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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hauau.

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Nr. 295

Freitag des 19. Dezember

L87b.

Amtliches-

Gefunden: Ein Wachstuch mit Taschen, darin Kamm, Scheere nebst Büchschen.

Hanau am 19. Dezember 1879.

AnS Königlichem Landrathsamt.

Rnndschan.

R. F. In Deutschlands auswärtiger Politik ist seit Wochen eine gewisse Zurückhaltung unseres Reichskanzlers ausgefallen. Man sah, daß sich die Höfe tz»n Berlin und Petersburg wieder einander näherten, doch bemerkte Niemand, daß Fürst Bitmarck an dieser Annäherung theil, nah». Es liegt indessen jedoch jetzt genug Grund zu der Annahme vor, daß eS sich Fürst Bismaick ebenfalls angelegen sein läßt, die alten Weziehunße» mit Rußland wieder herzustellen, wenn auch unter der Be­dingung, daß die russische Regierung mit einem gewissen Systeme breche. Als Thatsache gilt es, daß Fürst Bitmarck einer der Ersten gewesen ist, die den Kaiser von Rußland zu seiner glücklichen Errettung aus schwerer Lebensgefahr beglückwünscht haben und dann hatte Fürst BSmmck zu Anfang letzter Wrch« auch in Verzin Unterredungen mit zwei StamS- männern, deren Erfluß am russischen Hofe ein nicht unbedeutender ist. Graf Schuwaloff, der bisherige russische Botschaster in Londen, und Lord Duffrrin, der englische Botschafter in Petersburg, beuchten auf ihrer Rückreise nach Petersburg den Fürsten Bitmarck in Barzin und hatten mit demselben Conferenzeu. Ss verdient dabei hervorßehvben zu werden, daß Lord Dufferin vom Fürsten BiSmarck telegraphisch zu der Conferenz eingeladen wurde.

Der BundeSrath hat sich in dieser Woche über eine Frage ent- schieden, der man im Allgemeinen eine große politische Bedeutung bei- mißt, obwohl in RegierurgSkreisen betont wird, daß es sich hierbei rur um eine einfachere und b, quermre Handhabung der Parlamentärischen Geschäfte handele. Der Bundesrach nehm mit überwiegender Stimm n Mehrheit d-n Gesetzentwurf, betreffend die Abänderung der Nrrrkel 13, 24, 69 und 72 der Reichsverfassung, an, wonach an Stelle der einjäh­rigen EtatS- und dreijährigen L^iklatutperiedt» zweijährige Elato- und vierjährige Legislaturperioden treten sollen.

Das Herrenlaus genehmigte am Montage und Dienstage ohne Debatte mehrere kleinere Vorlagen und ging am Mittwoch zur Berathung der Gesetzes, betr. die Erwerbung mehrerer Privatbahnen für den Staat, über. Mit großem Interesse sieht man in politischen Kreisen dem Re° Imitat dieser Berathungen entgegen, da schon ein Beschluß der Cemmis- sirn der Herrenhauses zur Vorberathung der Gesetzentwurfs überraschte, nach welchem der §. 4 der Regierung das Recht zur Kündigung der Prioritäten zuspricht, verworfen wurde. Die Borlage, wie überhaupt der Ankauf von Privatbahnen für den Staat fand wenig Entlang im Herrenhause, es wurde helvmgehvbkn, daß die ReichSeiseubahnidee immer noch verfolgt werde und solle man daher den Ankauf der Privatbahnen dem Reiche überlassen. Am Abgeordnetenhaus« kam am Montag eine Interpellation der Abg. WierLbinSki, betreffend die Umwandlung alcher- gebrachter polnischer Ortsnamen im Greßherzogthum Posen und in Wefipreustu, zur Verhandlung. Vom Jnterpellaute» wurde dat Ver- fahren der Regierung heftig getadelt, auch sprachen sich mehrere Abge­ordnete gegen dass-lbe aus. Im Ubgeordnetenhause nehm die Debatte bei der zweiten Lesung des Feld- und Forstpolizeixesetzer eine für die Regierung unerwartete Wendung. Der Referent v. Heydebrand recht­fertigte die Verschärfungen, welche die Vorlage in der Erwmissirn er­fahren hat, und der Minister Lucius hielt gegenüber der Ansicht des Abg. v. Hammerstein, daß die vorliegende Materie zweckmäßiger für die einzelnen Provinzen zu behandeln sei, daran fest, daß eine einheitliche Lösung geboten erscheine. Auf den Antrag des Abg. Echorlemer-Aist wurde der Entwurf wieder an die Commission^zurückgewiesen und somit für diese Session erledigt.

Zm bayerischen Abgeordnetenhause gaben die Etats der Ministerien des Auswärtigen und des Krieges Anlaß zu lebhaften Debatten. Einige ultramontane Abgeordnete wobtm das Ministerium in Verlegenheit bringen und tadelten das Fortbestehen der bayerischen Gesandtschaften,

sowie die Militärinspektionen durch preußische Heerführer, wodurch Bayern seine Selbständigkeit verloren habe. Der Minister v. Pfretzch- ner wies indessen diese Nuslessnugen in die gebührenden Schranken zu­rück und die betreffenden Etats winden genehmigt.

Am Dienstag ist der LandesiuSschuß von Elsaß-Lothringen unter bedeutsamen Umständen eröffnet worden. Elsaß-Lothringen hat jetzt feine eigene Regierung und dem LandeSauSschusse find größere Rechte und Machtbefugnisse eingeräumt worden. Der Kaiser und das Reich erwarten ehr auch, daß die erweiterten Rechte diejenige» Pflichten in Elsaß Lsthringen erwecken mögen, welche dem ReichSlande eine ruhige Entwickelung verleihen.

Bezüglich des Wehrgezetz-Conflicts in Oesterreich hat es den An­schein, als wen» das Abgeordnetenhaus «achgeb,n würde. Der Kaiser Franz Josef hat selbst mit dem Führer der liberalen Opposition Dr. v. Weber unterhandelt und ihm die Dringlichkeit des Wehrgesetzes an's Herz gelegt. Die Verlängerung des deutsch, österreichischen Handels- Vertrages aus weitere sechs Monate ist im österreichischen Abgeordneten­hause genehmigt würden.

Die in Bezug auf die vielbesprochenen Personalveränderungen in dem russischen diplomatischen Corps gehegten Erwartungen sind nicht in Erfüllung gegangen; alle Personalveränderungen in den höchste» Aemtern deS Reiches sind «ufgexeben und damit die Hoffnungen gescheitert, welche an dieselben bezsßliM der BesserunK der inneren Zustände und der Be­ziehungen zu auswärtigen Mächten geknüpft waren. Fürst Wortschaksff hat nach seiner Rückkehr dem Ezaren das Programm seiner künftigen Pklitik übergeben. Der oberste Grundsatz fei der Friede, dessen Rußland vor Allem bedürfe. Um bufen zu ermöZlichen, wäre in erster Linie die W ederherstellung frem dschaftlichr MeziehrmKen mit den nächste» Nach- baiffeatcn Oesterreich-Ungarn und Deutschland unerläßlich. Was den hüteten Staat betrifft, habe er, Esrtschskoff, während seiner letzten An­wesenheit in Berlin sich Mühe gesehen, die etwas alterirten Beziehungen inS frühere Geleise zurück^ulenken und gleube, daß diese Nemühungen v n Erfolg gekrönt sein werden. Eine festere Anknüpfung der gelocker­ten Bande der Freunl,schalt mit Oesterreich.Ungarn werde auch kein be- sst derS schwieriges Werk sein. Von Frankreich meint Gortschakoff, die inneren Verhältnisse seien ur sicher und wenig einladend, nähere Bezie- Hunzen mit Frankreich anzuknüpfen. Das Pcogramm ssll in allen sei­nen Theilen die Zustimmung des Czaren gefunden und Gortschakoff in Folge dessen die Leitung der Geschäfte wieder übernommen haben. Bon den irnenntngtn für verschiedene erledigte diplomatische Posten, welche in diesen Tagen publicirt werden, ist bis jetzt die des Herrn v. Sabursff für den Berliner Botschafter Pasten bekannt geworden.

So ganz unzutreffend kann die Aeußerung des Fürsten Gortschakoff über die inneren Zustände Frankreichs nicht genannt werden. Der Kampf der fortschrittlichen und radikalen Elemente gegen die Männer von gemäßigteren Anstauungen dauert fort und ist zunächst auf all- »älige Berändttungen in dem Ministerium und namentlich auf gründ« liche Umwälzungen des R chterstandes gerichtet. Um die den fortschritt­lichen Bestrebungen abgeneigten Richter beseitigen zu können, wurde in der Deputirtenkammer der Antrag wegen Aushebung der bisherigen Un» absetzl arkeit der Richter eingebracht und die Prüfung dieser Frage einst Commission überwiesen, von deren MitMeder 9 für und nur 2 gegen den Antrag sind. Ueber die nächste Veränderung im Ministerium wnd als bestimmt mitgethrilt, daß daS Präsidium von Waddington auf Fliycintt, den Minister der öffentlichen Arbeiten, welcher der repabli- kamschen Linken angehört, übertragen werden wird. Freycinet Werbe mit feinen Ccllcgm ein gemeinsames Programm für Sie im Januar k. I. zu eröffnende ordentliche Kammersession auSarbeiten.

England sieht für das kommend? Jahr einer friedlichen Politik nicht nur in Europa, sondern auch in seine» Colonien entgegen und glaubt daher in seinem Armee-Budget eine beträchtliche Reduktion vor­nehmen zu können. Gegenwärtig gewähren freilich die Zustände in den Colonien noch wenig Aussicht auf eine baldige friedliche Gestaltung. In Asghamstku dauern die wieder ausgebrochenen Kämpfe ununter­brochen fort. Der Feind marschirt noch immer mit starken Strertkräften