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Montag den 17. November

1879.

Amtliches.

Für Ferdinand Pfeiffer aus Bockenheim ist «m Entlassung auS dem Preußischen Unterthanen-Verband bchufS Auswanderung nach Amerika nachgesucht.

Hanau am 7. November 1879.

Gefunden: Ein Portemonnaie mit Geld. Ein grüneS Rädchen mit schruarzen Franzen. Eine schwarze Moiräschürze Ein Hundemaul- korb. Ein rothes Taschentuch.

Zugelaufen: Ein schwarzer Pinscher, m. Geschl.

Entlaufen: Ein kleines weißlich-gelbes Hündchen, W. Geschl.

Hanau am 17. November 1879.

Äs Königlichem LandraihZamt.

TkDtHsHa«.

Herr Maybach und die Berliner Börse.

(A. b. Schw. Merk.)

Während der Debatte im preuß. Abg.-Hause, worin die Verthei­diger der Privatbahnen und der Staatsbahnen ihre Gründe vorführen, einander so wenig überzeugend wie Echutzzöllner und Freihändler im Meinunilskompfe, wirkte das Wort des Ministers Maybach über den Giftbaum der ' örse zunächst nur wie eine Abwechslung. Dir Mittzlie- btr des Hauses theilten sich in Beifall und Mißfallen, die Betroffenen, die L örsianer aber geriethen in eine entschieden übertriebene Aufregung, wie sie düse Art Leute so leicht über fällt. W aS hatte denn der Minister Schreckliches gesagt ? Sehen wir ab von dem strittigen Wortlaut; der Sinn war unzweifelhaft: Die Auswüchse des Eörsentreitzeus, wünschte er, sollten beschnitten werden! Damit gar kein Zweifel bleibe, hatte der Minister andern Tags seine Aeußerung ausdrücklich in bie^m Sinne erklärt und noch ganz besonders deutlich gemacht, welche Auswüchse er meine. Er sagte:Mein gestriges Wort über die Qualität der Börse ist bahn mißverstanden worden, als wollte ich die Börse an sich als einen Gistbaum bezeichnen. Die Börse ist ein nothwendiges Glied in unserem wirthschaftlichen Verkehr; nur dann glaube ich, daß sie eine Verderbenbringeude Thätigkeit entfaltet, wenn sie die öffentlichen Trans- portansialten, die monopolistisch gearteten Hauptverkehrsadern in die Kreise ihrer Spekulation zieht. Diese großen Anstalten des Staates sollten aus dem Verkehr der Börse ausscheiden." 8 an sollte denken, mit dieser Ehrenerklärung zu Surften der Börse und mit dieser klaren Bezeichnung eines berechtigten Wunschrs auf Abstellung eines bestimmten Wißstandes hätte der Handel aus sein können. ES scheint aber, daß Berlin weltstädtisch genug geworden ist, von Zeit zu Zeit einerSen­sation" zu bedürfe». Selbst die maßliebende Nat.-Z. schrieb einen weit über das Ziel hinausschießenden Artikel, als ob das Vaterland in Ge­fahr wäre. Und die Börse! Man müßte dabei gewesen sein, um Näheres erzählen zu können. Die Blätter berichten von einerturbu­lenten Demonstration", von höhnischen Hochrufen auf den Minister rc. Wer irgend schon erlebt hat oder davon hat erzählen hören, wie es zu- geht, wenn die Börseturbulent" wird, kann sich die wenig feinen Einzelheiten denken. Nach Schluß derDemonstration" aber begann ein feierlicher Aktus. Um 1 Uhr trat das Börsenkommissariat gemein­sam mit dem Syndikus des Aeltcstenkollegiums der Berliner Kavsmsnn- schaft in einem Nebenraum des Lörsensaales zu einer Sitzung zusam­men. Nach halbstündiger Berathung wurde einstimmig der folgende Beschluß gefaßt und sofort der Börse verkündigt:Das Körsenkommis- sariat gibt dem Leltchenkollegium der Gerliner Kaufmannschaft Kenntniß von der tiefgreifenden Entrüstung und Erregung, welche an der Börse über die Musterung, die der Minister Maybach in her gestrigen Sitzung des Preuß- Lbg.-Hauses gethan hat, herrscht. Es fordert das Seltesteu- kollegium auf, soso t, sofern die Leußerung ihrem Wortlaut nach mit dem von allen Zeitungen gleichlautend gunUdeten PeffuL übereinf immt, offizielle Schritte zu ergreifen, um eine Remedur eintreten zu lassen." Das Leltestenkollegium hat seinen Auftrag erfüllt; es hat eine, wie den Fernerstehenden scheinen will, durchaus übertriebene'Tadelsäußerung gcgm den Minister abgegeben, die übrigens in baß Nichts verläuft und

darum nicht gerade sehr drohend lautet. Außerhalb Berlins wird man die ganze Behandlung dieser Sache wenig geschickt und wird es nament­lich auch politisch bedenklich finden, einem Minister das Leben sauer zu machen, der gerade für diese wichtige Angelegenheit, die jetzt in Preußen betrieben wird, für die Verstaatlichung der Eisenbahnen, als der richtige sich erwiesen, der die an gern ein schwierige Sache mit ungewöhnlichem Geschick anzefaßt hat. Nun, vielle cht empfindet es der Minister gar nicht so schwer, wie man ihm in diesem Handel mitgespielt hat. Jeden­falls kann er sich mit einem anderen Staatsmann trösten, der noch viel größere Aufgaben, und nicht bloß für den preußischen Staat, nicht ge­rade ungeschickt gelöst hat, und der gleichfalls nicht in der Lage ist, sich für allseitige Anerkennung bedanken zu können.

B erlin, 15. November. Der Ans chuß des Bundesrath für Justizwesen trat heute zu einer Sitzung zusammen.

Berlin, 16. Nov. Entsprichend der neulichen Ankündigung des Finanzministers Bitter erfahren wir, daß im Finanzministerium an dem Entwürfe einer Börsensteuer gearbeitet wird ; es scheint die Absicht vorzuwalten, die Börsensteuer fürs Erste für Preußen ins Leben zu ru­fen, demjeuipen BundeLstaat, der weitaus am meisten an der Börsten- steuer intereffirt ist. Wie verlautet, wird der Entwurf nicht mehr, wie es die früheren Vorlagen des BundeSraths thaten, die Schlußscheine als solche besteuern, sondern die zu entrichtende Börsensteuer soll je nach dem Umfang und der Höhe des Werthes der abgeschlossenen Geschäfte entrichtet werden. Dabei würde allerdings dem preußischen Ltaatssäckel eine erhebliche Einnahme zufallen. Die Annahme der Eisenbahnvor- lage mit einer Dreiviertel-Majorität des Hauses ist als gesichert zu be­trachten. Bon Seiten der nationalliberalen Partei wird, soweit sich dies übersetzen läßt denn ein darauf bezügl-cher Fraktionsbeschluß liegt nicht vor der Vorlage unter der vedrngunz der bekannten Garan­tien in der Weise zugestimmt werden, daß mit dem - bgeordneten Rickert höchstens 17 Nütionalliberale gegen die Annahme stimmen dürften.

(D. Mont.-Bl.)

Berlin, 16 Nov. Im Abgeordnetenhause hofft man sämmt­liche noch ausstehende erste Lesungen sowie die sogenannten kleinen Etats in den ersten Tagen der nächsten Woche zu erledigen und es sollen dann auf etwa 6 bis 8 Tage die Plenarsitzungen ruhen, um der Budget- und Eisenbahn-Commission Zeit zur Abwickelung ihrer Arbeiten zu gönnen. Man wird sich jetzt bauen überzeugen können, ob und in wie weit es vortheilhafter ist, den Schwerpunkt der Arbeiten in die Commissionen zu verlegen. Bis jetzt erklärt man sich über den Verlauf der Commis­sionsarbeiten durchaus befriedigt. Die Vorlagen des Ministers des Innern werden in etwa 14 Tagen erscheinen. Inzwischen werden auch die Eisenbahnvorlagen noch eine Erweiterung erfahren, da die Erwer­bung der Berlin-Potsdam-Magdeburger und der Rheinischen Eisenbahn mit ziemlicher Sicherheit und die der Nr Haltischen mit Wahrscheinlichkeit zu erwarten ist. Die Einbringung dieser Vorlagen dürfte sich indessen bis zum Weihnachtsfefie verzögern, so daß schon der Eisenbahnvorlamn wegen die Session sich vermuthlich bis tief in den Januar hinein er­strecken wird. (Trib)

Berlin, 14. Nov. Der französische Botschafter, Graf de St. Vallier, ist von dem Besuche des Fürsten Bismarck in Varzin gestern Abend höher zurückgekchrt.

Das Reichskenzleramt erläßt untern 12. November imR. u. St.-N." eine Bekanntmachung, betr. die Berechnung der Wechselstempel- abgabe, vrn den in außerdeutschen Ölungen ausgedrückten Kechsel- summeu. Vom 1. Dezember b. I. werden gerechnet: 1 Pfund Sterling 20,40 Mk. 1 Gulden niederländischer Währung 1,70 Wk. 1 amerika­nischer Dellar 4,25 Mk. 1 Frank, Lira Gold, finnische Mark, spanische Peseta Gold 0,80 Mk. 1 russischer Rubel 2,00 Mk. 1 österreichischer Gulden (Silber oder Papier) 1,70 Mk. 100 schwedische, norwegische oder dänische Kronen 112,50 V k. 100 spanische. Realen 21,00 Mk. 1 portugiesisch« Millers 4,50 Mk.

Das Präsidilm des deutschen Handelstages hat auf die Ta-- gkserdnung der nächsten Ausschußsitzung dir Frage gestellt, ob der Han-