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Hankner Miget.

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Sonn- und Feiertag mit belletristischer Beilage, und Samstags mit der Berliner ProvmMllÄoxresposdcuz.

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Freitag de« 12. Dezember

L87S.

Amtliches.

Die Herrn Standesbeamten werden ersucht die Standesbücher pro 1880 ba dthunlichst hier abholen zu lassen.

Formulare zu Weburts, Heiraths- und Sterbeurkunden's werden nach Bedarf ebenwohl mitabgegeben.

Hanau am 12. Dezember 1879.

Der Landrath.

Rundschau.

Ii. F. Die politischen Verhältnisse haben seit einiger Zeit einen ziemlich ruhigen, gleichmäßigen Gang. ES liegt dies hauptsächlich darin, daß keine Fräse von centraler Wichtigkeit für das deutsche Reich gegen­wärtig diskutirt wird und die Berathung der Landtage der einzelnen deutschen Staaten niemals die Wichtigkeit haben können wie diejenigen des Reichstags. Berhältnißmäßig mehr Interesse als der Stand unserer inneren Verhältnisse erweckt die Gestaltung der äußeren, welche noch nicht sicher abgeschlossen zu sein scheint. In Folge der Anwesenheit des Großfürsten-Thronfolgers und des Kanzlers Fürsten Gortschakoff in Berlin hat man zwar den Eindruck, als ob dadurch die Freundschaft zwischen Deutschland und Rußland eine neue Stärkung erfahren habe, aber derjenige, welcher als ein Meister auf diesem Gebiete gilt, unser Reichskanzler Fürst BiSmarck, scheint das Vertrauen auf die Freund­schaft Rußlands verloren zu haben, so lange Fürst Gortschakoff mit - seinen Anhängern in Petersburg das Ruder führt.

Nachdem unser Abgeordnetenhaus den Haupttherl der EtatSbe- rathmtgen erledigt hat, ist es in dieser Woche in die zweite Berathung der Eisenbahnvorlage eingetreten und wird wahrscheinlich bis Sonnabend diese Borlage auch in dritter Berathung zu Ende führen. Es konnte nicht ausbleiben, daß die Frage des Ankaufs mehrerer großer Privat­bahnen durch den Staat außerordentlich heftige, mannigfaltige und um­fangreiche Debatten im Abgeordnetenhause hervorriefen, die alle Gebiete des öffentlichen Verkehrs berühren und eine Fülle von Gegensätzen in sich bergen. Das Resultat der Debatten läßt sich jetzt noch nicht genau absehen, als ein besonderes Merkmal für die weitsehenden Pläne, die Fürst Bismarck bei seiner Eisenbahnpolitik zu verfolgen scheint, heben wir die Auslastungen einiger englischen Zeitungen hervor, welche in der Vereinigung der Eisenbahnen in die Hand des preußischen Staates ein gewaltiges Mittel, den internationalen Verkehr zu beeinflussen, erblick n. Der §. 1 der Eisenbahnvorlage, enthaltend vier Ankaufs Verträge bezüg­lich der BerLin-Stettiner, Magdeburg-Halberstädter, Hannover-Altenbecker und Cöln-Mindener Eisenbahn, wurde auch bereits am Dienstag int Abgeordnetenhause genehmigt. Dagegen stimmten nur das Centrum, die Fortschrittspartei, die Polen und mehrere Nationalliberale. Die schon viel besprochenen Reformvorlagen des Ministers des Innern sind nun­mehr an das Abgeordnetenhaus gelangt. Dieselben halten in allen we­sentlichen Punkten fest an den Grundlagen der bisherigen Selbstver­waltung und Ber Wallungsorganisation und bilden fünf verschiedene Gc- setzentwürse: 1) Entwurf eines GesetzeS über die Organisation der all­gemeinen Landesverwaltung; 2) Entwurf eines Gesetzes über die Zu­ständigkeit der Verwaltungsbehörden und der Verwaltungsgerichte; 3) Entwurf eines Gesetzes zur Abänderung und Ergänzung des Gesetzes, betreffend die Verfassung der Verwaltungsgerichte und das Verwaltungs- strertverfahren, vrm 3. Juli 1875 und Einführung desselben in dem

Umfang der Monarchie; 4) Entwurf eines GesetzeS, betreffend me Abänderung von Bestimmungen der KreiSordnung für die Provinzen Preußen, Brandenburg, Pommern, Prsen, Schlesien und Sachsen, vom Dezember 1872 und die Ergänzung derselben; 5) Entwurf eines Petzes, betreffend die Kreisvertretung im Kreife Herzogthum Lauen-

Der LandeSausschuß für Elfaß-Lrthringen ist zum 16. Dezember unberufen uno wird sich vorwiegend mit einer Anzahl vom EuudeLrathe beguLachteter Gesetzentwürfe, betreffend innere Reformen der ReichLlande, beschäftigen.

.. ^^ m letzter Zeit fanden mehrere Nachwahlen zum Reichstage statt und wurde in Gumbinnen der Candidat der Confervativen Regie-

I rungspräsident v. Schlieckmann und in WormS der Candidat der Na« tionalliberalen Fabrikant Hehl gewählt.

Zu den zollpolitischen Verhandlungen zwischen Deutschland und Oesterreich erfahren wir, daß ein provisorischer Handelsvertrag mit Oesterreich von Deutschland überhaupt nicht mehr gewünscht wird und daß im Verwaltungswege beide Staaten sich die möglichsten Verkehrs« erleichterungen gewahren sollen, bis der Abschluß eines definitiven Han­delsvertrages möglich ist. Die deutsche wie die österreichische Regierung sind daher jetzt damit beschäftigt, die Grenze der gegenseitigen Conces­sionen festzustellen.

Im österreichischen Abgeordn- tenhause ist nach der Ablehnung bei Wehrgesetzes eine hochgradige Krisis zwischen der Regierung und der Berfassungspartei ausgebrochen, die wahrscheinlich dazu führen wird, daß die Regierung auf die Unterstützung der Verfaffungspartei Verzicht leisten und ih e Stütze mehr in den anderen Parteien suchen dürfte. Der Mi­nisterpräsident Graf Taase erklärte auch bereits im österreichischen Ab« xeordnetenhause, daß die VerfassungSpartei das letzte Band, weicher die Deutschliberalen mit der Regierung verknüpfte, durch ihre Haltung ge- genü er dem Weh gesetz durchschnitten hätten. Die Auflösung des öster­reichischen Ahgkordnitenhauses erscheint demnach nur noch als eine Frage der Zeit. Der Conflict ist inzwischen auch wesentlich dadurch verschärft worden, daß die Commission des österreichischen Herrenhauses den frag­lichen Paragraphen des Wehrgesetzes befürwortet hat, wonach sich das Abgeordnetenhaus nochmals mit der Vorlage beschäftigen muß.

Die gespannte» Erwartungen, mit welchen allgemein dem Eintreffen näherer Nachrichten aus Rußlnnd entgegengesehen wird, finden nur eine sehr spärliche Befriedigung. Die russische Regierung beobachtet bei ihrem Vorgehen gegen die Feinde im Innern des Landes, die Nihilisten, eine auffallende Heimlichkeit. Außer einigen Einzelheiten über den Zustand des Attentats in Moskau, wie sie die gerichtliche Aufnahme, wenige Stunden nach dem Attentat, ergeben haben, verlauten nur Gerüchte über stattgefundene Verhaftungen von Personen, welche zu dem Attentat in Beziehung stehen sollen. Nur soviel wird mit Bestimmtheit berichtet, daß die in allernächster Zeit zu erlassenden neuen Polizei»aßregeln an Ausdehnung und Strenge alles übertreffen werden, was in Rußland bis jetzt in dieser Beziehung geleistet worden ist. Zugleich findet eine Re­organisation der geheime» Polizei statt, da sich herausgestellt hat daß eine Anzahl geheimer Polizisten im Solde der Verschworenen steht. Ueber die Beschlüsse des versammelten großen Kronrathes fehlen noch alle bestimmten Nachrichten, doch wird mit Wahrscheinlichkeit angenom­men, daß hauptsächlich die Orientsrage und das deutsch-österreichische Bündniß den Gegenstand der Besprechungen bilden. Die mit so großem Eifer verbreiteten Annahmen umfassender Personalveränderungen in den höchsten diplomatischen Kreisen Rußlands haben seit dem Wiedereintritt des Fürsten Gortschakoff in seine Thätigkeit als Reichskanzler und Mi­nister des Auswärtigen alle Wahrscheinlichkeit verloren. Auf dem am letzten Montag im Winterpalais zu St. Petersburg abgehaltenen St. Georgs feste brächte der Czar den ersten Toast aufseinen unwan­delbaren Freund, den Kaiser Wilhelm", aus und wünschte ihm Glück und Gesundheit für viele Jahre. Ferner sprach der Czar in einem an­deren Toaste den Wunsch aus,Rußland solle sich aus friedlichem Mge entwickeln und glücklich und ruhmvoll fein"

In den Pariser Kammern gehen augenblicklich, nachdem der Kampf zwischen Ministerium und Parteien durch das unerwartet ^energische Auf­treten des Ministerpräsidenten Waddington vorläufigLnoch wieder beige­legt wurde, die Verhandlungen ruhig und leidenschaftslos von statten. Der Ausschuß zur Prüfung der Vorschläge des Kriegsministers, betr. die Vervollständigung der französischen Heeresrefotmen, berieth mit dem Kriegsminister die vorgeschlagene Einschränkung der Zulassung zum frei­willigen Militärdienst. Diese Einrichtung soll nach Aussage des Kriegs­ministers zu großen Mißbräuchen Veranlassung gegeben haben und wurde die Zahl der freiwilligen von 10,06 0 auf 3000 herabgesetzt; von der gänzlichen Aufhebung des Freiwilligendienfies sah man im Interesse der Studenten der Rechte und der Medizin vorläufig noch ab. Im Senat legte JuleS Simon den Bericht der Commission zur Borberathung