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Personenwechsel nur in deutschfreundlichem Sinne erfolgen wird und daß daher der Domänenminister Walujeff, welcher dieser Richtung am vollsten entspricht, die meiste Russicht hat, der Nachfolger des Fürsten Gortscha- koff zu werden.
Das neue italienische Ministerium hatte sich in der wiedereröffneten italienischen Deputirteukammer keiner besonders freundliche» Begrüßung zu erfreuen. Der Deputirte Gelle interpellirte das Cabinet wegen der Gründe der stattgehabten außerparlamentarischen Ministerkrisis. Der Ministerpräsident Cairoli fühle als hauptsächlichsten Grund die Differenz unter den Ministern über das Vorgehen bei der Mahlstruer an und werde er bei Berathung der Einnahmen-Budgets weitere Aufklärung geben, auch rechtfertigte er seine Bnöindung mit D-pretiS, mit dem er stets über das Programm der Linken einverstanden gewesen sei. Gelle erklärte, er sei durch die Antwort des Ministerpräsidenten nicht befriedigt; auch hielt Grimaldi, der bisherige Finanzminister, feixe volle Verantwortlichkeit aufrecht.
Der spanische Ministerrath hat sich für eine Amnestie für militärische und Preßvergehen ausgesprochen.
Die Regierung i« K-enstantinspel läßt sich wiederholt aus London die Versicherung verschaffen, daß man dort nunmehr mit den Türken zufrieden sei, nachdem drese vsn der ernsten Absicht, die Reformen zur Ausführung zu bringen, ausreichende Beweise gegeben hatten. — Ein neues Opfer der unentschlsssenen und zweidentizen Politik der Pforte ist Mukhtar Pascha geworden, der zu Anfang voriger Woche Befehl erhielt, mit 20 Bataillonen nach Gussinje zu marschiren, um bei Ueber» gäbe dieses Ortes an Montenegro die widerspenstigen Albanesen im Zügel zu halten. Nachdem/Mukhtar Pascha einen Tag in Gusfinje gewesen, ist er von den Albanesen Zetödtet und sein Gefsize größtentheils niedergemetzelt worden.
Nachrichten aus Sofia zufolge ist die neue bulgarische Regierung bereits duch eine Minister krisis überrascht, über deren Ursache bis jetzt nichts bekannt ist. Fürst Alexander soll die Sntlsssrng des Cabinets angenommen haben.
Die Belgische Deputirtenkammer hat das Militärbudget mit 75 gegen 10 Stimmen snaensmmen. __________
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— Berlin, 30. Nüvbr. Der Kaiser empfing Hertr den Reichskanzler Gortschakow, später den konstantinopler Botschafter Graf Hatz- feldt sowie den elsaß-lothrinZen Staatssekretär Herzog und den Unterstaatssekretär Mayer in Audienz.
1. Dezbr. Heute Vormittag nahmen Se. Majestät der Kaiser die MouatSri»ppoite Allerhöchsterer Leibregimentrr entgegen, Hütten den Vortrag des Chefs des Civilkabinets, Wirklichen Geheimen Raths von WilmowSki, und empfingen den Unter-StsatSsekretär im Ministerium für Elsaß-Lothringen, von Kuttkamer, sowie den Kaiserlich russischen Botschafter von Oubril, welcher sich vor seiner Reise nach St. Petersburg verabschiedete. (R. u. St.-A )
— Berlin, 1. Dezbr. Die heutige (15.) Plenar-Gitzung deS AbgeorduetenhauseS war lediglich der Fortsetzung der BudZetberathung pro 1880/81 gewidmet. Ohne erhebliche Diskussion wurde eine große Anzahl kleinerer Etats, u. A. der Lotterie, der Seehandlung, der Ober- rechnungskamMer re. genehmigt. Bei dem Etat des Ministeriums deS Innern brachten die Aßgg. Bachem und Windthorst in leidenschaftlicher Art wiederum den Kulturkampf auf daS Tspet und behaupteten, daß für die Nichtbestätigung rheinischer Kommunal-Beamter seitens der Regierung daS katholische Glaubensbekenntniß als Hauptgrund angesehen werde. Gegen diesen Borwurf glaubte sich der Herr Minister des Innern nicht energisch genug verwahren zu können, und setzte klar auseinander, daß lediglich die moralische «nh technische Qualifikation der betreffenden Kandidaten als maßgebende Gesichtspunkte in Betracht gezogen würden. Des weiteren wurden die Etats deS statistischen Bureaus, des meteorologischen Instituts, der BerwaltungSgerichte, Standesämter, Regrerungs-AmtSblätter bewillizt, ohne daß drese Positionen zu erheblicher Diskussion Anlaß gaben. Morgen soll die EtatSberathung fortgesetzt werden. (Post)
— S. M. Kanonenboot „Cyclop", 4 Geschütze, Kommandant Kapt. Lt. von Schuckmann I., hat am 6. Oktober er. Nagasaki verlassen und am 10. deff. Mts. vor Shanghai geankert.
— Wie nach dem „Rhein. Cour." verlautet, wird sich die nächste Reichstagssession unter Anderem mit einer Vorlage des BundeSratheS zu beschäftigen haben, welche eine Abänderung des Gesetze« über den Unterstützungswohnsitz zum Zwecke hat.
— Wie der „Franks. Zig." aus Hessen-Darmstadt geschrieben wird, hat der Finanz-Ausschuß der ersten Kammer im Widerspruch mit dem Votum deS anderen Hauses beantragt, der Regierungs-Borlage in Betreff des Verkaufs des hessischen Theils der Main - Weser - Bahn an Preußen, die vsrsassungrmäßige Zustimmung zu ertheilen.
™ Der General-Lieutenant ö. Boigts-Rhetz, bisher Direktor des Mgemeineu Krie^soepartements, hat sich zum Antritt seiner neuen Stellung als Inspekteur der 4. Feldarüllerie-Jaspektion nach Coblenz Pegrben.
— Die „K. Z." schreibt: Zu den Landestheiten der Rheinprovinz
und Westfalens, welche im Gebiete der Rheinischen und Bergisch-Märki- schen Eisenbahnlinien liegen, ward vielfach die Befürchtung laut, nach Berstaatlichunz dieser Bahnen würde der Staat die Fertigstellung der ; noch nicht in Angriff genommenen, aber concessionirten Linien nicht vornehmen. Wir können darüber die beruhigendsten Mittheilungen machen. Mit dem Ankauf der vier Hahnen, mit welchen jetzt das Rbgeordnetsn- Hans sich beschäftigt, übernimmt der Staat contrsctlich den Ausbau sämmtlicher concesstonirtrr Linien in Gesammtlänge von 162 km. Zn der Eisenbahn Commission hat die Regierunz eine Anfraze deS Abgeordneten v. Eynern: ob dieselbe auch bei dem ferneren Erwerb von Prisatbahuen nach gleichen Grundsätzen handeln werde? ausdrücklich ; bejahend beantwortet.
— Pforzheim, 29. Nov. I« der gestrigen Stadtveror^nsten« sitzung wurde die Frage über die Beschickung des Städtetages in Mass- Heim dahin erlediZt, daß man beschloß, von der Beschickung durch die Stadt Pforzheim Umgang zu nehmen, da, nachdem der Kammer bereits der RrgierungsentWurf über das Sparkassenwesen unterbreitet sei, er ) überflüssig wäre, über diesen Punkt nochmals Verhandlungen zu pflegen. i
— Münster, 1. Dezbr. (K. Z.) Die Nachricht des Wests. Merk., daß die Landräche angewiesen seien, dem katholischen CleruS wieder die Leitung des Religionsunterrichtes in der Volksschule anzu« bieten, wird als unrichtig bezeichnet.
— Rom, 28. Nov. Die Regierung hat eine Statistik der Verbrechen und Vergehen in den ersten neun Monaten deS ; Jahres 1879 veröffentlicht. Sie ist nicht gerade ermuthigend: in den genannten neun i Monaten sind in Italien allein an Mordversuchen und Mordthaten 2900 vsrgefallen, also für den TaZ 10'/, Angriffe auf das Leben, dazu 1900 Fälle von Straßenraub, von deren Urhebern über 800 unbekannt geblieben sind.
— Sevilla, 30. Nov. Das Wasser des Guada^quivir ist um 5 m gestiegen und hat die NmzeZmd überschwemmt; über den dadurch verursachten Schaden und die Vorgekümmenm Unglücksfälle liegen noch keinerlei zuverlässige Nachrichten vor.
— L o n d » n, 29. Nov. Vorgestern fanden die Neuwahlen für den londoner Schulrath (School Board) Statt. Das Hauptergebnis derselben ist, daß neun Damen mit großer Stimmenmehrhett in den Rath gewählt wurden, der unter seinen 50 Mitgliedern auch sieben Geistliche zählt. Sechs alt: Mitzlieder des Rathes wurden nicht wieder- gewählt. (K. Z.)
— Petersburg, 1. Dez. In der Nacht vsm 27. November wurde in SltfabetfigraM&ouswimmnentJä&erW ein langer Mann verhaftet, in dessen Reisesack verschiedene Gifte und Ex- piosionSstoffs vorgefunden wurden.
Lokales.
Hanau, 2 Dezember 1879.
Eröffnung der Bahnstrecke Hanau-Windecken-Heldenbergen.
Gellern wurde die fertig gestellte Strecke der Frirdberg-Hmauer Bahn (Hanau-Windecksn-Heldenbergen) dem öffentlichen Verkehre üb;r- geben, gewiß ein freudiges Zreigniß für alle Diejenigen, denen hierdurch nicht zu unterschätzende Bequemlichkeit sowie Vortheil in Handel und Wandel geboten ist. — Man gab sich der Hoffnung hin, daß die Eröffnungsfeier mehr Veranlassung zu irgend welchen festüchen Ovationen abgeben würde, fand sich aber in dieser Hinsicht etwas getäuscht. — Der Zug, mit dem u. A. außer den Passagieren Herr Landrath Freiherr v. Schrö tter, einige Beamten, sowie serschiedene Mitzlieder unserer städtischen Körperschaften fuhren, wurde zur planmäßigen Zeit 12 Uhr 58 Mn. vom Ostbahnhofe abgelassen. An der Haltestelle bei der Wilhelmsbrücke, die bald vor dem zu erbauenden Nsrdbahnhofe schwinden wird, bestiegen noch eine Unzahl Hsnauer rc. den Zug, — und waren auch noch eine Menze Neugieriger am Platze, so merkte man doch nicht, daß eS der offizielle Tröff.mngszug sei.
In Bruchköbel konnte mau mehr Aufmerksamkeit constatiren: : Kirchenthürm und StationShauS waren geschmückt; der Ortssorstand, eine Menge OrtSeinwohner, Lehrer und Fahnen tragende Schulkinder fanden sich bei Eintreffen deS Zuges ein und Letztere begrüßten daS i längst ersehnte Verkehrsmittel mit Nbsingrn der Nationalhymne; ebenso empfingen eine Anzahl Osttzeimer OrtSbürger bei der Barriöre am Bi- > cinalwege nach Ostheim den Zug mit einem kräftigen Hurrah. Beim Einlaufen in den Bahnhof Windecken-Heldenbergen (1 Uhr 48 Min.) fand man eine Stimmung vor, die, wenn eS Sommer wäre, — lau, da eS aber Ginter ist, — kühl genannt werden darf. Zur Begrüßung war fast Niemand zur Stelle unb von sonstigen Festlichkeiten ersah man auch nichts.
Nach kurzem Aufenthalts — der Zug fuhr 2 Uhr 2 Min. nach Hanau zurück — traten fLst sämmtliche Theilnehmer an der Fahrt den Rückweg wieder am Wenn unser Chronist, der sich persönlich von den Festlichkeiten überzeugen zu wollen schien, weil er die Tour mitmachte, seine Notizen für die Nachwelt niedrrschceibt, hat er von besonderer FesteSstimmung, die er sicher erwartet hatte, nicht viel zu berichten- Uns dünkte es fast, als habe ein großer Theil Derjenigen, die durch diese Bahn dem Weltverkehr näher gerückt sind, noch nicht das richtige Verständniß für die große Wichtigkrtt eines derartigen Verkehrsmittels.