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Mb der Fortmrittkpartei waren heute Vormittag die Fractioren des atgrottalÄ in Berathung getreten, um sich über ihre Stellung zu den Beschlüsien der Eifenbohrcowmifsion bezüglich der zweiten Lesung der Eifenbohnvoiloge zu verständigen. Wie vorauSzusehen war, ist die Mehrheit für die Commission, zumal nach den zu erwartenden Erklärungen der Staatsregierung bezüglich der Garantiem. Dagegen werden die Fortschrittspartei und, was überraschender ist, das Centrum bis auf eine kleine Anzahl von Mitgliedern aus den alten Provinzen, welche dies zur Erlangung von Secundörbahnen nicht anders können, gegen die Com- mWon stimmen. Das Centrum wird seine Zustimmung von der An- nähme des Antrags Huene abhängig machen. Es heißt, die Führer hätten in der Fractionsverfemmlung sämmtlich gegen die Vorlage gesprochen. In weiten Kreisen der Abgeordneten läßt man es sich nun einmal nicht nehmen, diese Wandlung des Centrums als ein untrügliches Anzeichen für den Stand der Verhandlungen zwischen der Regie- rnüg und der Curie zu halten. Die polnische Fraction wird eine Interpellation wegen der Orts- und Straßennamen in der Provinz Posen ernbrinßtn. Sehr wahrscheinlich wird man indessen die morgen degin- «ende zweite Lesung der Eiienbahnvorlage zunächst ununterbrochen fort- setzen und sich in dieser Woche mit Anträgen, Interpellationen und Petitionen gar nicht beschäftigen.
— Berlin, 9. Dez. In der heutigen 21. Sitzung des Abgeordnetenhauses stand das Gesetz über den Erwerb mehrerer Privateisen- bahnen für den Staat zur Debatte und zwar zunächst über den Ankauf der Berlin-Stettin er Eisenbahn. Nachdem der Minister für öffentliche Arbeitm, Herr Meybach, Namens der Königlichen StaatLregterung fest e Zustimmung zu den Vorschlägen der Kommission inkl. der sogenannten Garantiern ausgesprochen hatte, wandre sich Rbg. Dr. Röckerath zunächst gegen die Vorlagen, ohne jedoch irgend welche neuen Gesichtspunkte vor- zubringen. Die VKträze, behauptete er wiederum, seien finanziell ungünstig für den Staat, und dürften, wenn man den Abschluß noch Hnausschiebe, sich später bessere Conditioneu erzielen [offen. Diesen Ausfüllungen schloß sich Abgeordneter Quadt an und beklagte nur noch die zu hohen Abfindungen der Direktoren. Abg. Dr. Löwe plaidirte dagegen für die Vorschläge der Kommission. Es sei unbestreitbar, daß das Staatsbahnsystem das einzig richtige fei, der jetzige Zeitpunkt fei geißle der günstigste zur Erwerbung der Privatbahnen und die stip«- lirten Preise im Ganzen angemessen. Würde der Staat nicht rechtzeitig seine Pflicht, das ganze Eisenbahnwesen unbeschränkt zu beherrschen, erkannt und die entsprechenden Schritte eingeschlagen haben, so wäre eine größere Koste als wir je gehabt, zu erwarten gewesen. Abg. Frhr. von Zedl tz und Neukirch widerlegte cn der Hand des der Kommission zu Gebote gestellten Materials die Befürchtungen des Rbg. Dr. Röcke- rath nach der finanziellen Seite, worauf der Erwerb der Berliu-Slet- tiner Bahn gegen die Stimmen der Fortschrittspartei, des Centrums und der Polen genehmigt wurde; ebenso wurde nach der „Post" der Vertrag bezüglich des Ankaufs des Magdeburg-Halberstädter Bahriuuter- nihmens und der Erwerb der Hannover-Atenbekener Bahn fenehmigt.
— Der Reichs-Rnzeiger meldet: In die Commission zur Berathung über die VertheilNUg des durch Allerhöchstes Patent vom 9. November 1859 ?um Andenken Schiller's gestifteten dramatischen Preises sind folgende Mitglieder berufen worden: 1) der Generalintendant der königlichen Schauspiele v. Hülsen, 2) der Professor Dr. H. Grimm, 3) der Schriftsteller Dr. Julian Schmidt, 4) der Professor Dr. v. Treitschke, 5) der Professor Dr. W. Echerer zu Berlin, 6) der großherooglich Wickler bürg-schwerinische Kammerherr und Hoftheatkrintendant Dr. Alfred Freiherr v. Wakzogen in Schwerin, 7) der Geh. Hosrath Dr. Gustav Freytag in Wiesbaden, 8) der Intendant des Stadttheaters zu Frankfurt a. M. Otto Devrient, 9) der Director deS leipziger Stadt- theaters Dr. 8 ugust Förster.
— Der bereits seit einiger Zeit in Varzin weilende Director des kaiserlichen Gesundheitsamts', Geheimerath Dr. Struck, frC gemäß einer neueren Verfügung des Reichskanzlers vorläufig dort verrbleiben und von Varzin aus seine Dienstgeschäfte versehen.
— Ein auf Grund der gesetzlichen Erbfolgebestimmungen errichtetes Testament ist, wenn nicht das Testament entgegenstehende Erklärungen enthält, nach einem E kenntniß des Reichsgerichts, 1V. Civilsenots, vom 3. November 1879, nach den gesetzlichen Bestimmungen desjenigen Landesgebiets auszulegen, in welchem der Testator zur Zeit der Errichtung des Testaments gewohnt hat, selbst wenn er sodann sein Domizil verändert und in einem LandeLtheile stirbt, in dem andere gesetzliche Bestimmungen gelten.
— Im Jahre 1878 bestanden in der Preußisch?« Monarchie 1172 Sparkassen mit einer Einlage von 1,386,594 597 Mark. 6S wurden über mehr Sparkassenbücher zurückgezogen, als früher. In Umlauf waren 2,004,576 Bücher.
— Nach der in Prag erscheinenden Politik soll das Neujahr in Rußland einen Akt bringen, der die Versöhnung des russischen und polnischen Elementes, soweit diese innerhalb des russischen Staatsge- r-ankens möglich ist, zu Thatsache macht. (Es wird damit wohl noch gute Wege haben.)
— S ternb erg, 8. Dez. In der letzten Landtagssitzung forderte die Regierung die Stände auf, die Wahl von Deputirten zur Wiederaufnahme der Verhandlungen wegen Aenderung der bestehenden LandeS- verfaffung zu erneuern.
— Karlsruhe, 7. Dezember. (K. Z) In der Budgetvorlage ist eine Verdoppelung der Branntweinsteuer rorgeschlagen. Dieselbe hat bisher jährlich ungefähr 400,000 M. Ertrag geliefert, wovon mehr als 300,000 M. auf die Uebergangssteuer entfallen sind. Um die Spekulation abzuhaUen, noch vor Inkrafttreten der Steuererhöhung große Vorräthe ausländischen Branntweins zum Nachtheil für die Staatskasse sowie zur Schädigung der inländischen Fabrikation einzu- führen, möchte die Regierung die erhöhte Steuer alsbald in Kraft treten lassen und hat deshalb gestern einen bezüglichen Ges tzentwurf mit dem Wunsche beschleunigter Berathung vorgelegt. Für Branntwein, der zu gewerllichen Zwecken verwandt wird, soll eine Rückvergütung eintreten.
— Pass au, 5. Dez. Em Nolurereigniß der seltensten Art hat sich heute dahier gezeigt: gegen 3/*l 1 Uhr Vormittags hatten wir ein heftiges Gewitter mit Blitz und erschütterndem Donner. Eine Stunde vorher fiel Regen mit Schloffen gemischt und Niemand ahnte an dem umvölitkn Himmel eine Gewitterwolke, als plötzlich der hell leuchtende Blitz niederfuhr. Eine Viertelstunde lang wechselten in kurzen Zwischen- ränmen Blitz und Donner. Dos Thermometer stand bei vollständig gebrochener Kälte auf 2° R. unter Null.
— Darmstadt, 8. Dez. (K. Z) Die Erste Kammer genehmigte den Verkauf des hessischen Theils der Main-Weserb^hn mit 20 gegen 4 Stimmen.
■— In Vewy ist wieder ein Tkeil des Ouais in den Genfer See versunken. Vorgestern Abend um 6 Uhr wurde ein Erdstoß in Genf verspürt.
— In Brüssel wird im großartigen Palais du Midi am 1. Mai 1880 eine permanente internatienale Ausstellung eröffnet werden, wen auf wir die t entmin Gewerbetreibenden aufmerksam zu machen nicht verfehlen.
— In Athen starb vor wenigen Tagen, wie die dortigen Blätter melden, die Hausergenthümerin, Frau Athanaffin, in dem frönen Alter von hundert und dreißig Jahren. Geboren im Jahre 1749, sah sie nicht weniger als sieben türkische Sultane und zwei griechische Könige in ihrer Vaterstadt herrschen. @16 1821 der griechische Freiheitskrieg austrech, nahm sie als ehrwürdige achtzigjährige Matrone bin lebhaftesten Antheil an dem Aufstande, an dem sich auch einige Söhne, Enkel und Urenkel betheiltgten. Die Greisin erfreute sich noch bis vor zwei Jahren ihrer vollen Rüstigkeit und eines Theiles ihrer Sehkraft.
— Paris, 8. Dezember. (W. T. B.) In der heutigen Senats- sitzung legte Jules Simon den Bericht der Commission zur Vorberathung des Ferry'schen Unterrichtsgesetzes vor. In dem Berichte wird der Artikel 7 des Eesetzentwurjs, welcher alle vom Staate nicht auiorisirten Kongregationen von der Ertbeilung des öffentlichen Unterrichts aus- schließt, verworfen. — Der Senat begann ferner die Berathung des Ausgabenbudgels und stellte bei der Berathung des Kuliusetats die in der Regierungsvorlage für die Besoldung der Bisü öfe ausgesetzten Summen wieder her,-welche die Depulirtenkammer seiner Zeit herabgesetzt hatte.
— Paris, 9. Dezember, 8 Uhr 27 Min. Bbds. Der Ministerrajh berieth heute den Nothstand und genehmigte die Er- böhuug der Lotterie von zwei auf vier Millionen Francs, die eine Hälfte für spanische, die andere Hälfte für hiesige Nothleidende. Bei vierzehn Grad Kälte sind zahlreiche Gesckäste geschlossen. Die Eisenbahnen nehmen Collis weder an, noch senden sie aus. Man hegt große Besorgnisse wegen zunehmendem Arbeitsmangel. (Franks. Ztg)
— Fürst Alexander von Bulgarien hat sich zu einer energischen That aufgerafft. Er hat am Sonnabend, nachdem die Bildung eines liberalen Cabimts vergeblich verfucht worden, die Nationalversammlung durch ein Dekret aufgelöst. Im Laufe der vorigen Woche entstand das Gerücht, Fürst Alexander wünsche abzudanken, da ihn der Confirkt zwischen Volksvertretung und Ministerium tief verst mme. Dies Gerücht war, wie jetzt ersichtlich ist, unbegründet. Außerdem haben nach einer Meldurg der „ALg. Corr." die europäischen Mächte den Fürsten er# «uthigt, in seiner gegenwärtigen Stellung zu verbleiben, in der Hoffnung, daß es ihm gelinge, jene Ges'tztoftgkeit zu unterdrücken, welche in einem Theile seines Territoriuws herrscht. Der Fürst hat sich kurz entschlossen, an das Land selbst zu app-lliren. Dieser Schritt hat, wie aus Sofia telegraphirt wird, die Oppositionspartei in große Bestürzung versetzt; das bisherige Ministerium wird bis auf Weiteres im Amte verbleiben. (Trib.)
— New- Aork, 8. Dez. Im Senate wurde heute von Voorhees ein Antrag eingevracht, der sich gegen eine zu Gunsten der unbeschränkten Silberausprägung Statt findende Verminderung des Umlaufs von Papiergeld ausspricht. — Nachrichten aus Afpinwall vom 19. v. M. melden von heftigen Stürmen, die am 20. und 25. v. M. an der Küste gewüthet haben. Die norwegifche Bark Albatroß und mehrere andere