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Nr. 264.
DvNnerstsg den 13. November
1872.
TagessLs««
— Berlin, 12. Nov. Ee. Majestät der Kaiser und König nahmen heute den Vortrag deS Wirklichen Geheimen Rsths v. Wilmowski und hierauf in He gen wart des Ksmmandanten militärische Meldungen entzegen. Später empfingen Ee. Majestät den Legatioms-Sekretär von K'ülcw, der die Orden seines Täters, des verewigten EtsatS-Mimisters von RAM, Muckreichte, und den nach Rom als Militär-Attachö kom» mandirten Major von Billaume vrm Generalstabe. (R. u. Gt.-A.)
— K erli«, 12. 9?mü?r. AbKevrdneleuhkus. In der heutige« (8.) Sitzung, welcher der Minister der öffentlichen tu beiseit Mahbech, sowie der Finanz-Minister Bitter uud zahlreiche Ksmmisiarien beiwohn- ten, theilte der Präsident mit, daß ein Gesetzentwurf, betr. den Ankauf der Hamburger Eisenbahn, eingegangen sei.
Darauf wurde die erste Berathung des Gesetzentwurfs, betreffend den Erwerb mehrerer Privvteisenbshnen für den Staat fortgesetzt.
— Der „R. u. St.-8." schreibt: In Folge der Ernennung des General-Lieutenants v. Bülow zum General-Inspektor der Artillerie ist der Eeneral-Liemtenamt v. DreSky, bisher Inspektor der 4. Feldartillerie- Inspection, in gleicher Eigenschaft zur 2. Feldartillerie> Inspektion versetzt und der Gemerkt Lieutenant v. 8 oifis Rhetz, bisher Direktor des allgemeinen Kriegt departements, zum Inspektor der 4. Feldartillerie- Jnspektron ernannt worden.
— Berlin, 11. Nov. Die konservative Fraction hat sich in den Borberathungen über den Gesetzentwurf betreffend den Erwerb mehrerer Privat-Eisenbahnen für den Staat geschiosfin auf den Boden Ä s SikalSnftnüahnfystcmS ßffteDt. Lsutben wurde noch der Nordd. Allg. Z. anerkannt, daß eine eingebende Prüfung der mit den bezüglichen Privat-Eifenbohngesillschaftrn abgeschlossenen Verträge gebeten ist, eben so wie bei dem petz er den Umfange des EtaatSbahnbetriebes lauteten bezüglich der Tarifgestaltung im auSgleichenden Sinne für die verschie- denen Interessen rengruppen und Vorkehrungen bezüglich der sicheren Ent- Wicklung der Stoatsstnanzen nach Möglichkeit zu treffen sind.
— Es ist nunmehr auch durch Allerhöchsten Erlaß vom 29. Oktober verordnet, daß die Richter und Etaattanwälte des Reichsgerichts eine AwtStrocht erhalten. Dieselbe wird aus einer Robe und einem Barett von Wrllstoff in karmoisinrother Farbe, sowie aus einem weißen Ha lStuche mit herabhängenden Zipfeln bestehen. Der Besatz der Robe, sowie die Bekleidung des Randes des Baretts wird von rothem Sammet fein. Der Rand des Barrels wird bei den Räthen mit zwei rothseide- »en, bei hen Präsidenten mit zwei goldenen Echnören geziert sein. Der erste Präsideut des Gerichts erhält noch überdies einen über die Schultern reichenden Fragen von rothem Sammet, dessen unteres Ende mit Pelzwerk von nordamerikanischem blauen Flachs besetzt werden soll. Am Barett desselben werden drei goldene Schnüre sich befinden. Die Ee- richtsschreiber erhalten schwarze Roben mit kaimoisinrothem Umfallkra- gen. Für die Rechtsanwälte ist dem Vernehmen nach vorerst von Einführung einer RmtSIracht abgesehen, bis dahin, daß die Rechtsarwalt- fchaft selbst den Wunsch nach einer solche« zu erkennen geben werde. £ — In Betreff der WirthschastSconcessionen hat sich der Stuttgarter GewerbedereiuSouLschuß, von dem Vorstände der Stadt zu einer Aeußerung aufgeforbert, einstimmig für Beschränkung ausgesprochen, und zwar sowohl im wirthschaftlichen als sittlichen Interesse Stuttgarts. Es kommt aus 140 Personen oder circa 50 Männer eine Wirthschaft in Stuttgart.
— Die Ausschüsse des Bumdesraths für Verfassung und für Rechnungswesen haben sich einstimmig dafür erklärt, daß die Etaksperiode des Reichs statt einer einjährigen eine zweijährige wird. In Betriff einiger anderen Punkte der betreffenden Prösidialrorloge machte sich eine geringe B einungsverschiedenhett geltend; jederch kamen die Ausschüsse zu dem Beschluß, den Gesetzentwurf, welcher Aenderungen in der Verfassung bezweckt, dem BundeSrath so zu empfehlen, wie demselben die Vorlage zu gegangen ist.
— Gegenüber den in den Zeitungen enthaltenen verworrenen ' Nachrichten über weitere Schritte zur Herbeiführung einer handelspolitischen Vereinbarung zwischen Deutschland und Oesterreich erfährt die „Köln. Z.", daß die commrsjarischek Besprechungen in der zweiten,
Hälfte dieses Monats zwischen den beiderseitigen Bevollmächtigten beginnen werden.
— Breslau, 12. Nov. Bei der heute hier stattgehabten Ersatzwahl zum preußischen Mgeordnterüause erhielt Etadtrattz Severin (nat.« lib.) 432 und Iustizrath Freund (Fortschritt) 249 Stimmen; der Erstere ist somit gewählt. (Fr. II.)
— Einer der „M. Ztg." aus Straßburg ziehenden Mittheilung zufolge verlautet, daß der Statthalter v. Manteuffel beabsichtige, versuchsweise und auf Widerruf in Beziehung auf die Presse eine größere Freiheit zu gestatten, derart, daß die Gründung von Zeitungen keinen exceptionellen Beschränkungen mehr unterliegen soll, und ferner mehreren bisher verbotenen Zeitungen und Zeitschriften der Postdebit wieder ein« geräumt wird.
— Wien, 12. Nov., Abends. Meldung der „Polit. Corr." aus Konstantinopel: Nach dem in dem gestrigen Ministen athe erörterten neuen Finanzplane würden die Borschußgläubiger in Galata und die auswärtigen Gläubiger verschiedene Steuern pachbn, so wie die Tabak« und Calzregie für die Regierung verwalten unb sich du durch bezahlt machen; vcn auswärttzen Gläubigern würden überdies Beträge aus den Einkünften Cyperns uud RuwelienS zugewüsen. Die Gläubiger in Galata würden anderweitig besrndigt, und mit den auswärtigen Gläubigern unter deren Zustimmung neue Bereiubmungen wieder eingegan« gen werden, wodurch die Zölle für eine neue Finanz-Combination ganz frei würden.
— Wien, 12. Nov., 5 Uhr. 5 Min. (Privatdp. der „Franks.Z."). Der Zarewitich mit Gemahlin und das dänische Königspaar zeigten offiziell ihre Aukunst für morgen an. Sämmtliche steigen in der Hofburg ab; eine offizielle Mission soll der Zarewitsch nicht haben, doch sehen die dipIsmattschen Kreise in d m Besuch einen Beweis, daß Rußland aufrichtige steundschastliche BezieLungsN mit Oesteireich herzustellen wünscht, weil man glaubt, der Charakter bei Zarewüsch verbiete diesem eine bloße Freundschaftskomödie!!
— Paris, 12. Nov. Das Zournal „Temps" meldetHestern Halte Eambetta eine Unterredung mit dem Präsidenten Grövy; sie unterhielten sich lange Zeit über verschiedene Fragen der inneren und äuße- ren Politik, hinsichtlich welcher beide Männer dem Vernehmen nach sich in vollem Einverständnisse befinden.
— London, 10. Nov. (Nllg. Corr.) AuS Belfast wird eine entschiedene Besserung in der Leine«'Industrie dieser Stadt und des nördlichen Irlands gemeldet. In mehreren großen Fabriken Belfasts find in Folge dessen die Aibeitslöhne um 10 pCt. erhöht worden.
— London, 11. Nov. Bei dem gestrigen Lordmayorbanket beantwortete der deutsche Lvischaster Graf Münster den Toast auf die Vertreter des AuLlands. Er hob hervor, kein Fü^st wünsche sehnlicher den Weltfrieden erhalten zu sehen, als der deutsche Kaiser; kein Land würde mehr erfreut fein, die Welt eine FriidenSära genießen zu sehen, als Deutschland. Lord BeaconSfield betonte das befriedigendere Aussehen der öffertlichen Angelegenheiten, die bedeutende Wiederbelebung des Handels, die andauern werde, weil sie universell sich zeige, und hob die Wichtigkeit bet Steigerung des ©Überpreises hervor. Die Militärr- schen Lperatirmn in Mriteiasieu hätten die Noedwestgrenze geflä-kr, den britischen Einfluß wiederhergestellt, die Suprematie der britischen Soffen gesichert. Der Krieg in Südafrika habe die dortigen Kolonien die Surft der Selistveriheidigung gelehrt, worauf sie künftig hauptsächlich angtwiesen seien. Die auswärtigen Beziehungen anlängend, habe er nichr blos die Hoffnung, sondern den festen Glauben an die Erhaltvng deS FriedenS, weil der Frieden für alle Großmächte eine Nothwendigkeit fei; er stütze diese Ueberzeugung nicht auf so untergeordnete Rücksicht, wie etwa die Nothwendigkeit, die Hilfsquellen des Landes zu schonen. Er wisse, die Mächte Eurrpas lief en sich von viel erhabeneren Erwägungen beeinsirsfem. Wenn er die Erhaltung des Friedens an- nehme, fetze er gieret fertig voraus, daß keine Großmacht vor ihren 83er» antwonlichkeiten zurüerstrecken werde. Wenn beispiklswe«st England in Folge verkehrter Deutung seines geographrfchen, insularen Charakters den Schicksalen des sestlaudiechen Eulopas ein gleichmütiges Ohr schenke, so sei er überzeugt, daß dreß England in Gefahr bringe. Ter Friede bleibe aus einen langen Zeitraum erhalten, wenn die Mechr und die Rathschläge Englands im Rathe Europas beachtet würden. Er wolle