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M. 270.
Dosuerstag best 20. November
187».
Amtliches.
Gefunden: Eine Vorstecknadel mit Ring und rothen Perlen. Eine große Muschel.
Verloren: Am 6. d. M. ein Quantum Rindswürste.
Hanau am 20. November 1879.
Ms Königlichem Handrathsamt._______
L « ß e « f H K ».
Der russische ThronfolZer in Berlin.
(A. d. Echt». Merk.)
Von den Aeußerlichkeiten des Gesuchs, den der russische Thronerbe soeben in Berlin erstattet hat, ist man genügend unterrichtet. Man kennt genau den Reiseanzug bei Großfürsten und der Großfürstin; man ti eiß, wer sie empfangen, wo sie gespeist, was sie im Theater gesehen u s. w.; desto weniger ist vom politischen Zweck des Besuchs bekannt, geschweige vom Erfolg. Es ist das ein Umstand, der sich im Allge- meine« bei jedem Fürstenbesuch wiederholt. Die politische Zeitgeschichte wird eben viel später g-schrieben, als die TaZesneuigkeiten von den Zeitungen überbracht werden. Der Tagespresse bleiben für die politische Beurtheilung zunächst nur die allgemeinsten Schlüsse aus den äußeren Lordängen im Zusammenhalt mit der ganzen politisch! n Lage. Das ist freilich herzlich wenig und besonders dürftig in einem Augenblick, wo jene Geftmmtlage im Grunde noch so wenitz aufgeklärt ist. Daß das Großfürstenpaar in seinem ganzen äußeren Auftreten den Charakter einfacher Durchreisender aufrecht zu halten suchte, beweist noch nichts gegen die politische Bedeutung der Reise, welche zu bestreiten im Ernste unter den heutigen Verhältnissen zwischen Deutschland und Rußland Niemanden Unfällen kann, zumal der Weg von Cannes noch Petersburg nicht gerade über Wien zu führen brauchte. Offenbar sollte durch den Abstecher nach Wien der Schein vermieden werden, als ob es die Ausgabe des Großfürsten wäre, das östreichisch-deutsche Bündniß dmch Ernschie- bung Rußlands wieder zu trennen. Der Besuch in Wien und Berlin scheint aber allerdings daremf hinzudeuten, daß jenes Bündniß einen ernsthaften Eindruck auf Rußlard gewacht hat, daß man dort in Folge jener Gismarck'schen That zur Gesinnung gekommen ist und den Schaden, die Vereinzelung Rußlands, wieder gut zu machen sucht. Kein L».ensch denkt daran, daß der Großfürst, so wie er gegen Deutschland trotz aller Abstreitungen thatsächlich gesinnt ist, auf eigenen Antrieb den Berliner Besuch unternommen hätte. Derselbe erfolgte auf den Wunsch des Kaisers Al-xanLer, dem dadurch die eigene Reise nach Berlin zunächst erspart ist, und der gerade dadurch, daß er den b;m deutschen Wesen we- n 3 holden Thronfolger at sandte, das deutlichste Zeugniß ablegte, daß ihm der Werth der altüberlieferten deutschen Freundschaft noch nicht aus dem Sinn entschwunden ist. Kaiser Wilhelm hat seiner Zeit einen Schritt werten Entgegenkommens gethan, als er zu seinem kaiserlichen Neffen nach Mxandrowo reiste. Mit dem Besuch des Großneffen in Berlin ist dieser Schritt zurückgegeben. Wie weit eine Annäherung wirklich erfolgt ist, ob die Berliner Reise eine wirkungsvolle war oder nicht, das kann erst die Zukunft lehren.
- Berlin, 19. Nov. (R. u. St.-A.) Se. Majestät der Kaiser und König nahmen gestern militärische Meldungen sowie die Borträge des Militär-Kabinets und des Chefs der Admiralität entgegen und mach- ten demnächst eine Spazierfahrt. Abends erschienen Atzerhöchstdieselben auf einer Soiräe bei dem Minister des Königlichen Hauses. — Heute hörten Se. Majestät den Vortrag des Geheimen Civil - Kabinets und empfingen die dienstliche Meldung des Generals von Brauchitsch, Com- maudeurD der 16. Kavallerie-Brrgade. Das Diner nehmen Se. Majestät bei dem 2. Garde-Regiment ein.___________
7 7 ,^^„ Majestät der Kaiser haken Allergnädigst geruht: denUnter- Staatssekretar im Königlich preußischen Justiz-Ministerium Dr. von Schellmg zum Staatssekretär im Reichs-Justizamt zu eintnnen.
- Der Geheime Ober-Justiz-Rath im Jsstiz-Ministerium Oehl- Mager wurde, nach dem „R. «. St.-A.-, zum General-Auditeur der Armee mit dem Charakter als Wirklicher Geheimer Ober-Justiz-Rath unst dem Range der Räthe 1. Klaffe vom 1. Dezember d. I. ab ernannt.
- Im „R.- u. St.-A." finden wir folgende Notiz: Das Aeltestew Kollegtum der Berliner Kaufmannschaft hat in den Zeitungen eine Er
klärung veröffentlicht, durch welche die bei der Berathung der Sisen- bahr vorlage iW Abgeordnetenhause geschehene« Aeußerungen des Ministers Maybach über die Schädlichkeit einer gewissen Thätigkeit der Börse einer mißbilligenden Kritik unterworfen worden sind. ES ist bedauerlich, daß die Bertr-tung einer hervorragende« Korporation, zu einer nach Form und Inhalt so befremdenden KundgebunA sich hinreißen ließ. Befremdend ist zunächst, daß das Aelteften-KolleHiu« sich der Börse i« einer Weise angenomsen hat, s's ob dieselbe identisch wäre mit der Kerliner Kaufmausschaft, während doch ein großer Theil der Letzteren Börsengeschäfte überhaupt nicht treibt rnd insbesondere diejenigen Spekulationsgeschäfte, von welchen Minister Maybach sprach, durchaus nicht Armein- gut der Berliner Kaufmannschaft sind. Befremdend ist ferner, daß die Herren Selbsten auf die erläuternde Bemerkung, durch welche Minister Maybach den Sinn seiner ersten Aeußerung richtig stellte, so gut wie keine Rücksicht nahmen; di-silbe vielmehr mit den kurzen Worten abseitigen zu dürfen glaubten, daß sie „nicht genügend erscheine." Das Weitestem Kollegium hat es für zulässig gehalten, seiner Erklärung diejenige Auffassung der Worte des Herrn Ministers zu Grunde zu legen, welche von dem Letzteren ausdrücklich als ein MißverstänLniß bezeichnet waren. — Dem Aeltesten-Kollegium lag ein Antrag des Börsen-Kommissariats vor, welcher dahin ging, das Kollegium möge, „amtlich an betreffender Stelle" die geeigneten Schritte thun. Das Kollegium würde listiger und seinem Verhältniß zur Königlichen Staatsregierung ent# sprrchendrr gehandelt haben, wenn es diesen Weg eingeschlagen hätte, anstatt in einer wenig angemessenen Form die Gründe zu veröffentlichen, aus welchen es über jenen Antrag zur Tagesordnung überging. Durch das von rtzm bettelte Verfahren hat das Nettesten Kollegium sich selbst den Weg verschlossen, welcher von ihm behufs einer befriedigenden Aufklärung und Vofung des eingetretenen Mißverständnisses hätte beschatten werden können und sollen.
— Bertin, 18. Nov. In nächster Woche wird voraussichtlich die Budgetkommission so viel Stoff geliefert herben, daß das Plenum des Abgeordnetenhauses wieder Beschäftigung findet. Imme: hin aber wird euch in der Folge ruch den Commissionen außergewöhnlich viel Spielraum gewährt werden müssen; denn namentlich die Eisenbahncom- mission steht vor einer Aufgabe, deren Kröhe und Schwierigkeit mit der z« Gebote stihenden Zeit mcht recht im Einklsme ist.
— Berlin, 19. Nov., 9 Uhr tberbs. Bei dem gestern fiait^e- halten Fraktions-Diner der Konservativen gab, «ach der „Franks. Ztg", der Staatsmimster Bitter dem Wunsche Ausdruck für ein Zusammengehen der konservativen Fraktion mit der kömgl. Staatsregierung. Die Stimmung bei dem Diner war eine sehr gehobene web hatte man die besten Hoffnungen für den Erfolg der konservativen Sache. In der nationalliberalen Fraktion hat sich eine erhebliche Majorität, nam-ntlich die neuLtwählün Mitglieder, dahin ausgesprochen, daß selbe darauf gewählt sind, der Regierung keine Opposition und keine Schwierigkeiten zu bereiten.
— Berlin, 19. Nov. Die von Wiencr Blättern aus Rom gebrachte Meldung, wonach der Nuntius Jacobini dem Papste die glückliche Eeendigung der mit Deutschland geführten Verhandlungen angezeigt hätte, wird von der „Germania" als auf Sensation berechnet und ««richtig bezeichnet. (R. Ir. Pr.)
— Die Dsche nnd Bänke der Schulstuben gehören, nach einem Erkenntniß des Ober-Verwaltungsgerichts vom 29. Juni d. I., zum Inventarium der Schule, nicht aber zu den Echulgebäuden und Schul- meisterwohnungen im Sinne der feie GchEaüLast regelnden Bestimmn«» gen des Allgemeinen Landrechts. Ueber die Verpflichtung der Guts- Herrschaften, Las Holz zur Beschaffung dieser Utenfilien zu liefern, ist vorb haltlich des srdentUchen Rechtsweges das Verwaltungsstreitverfahren zulässig.
— Im Anschlüsse an die commissarischen Berathungen, welche vom 9. bis 11. Juni >m Reichseisenbahnamte stattfanden, ist seitens duser Behörde ein Entwurf über die Einführung der verschiedenartioen Centralstellapparate für Signale und Weichen auf den Ei-enbahnen Deutschlands ausgearbeitet worden. Das Schriftstück liegt dem Reichs- kanzleramte seit einiger Zeit vor und dürfte bim Bundesrathe binnen Kurzem zur weiterer,n -reschlußfaffung zugehen. Dre Einführung der Centralstellapparate bedingt, abgesehen von anderen Vortheilen, auch