1464
daß solche Münzen im Betrag von 5 Millionen Mark eingezogen und in Ein- und Zweimarkstücke umgeprägt werden sollen und daß bei der Bertheilung nach Maßgabe der Vorschriften deS Münzgesetzes bezüglich der einzelnen Münzstätten zu verfahren sei.
— Die zur Beiwohnung bei den diesjährigen französischen Manövern kommandirten preußische« Offiziere sind (so berichtet die Bost) zu ihren Truppentheilen zurückgekehrt und sprechen ihre vollste Aner« kennmg über die ihnen zu Theil gewordene Aufnahme aus. Sie sind von den betreffenden Generalen in einer Weise behandelt worden, welche im Stande gewesen wäre, bei den anderen Offizieren fremder Staaten eine geseifte Eifersucht hrrvsrzurufen. Namentlich wird General v. G«l- lifet genannt, der die preuß. Offiziere stets in seine ««mittelbare Nähe zog und durch seine Führung und Erklärung, durch sein genauer Eingehen in militärische^Dinge, namentlich über die Eigenthümlichkeiten und Abweichungen zwischen französischer und deutscher Truppenausbildung und Führung seine hohe Achtung vor der preuß. Armee bekunde» wollte. Das Urtheil über das Gesehene entzieht sich selbstverständlich der öff. Mittheilung. Dagegen braucht nicht verhehlt zu werden, daß die Berichte über das Entgegenkommen seitens der französischen Truppenführer aus den Kaiser den günstigsten Eindruck gemacht haben.
— S. M. Kanonenboot „Nantilus", 4 Geschütze, Kommandant Kapt.-Lt. Chüden, ist am 4, November cr. i» Sidney eingetroffen. — Dortselbst lag zu gleicher Zeit S. M. Kbt. „Albatroß", 4 Geschütze, Kommandant Korv.-K-pstän Mensing I
— Die „Köln. Ztg." schreibt: Wenn auch Fürst Bikmarck wiederholt an empfindlichen Schmerzen leidet, so ist es doch, wie Erkundigungen aus zuverlässiger Quelle ergeben, durchaus übertrieben, von einer bedenklichen Krankheit zu reden. Gah scheinlich zieht man aus dem Umstände, daß der vor zehn Tagen nach Varzin berufene Hausarzt des Fürsten bis jetzt daselbst verweilt, zu weitgehende Folgen. Ein solcher längerer Aufenthalt des Geh. Raths Dr. Struck bei dem auf seinen Gütern weilenden Fürsten ist indeß nichts Ungewöhnliches, da Letzterer auch bei seinen gewohnt m kleineren Leiden den altbewährten Hausarzt nur ungern ent Zehrt.
— Posen, 3. Novbr. Bei der Nachwahl zum Abgeordnetenhaus- wurde Stadtrath Zelle (Berlin, Fortschrittspartei) gewählt.
— In Arnswalde bei Landsberg a. W. herrscht augenblicklich ungeheure Aufregung. Der dortige Bürgermeister Wilhelm Rath, ein Mann, der sich des allgemeinen Ansehens erfreute und das größte Vertrauen genoß, ist plötzlich spurlos verschwunden. Bei der Revision der von ihm verwalteten Kassen hat sich ein nicht unerheblicher Defekt herausgestellt. Aber nicht allein die von ihm verwalteten Kassen, auch eine Menge von Privatpersonen sollen in Mitleidenschaft gezogen sein. Der Untersuchungsrichter bei dem Landgerichte Landsberg a. W. hat bereits unterm 27. Okt. Steckbriefe hinter dem Flüchtling, einen früheren Polizeilieutenant, erlassen. (M. Tgbl.)
— Hohenstein. Am Sonntag Nachmittag haben wirklich in der Nähe des Ärünaer Schießhauses Versuche mit dem Flügelluftschiff des Herrn Oberförster Baumgarten stattgefu^den und sollen, wie der „Hohenfteiner Anzeiger" mitthrilt, als gelungen zu bezeichnen sein, da das Luftschiff seinen Weg nicht mit der vorherrschenden Luftströmung nahm, sondern es wurden vorgeschriebene Wendungen mit demielbe« ausgeführt. Es soll nun ein größerer Versuch gemacht werden.
— Wien, 4. Nov., 4 Uhr 30 Min. (Privatdp. der „Franks. Z.') Depeschen aus Konstantinopel bestätigen, daß die englische Flotte ihren Cours nach den syrischen Gewässern genommen habe. Baring und Blig- möres sind abgereist. In der Frage der Hypothekargläubiger beharrte Oesterreich auf seinem Mandpunkt, dagegen fand bezüglich der Liquida« tionS- und Controlkommission eine Annäherung statt.
— Gegen die Reden und Beschlüsse des Marseiller Arbeiter-Con- grestes ist nach der „D. R.-P." bereits von mehreren Arbeitervereinen öffentlich Einsprache erhoben worden. So heißt es in einem solchen Schriftstück, welches die Unterschrift von nahezu tausend Arbeitern, die in und um Chamböry wohnen, trägt, „daß sie Niemand beauftragt haben, sie in Marseille zu vertreten; daß sie von den socialistischen Theorien, die in ihrem Namen (von dem Bürger Salorrso») aufgestellt worden sind oder nicht aufgestellt werden könnten, nichts wissen wollen, da sie im Gegentheil weit entfernt, Spaltungen mit der Bourgeoisie herbei« zuführen, bemüht find, alle Schattirungen der demokratischen Partei so zu gruppiren, daß die Regierung der Republik und die LandeSvertretung dadurch gestärkt wird."
— Paris, 4. Novbr. Der Präsectur-Rath des Seine-Departements annullirte die Wahl der Amnestirten Humbert zum Pariser Municipalrathe.
— (Die Ueberschwemmungen in Spanien.) DieUeber- schwemmung, welche am 14., 15. und 16. Okt. d. I. die span. Provinz Murcia heimgemcht, hat nach amtlichen Mittheilungen weit größeren Schaden verursacht, als man bisher angenommen hat. Wie aus Madrid berichtet wird, sind 4/s des Ackerlandes vernichtet und von 50,000 Landleuten, welche die Provinz zählte, sind 3000 verschwunden, welche ihren Tod in den Fluthen gefunden haben. Die Provinz Murcia hat wieder
holt durch die Ueberfluthungen des Flusses Se^ura zu leid-n gehabt Am 3. Okt. 1715 wurden dadurch in der Stadt Murcia 600 Häuser und in Orchuela das Stadtviertel St. Augustin fortgerissen. Weit-re furchtbare Verheerungen durch die Geaura faaben sta-t am 13. Okt 1773, 20. Okt. 1775, 15. Okt. 1797, 17. Oft. 1833. Doch scheint ke diesjährige Sturmfluth alle frieren an Unheil übertroffen zu haben 3500 Häuser, 129 Mühlen, 4 Kirchen und viele Brücken sind fortae- rissen worden. Man beschäftigt sich mit der Erforschung der Ursachen dieser wiederkehrenden elementare« Ereignisse und glaubt dieselben darin entdeckt zu haben, daß Luftmassrn, durch Südwestwinde fortgetrieben, über die Meere zwischen den Wendekreisen hinströmen, wo sie mit einer ungeheure« Qualität Dünste gesättigt werde«. Zwischen den Kanarischen Inseln und dene« des Kap Bert durchgehend, werfen sie sich, nachdem sie die Küsten von Afrika bestrichen, auf den äußersten südl. Theil von Spanien, wo sie eine rasche rmd tiefgehende Veränderung erleiden. 3« gewitterschwangere Wolken umgebildet, ziehen diese mit Elektrizität erfüllten Dämpfe über den Spitzen der iberischen Gebirgskette hin. Der Kamm der Felsen die Gipfel der harzigen Minien veranlassen rasche «nd gewaltige elektrische Entladungen, welche die Wolken in allen Rich- tungen zerreißen. Dann stören mächtige Regenströme, Wasserhosen gleich, in das Bett der Bergbäche, welche in dir Flüsse Matzera, Mundo, Segura, Quipar usb Gangonera ausmÄnden Gegenwärtig noch, unter der unmittelbaren Wirkung der Katastrophe, spricht man davon, wie der Madrider Korrespondent der N. N. Z. mittheilt, ein Netz von Blitz- Kbleitern zu errichten, die in geeigneter Weise auf dem Kamme der Gebirge aufgestellt, den Regen modifiziren und regeln und dadurch auch die hydrometemischen Bedingun^n modifiziren würden. Ein reicher Euttbesitzer der Provinz Huesca, Olivier, hat bis zur E-eidenz die Wirksamkeit dieses Schutzmittels bewiesen. Jedes vierte Jahr waren seine Weinberge entweder durch Hagel oder durch gewaltige Regen ver- kästet worden. Vermittelst Blitzableitern, die er nach wissenschaftlichen Grundsätzen aufstellte, gelang es ihm, die Geißel seiner Besitzungen ab« zuwenden. 8s steht aber zu befürchten, daß die Projekt-, als Blitzableiter, Tieferlegung der Müsse, Berufung und Wrederbeholzung der Berzabhänge und Thal sperren, womit sich augenblicklich die gelehrte» Murcianer beschäftigen, eben nur schöne Pläne bleiben werden, sobald der erste Schrecken Wer die Katastrophe vergessen ist. (Schw. Merk.)
— Kiew, 3. Nov. Das Kriegsgericht hat in dem hier verhandelten Processe gegen neun wegen politischer Verb rechen Angeklagte das Urtheil gefSÄt. Durch dasselbe sind der Angeklagte Krzanows'y zum Tode durch den Strang, Schirkau und Kasalschzswsky zu 10 Jahren Zwangsarbeit, Turowitsch zu 6 Jahren Zwangsarbeit, Ävljansky und Stopansky zu 4 Jahren ZwangsÄrbeit, Orlowsky zu 1 Monat Arrest und Gunadst und O^itzky zu 7 Tagen Arrest verurtheilt. Dem Angeklagten Stopansky wurde zugleich eine Milderung seiner Strafe in Gefängnißhaft in Aussicht gestellt.
— Trieft, 3. Novbr. Der Lloyddampfer „Austria" ist heute Vormittag mit der ostmdisch-chinefischen Ueberlandpost aus Alexandrien hier eingetroffen.
— N e w - N o r k, 3. November. Der Dampfer des Norddeutsche» Lloyd „Weser" ist hier angekommen.
Lokales.
Hanau, 5. November 1879.
— Zur Personenstands-Aufnahme Zwecks Veranlagung der Klassensteuer für das Jahr 1880/81 werden (wie schon mehrfach in den hiesigen Lokalblättern öffentlich besannt gemacht worden) in allernächster Seit den Hausbesitzern oder deren Stellvertretern die Listen behufs Lin- tragens sämmtlicher Hausbewohner zugehen. Als Tag der Eintragung m höheren Orts der 12. November bestimmt; am 13. werden geholt auSgefülltru und unterschriebenen Listen wieder af-
— Nächsten Samstag Nachmittag 2»/, hält der Direktor der Win- terschule zu Marburg, Herr Dr. Hesse, einen Vortrag über die Grün d- züge des Molkerei Wesens (richtige Behandlung der Milch zur Butter- und Käsebereitung). Diesen Vortrag hatte Herr Dr. Hesse schon vor emtgen Wochen zu halten in Aussicht gestellt, ließ ihn aber damals, weil durch Zufall viele Landwirthe am Erscheinen abgehalten waren, ausfallen und sprach über ein anderes nicht weniger interessantes Thema. Hoffentlich wird nächsten Samstag der Besuch des Bortrags ein sehr zahlreicher sein und hoffentlich finden sich dazu auch recht viele Frauen ein, zu deren Ressort der Inhalt des VortragS ganz entschieden gehört; Zeit ist jetzt vorhanden, die landwirthschastlichen Arbeiten ge- statten einen Tag Aufschub. — Wer schon Gelegenheit fand Herrn Dr. Hesse über irgend ein Thema, aus dem der Landwirth Nutzen ziehe» kann, sprechen zu hören, fühlt sich gewiß angezogen auch die Gelegenheit nächsten Samstag nicht zu versäumen, denn der Herr Redner ver-
es wie selten Jemand, bei einer höchst belehrenden und doch so leicht faßlichen Vortragsweise die Aufmerksamkeit der Zuhörer bis zum letzten Augenblicke zu fesseln. — Der Vortrag findet im Gasthause zum »goldenen Löwen" (Vorstadt) dahier statt.
A