben die amtlichen Ermittlungen über den Umfang des in Oberschl-fnn eingrtretrnrn Nothstandes ergeben?

2) Welch: Maßregeln hat die königliche StaatSregierung getroffen, um dem Nothstände zu begegnen? 3) Beabsichtigt die königlich: Staat»« regierunz event, mit einer Forderung an die Landesoerteetunz Hecanzu« treten behufs Beschaffung außerordentlicher Mittel zur Beseitigung deS Nothstandes?

Berlin, den 17. Dez. 1879.

Frhr. v. Huene. v. Chlapomski (Buk). Graf Clairon d'Hanffsnville. Stengel. Dr. Miguel. Dr. Virchow.

— Berlin, 18. Dezbr. Die Fortsetzung der Berathung über die Elbinger Simultanschulanzelegenheit nahm auch die ganze heutige (28.) Plenar-Gitzung des Abgordnetenhause» in Anspruch. Der Abg. Dr. Petri ergriff zunächst das Wort gegen den Antrag der Unterricht»« Kommission, über die Elbinger Petition zur Tagesordnung Überzugchen. Der Redner suchte die gestrigen Angriffe deS Abg. Giöcker auf dre Be­rechtigung der Simultanschulen zu entkräften, und kam zu dem Schlaffe, daß der konfessionelle Friede erst dann wieder hergestellt werden könne, wenn man zu dem System der Simultanschulen übergehe. Der Abg. Dr. v Jazdzrw»ki gab, ohne aus den Elbinger Fall näher einzuzehm, der Freude der polnischen Bevölkerung über das Einschreiten der Herr« Kultusminister» Ausdruck; zwar sei die Luft im Kultusministerium «och nicht ganz rein, aber ein Fortschritt zum Besseren doch merkbar gewor­den. Abg. Dr v. Sybel ging speziell auf die Elbinzer Vorgänge ein, und erklärte Namenk sein«":, der nationalliberalen Partei, daß er die Maßnahmen des Ministers ungerechtfertigt finde, weil in dem Elbinger Falle res Integra nicht mehr vorhanden gewesen sei. Die hinzuzefügte Bemerkung, daz auch der frühere Kultusminister Dr. Falk ausdrücklich dieser Auffassung beigestimmt hab:, verfehlte nicht, große Sensation im Hause zu verursachen. Im weiteren Verlauf seiner Rede beftritt Dr.

'Sybel die gestrigen Deduktionen des Abg. Gtöcker über Konfessisnalis« muS und paritätische Schul-Einrichtungen. Der UnterstaMsekretär im Kul­tus-Ministerium Herr Dr. v. Goßler war darauf bemüht, die Argu­mente der gestern durch den Abg. Dr. Gneist vertretenen VotumS der Minorität der UnterrichtS-Kommission z« widerlegen und trat dem Abg. Dr. v. Sybel insofern entgege«, als er zwar zugab, daß in der Elbin- ger Angelegenheit für den Herrn Minister zur Zeit seines Eingreifens nicht mehr res Integra »erlag, jedoch sei er zu der getroffenen Entschei­dung kompetent, und diese selbst sachlich und rechtlich unanfechtbar. Abz. Dr. Röckerath schloß sich diesen Ausführungen an und wandte sich im Besonderen gegen die Vorwürfe, welche Abg. Dr. Petri der katholische« Kirche gemacht hatte. Hierauf wurde die Drbatte geschlossen und der Axtraz kneift in namentlicher Abstimmung mit 245 gegen 147 Stim­me« verworfen. (Dost)

— Die Behauptung verächtlich machender oder herabwürdizender, nicht erweislich wahrer Thatsachen ist, nach einem Erkenntniß bei Reichs­gerichts, II. Strafsenat», vom 24. Oktober 1879, nur dann als quali« flirte Beleidigung aus §. 186 Str.-H.-I. zu bestrafen, wenn sie einer dritten Person gegenüber geschehen; erfolgt dagegen eiur derartige Be- hauptunz nur dem Beleidigten Menüber, ss ist sie nicht au» §. 186 Str.-G -B. zu bestrafen, vielmehr kann in diesem Falle nur die Anwen­dung deS §. 185 der Str.-W.-B., betreffend die einfache Beleidigung, in Frage kommen.

— Die vielfachen Hinweise auf die Wichtigkeit der Besitzunzen der in Zahlung-stockung gerathenen Hauses I. C. Godeffroy u. Sohn für die Durchführung der deutschen Pläne in der Südsee scheinen, wie die Tribüne schreibt, die deutsche ReichSregierung zu einem Eingreifen veranlassen zu wollen, nachdem die Hauptinteressen bei der ZahlungS« stockung ein weitgehendes Entgegenkommen in Aussicht gestellt haben, wenn die Umwandlung in eine sich der unmittelbaren Patronage der deutschen ReichSregierung erfreuende Actiengesellschaft durchgeführt würde.

— 3« Düsseldorf war dieser Taze in Folge der Glätte auf der Straße ein Pferd gefallen und der Fuhrmann versuchte dasselbe mit Peitschenhieben wieder aufzutreiben. Eine Menge Mensche« hatte sich angesrmmelt «nd murrte über den jungen Fuhrmann. Da trat ein Mann aus dem Bolkshaufen, entnahm dem Fuhrmann die Peitsche, löste die Stränge de» Pferdes, wvcauf dieses svsort aufsprang. Dann versetzte er dem Fuhrmann eine Menge Peitschenhiebe und unter dem Rufe: „So macht man's", ging er unter dem Gelächter des Publikums davon.

— Die in der gestrigen Sitzung der zweiten bsdifcheu Kammer eingebrachte Interpellation über die Stellung der badischen Regierung zu der im -RnchStaze angeregten Wuhrrg:setzgrb«ng wurde vom Staats­minister Turban dahin beantwortet, saß dem Wucher mit der Be­schränkung des Zinses und der Wechselfähigkeit civilrechtlich nicht beizu« kommen sei, daß dagegen wegen Benutz mz von Noch, Leichtsinn und Unerfahrenheit die strafrechtliche Ahndung bestehe. Die Frage, ob ser Auchrrer civilrrchtlich gezwungen werden könn:, den Wechsel «nd die Früchte herauszugeben, werde im badischm Landrecht durch das Erfor« derniß gelö t, daß jeder Vertrag eine erlaubte Ursache haben müsse. Wie es im Reiche damit zu halten sei, bedürfe einer gründlichen Erörterung. DieS sei die Stellung der Regierung zu der Frage, wenn die Angele­genheit im Reichstage wieder Vorkommen sollte. (Trib.)

— St. Petersburg', 18. Dezbr. (R. u. St.-A.) Der „Re- gierungsbote" mrldet: Die Besserung der Gesundheit Ihrer Majestät der Kaiserin im südlichen Klima hat de« gehegten Erwartungen nicht ent­sprochen. Dar Befinden Ihrer Majestät hat sich nicht gebessert. I« dem chronischen Leiden der rechten Lunge hat keine Veränderung zum Besseren stattgefunden. Gegenwärtig ist dieses Leiden durch hinzugetre­tene Pleuritis komplizirt.

— New-York, 17. Dez. Der Hamburger Postdampfer „Frisia" ist hier emgetroffe«.

Lokales.

Ha«au, 19 Dezember 1879. Oeffentliche Sitz«ng der Gemeinde-AuSschusse« vom 18. Dezember.

Anwesend die Herren Kehl (Vorsteher), Brenner, Deiner, FriedgS, Gerhardt, Sioth, Hen««brrger, Dr. Heuser, Körner, Koch, Dr. Roll, Spatz, Una, Weber, Wirth und Zeh, sowie Herr Oberbürgermeister Rauch.

Das Protokoll der Sitzung vom 27. Rsvemder wird verlesen und genehmigt.

Die beantragte Nachverwilligung von M. 50 zu de« Meßkosten für AnSbessecung Del ParadeplatzeS wird genehmigt. Hierbei überreicht Herr Ris. Gioth dem Herrn Oberbürgermeister zur Einsichtnahme eine Eingabe deS A.-Mitgl. Herra Weber, in welcher derselbe auf Grund des Darmstädter TirifS bei Verpachtung der Meßplitze die @r* zielung einer Mehreinnahme von 2100 M. nachvrist.

Dir beantragte Gestaltung einer Kanalanlage zur Entwässerung I der Zeichenakademie wird gegen einen jährlichen RekoguitionSzins von