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Formulare von den Ort-polizeibehörden auf Kosten der Gememdekaffeu zu beschaffen sind.

Indem die- zur allseitigen Kenntniß und Nachachtung gebracht wird, bemerke ich, daß die hiesige WaisenhauS-Buchdruckerei die Arbeits­bücher pro Stück 9 Pf., die Arbeitskarten pro Stück 2 Pf. tiefect.

Hanau am 30. September 1879.

Polizei-Verordnung.

Aus Grund des § 5 der Verordnung vom 20. September 1837 wird nach Einvernehmen mit dem Herrn Oberbürgermeister hier sol- gende Verordnung erlassen:

Dar Fahren mit bespanntem Fuhrwerk, da- Reiten und das Vieh« treiben aus dem neuen Verbindungsweg vom JohanniSkirchplatz nach der Haingassr ist bei Müdung einer Geldstrafe bis 9 Mark oder entsprechender Haststrafe verboten.

Hanau am 23. Oktober 1879.

Die HruSeigrnthümrr resp, die Hausverwalter werden aufgefor­dert, alsbald den Bürgersteig in seiner ganzen Breite mit Asche oder Sand zu bestreuen.

Schleifen vor den Häusern sind entweder durch Aushauen zu be­seitigen oder tüchtig mit Sand oder Asche zu bestreuen.

Die Nichtbefolgung dieser Aufforderung hat 5 Mark Strafe zur Folge.

Hanau am 8. Dezember 1879.

Der Landratb.

LMdmrthschafllicher Kreis-Verein Hrnra.

Nächste Versammlung Samstag den 13 Äezemoer, Nach­mittags 2Va Uhr, im Gasthaus zum goldenen Löwen zu Hanau.

Tagesordnung:

1) Besprechung über den von Hrn. Dr. H e s sr gehaltenen Vortrag über Molkereiwesen; 3 j

2) Fortsetzung des Bortrags über MilzbrandAndWandere Viehseuchen, von Herrn KreiZthierarzI Collmann;

3) Vortrag über die Entwickelung der Vaterländischen Landwirtschaft und über das Abgabewesen.

Der Vorstand.

Die Herren Bürgermeister werden um Veröffentlichung des Vor­stehenden ersucht.

Hanau am 9. Dezember 1879.

_______Der Landrath.___________________________

Bekanntmachung.

Postanw eisungen nach Italien.

Zur Vermeidung von Verzögerungen bei Ueb-rmittelung der Post­anweisungen aus Deutschland nach Italien wird wiederholt darauf auf­merksam gemacht, daß in den Postanweisungen die auszu zahlenden Be­träge in der Franken«ährung angegeben werden müssen, und die wörtliche Wiedergabe der Beträge mit lateinischen Schriftlichen zu erfolgen hat.

Berlin W., 4. Dezember 1879.

Kaiserliches General-Postamt.

Wiebe._______________________

Der gegen Anna Kelserrang von Oco am 22. November 0. I. erlassene Steckbrief wird als erledigt zurückgezogen, j .

Hanau den 6. Dezember 1879

Der Staatsanwalt.

Sporleder.

LagessHa«-

Das Attentat vom 1. Dezember. («. d. Schw. Merl.)

St. Petersbur g, 5. Dez. Von Neuem dringt eine Schreckens­kunde aus Rußland durch die ganze Welt, eine Kunde, deren gräßlich: Bedeutung dadurch nicht gemildert wird, daß das geplante Ziel nicht erreicht worden ist. Dieser Pyroxilinattentat auf den kaiserlichen Eisen- bahnzug, ein Attentat, welcher mehrere Menschen mit teuflischer Ruür drei Monate lang vorbereitet, hat trotz der allgemeinen großen Freude über die Vereitelung desselben einen ungemein niederschlagenden Eindruck gemacht. Eine Handvoll politischer Mordzesrllen, die in keinem Stande des russischen Volks eine Stütze finden für ihr alles Mmschenthums spottendes Treiben, erheben frech und trotzig ihr Haupt, und die mit unbeschränkten, fast despotischen Machtmittel« versehenen Vertreter der Regierung-administration vermögen ihrer nicht Herr zu werden! Wie ein Alp lastet dies neue Attentat auf der ganzen russischen Gesellschaft, die wohl im Uebermaße ihre- Sehnen- nach konstitutionellen Starts- forme» mit einer Wera Sassulitsch kokettirt, als diese einen der unpo­

pulären Berather des trotz alledem geliebten Kaisers von seinem Platze vertrieb, die aber bald recht unsanft ernüchtert worden ist und nun jede Idee einer Gemeinschaft mit jenem gräßlichen, bluttriefenden TerroriS- muS von sich stößt. Wenn sie das bis jetzt nicht energisch genug gethan, zum Theil weil ihre Mitwirkung zur Ausrottung des Giftstoffes bisher nur als Mitwirkung einer rechtlosen Sklavin gefordert wurde, so wird sie wohl jetzt, trotz des veränderten Verhältnisse» zwischen Gesellschaft und Regierung ihre Kräfte sammeln und gegen dir unverufenen Neuerer, welche Rußland Wunden schlagen, die dessen staatliche Entwicklung aufS Empfindlichste treffen, entschieden durch die 'That Fronte machen. Denn dies neue Massrnaitentat ist so unerhört, daß die schwere Schild, welche die nicht genug kampflustige russische Gesellschaft trifft, an Aller Gewissen nagt. Was nährt denn jene Partei, welch: sich selbst außerhalb des Gesetzes stellt, welche selbst erklärt, daß sie keinen Boden im rusüschem Volk besitze, daß sie diesen erst vorbereite? fragt heute die „Nowojr Wrrmja" und gibt dir richtige Antwort: „ §8 nährt sie die gesell chan- lich: Apathie; Dank dieser Apathie ist sozusagen die Luft in den unbe­kannten d mkirn Winkeln unseres weiten Vaterlandes augesteckt.... ES ist eine Reinigung, eine Heilung der mora!isch-p Attischen Atmosphäre des russischen Startes nothwendig. In diesem Augenblick in der Apathie zu verharren, wäre ein Verbrechen." Die diesen Worten zu Grunde liegende Stimmung beherrscht gegenwärtig nicht nur die Presse, sondern auch die ganze russische Gesellschaft, und der tiefernste Zug auf allen Gesichtern bezeugt, daß die moralische Empörung über öu furchtbare Unthat dies Mal voraussichtlich einen nachhaltigen Eindruck zurücklaffeu, daß der Aufruf des Kaisers an sein Volk, an alle Gutgesinnten und namentlich an alle Familienväter in aller Seelen ein Echo finden wird. Die auffallende historische Entwicklung der russisch:« Nation, welche nichts aus eigener Initiative für diese Entwickelung gethan, sondern der Al:S von oben herab diltirt wurde, hat nun die Nution in unserem Jahr­hundert, namentlich im zweiten Drittel desittben, wo sich in den leiten­den Klaff:» unklar empfundene FreihritSbestrebungen und der Drang nach Selbstverwaltung geltend machten, in ein liberaliurendeS Chaos gestürzt, in welchem weder das Ziel, noch die Wege klar erkannt waren und dem man sich nicht zu entwinden vermochte, weil jede selbstthätige politische Schulung fehlte. Der etwas cholerische russisch: Nutionaicharakter war nur zu geneigt, sich persönlichen Eindrücken und Motioen hinzugebm, sich durch sie allein bestimmen zu lassen, ohne an feste, wirküch durch­dachte Grundsätze sich gebunden zu fühlen, ein rein suvjrkt-oes Leben zu leben und nur wenig an das große Ganze zu denken. Dadurch gewann eine kleinliche Kritik Ooerhand über das große, immer im Äuge zu be^ haltende Allgemeine und machte eS möglich, daß das Treiben h«ier Ni­hilisten Wurzel schlagen konnte. Aber nun scheint der furchtbare Dou- nerschlag Allen die Augen geöffnet zu haben, wenigstens deuten darauf alle in russischen Kreisen gefallenen Aeußerungen und sie Hesammtstim- mung hin. — Ueber die Urheber des schmßttchrn Attentats verlautet noch nichts, noch sind keine Spuren gefunden. Neu: Einzelheiten vom Attentat, die Ihnen noch nicht auf telegraphische« Wege zuzegaugen wären, sind hier auch noch nicht bekannt. Der Empfang des Kaisers war gestern ein überaus herzlicher, voll Jubel und EnthusiaSmu». Na­mentlich war im Großen Theater, welches der Kaiser gestern Abend zur Balletvorstellung besuchte, die Begeisterung eine stürmische. Kaum sah daS Publikum den mitten im Akt gekommenen Monarchen sich auf seinen Platz in seiner Loge setzen, als sich daS ganze Pub.ikum wie auf einen Schlag mit lautem Hurrahgeschrei erhob. Gleichzeitig füllte sich bu ganze Bühne mit dem gesammten Bühnen- und Arbriterpersonal, die in igrem russischen Nationalkostüm:, in Blousen u. s. w. ungenict vor daS Pu­blikum traten, um dem geliebten Kaiser ihce treue Anhänglichkeit zu beweisen. Mehrmals trat der Kaiser unter den Klängen der Bolks- Hymne an die Brüstung der Loge und dankte den Publikum freundlich für die Zeichen der Liebe. — Sorben erfahre ich, daß durch die Ihnen wohl schon telegraphisch gemeldete Verhaftung eines Unbekannten in Je« hisawetgrad noch ein furchtbares Unheil von dem Haupte unseres Mo­narchen abgewandt worden ist. Derselbe hatte nämlich eine aus einer englischen Fabrik, wie der Stempel bezeugt, prachtvoll gearbeitete, 21k Fuß lange Stahleisenbahnschiene bei sich, welche innen hohl uur mit 13 genau abgemessenen größeren Oeffuungen versehen war, in welche eben s) genau b;e bei dem Unbekannten im Rusesat gesunbenen 13 Blech- kistchrn mit Nitrog'yc rin hiueinpaßtm. Die Schiene hatte genau die AuSochnung der ruffischen Eismoahnschienen uns konnte mit Leichtigkeit auf dieselben gelegt werden. Einem Zuall war die Verhaftung dieses Individuum» zu verdanken. Ein Ende der Schiene sprang nämlich, als der Gepäckccäger den Sack trug, plötzlich aus dem Sack, das aber der Eigenthümer des Sacks sofort gemerkte und die Schiene mit einer rasch:« Bewegung zurückorängte. Dieses, sowie die Schw:ce des Sacks firlen dem Träger so sehr auf, daß er der Seudarmwie semm Beroacht äußerte.

— Berlin, 9. D:zbr. Se. Majestät der Kaiser und König nah­men heute Bocträgr des Polizei-Prästaente« von Madai und des Ge­nerals von Albedyll entgegen.

— Berlin, 8. Dez. (K. Z.) Abgesehen vo« dem Trutru«