lichen Mächten ist bekanntlich eine allgemeine und die Aufgabe für Leo XIII., hierin eine Wendung zum Besseren herbeizuführen, nicht leicht. Nachrichten zufolge sollen diese Bemühungen bis j-tzt bei der russischen Regiernxg den günstigsten Erfolg erzielt haben und w-rde gegen Ende deS Jahres ein russischer Geschäftsträger beim Vatican eintreffen; gegenwärtig feiltet der päpstliche Nuntius in Wien den Mittelpunkt dieser Verhandlungen. Russischerseits ist man zu Concessionen an die katholische Kirche in Polen bereit unter der Bedingung, daß der Papst den Bischöfen und dem Clerus gebiete Alles zu vermeiden, was Erinnerung an die polnische Nationalität hervorrufen würde. Cardinal Nina soll geneigt sein, den VorschlaZ anzunehmen.
In Ko»stantinopkl ist man ernstlich bemüht, alle Tonst cte zu lösen, welche der türkischen Regierung so gefährlich zu werden drohten. Nach den neuesten Mittheilungen ist es jetzt die Regierung von Montenegro, welche ihre Forderungen an die Pforte geltend machen »iß, indem sie dringend auf der U bergabe von Gussinje besteht Rußland fuß gerathen haben, anstatt Bussinje's einen Theil des Limdistriktes in Novibazar an Montenegro abzutreten. — Der türkische Finanzminister, der Zontoleur der Zölle und der RechnungSführer über die türkischen Schulden hatten Besprechungen mit mehreren Dankhäusern wegen eines Arrangements der Finanzangelegenheit.
In Spanien werden zugleich mit den Vorbereitungen zu den königlichen Hoch Mtsfeierlichkeiien auch kriegerische Vorbereitungen zur Unterdrückung des au?s Neue ausgebrochenen Aufstandes auf Cuba getroffen, da man ben Aufstand mit allen Mitteln unterdrücken will.
In Holland, von wo so selten Bemerkenswerthes Zu berichten ist, regt sich gegenwärtig auch einiges politische- sehen. Der zweiten Kammer der Generalstaaten ging die Antwort der Rezierung auf verschiedene gestellte Fragen zu. Hiernach will die Regierung der Ausführung des neuen Schulgesetzes nicht hinderlich sein Die Revision der Verfassung wird für mmöthiz gehalten, bazegm soll durch besonders Sinzelg-setze eine Bessere Wahlordnung und Landesvertheidigung geschaffen werben.
Durch dm Besuch des Königs von Dänemark in Wien ist die Aufmerksamkeit wieder in erhöhtem Maße auf das nordische Ländchen gerichtet worden. Die Aeußerung des Königs bei dieser Gelegenheit, „daß Dänemark keine kriegerische Neigung gegen Deutschland hege", muß gewiß um ss beruhigendere Wirkung haben, als man sich doch erst im letzten dänischen Landtage mit eineW Terthndigunosplam beschäftigte, welcher geeignet sein soll, ein Tndnngen Deutschlands, des „gefährlichsten Feindes von Dänemarck", so lange abzuwehren, bis — russische Hülfe herbeigekommen s in würde, — also ein russisch dänisches Gegenbündniß gegen das deutsch-österreichische.
Die rumänische Judenfrage ist noch immer nicht gänzlich abgethan. Die „Times" will wissen, daß, während sich die deutsche Regierung mit der augenblicklichen Lösung begnügen wolle, Frankreich, England und Italien geneigt seien, Schwierigkeiten zu machen. Rumänien habe deshalb den Schutz Oesterreichs angerufen und dieses habe sich auch erfolgreich für Rumänien verwendet
— Berlin, 24. Nov., 9 Uhr Abends. Die Eisenbahnkommission genehmigte mit allen Stimmen gegen die des Centrums, der Polen und Fortschrittspartei den mit der Hannsver-Altenbekener Eisenbahuzesell- schaft abgeschlossenen Vertrag. (Franks. Ztg.)
— Ihre Majestäten der Kömg und die Königin von Dänemark werden dem Vernehmen nach am nächsten Freitag zu einem kurzen Besuche am Allerhöchsten Hofe zu Berlin eintreffen. (Post.)
— 12. Plenarsitzung des Hauses der Abgeordneten am Dienstag, den 25. November 1879, Vormittags 11 Uhr. Tagesordnung: Zweite Berathung des Entwurfs d^s Staatshaushalts-Etats für 1830/81, und zwar: Landwirthschaftliche Verwaltung, Einnahme Kap. 32, Dauernde Ausgabe« Kap. 99 —107, Einmalige und außerordentliche Ausgaben Kap. 11. — Gestütverwaltung, Einnahme Kap. 33, Dauernde Ausgaben Kap. 108, Einmalige und außerordentliche Ausgaben Kap. 12. — Centralverwaltung der Domänen und Forsten, Dauernde Ausgaben Kap. 5, Einmalige und außerordentliche Ausgaben Kap. 10a. — Domänen, Einnahme Kap. 1, Dauernde Ausgaben Kap. 1. — Forsten, Einnahme Kap. 2, Dauernde Ausgaben Kap. 2—4, Einmalige und außerordentliche Ausgaben Kap. 10.
— Bekanntmachung auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Oktbr. 1878. Das durch Bekanntmachung vom 17. Januar d. I. (Reichs-An- zeiger Nr. 15) erlassene Verbot der vom kommunistischen Arbeiter- bildungsverein in London herausgegebenen periodischen Druckschrift: „Freiheit" erstreckt sich auch auf diejenigen Nummern dieses Blattes, welche unter der Aufschrift „Das Volksgericht" zur Ausgabe gelangen.
— Der Kaiserliche Botschafter bei der Hohen Pforte, Graf von Hatzseldt, hat einen ihm Allerhöchst bewilligten Urlaub angetreten. Wäh- rend seiner Abwesenheit w .i Konstantinopel fungirt als interimistischer Geschäftsträger der Botschafis-Rath Graf Radolinski.
— Nach einer gestern in Berlin eingegangenen telegraphischen Nachricht ist der Kaiserliche Konsul Bismarck zu Amoy in China gestorben. Früher Dolmetscher bei der Kaiserlichen Gesandtschaft in Peking, leistete er vermöge seiner genauen Kenntniß der Landessprache wesentliche Dienste
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und ebenso hat er sich in den konsularischen Stellungen, welche er zu Tientsin und Amoy bekleidete, als ein pflichttreuer und tüchtiger Beamter bewährt. (R. u. St.-A.)
— In den deutschen Münzstätten sind in der Woche vom 9. bis 15. November 1879 an Goldmünzen geprägt worden: 55,980 Mark Kronen, und zwar aus Privatrechnung. Vorher waren geprägt: 1,267,944,440 M. Doppelkronen, 421,865,760 Mk. Kronen, 27,969,925 Mark Halbe Kronen, hiervon auf Privatrechnung 398,031,680 Mark. Summa 1,717,540,505 Mark (nach Abzug der wieder eingezogenen 165,680 Mark Doppelkronen, 129,100 Mark Krone» und 780 Mark Halbe Kronen).
— Die Reichsregierung will, wie der A. A. Z. geschrieben wird, den Reichstag zu Anfang Februar berufen. Die Session desselben soll sich womöglich nicht über Ostern ausdehnen, obschon zahlreiche Vorlagen projektirt sind. Als solche werben genannt: der Etat, der Entwurf über VerlänZerung der Budget- und Legislaturperioden, das Brausteuer-, das Börsensteurr- und das Tarifgesktz, sowie wahrscheinlich auch ein Versicherungsgesetz.
— Der nächste Gesetzentwurf, welcher dem Landtage zugehen wird, ist die Besteuerung der Wanderlager durch die Kommune. Die Vorlage hat bereits vor mehreren Tagen die Genehmigung des Staatsministeriums gefunden und liegt seitdem zur Allerhöchsten Sanktion im Königlichen Kabinet. Wahrscheinlich wird der Entwurf schon in der nächsten Sitzung an das Büreau des Abgeordnetenhauses gelangen.
— Am Schalter des Postamtes zu Wolfenbüttel wurde ein falscher Fünfzigmarkschein angehalten. Der im Allgemeinen äußerst tänschend nachgeahmte Schein ist als falsch besonders daran kenntlich gewesen, daß an dem Fuße der linken Figur die Zehen nicht gezeichnet waren, wodurch d:r Fuß flach und zu groß erscheint.
— Wien, 24 Nov., 5 Uhr Rachm. (Privatdepesche der Franks. Ztg) Die gegenwärtige Handels Convention mit Frankreich wurde bis z-'m Abschluß eines neuen definitiven Vertrags verlängert. Das „Frem- denblati" bestreitet, daß Wmdischgrätz zum Nachfolger Lavgenau's als Botschafter in Petersburg ernannt sei. Langenau habe nicht demissionirt.
— Olmütz, 20. Nos. Der Pfarrer von Horkau wsrde heute in der dortigen Kirche während der Messe durch einen Pistolenschuß schwer verwundet. Der Thäter wurde sestgenomMM.
— Bern, 24. Nov. Aus dem Canton Tessin wird der „K. Z." ein gewaltiger Schneefall gemeldet. Post, Telegraph, Dampfschiffverkehr sind unterbrochen, Tausende von Bäumen und Weinstöcken durch Schneemassen erdrückt. Im Gadmenthale wurden fünf Menschen von einer Lawine verschüttet; drei wurden gerettet, einer blieb todt und einer ist noch nicht aufzesunden.
— Madrid, 23. Nov. Ihre Kaiserliche Hoheit die Erzherzogin Marie Christine von Oesterreich ist mit ihrer Mutter heute Nachmittags 2 Uhr in Jrun angekommen und daselbst mit großen Feierlichkeiten empfangen worden. Ihre Ankunft hier wird morgen Vormittag erwartet. Die Erzherzogin wird in dem unweit von hier gelegenen Schlosse Pardo ihren vorläufigen Aufenthalt nehmen.
— Amtlicher Mittheilung nach sind die sämmtlichen Zollbehörden Spaniens angewiesen worden, die aus Deutschland oder den übrigen Bertragsländern stammenden gefirnißten Bronze-, Kupfer- und Messing- waaren, wie das bisher hinsichtlich der gleichartigen Gegenstände französischer Herkunft geschehen ist, mit 100 Pesetas für 100 kg, also 1 Peseta oder 4 Reales für das Kilogramm zu besteuern.
Lokales.
Hanau, 25. November 1879.
X. (Theater.) Am vergangenen Mittwoch wurdeMoser'sLustspiel „Der Veilchenfresser" gegeben, und da das an sich schon vortreffliche Stück auch gut einstudirt war, so konnte man mit den Leistungen der Schauspieler wohl zufrieden sein. An erster Stelle müssen wir hier das Spiel des Herrn Herrmann lobend hervorhebm, denn seine Wieoergabe der Rolle des Referendar und Sinj.-Freiw. v. Feldt war unbedingt eine der besten an diesem Abende. Herr Volten gefiel uns in seiner Darstellung des Hussreno fiziers v. Berndt, des „Veilchenfressers", nicht so gut, als in seinem früheren Auftreten. Denn entweder wollte er den nordischen Lieutenantston marquiren, oder ist sein Organ wirklich so schnarrend; wie dem auch sein mag, sein sonst gutes Spiel verlor dadurch. Bon den Damenrollen wurden am besten Sophie v. Wildenheim durch Fräul. Ziegler und Baleska durch Frl. Ihm wiedergegeben.
„Die Rosa-Dominos", die am Freitag über unsere Bühne gingen, gehören zu jenen französischen leichten Stücken, die sich durch wirre Verwickelungen, die allerdings geistreich verschlungen sind, und durch viele schlüpfrige Geschichten vor unseren deutschen Lustspielen ziemlich unvortheilhaft abheben. Solche Mücke sind aber an einem anständigen Theater weniger am Platz, und haben jedenfalls in Theatern, wo geraucht und Bier getrunken wird, ein dankbareres Publikum. Alle Mitspielenden spielten gewandt, und war auch, was in dem Stücke jedenfalls die größte Schwierigkeit bot, das Ensemble-Spiel recht gut. Zu besonderen Bemerkungen jedoch wurde uns kein Anlaß gegeben.