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Nr. 282.

HmlNicr Anzeiger

Zugleich Anüliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erschein: täglich mit Ausnahme der Sm«- und Feiertag, mit belletristischer Beilage, und SamiNgs mit der B^Mer Pr-viuziosiCorresponderiz.

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Donnerstag dm 4. Dezember

1879»

Amtliches.

Zu dem mit Ostern 1880 beginnenden neuen LehrkursuS der ständischen Taubstumm?«-Anstalt zu Homberg sind bisher nur sehr wenige Anmeldungen eingegangen.

Der gedachte Umstand legt die Vermuthung nahe, daß es eine größere Meh^rahl von Eltern der zur Ausnahme geeigneten, in den Jahren 1871 und 1872 geborenen taubstummen Kinder aus Urksnntniß oder Nachlässigkeit versäumt, für die zur Sicherung des künftigen Wohles ihrer Schutzbefohlene» unerläßliche rechtzeitige Unter» SrinZvng derselben in der Anstalt Sorge zu tragen.

Indem darauf ausmerksam gemacht wird, daß die auS den oben bezeichneten Jahrgängen stfmm"ndm toubstummen Linder behuf» &r# möglichung der Ausnahme in die Taubstummen Anstalt spätestens bis zum 1. Februar f. J. bei dem AnstaltS-Vorstande zur Anmeldung zu bringen sind, werden auch die Herrn Ortsvorstände, Lehrer rc. er» sucht, nach Kräst n dahin zu wirken, etwaige Usterlassungen der Sk» Meldung Seitens der Eltern rc. zu verhüten.

Um unbegriindete Besorgn sie vor erwachsenden Kosten zu zerstreuen wird noch besonders hervorgehoben, daß in Fällen beMeinigter Krm«th die nnentgeldliche Aufnahme der Kinder und bezw. die Urbernahme eines entsprechrndkn Theile- der ErziehungS- und Be^pflegungS-Kssten Sei­tens der Anstalt nicht a'S ausZeschlosse» zu betrachten ist.

Hanau am 26. November 1879.

D'-r Landratb.

L « I r S f H K W.

Se. Majestät der König haben Allergnädigst geruht: den Ministerialdirektor, Wirklichen Geheimen Ober-Justiz-Rath Rindfleisch zum Unter Staatssekretär im Justiz-Linisterium, den MHumen Ober-Justiz-Rath Nebe Pflugstaedt zum Direktor im Justiz-Ministerium mit dem Charakter als Wirklicher Geheimer Ober-Justiz-Rath, und den Geheimen RestierungS-Rath und Vortragenden Rath im Reichs« Justizamte Dr. EcciuS zum Geheimen Justiz-Rath und vortragenden Rath im Justiz Ministerium zu ernennen.

Berlin, 2. Dez. Der Gesetzentwurf betr. die Erweiterung der Staatsbahnen und Betheiligung des Staates an mehreren Privat« bahnunternehmangen (Sekundärbahnen) wird erst nach Neujahr in der Eisenbahnkommission zur Verhandlung gelangen.

Berlin, 3. Dezbr. In der heutige« (17.) Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses gab zunächst die zweite Berathung des vor» Abg. Frhr. v. Schorltmer eingebrachten Gesetzentwurfs, betr. die Vererbung der westfälischen Landgüter, wieder zu einer eingehenden und lebhaften Debatte Anlaß. Die Diskussion drehte sich hauptsächlich um die Frage, ob die Beschränkung des geltenden bäuerlichen Erbrechts zu Gunsten deS AnerbenrechtS auf die Provinz Westfalen zu beschränken oder auf das ganze Land auSzudehnen fei. Den erster» Standpunkt vertrat ein An­trag der Abgg. Dr. Windthorst, Dr. Miguel und Frhr. v. Echorlemer« Alst, den letzteren Nbg. Frhr. v. Minnigerode im Verein mit einer große« Anzahl vo« Mitgliedern der konservativen Partei. Ein dritter Antrag der Abg. Dr. Köhler wollte überhaupt das HauS in der Frage zur Zeit «icht engagiren, sondern nur der Regierung den Antrag des Abg. Frhrn. v. Echorlemer-Alst zur Erwägung überweisen. Nach mehr als dreistündiger Debatte, in welche auch der Minister für Laudwirth- fchaft Dr. Lucius ein griff, um den der Tendenz des Antrags durchaus günstigen Standpunkt der StaatSregierung zu dokumentiren, gelangte« die Anträge Windthorst und ». Minnigerode zur Annahme. Er folgte darauf eine sehr lange prinzipielle Debatte über die Gültigkeit der Wahl im Wahlkreise MörS. (Post)

Wie die Voff. Ztg. hört, hat StaatSministerS Dr. Falk den Vorsitz in dem namentlich von der Kronprinzessin protegirten Vereine für häusliche Gesundheitspflege überncmmen.

Der Bericht des RhederS Schiller über seine Verhandlungen mit den russischen Behörden bezüglich deS Dampfers,Falke" liegt jetzt im Wortlaut vor; derselbe enthält aber Nichts thatsächlich Neuer zu dem bereits telegraphisch gemeldeten AuSzug. Im Anschluß an jenen Bericht schreibt das »Memeler Dampfboot Folgendes:

Der Reichskanzler bat, wie wir aus zuverlässiaer Quelle erfah­ren, eine genaue Untersuchung der Riemen-Dampf chiff ahrt angeordnet, und wird, dessen bürgen wir überzeugt s in, nicht eher ruhen, bis die Cache eine Deutschland Wirklich befriedigende Lösung gefunden hat, d H. die Russin missen zum Mindesten die von ihnen geübte Feindseligkeit gänzlich redressiren; es pflegt nicht Lismarcks Gewohnh it zu sein, eine Angeleßenhiit, die er einmal in die Hand genommen, ohne vollständige Genugthuurg wieder fallen zu lassen, w-nn dem deutschen Nationalge- fühle so auffallend in das Gesicht ßsschla en worden ist "

Die Nordd. A. Z. schreibt: Verschiedene Zeitungen gefallen sich darin, der Etaatsregierung die Absicht unterzuschieben, daß sie nach Erledigung der bim Landtage unterbreiteten Vorlage wegen Sr-verbS einiger Privatkisenbahnen durch den Staat auch die bedeutenden Walz­werke (man mmt besonders die Werke von Krupp, sowie der Aktienge- feU chast Phönix) in ihren Besitz bringen volle, um sich in die Lage zu vrsitzen, thun Bedarf an Elsenbahr schienen und anderen Eisenbahn« materia.ien für das große Fahnnetz auf eigenen Werken seriellen zu -nen. Nach zuverlässWN JnfAmat one» können wir alle derartigen Mitthnluilgen für aus der Lust gegriffene Erfindungen erklären.

Posen, 2. Dez. Nach Mittheilungen, die so eben von der polnischen Grenre eingehen, ist unter persönlich r Anwesenheit des preu­ßischen Grenz Thierarztes Kampsmann fei?gestellt worden, daß in War­schau wie in Russisch-Polen überhaupt die Rinderpest immer mehr um sich greift; man glaubt demzufolge preußischerseits eine militärische Grenzsperre erwarten zu müssen. (NZrdd. Allg. Z)

Zwickau, 3. Dezbr., 5 Uhr 25 Min. Nachm. (Privatdp. der Franks. Ztg."). Bei dem Unglück im Brückenbergschacht blieben 90 Todte, davon wurden 86 in ein eigens errichtetes Schuppengebäude aus­genommen. Der Anblick ist grauenhaft. Die Ursache der Entzündung ist unermittelt. Viele Fliehende wurden durch das nachziehende Wetter getödtet, mehrere sich Niederwerfende dadurch, daß das Wetter über sie hinzog, getödtet; ihre Füße waren erfroren. Der OberbergamtSdirektor BraunSdorf und Berg ath Kühn aus Freiberg, sowie Berginspektor Wenzel von hier sind mit Bergdirektor Berg eingefahren und gestern Abend auSgefahren. ES ist kein Verschulden anzunehmen, sondern ein Naturereigniß.

Straßburg, 2. Dez. Der Bezirkstag für Unter-Elsaß ist heute, nachdem die Berathung der Borlage« beendet und der Präsident Klein den Mitgliedern für ihre Hingabe gedankt hatte, durch den Be­zirks-Präsidenten Ledderhofe unter Worten des Dankes und der Aner- kennnung geschlossen worden.

Nürnberg, 1. Dezbr. In der gestrigen Versammlung der Delegirten der bayerischen Gewerbe- und Hand-lskammer» wurde die Abhaltung einer Landes.Jndustrie-AnSstellung im Jahre 1882 am Hie­sige« Platze beschlossen.

Amsterdam, 2. Dezbr. Die Bank von Holland setzte den Preis für Sovereigns und Jmpörials von 16,62 auf 16,58 herab.

Dar neueste Atte«tat.

Moskau, 2. Dezbr., Nachts. Gestern Abend, als sich der Kaiser bereits hier in Moskau befand, verunglückte ein noch unterwegs befindlicher zweiter kaiserlicher Zug durch eine Explosion, wobei ein Ba- gagewagen in die Luft gesprengt wurde und 7 Waggons entgleisten. Personen sind nicht verletzt worden.

Moskau, 2. Dezbr., Abends. AuS Anlaß der Ankunft des Kaiser» fand heute Bormittag 11 Uhr eine Auffahrt im Kremlpalaste statt. Noch bevor der Kaiser in der Versammlung erschien, verlas der Adelkmarschall die Nachricht von der gestern erfolgten Katastrophe auf der Eisenbahn, welche verbrecherisch veranlaßt erscheint. Tief ergriffen brächte die Versammlung dann enthusiastische Hurrahrufe auf den Kaiser auS. Derselbe erschien kurz «ach 12 Uhr im Eeorgsaale, nahm von den Vertretern der Stadtgemeinde Brod und Salz entgegen und hielt fol- gende Anfplache:Ich freue mich, meine Herren, Sie wiederzusehen, ich gedenke der Treue und Anhänglichkeit, die Sie mir bei Gelegenheit des traurigen Ereignisser am 2./14. April d. I. bekundet haben. Dieselben