1660
Reichskanzlers während dessen Beurlaubung, dem Wirk!. G-R. G'ierS, welcher neben Walujeff ebenfalls mehrfach alt Nachfolger Gortschakoff'S bezeichnet war, wurde für ausgezeichnete und «nermüdete Führung der Geschäfte die allerhöchste Anerkennung ausgesprochen. — Wie nachthrilig die Breuelthaten, in welchen der unheilvolle Geist, der auf Vernichtung aller bestehenden Ordnung gerichtet ist, in Rußland seit einem Jahre wiederholt zum Ausdruck gelangte, für die freiheitliche Entwickelung der ganzen staatlichen und socialen Verhältnisse in Rußland sind, geht u. A. auch aus dem Zwange Hervor, welchem die russische presse in neuerer Zeit unterworfen wurde.
England hat mit der Bewegung in Irland vollauf zu thun- Die Agitatoren Kreisen in ihren Ansprachen bei zahlreichen Volksversammlungen die Regierung immer heftiger an. ES wurde nach einer An« spräche deS Agitatoren Parnell von einem Meeting in Birkenhead die Resolution angenommen, die Verhaftung der Agitatoren Davitt, Daly und Kclren sei ein despotischer und unmoralischer Act der Regierung gewesen, welcher gegen den Geist der englischen Regierung verstoße; ferner „verschwende die Regierung das Blut und Vermögen des Volkes in ungerechten Kriegen auswärts, während Elend und HungerSuoth im Innern herrsch-." — Gegenüber diesen aufrührerischen Reden suchen einige Aroßgrundbesitzer ihren Pächtern das erstrebte Ziel auf friedlichem Weg; näh r zu brisgen. So hat Lord Rosse einen Brief an seine Pächter gerichtet, in welchem er seine Befriedigung darüber autspricht, daß fih keiner derselben der Asitation angeichlossen habe; SrranzementS zu Gunsten der Pächter seien viel leichter durchführbar, wenn friedliche Bezieyuvgm harschten. — Nach den neuesten Telegrammen sind Parnell und Tzomas Brennan, die häuptsächlichste Anstifter der fanischen Agitation, auf einem Meeting in Balla verhaftet worden.
Zu Frankreich ist die geplante M nisterkrisis durch daS entschiedene Auftreten deS Ministerpräsidenten Waddington in der Deputirtenkammrr zur rechten Stunde für den Augenblick noch abgeBendet worden. Die verschiedenm Gruppen der ö nken konnten zu keiner völligen Einigung über den gemeinsamen Angriffsplau gelangen und so würde in Folge des Drängens des Ministerpräsidenten vo läustg der Kampf beigelegt und somit die Aufregung beseitigt. Am Schluß der Dounerstagssitzung nahm die Dputirtentammer den Antrag des Äeput. D vös (von der Linken), „zur Tagesordnung überzugehen, nachdem die Kammer die Erklärung des Cabinets gehört und die Ueberzeugung g-wonnen habe, daß das Cabiaet mit Lntschiossrnheit regieren und alle regierungsfeindlichm Beamten beseitigen werde", mit 243 gegen 107 Stimmen an. Mag dadurch der Siurz big Cabinets auch aufgeschoben sein, — aufgehoben doch wahrscheinlich nicht.
Aus K mstmtinopel kamen bei Äeiegruh-it der Mittheilung daß der dortige rafft^5 Botschafter einen dreimonstlichrn Urlaub angetreten habe, zugleich Gerüchte, daß der Ernst aß Englands bei der Pforte, trotz aller Bemühungen der englischen Re ierunz. doh nur sehr gering sei, der Pforte sei es mit den versprochenen Reformen sehr wenig Ernst, auch wären die vielgerühmten Vollmachten deS Anker Pascha nur von sehr beschmuter Art. Solchen Gerüchten entgegen wird jetzt auS Kou- stantinsp l gemeldet, daß die türkisch: Regierung doch nunmehr mit der Lösung der Reformftage den Anfang gemacht hat. Mahmud Nedim Pascha hat bim türkischm Ministercathe einen Gesetzentwurf, betr. die inneren Reformen, unterbreitet und die Einsetzung einer Commission zur Ueberwachung und schleunigen Durchführung derselben beantragt.
Die Krisis in Bulgarien soll durch eine Adresse, welch: von der Kammer an Fürst Alexander gerichtet war und in wenig zarter Weise die Unzufriedenheit der Kamm;r mit dem Ministerium auSsprach, veranlaßt worden sein. Der Fürst hat die Annahme der Adresse verweigert, soll aber besch ossen haben, durch den bulgarischen Bevollmächtigten in Konstantinop-l, Herrn Zankoff, welcher zurückberufen wurde, ein neues Ministerium bilden zu lassen.
Die Berwick -langen zwischen Abessinien und Aezypten steigern sich noch täglich und wird vm energischen Kriegsoorbereitungen deS Königs Johannes gemeldet. Man fürchtet, daß Aezypten im Falle einer Krieges mit Aaessiaien den Kürzeren ziehen würde, da die HeereSmacht der letzter-n dreimal starker sein soll als die ägyptische.
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— Se. Maj stät der Kaiser haben Allergnädigst geruht: dem Staatssekretär im Rüchs-Justizamt Dr. Ludwig Hermann v. Schelling den Charakter als Wirklich:r Geheimer Rath mit dem Prädikat „Excellen z" zu verleihen.
— Berlin, 7. Dez. D:r Vertrag des Deutschen Reiche» mit den Samoa-Jaseln hat die allgemeine Zustimuung gefunden, mit Rücksicht nam ntlich auf den Schutz, welchen derselbe den deutschen Handels« intereffen in jenen Gegenden gewährt. Um so größere Teilnahme erweckt die Gefah , welch: i eu dortigen Beziehung?!, Hamburg» in Folge des Fallissements des Hauses Godeffcoy und Söhne droht. Die ausgedehnten Bezieh ragen dieses Hauses in den Südsee-Jaseln sind auf eine Actiengesellichaft übergegangen, drohen aber in englische oder amerika« mich: Hind: zu fallen, wenn es nicht gelingt, in nächster Z:it die flüssigen Mittel anfjubciagen, für welch:, wie Hamburger Blätter sagen, die Besizungen der Gesellichaft eine völlig genügende Sichrrheit bieten.,
— 21. Plenarsitzung deS Hause» der Abgeordneten am Dienstag, den 9. Dezember 1879, Vormittags 11 Uhr. Tagesordnung: Zweite Berathung deS Gesetzentwurf», betr. den^Trwerb mehrerer Privatüfen« bahnen für den Staat.
— Bekanntmachung auf Grund des ReiSsgesetzeS vom 21. Oktbr. 1878. DaS durch Bekanntmachung vom 17. Januar d. I (Reichs-An- z-iger Nr. 15) erlassene Verbot der vom kommunistischen Arbeiter- bildungSverein in London herausgegebenen periodischen Druckschrift: „Freiheit" erstreckt sich auch auf diejenigen Nummern dieses BlatteS, welche unter der Aufschrift „Die Geißel" zur Ausgabe gelange».
— S. M. Kanonenboot „Wolf", 4 Geschütze, Kowman^ant Kor- vrtten-Kapitän B.cks, hat am 25. September er. den Hafen von Chefoo verlassen, ankerte am 27. dess. Mts. bei Tientfin, ging am 6. Oktober in See, erreicht: am 10. Oktober den Hasen von Newchang, verließ der-ftlben am 14 , traf am 15. wieder vor Chelo; ein, ginZ «m 16. i» E e und ankerte am 19. Oktober er. vor Shanghai. — S. M. S. „Hansa" war am 4. November in Callao.
— In 1. Gumbinner Wahlbezirk (TUsitMiederung) bat von 11,743 abgegebenen Stimmen der Regierung--P äsid nt von Schliekmann in Gunbinnen 5893, Hauptmann Wand r C,rlh-rz 5833 Stimmen erhalten, und ist somit der Erstere zum Mitglieds des Reichstages wieder# gewählt worden. — Im 1. Hannover'ich -n Wahlkreis (Emdm-Leer- Nwdeu) ist an Stelle des Abg ten Doorukaat-Koolmann, welcher s in Na dat nieberq^Isgt hat, der Ämtrrichtee von Beaulisu - Marconay in Norden m t 5682 gegen 5369 Stimm n, w lche der Reziernngs. Rath Fastensu in Berlin erhalten hat, zum Mi güede de» Reichstags gewählt worden.
— St. Goar, 8. Dezbr. (Privatdep. der „N Franks. Presse"). Das Eis hat sich schon gestern Nachmittag oberha.b St. Goar, wo der Rhein bekanntlich sehr schmal ist, fest gest ßt.
— Wien, 8. Dezbr., 8 Uhr 40 Min. (Pnvatdp. der „Franks. Z g."). Die Wchrkommission des Herrenhauses nahm heute einstimmig öai Wehrgesch in der Regieruuzsfass lag an. Sämmti-ch- R duer der Rechten und linsen betonten b:e Rothwmdizkeit, Ecsparuugm im Heerwesen eintreten zu lassen; aber sie erklärten es auch auzesichts der all- g-meiurn Lage für wünschenSwerth daß die Stabilität der H'eresorga- nisation erhalten bleibe. Hyl wurde zum Referenten bestellt und ihm ausdrücklich aufgetragen, im Bericht zu betonen, daß das Herrenhaus sitz der Hoffaurg hingrbr, daß das Ab isordneteahaaZ den B schlössen des Herrenhauses beitreten werde. Die Berhandluag im Plenum findet am Samstag statt.
— Das Journal de l'Armär Frangaise m:ld:t die Reorganisation des Oberkriegsraths, beffen Mitglieder sind der Präsident drr R publik, der Präsident des Conseils, die Präfirmten der beide« Kammer«, die Mjyistrr des Kriegs und dec Marine, die Präsidenten der Uewaffnungs- ausschüsse und andere hohe Beamte.
— London, 8. Dez. (A. Z) Außer Jakud Khan werden noch m-hrere angesehene Sirdars gefangen nach Indien abgeführt. — Der Vicekönig verweigerte den Tmp'ang der birmanisch:« Gesandtschaft, bewr sich der Köniz wegen seiner unziemlichm Haltung gegen England grünblich entschuldigt habe. — Daily N:vs behanpirt, die Entlassung Midhzt Pascha's sei beschlossen. Derselben Quelle zufolge soll Oubril nach Wien, Novikow nach Srambul, Suburow sahrzcheinüch nach Berlin versetzt werden.
— Madrid, 8. Dezbr. Das gesummte Ministerium h«t seine Entlassung eiugrreicht. (R. u. St.«A.)
— Sofia, 7. Dezbr. Die Auflösung der Nutionalversammlung hat die Oppositionspartei in große Bestürzung versetzt; das bisherige Ministerium wird bis auf Weiteres im Amte vermeiden.
— Trieft, 8 Dezember. Der Lloyddampfer „Aurora" ist heute früh 8'/i Uhr mit der ostindischen Ueberlandpost aus Alexandrie« hier eingetroffe».
— New-Aork, 6. Dezember. Der Dampfer deS Norddeutschen Lloyd „Donau" und der Dampfer „Tgypt" von der Rational «Dampfschiffs - CompaMie (C. Meffingsche Linie) ist hier eingetroffen.
Lokales.
§ Hanau, 9 Dezember 1879.
— (Verlegenheit über Verlegenheit.) Der H:rr Winter mit seinem überaus strenges Gefühle, das er zur Zeit zu machen beliebt, spielte gestern Manchem einen Possen, der drastisch-komische Wirkung hervorrirf. Ali die Zeit zum Lampenauzüudm kam, fanden Viele ihre Gasleitung eingefroren und es war dem Personal der Äasfabrik, welches den nanze« Tag in Abhülfr dieser Calamität thätig war, absolut unmöglich Alle aus der Verlegenheit herauszureißen. Mit langen Gesichtern wurde im Hause herumgesucht, all: Fragmente von Leuchtern und Oellämpchen mußten herhalten und glaubte man sich somit plötzlich wieder in bis gute? alte? Zeit versetzt. Die Moral von dieser Geschichte ist: „bei einer solch strengen Kälte, wie sie seit einigen Tagen herrscht, sehr der Hau-vater ober die Kutter bei guter Zeit nach, ob die Leitung leistungsfähig ist."
— Heute Morgen gegen V*5 Uhr entstand Fruerlärm, der glücklicherweise nicht viel zu bedeuten hatte; es brannte der Kaste« uns die