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R$» 277. Freitag den 28. November 18T9t
Amtliches.
Gefunden: Ein Taschentuch, M. M. 12 gez. Ein Zugstiefel.
Ein rothes mit s. g. Eiswoke gihäckeltes HMtuch.
Zugelaufen: Ein großer gelber Leonberger.
Entlaufen: Ein junger gelb-'r Leonberper, m. Geschlechts.
Verloren: Ein goldenes Medaillon mit 6 Photographien.
Hanau am 28. November 1879,
Aus- Königlichem LandraMamt.
R A n d s ch a «.
R. F. Auch in dieser Woche fand in der beatmen Reichshaupt- stadt ein Ereign;ß statt, welches, obwohl äußerlich persönlicher Natur, doch ebenso wie die neuliche Änweienheit des russischen Thronfolgers in Berlin eine rminente politische Bedeutung besitzt. ES ist bekannt, daß daS Königreich Dänemark in Folge des Krieres von 1864 unter die Gegner Demschlands zu zählen ist, aber am letzten Freitaxe (heute) traf daS dänische Nönigspaar in Berlin ein, um dem kmseriichm Hofe einen Besuch abzuftatten welches Ereigniß ohne Zweifel da auf hindeutet, daß Dänemark eine Annäherung an Deutschland wünscht, zumal w nn man bei diesem Besuche in Erwägung zieht, daß seit 30 Fahren teilt dänischer König in Berlin war. Daß der Besuch des Königs von Dänemark ein hervorragendes politisches Ereigniß ist, beweist auch der Umstand, daß der deutsche Kronprinz aus Italien nach Berlin gereist ist, um daS dänische Herrschepaar zu begrüß, ii, wobei wir allerdings auch erwähnen »olle«, daß der Kronprinz des deutschen Reiches im Jahre !873 einen Gesuch am dänischen Hofe erstattete und dort sehr freundlich ausgenommen wurde. Man brngt mit dem Besuche des Königs vo« Dänemark in Berlin auch die Regelung der Angelegenheit seines Schwiegersohnes, des Herzogs von Cumberland, Sohn des vsrstor -enen Exkönigs von Hannover, in Verbindung, doch sind alle derartigen Nachrichten bis auf Weiteres mit großer Vorsicht aufzunehmen.
Am Sonnabend begeht unser Königshaus ein schönes Familienfest. Der Prinz Friedrich Karl, rühmlichst besannt als Heerführer in den letzten Kriegen, feiert an diesem Tage mit seiner Gemahlin das silberne HochzeitSfest.
Der Reichskanzler hat im Namen des Reiches beim Bundesrathe den Antrag gestellt, daß das deutsche Reich sich auch an der zweiten australischen MeltausSellung, die nächstes Jahr in Melbourne stattfindet, betheiüge. Bei der dieses Jahr in Sydney stattsindendm austrauschen LZMauLftellung haben die deutschen Aussteller gute Erfolge erzielt. — Das Strmv llzugKgesetz bereitet im BundeSrathe erneute Schwierigkeiten, da die Reichsregierung auf drei vom Bundesrathe vorgeschlagene Ab- Lnderunzen im Interesse einer einheitlichen AuSsührung der Strafgesetze nicht eingehen zu können glaubt, es finden daher in dieser Richtung neue Berathungen des Bundesrathes statt.
Für die nächste Session des Reichstages, dessen Eröffnung auf Anfang Februar in Aussicht genommen ist, steht außer dem bereits mit- getheilten Material noch die Vorlage eines Entwurfes zum ReichLmili- tärgesetz und eine Vorlage betreffend die Verlängerung des Socialistengesetzes m Aussicht.
, Ar dem ReichstagsNahlkreise Flensburg-Apenrade hat die stattge- habre Nachwahl ergeben, daß der freiconservative Oberpräsident v. Böt- Kcher 3042, der nationalliberale Professor Hinschius 2697, Dreesen, iSanbtbui der Handwerkerpartei, 610 und der Socialdemokrat Brückmanrr
Kimmen erhielten, es muß daher zwischen den Herren v. Bölticher und Hmsch us eine Stichwahl stattfinden. Die starkoertretene Dämn» Partei dres-S Wahlkreises hatte sich der Wahl enthalten.
Unser Abgeordnetenhaus hat seit dem Dienstag seine Plenarsitzungen mit der zweiten Berathung des Etats wieder ausgenommen. Die Berathung begann mit dem Etat des landwirthschaftlichen Ministeriums, Wo sich 0ce Debatte in eine Menge Einzelheiten verlor, die wenig hervorragende Momente aufzuweisen hatte. Bei den Abstimmungen wurden d:e em^dnen Positionen in der Regel nach dem Vsrsch age der Budget- commiffion unter starker Betonung des Sparsamkeitsprincips angenommen. Am Mittwoch berieth das Abgeordnetenhaus neben dem Etat auch den
Antrag des Abg. v. Schorlemer-Nfft über eine bessere Regulirung der Gütervererbung.
Nachdem das Zustandekommen eines Zollvertrages zwischen Deutschland und Oesterreich schon für die nächste Zukunft erwartet wurde, kommt die Nachricht, daß dieses für jetzt noch nicht in der Absicht der deutschen Regieruna gelegen hake, sm-eSiN die stattfinderrd n Berhand- lungen nur den ^bHUB eines Provisoriums für die Zeit bis zum 1. JM 1880 bezwecken. In Sachen des neuen deutsch-österressischen Hsndelsoerträges scheint man sich Aertriebmen Hoffnungen hingrgeden zu haben.
Die veränderten politischen Beziehungen der Großmächte unter- einander sieben einen emsprechenden usdruck in dem umfassenden Per- fonen®e&fel, Welcher seit der Abberufung Schuwaloff's von dem Londoner Äotschasterposten in größerem Umfange in Ausführung begriffen ist. Die bedeutungsvollste Berävderunz in dieser Beziehung dürfte für Rußland in Aussicht stehen, ws sie selbst die oberste Leitung der russischen Staatsgeschästs berührt. Daß Letztere nicht mehr in Händen Gortscha- ksff's ist, wird für bestimmt behauptet, weniger sicher ist dagegen die seit einiger Zeit gihegte Annahme, daß zum Nachfolger Hortschsksff'S der jetzige Domänenminister Waluj ff bestimmt sei. Ebenso bedürfen die Gerüchte, daß der russische Botschafter Oubril von Berlin nach Paris versetzt und an seine stelle Schnwaloff nach Berlin kommen werde, noch der Bestätigung. Diese würde dann beweisen, daß das Regiment des Panstaventhums in Rußland im Stocke« begriffen ist. Bürste man hiernach aanehnren, daß d e Zntereff-n Rußlands und Deutschlands wieder in gleichlaufende Richtung versetzt worden sind, so scheint es sich doch immer mehr zu bestätigen, daß zwischen Petersburg und Wien immer noch Gegensätze bestehen, welche du ch PerfMalveränderumM nicht zu beseitigen sind.
In zweiter Linie ist es Frankreich, wo eine umfassende Berlinde-- mg des diploK-attschen Zorps vorbereilet wird, über welche mir schon des Weiteren berichteten. Als neues Moment kommt die Nachricht hinzu, daß Hambelta die heftigen Angriffe seiner Freunde auf das Ministerium des Nuswärtigen zu mäßizen suche mit dem Hinweise, daß n«t r dem fortwährenden öffentlichen Tadel des Ministeriums der Republik das Nusehen der Letzteren litte. Herr Teifferenc de Gort, der französische Botschafter in Wien, dem es nicht gelungen ist, die Zufriedenheit feiner Landsleute zu erlangen, soll aus „Msandhütsrücksichten" um seine Entlassung nachgesucht haben. Die Angaben über seinen Nachfolger sind noch sehr schwankend, die meiste Wahrscheinlichkeit spricht für Fomnier, den jetzigen Botschafter in Konftantinopel, was dann gleichzeitig einen Wechsel auf dem Votschafterposten in Athen zu Folge haben würde. — In Frankreich fand in letzter Woche auch eine kleine Mmifierkrisis statt. Unter Befürwortung des Ministers des Innern war der Radikale Gent zum Gouverneur der Insel Martinique ernannt worden, wogegen der Marineminister protestrrte und mit seiner Entlastung dr hte, wenn die Ernennung Gent's nicht rückgängig gemacht würde. Als nun dieses geschah, wsllte der Minister des Innern sein Amt Niederlagen, doch hat er suf den Wunsch des Präsidenten GrLvy von diesem Borhaben Ab- ftsnd genommen,
In England ist matt selbstverständlich mit der augenblicklichen Gefügigkeit der türkischen Regierung sehr zufrieden, namentlich ist die Ernennung Baker Paschas zum Srellvertreter des Sultans bei den Staatsreformen so recht zu ihrer Zufriedenheit, welche gegenwärtig kaum gestört werden mag durch die Sorge einiger russischer Blätter, daß durch den gesteigerten Einfluß Englands auf die Türkei, auf Persien und China und durch die Besitznahme Afghanistans das russische Reich von England wie mit einer Kette umschlossen würde.
Italien ist wieder mit einem vollzähligen Ministerium versehen und somit im Stande, seine Staatsgeschäfte, welche seit mehreren Tagen ruheten, wieder aufnehmen zu können. Cairoli, der mit der Bildung des neuen Cabinets betraut war, hat wieder das Präsidium und das Auswärtige Amt übernommen, Depretrs das Innere, Magliani die Finanzen, Villa die Justiz, Baccarini die öffentlichen Arbeiten, de Sanctis das Unterrichtswesen, Bonelli das KriegSmmistermm, Actona die Marine