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Zugleich Amtliches Organ für Kreis und Stadt Hanau.

Erscheint täglich mit AusnshMe der Ss»n- und Fpierta ^ mit beZ-ÄistWei- Beilage, und SamtzWs mit der Berliner Provinzial-Sorrespondmz

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Nr. 259. Freitag den

7. November LE^.

Amtliches.

Zur Vornahme der ersten Prüfung der Aspiranten für den ein« jährig freiwilligen Militan dienst des Jahres 1880 ist als Ansanas- Termin der 1. März 1880 festgesetzt wer den. Diejenigen jungen Leute, weide an dieser Prüfung Theil nehmen wollen, haken ihr deshalbiges Gesuch spätestens bis zum 1. Februar 1880 bei der unterzeichneten Commission einzmeichln und in demselben anzugeben, in welchen zwei fremden Sprachen sie geprüft zu sein wünschen.

D m bezüglichen Gemche sind beizufügen:

1) ein GeburtSzeugniß;

2) ein un ter schriftlich blg^ünligiks Einwillitzungs-Attest des Vaters oder Vormundes mit der Erklärung über die Bereitwilligkeit und Fähigkeit den Freiwilligen während einer einjährigen ac­tiven Tienstzeit zu bekleiden, auszmüstkn und zn r er pflegen;

3) ein UnkescholtenLeits-Zcu! niß, welches sür Zöglinge von höheren Schulen (Gymnasien, Realschulen, Progymnafien und höheren Bürgerschulen) durch den Director der Lehranstalt, für alle übrigen singen Leute durch die Polizei-Obrigkert des Wohnorts oder ihre Vorgesetzte Dienstbehörde auszustellen ist und

4) ein von dem Candidaten selbst geschriebener Lebenslauf.

Die unter 1 bis 3 genannten Atteste müssen im Original eingereicht werden.

Gaffel am 27. Oktober 1879.

Königliche Prüfnngs - Commi ssion für Einjährig- Aräwrllige.

Wird veröffentlicht.

Hanau am 5. November 1879.

Der Landrath.

Von heute ab bis zur Beendigung der Messe ist das Gefahren der Fehrgasse und Hammergcsse zw,scheu der Langstraße und dem Paradlp'atz, der Ssiingesie zwischen der Steinheimerstraße und bem Paradip atz, ferner der Straßen auf der Süd- und Westseite des Pa- radeplatzes bei 1 Mark Strafe untersagt.

Hanau am 7. November 1879.

Der Landrath.

Rundschau.

R. F. Aus den Berliner Hofkreisen erfährt man, daß die Ge­sundheit und Kräfte des Kaisers dauernd die besten sind. Während der Hosjagden in Ludwigkluft zeigte sich der Kaiser als einer der rüstigsten Jäger und heimgekehrt nach Berlin, hat sich der Monarch mit altge- wohntem Eifer ben Regierungsgefchäsien gewidmet und tagtäglich größere Verträge von Ministern, Eeneralen und den Chefs des Militär- und Civillavineis entgegingenorrmkn. Am Sonnabend Ncchmitiag hat der Kaiser auch die neuerwählten Präsidenten unseres Abgeordnetenhauses, die Herren v Stößer, v. Breda und v. Heerewann, empfangen und den­selben gegrillter die Hoffnung ausgesprochen, daß die Berathungen des Abgeordnetenhouses einen günstigen Verlauf nehmen möchten. Am Dienstag hatte der Kaiser Wilhelm bei Gelegenheit der Trauerfeierlich- ketten zu Ehren des verstorbenen Generals v. PodbielLki eine tiesweh- wüthige Stunde. Er stand am Sarg, eines jener wackeren Generäle, die an der Seite ihres Kaisers und Königs die großen gelbgüe e mit­geleitet hatten und in dem Bewußtsein, daß schon wieder einer jener Braven ihm vo.auLgegangrn war, konnte der Kaiser seine Rührung nicht verbergen.

Dem Lerlinir Hofe soll in diesen Tagen ein bedeutsamer Gesuch bevorstetzen. LaS russische Ihronsolgerpaar, welches in dem französi­schen Badeorte CaineS der Kaiserin von Rußland einen Gesuch abge­stattet hat, Wirb seine Heimreise über Paris und Berlin bewerkstelligen, möglicherweise besinnt sich der Groß-Thronfolger im letzten Augenblicke aber noch anders.

Eine Ruhepause ist es nicht, welche wir auf dem Gebiete unserer inneren Politik zu konstatiren haben, wohl mußten wir aber für letzte Woche eine Art Zwischenpause durchleben. Der Bundesrath läßt zur I Zeit nur seine Ausschüsse arbeiten, vom Landtage hat sich das Herren- i Haus auf unbestimmte Zeit vertagt und das Abgeordnetenhaus hat sich 1

in das Studium des Etats vertieft, der den Landboten von dem Finanz- minister Bitter überreicht wurde.

Am Montage Nachmittag ist in Berlin die erste ordentliche evan- geli'che Generalchnode von hm Vorsitzenden derselben, dem Grafen von Arnim-Bmtzenburg, geschlossen worden. Es ist ein sehr rerchhalÜKes Material, welches die Generalsynode berathen hat, so daß wir auf alle die betreffenden Borlagen und Anträge hier nicht eingehen können. Am stärksten machte sich auf der Generalsynode das Bedürfniß geltend, ge­genüber dem Civilstandsgesetz, zumal was die Trauungen anbetrifft, den alten kirchlichen Einfluß wieder zur Geltung zu bringen und außerdem wurden wichtige Beschlüsse gefaßt zur Psarrwatzlordnung, theologischen Prüfungssrlnuns und zur Kirren und Synodalordumg.

In Folge der Adreßdebatten im öst-rreichischen Reichsrathe, die nicht allein im Sinne des Ministeriums Tasse ausfielen, glaubte man einer Krisis im österreichischen Ministerium entgegensehen zu müssen, aus verschiedenen Wiener Nachrichten ist jedoch zu erst hm, daß der Minister­präsident Graf Taafe das Regieren urch weiter probiren will.

Bei allen Porleistreitigkeiten, welche gegenwärtig in Frankreich sehr lebhaft sich äußern, verliert die gr^ße Nation das gesteckte Ziel bezügl. der Wehrkraft Frankreichs nicht aus den Augen, um baldigst der Wacht Deutschlands nicht nur gleickzukomn en, sondern lechft über­legen zu sein. Das frargöfitoe Kri-gsmintsterium beeilt sich die bei den großen Herbstmanövern erkannten Mängel und Mißstände in der französischen Heere sorg anifativk zu beseitigen Vor Allem handelt es sich natürlich um eine Vermehrung der Friedensstärke bezüglich der Infanterie, und da die Marinetruppen als solche gegen Deutschland nicht verwerdkar genug sind. sollen dieselben der Landarmee einverleibt werden. Zu diesen und noch verschiedenen anderen Projekt rten Verbes­serungen bedarf es der Sanction des Parlaments, und sollen die Com- mifsionen zur Prüfung der Verbesserungsvorsch äge des Krie-^Ministe­riums sobald als möglich zusammentreten, damü he Reformen noch vor Eintritt des nächsten Frühjahrs durchgeführt werden können. Lei den wieder häufiger werdenden ArbeitSein- sie Bungen von Handwerkern verstehen sich die Arbeitgeber meist zu der geforderten Lohnerhöhung bis zu 1 Frc täglich.

England muß durch die Haltung des neuen türkischen Ministeriums nicht sonderlich erbaut sein, da es sich veranlaßt gefeh n hat au s Neue ein Geschwader in den türkischen Gewässern zu postire«. Der englische Botschafter, Layard, vom türkischen Minister des Lusw8rtsi.cn über die Ankunft des Geschwaders befragt, erklärte, das Geschwader werde vor­läufig unbeweglich in Vurla bleiben, könnte sich aber später leicht nach einem anderen Punkte begeren, da England der Ur tridrückung der Christen in bin asiati/chen Provinzen der Türkei nicht ruhig zusehen könne und auf der Durchführung der Reformen in d »selben bestem werde. Eine solche Sprache dürfte sowohl für die Regierung in Kon- siantinöpel, wie auch für diejenige in St. Petersburg nicht minder vec- ständlich fein wie die bekannte Banketrede Lord Salrsburh's.

Die Tagesprtsse hat sich von j?tzt an mit einem Parlament mehr zu befassen. In Bulgarikn ist die erste gesetzgebende Versamm­lung em 2. November vom Fürsten eröffnet worden In der Thron­rede erwähnt der Fürst zunächst seine Besuche, die er bei demgroß­herzigen Czar-Befreier" und den Höfen der anderen GicHmächte abge- stattet und überall die beste Aufnatme gefunden habe. Sodann hebt er die Schwierigkeiten hervor, mit der die neue Regierung zu sümpfen gehabt habe, eh' sie sich in konstitutionellen Formen orgaräfireu sönne. Gleichwohl fei eS der Regierung gelungen, in der kurzen Zeit mehrere Gesetz-Entwürfe auszuarbeiren, weiche der Versammlung zur Genehmig­ung vorgelcgt wer bin sollten. Und in der That erstaunt man über bte Fülle des gebotenen Gefetzes-Biaterials, denn nicht weniger als 17 Vor­lagen über die wichtigsten F agen des Landes zählt die Thronrede auf, und da erscheint die Bitte whr gerechtsertigt, welche der Fürst schließlich an die Abgeordneten richtet: daß sie die Zeit nicht mit unfruchtbaren Berathungen verlieren möchten. Der Fürst wurde enthusiastisch em­pfangen und bei Verlesung der Thronrede wiederholt durch Beifallsrufe unterbrochen.

LagesschKK».

Berlin, 6. Nov. Se. Majestät der Kaiser und König nah-