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Kit bcm betesff«:. Den Postaufschlag. Lie einzelne Num- «er 19 Pfg.

Pmnm Anzeiger

Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hana«.

Erscheint täglich mit Ausnahme der Ssm»- und Feiertage, mit beüetristWr« Beilage, md Samstags mit der BcrlrZer Pr»vr«zisLSorrefpondmz.

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M. 268

Dienstag den 18» November

1878.

Amtliches.

Bekanntmachung.

Mit Ermächtixung der Königlichen Regierung zu Wiesbaden wird die Landgemeinde Niederursel, srenffurter und heffisSen An­theils, wegen der dort ausgebrochenen Lungenseuche bis auf Weiteres gegen die Ausführung von Rindvieh und gegen das Durchtreiben des­selben abgesperrt.

Zuwiderhcndlungen werden nach §. 74 Nr. 2 des GesitzeS vom 25. Juni 1875 mit Geldbuße bis zu 150 Mark oder verhältnißmäßiger Haft bestraft.

Frankfurt a. M., den 15. November 1879.

Der Polizei-Präsident gez.: Herqenhahn.

Wird veröffentlicht.

Hanan am 17. Nsvbr. 1879.

Der Landrath.

Knndsch««.

K F. Das allgemeine politische Interesse hat sich innerhalb der letzten drei Tage auf die Besuche concentrirt, welche der russische Groß­fürst: Thronfolger dm Höfen von Wien und Berlin abstattete. Es kann wohl kaum einem Zweifel unterliegen, daß diese Besuche auch eine po­litische Bedeutung haben, doch das weite Feld der hierüber angestellten Vermuthungen wollen wir nicht betreten und beschränken uns darauf die Thatsachen der Besuche wiederzugeben. In Wien traf der Großfürst- Tkrvufolger nebst Gemahlin und deren Eltern, dem Könige und der Königin von Dänemark, am Donnerstag Abend ein und wurden vom Kaiser Franz Josef am Bahnhof sehr herzlich empfangen und von da nach der Hofburg geleitet. Zu Ehren der hohen Gäste fanden mehrere Festmale und eine Galavorstellung in dem Hssburgtheater stets. Am Sonnkbend trat das russische Thronfolgerpaar von Wien aus seine Reise nach Berlin an und traf dasellst am Sonntage Vormittag ein. Die ursprünglichen Nachrichten, daß ein großer Empfang des Großsürsten- ThronfolgerS am Bahnhöfe durch den Kaiser Wilhelm stattfinden werde, erwiesen sich als irrthismlich, der Großfürst-Thronfolger wurde nur von dem russischen Botschafter Grafen Oubril und dem Eeneraladjutsnten des Kaisers Generallieutenänt Grafen von Brandenlurg am Bahnhöfe lmpsanßkn und von dort zunächst nach der russischen Botschaft geleitet. Später wurde dann der Großfürst: Thronfolger nebst Gemahlin durch den Kaiser im Königlichen Schlosse empfangen und fand zu Ehren der hohen Gäste ein Ealadiner und eine Festvorstellung in der königlichen Oper statt. Die Weiterreise des Großfürsten nach Petersburg sollte am Montage Abend stattfinden.

Der Bundesrath hielt am letzten Donnerstag eine Plenarsitzung ab, wo verschiedene Anträge der Ausschüsse für Zölle und Steuern, Handel und Verkehr, Post und Telegraphie angemmmen wurden. Aus den Lerathungen deS BundesratheS macht der Reichs-Anzeiger auch bekannt, daß der EundeSrath beschlossen hat, Retour Waaren, auch wenn dieselben

Sen Gewährung einer Abgebenvergütung ins AuSland gesandt worden

, beim Wiedereingange gegen Erstattung dieser Vergütung zollfrei gelassen werden sollen.

Der Gedanke, das Amt des preußischen JustizministerS und das­jenige eines Präsidenten des ReichSjustizamtes in eine Person zu ver­einigen, scheint aufgegeben worden zu sein, wenigstens soll dem Kaiser der frühere Präsident des Reichs OberhandelsgerichtS Geh. Rath Dr. Pape zum Präsidenten des Reichsjustizamtes in Vorschlag gebracht worden sein.

Das Befinden des Reichskanzlers Fürsten Bismarck in Varzin ist nach Nachrichten von dort niemals schlimmer Natur gewesen, der Kanz­ler wurde nur wieder von seinem alten Nervenleiden geplagt, was ihn aber nicht hinderte, täglich seine Ausflüge in Flur und Wald zu machen. Höchst wahrscheinlich wird Fürst GiSmarÄ in nächster Zeit auch von Varzin nach Friedrichsruhe übersiedeln, zuvor aber wohl erst einige Lage nach Berlin gehen.

In unserem Lbgeordneteuhause hatten die Debatten wegen der Eisenbahnvorlage noch eine höhere Bedeutung als Hei der Etatberathung, da mehrere natmhaste Redner der Fortschrittspartei und der Liberalen m geschickter Weise den Gesetzentwurf über die Verstaatlichung der Eisen-

Hhnen'R mangelten und die Vorzüge der Privateisenbahnen Hervorhoben. Drch hielt darauf der nationalliberale Abg. Miquel eine sehr maßvolle und staatsmännische Rede, welche den Gesetzentwurf für gut hielt, wenn einige Einschränkungen stattfänden. Damit war die Mehrheit des Hau­ses und wie es schien auch die Regierung einverstanden, denn der Mi­nister Maybach verzichtete in Folge der Auslassungen des Abg. Miquel aus eine weitere Verteidigung dis Gesetzentwurfes und derselbe wurde zunächst an eine Commissionsberalhung verwiesen, die ihre Arbeiten am Montage begonnen hat. Rm letzten Freitage beriith das Abgeordneten­haus in langen, aber meistenteils unwichtigen Debatten daS Communal- steuergesetz, welches auch schließlich an eine Commission gewiesen wurde« Die nächste Plenarsitzung des Abgeordnetenhauses findet am Dienstag statt und hofft man überhaupt die meisten ersten Lesungen der noch aus- stehenden ersten Vorlagen in dieser Woche zu vollenden, worauf die Plenarsitzungen 68 Tage ruhen werden, um den Commissionen genü­gende Zeit zur Vollendung ihrer Spezialberathungen zu gewähren.

Die Verhandlungen wegen Al-schluß eines neuen Zoll- und Hau- delSvertrageS zwischen Deutschland und Oesterreich werden demnächst in Berlin beginnen. Die Bevollmächtigten Oesterreich-Ungarns sind bereits in Berlin eingetroffen, nachdem vorher eine Vereinbarung in der gegen Deutschland zu beolachtenden Handelspolitik abgeschlossen worden war.

Mit dem Herannahm drS Zeitpunktes der Wiedereröffnung der französischen Kammern mehren sich auch die und.üblichen Zeichen für den gleichzeitigen Beginn schwerer Kämpfe im Innern der französischen Re­gierung. Gambetta ist auS seiner bisherigen Zurückhaltung heravsge- treten und scheint den geplanten Sampst gewissermaßen einleiten zu wollen. Während der von ihm zum dtMuSchfligw Minister des Auswärtigen an Waddington's Stelle ausersehene Challemel-Lacour eine Agitations-- reise unternimmt, um das Rnseh n der zu entfernenden Minister im Volke zu untergraben, hat Gawletta selbst den Zugriff von oben herunter erössmt. Denn feilst die Versicherung-n, daß die jüngst stattgefundene V/sfiünbiße Unterredung Gambetta'S mit dem Präsidenten Grevy die völlige Uebereinstimmung der Anschauungen Beider in allen wichtigeren politischen Fragen ergeben habe, können die Vermuthung nicht beseitigen, daß die Gsmbetnstsn auf die Entfernung b:r Personen, welche nicht entschiedene Anhänger der Repullik sind, aus allen wichtigeren Aemtern beftkhkn werden. Als erster Erfolg dieser Bestrebungen wird bereits die Vbsetzung des Marschalls Camobert als Präsident desComite de classement des officiers gemeldet, welche der Kriegsminister in Folge wiederholten Drängens der Ripuklikaner, denen der Srnapartistische Marsche!! längst im Wege war, nicht länger verhindern konnte. Den direkten Angriff gegen den Ministerpräsidenten Waddingün will der einflußreiche Führer der Linken in der sranzösischrn Deputirtenkammer, Clemenceau, gleich nach Eröffnung der Kammern führen und zwar unter Bezugnahme auf das deuisch öfierreichische Bündniß, da Waddington veranlaßt haben soll, daß f. Z. der Marquis de Voguch der als franz. Botschafter in Wien das Zustandekommen dieses für Frankreich bedroh lichen Bundes verhindert haben würde, von dem Wiener Botschafter- Posten abberusen und durch Teisserenc de Tort ersetzt worden ist. In Paris herrscht große Aufregung in Folge eines kürzlichenBörsen­krachs". In der Verblendung des Preußenhaffes gehen einige franzö­sische Blätter so weit, zu lehaupt n, daß die bei der Pariser Börse de- theilrgten Teutschen, diePrussieus", die Katastrophe herbeigeführt hätten.

Nachdem die Nachricht von den erneuten ernsten Maßregeln Eng­lands gegen die wankelmüthige Regierung in Konstantinopel in allen politischen Kreisen große Spannung hervorgebracht hat und selbst den pariser Börsenkrach veranlaßt haben soll wird diese Nachricht von derTimes" jetzt sürunbegründet" erklärt. Das Wahre an der Sache wird wehl dahin aufzufasien sein, daß die Nachrichten im eng­lischen Calinet über die vorzuuehmerden Schritte auseinandergehen. Während Lerd BeaconSfield mit unnachsichtiger Strenge gegen die Pforte vvrzugehtn wünscht und es dabei selbst auf einen Zusammenstoß mit Rußland ankommen lassen will, fürchten einige Mitglieder des Cabinets, die Dinge auf die Spitze zu treiben und rathen zum Laviren zwischen den türkischen und russischen Klippen. Der Schatzkanzler Sir Stafford Northcote und der erste Lord der Admiralität Smith drohten für den Fall der Ausführung von Gewaltmaßregeln mit dem Rücktritt; Lord