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ist noch nicht theuer, aber kau« zu essen, da es äußerst mager ist. Rehe, Hasen u. s. w., die viel auS Deutschland eingeführt werden, sind auch nicht viel im Preis gestiegen und eben so gut wie früher. Dagegen ist das Fleisch auch thenrer geworden. Frische- Schweinefleisch kostet daS Pfund 25 «. mehr. Ich theile Ihnen hier nur die Preise der LebenS- mitte! von den Centralhallen mit. Bei den Kleinhändlern der verschie­denen Märkte, wo die armen und unbemittelten Leute kaufen müssen, ist Alles noch viel theurer.

— Madrid, 10 Dezember. Das neue Ministerium hat sich heute dem Senat und der Kmmer vorgestellt. Bezüglich der Minister - Krisis erkürte der Minister-Präsident Canovas bei Castillo: dieselbe sei durch die Abfassung deS Gesetzentwurfs, betreffend die Einführung von wirthschaftlichen Reformen auf Cuba, veranlaßt worden. DaS gegen* wattige Ksbinet werde ebenso wie daS bisherige für die Abschaffung der Sklaverei eintreten und eine Form für die Ausgleichung der Jn- teressmten Spaniens und Euba's vorschlagen. Die Gffetzentwüfe, be­treffend Cuba, würden in Kurzem vorgelegt werden. Die Erklärungen des Minister-Präsidenten wurden mit Beifall aufnenommen. — Wie die „Correspondencia" meldet, haben 15 Generale ihre EntlassungSge- suche eingereicht.

— London, 11. Dezember. (R.- u. St.-A.) Die „TimeS" spricht sich für die baldige Räumung Afghanistans, sowie für die strikte Aufrechterhaltung des Vertrages von Gandamak aus und betont, daß die Räumung jetzt sicher und ehrenvoll geschehen könnte, daß sich der­selbe« aber später Hindernisse entgegenstellen dürsten.

Lokales.

Hanau, 12 Dezember 1879.

— „Die Geschichte vom Rückinger Bohnenkind," oder: „Das Werk einer raffinirten Gaunerin." — Diese Ueberfchrist würde sich am besten eignen, wenn man die seit einigen Tagen im Umläufe sich befindende sensationelle Nachricht zu einem Roman benutzen wollte. Mancher, der davon gehört, mußte sich in Zeiten der Hexen und Wunder versetzt glauben. Hier in kurzen Um­rissen der Verlauf der Geschichte: Vor einigen Tagen erschien in un­serem Redaktionsbüreau ein glaubwürdiger hiesiger Einwohner und zeigte etwa 30 —40 Bohnen vor als ein kleines Theuchen von denen, die einem 14 Monate alten Kinde in Rückingen aus der Nase geholt Worden seien. Der Mann betheuerte, er würde es nicht glauben, wenn er nicht mit eigenen Augen eine Bohne auS der Nase deS Kindes hätte fallen sehen, bemerkte schließlich noch, daß die Professoren bereits von der phänomenalen Erscheinung unterrichtet worden seien. — „Die Botschaft hört ich wohl, allein mir fehlt der Glaube", dachten wir, nahmen sogar an, daß der starke Frost dem Gehirne des Mannes zu- gesetzt haben müsse; allein auch er war wie viele Andere dupirt. Das sechzehnjährige Dienstmädchen förderte auf ganz natürliche Weise diesen Zauber zu Tage, aus welchem Grunde wollen wir dahin ge­stellt sein lassen.

Das Mädchen steckte dem armen Kinde stets Bohnen in die Nase und sobald Jemand kam, strich sie an der Nase her, so daß die Bohnen herausfallen mußten. Daß die Schwindlerin hiermit daS Kind unglück­lich machen konnte, daran scheint sie nicht gedacht zu haben. Nur der größten Aufmerksamkeit eines Herrn von Rückingen gelang eS das Mädchen bet diesem Schwindel zu erwischen. Daß die Person sofort dingfest gemacht wurde ist selbstverständlich; sie wird den Lohn für daS gefährliche Gaukelspiel, das sie getrieben, empfangen. — Wäre die Sache nicht allzu ernster Natur, so könnte man darüber lachen.

— Eine hiesige Kasse nahm gestern einen falschen Fünfzig-Mark- Schein ein, der, wie wir hören, sehr schwer von ächten zu unterscheiden ist. Man sehe sich deshalb vor und unterlasse bei Empfang nie, genau M den Namen deS Ausgebers größerer Scheine zu merken. Am besten ist eS, wenn man sich von dem Besitzer des Scheines den Namen mit Bleistift darauf schreiben läßt.

— Gestern Morgen gerieth in einem Hause der gr. Dechaneigasie durch daS Zerbersten des Ofenrohrs ein Deckenbalken in Brand. Das Feuer wurde sehr bald gemerkt und konnte ohne weitere Hülfe gelöscht werden.

— Morgen Nachmittag 21/* Uhr wird im Gasthause zum „golde­nen Löwen", Vorstadt, eine Sitzung des landwirthschaftlichen KreiSver« einL abgehalten. In derselben sollen außer Besprechung des von Herrn Dr. Hesse gehaltenen VortragS über „Molkereiweseu" zwei weitere Bor- trage gehalten werden, die ob ihres hohen Interesses für den Landwirth einer recht zahlreichen Zuhörerschaft würdig sind. Der eine handelt über „Milzbrand und andere Viehseuchen" und der andere bespricht die „Entwickelung der vaterländische« Landwirthschaft und das Abgabe- wesen."

— Für heute, genauer Stadttheater: Einmaliges Auftreten des 12jährigen Violinvirtuosen Mauricie Dengremont; dabei zum ersten Male: „DaS Gasthaus am See", Lustspiel in 1 Akt von Emil Pirazzi, sowie „Drr wie mir", Lustspiel in 1 Akt son Roger; Anfang 7 Uhr.

Auszug aus dem Central-Handelsregister.

(Eintragungen bei Kgl. Amtsgericht, I. Abth., Hanau.)

In das Handelsregister ist am 4. Dezember unter Nr. 804 einge­tragen die Firma: „Alexander Simon" dahier. Inhaber: Kaufmann Alexander Simon, welcher ein Geschäft in Tabak, Cigarren und Wein betreibt.

— Vom 10. b. M. beträgt bei der NeichSbank der Diskont 4 Prozent, der Lombard-Zinsfuß 5 Prozent.

— Wie der „Reichsaszeiger" meldet, hat die Kaiserin gestern den Landgrafen Alexis von Hessen-Philippsthal-Barchfeld, einen der kurhessi- schen Agnaten, empfangen. Landgraf Alexis war seit 1854 mit der Prinzessin Luise, einer Tochter des Prinzen Karl vermählt, von der er aber schon im Jahre 1861 geschieden wurde. Bekanntlich ist Landgraf Friedrich von Hessen, der Chef der älteren Rumpenheim'schen Linie, in zweiter Ehe mit der Prinzessin Anna, einer jüngeren Tochter des Prin­zen Karl vermählt. Der Besuch des Landgrafen Alexis am Berliner Hofe wird als Zeichen betrachtet, daß die Verhandlungen wegen deS Ausgleichs mit den hessischen Agnaten Aussicht auf Erfolg haben. (H.M.)

— Cassel, 11. Dezbr. (Communal Landtag. 8. Bitzung.) Aus dem Bericht der „Hess. Mgztg." entnehmen wir u. A. Folgende-: Der Hauptgegenstand der heutigen Tagesordnung bildete das Reglement für die hessische Brandversicherunzanstalt. Der Referent Abg. Rang wies im Allgemeinen auf diejenigen Gründe hin, welche den Uebergang der Anstalt aus staatlicher in die Verwaltung des Kommunalverbandes noth­wendig gemacht hatten, charakterifirte dabei die den beiden Häusern deS preußischen Landtages wegen der General-Brandkasse vorgelegten Gesetz­entwürfe und deren Schicksale und ging darauf zur Erläuterung der einzelnen Abschnitte des Reglements über. Nach längerer Debatte wurde zur Beschlußfassung geschritten, in welchem die Enbloc- Annahme des Reglements einstimmig erfolgte auf Grund eines vom Abg. Dr. Wolff- Marburg gestellten Antrags, nach welchem die RegierungSsassung deS § 33 und ein Zusatz in Borschlag gebracht worden war, nach welchem dem VerwaltungSausschuß die nothwendige Kontrole generell eingeräumt wurde, ohne demselben zu gestatten, im einzelnen Fall eine Revision ausüoen zu dürfen.

— Am 28. d. M. hahen wir eine Mondfinsterniß zu erwarten. Sichtbar ist dieselbe in Europa, Afrika, Asien und Ausstralien. In unseren Gegenden erfolgt der Anfang bald nach 4 Uhr Nachmittags und das Ende gegen 6 Uhr Abends. Der Mond steht beim Beginn der Finsterniß meist noch ziemlich tief am Horizont. Es wird nur eine partiti lle Finsterniß sein, da nur 1le der Mondscheibe vom Erd­schatten bedeckt wird.

Ans der Umgegend.

— Frankfurt a. M., 11. Dezbr. Wie wir hören, hat ein hie­siges Bureau die schöne und nachahmenswerthe Einrichtung getroffen, während der schlimmen Witterung täglich eine Liste circuliren zu lassen, in der sich jedes Mitglied mit einem Beitrags einzeichnet. Das Ex- trägniß wird in zweckmäßiger Weise für die Nothleidenden verwandt. Auf diese Art ist schon im Verlauf weniger Tage eine ganz schöne Summe zusammengekommen. — Die im Saalbau zu Gunsten der Fran- ziskanerinnen verunstaltete WohlthätigkeitS-Vorstellung — lebende Bil­der — hat ca. 12,000 Mk, eingetragen. — Zwei junge Leute, welche am Sonntag den Feldberg erstiegen, büßten ihre Kühnheit mit erfrore­nen Fußzehen. Dieselben befinben sich, nachdem sie per Wagen Frank­furt wieder erreicht, in ärztlicher Behandlung. — Bei Rödelheim wurde gestern ein Mann erfroren gefunden. (G.«A.)

— Ein Beamter kam gestern dahier in eine Wohnung, um eine Forderung beizubringen. Beim Eintritt fand er eine eiskalte Stube, in deren Ecke drei Kinderchm, die Reste einer Armensuppe verzehrend, kauerten. Der Mann — kurz entschlossen — spendete, wo er holen sollte. (Fr. Z.)

— Mainz, 10. Dezbr. Die letzten Kohlen waren verbrannt und die letzten Pfennige für Brod ausgegeben. Vater, Mutter und zwei Kinder schnatterten vor Frost; die Kälte steigerte sich gestern Abend in höchst empfindlichem Grade. Das Wasser träufelte von den Wänden in der armseligen Stube. Da griff der Man« nach einer alten, von der Großmutter, die schon längst im Schooße der Erde gebettet liegt, hinter­lassenen Truhe, warf die wenigen Lumpen heraus und riß das alte Stück Möoel verzweiflungsvoll auseinander, um es zur Feuerung zu verwenden. Als er den Boden der Truhe auseinander riß, zeigte eS sich, daß eS ein Doppelboden war und heraus rollten aus demselben — Goldstücke! Die Ueberraschung der armen Leute war grenzenlos, sie glaubten im Auzenblicke an Zauber und Wunder. Und erst, als sie die Goldstücke ausrafften und zählten, hatten sie in Wirklichkeit 125 Napo- leonsd'orS! Die Kinder jubelten. Die Eltern falteten die Hände und richteten Blicke des Dankes nach oben. Kohlen wurden geholt; warmeS Essen wurde bereitet und die Truhe wieder zusammengeletmt. Alle Noth war verschwunden. (N.)

— Bingen. Eine polizeiliche Verordnung, welche früher, bis zu Ende des 18. Jahrhunderts, in Bingen bestanden hat, gibt der