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Kabul (Seinen auch nur spärliche Resultate zu liefern, da die Tinwoh- «er KabulS aus Furcht vor der Rache des einheimischen Militärs nach Abzug der Engländer sich gegen letztere schweigsam verhalten. — Die Sorge der englischen Regierung um das unterworfene Zululand hat wenigstens bestimmte Formen angenommen. Nach einem von Colonial- Minister Beach im CabinetSrath vorgelegten Plan foH das Zululand ein Bollwerk zwischen dem civilisirten und dem uncivilifirten südlichen Afrika bilden. An die Häuptlinge, die das Land unter einem Chef und nach dm Vorschriften der Engländer regieren sollen, will man 5 Jahre lang jährl. 200,009 Pf. ®trL Subsidien zahlen zur Anlage von Stra­ßen, eines Hafens und anderer zur Entwickelung des Landes nsthwen- diger Bauten Nach Verlauf der 5 Jahren glaubt man, würde das Land selbst die Mittel zu einer geregelten Verwaltung aufbringen.

Als ein weiteres bedeutsames Kennzeichen, wie tief die radikalen Ideen in die Sch'.ch en der Bevölkerung Frankreichs eingedrungen sind, kann die Feier der Eheschließung des vielgenannten Communarden Hum- bert mit der Schwester des Redacteurs der „Marseillaise", Lepelletier, angesehen werden. Derselben wohnten fast sämmtliche Notabilitäten der Communardenpartei bei. Der Maire von NeMy, welcher die Schlie­ßung der Cwilehe vollzog, hielt eine Ansprache, in der er Humbert als einen Helden feierte und seine besondere Befriedigung über dessen anti­religiöse Haltung ausdrückte. — Auf dem Arbeiter-Congreß zu Mar­seille werden von den sozialistischen Rednern die letzten Ziele der radi­kalen Bestrebungen essen ausgesprochen und erklärt, daß nur eine Revo­lution des Pruletaria-s gegen die Bourgeoisie helfen könne. Im sranzös. Ministerrathe wurde beschlossen, erst nach Beendigung der Marseiller Kongresses eine Entscheidung zu treffen, ob die gerichtliche Verfolgung einzelner Redner angemeff n fei.

Zu Italien sucht man nach einem Trosts für die Niederlage, welche die italienische Diplomatie bezüglich der ägyptischen Frage von Seiten Frankreichs und Englands erlitten hat, und glaubt diesen Trost darin zu finden, daß angeblich dadurch eine Annäherung Italiens zu Deutsch­land und Oesterreich erfolgt sei. Für Jt-lien sei bei der heutigen Si­tuation Europas, wo alles ungewiß und schwankend sei, Sammlung und Ruhe das Klügste, es wünsche keine besonderen Nll-anzen, sondern nur die Erhärtung freundschaftlicher Ieziehunzen mit Allen. — Ob diese freundscha tl-chen Erziehungen aber von langer Dauer sein werden, wenn die italienische Regierung die Demonstrationen der Garibaldianer ferner so ruhig mit ansieht wie bisher, dürfte doch zu bezweifeln fein.' So forderte in neuester Zeck der Oberst Canzio, Schwiegersohn Maribaldi's, durch einen „Tagesbefehl" die „italienischen Schützen" zu einem UebunZs- schießen auf und zu dem Schwur, mit ihrem Blute für die Befreiung Trieft's und Trient's von eer österreichischen Gewaltherrschaft einzu- treten.

In Rußland treten die nihilistischen Bestrebungen wieder mehr in den Vordergrund. D:e Mitglied-r der gemäßigteren Partei haben sich von den Ext emen getrennt und eine gegen die Staatsgewalt gerichtete Gesellschaft gestiftet. Die beib.it Richtungen befehden sich mit großer Erbitterung unter einander. Die alte Partei hat ein neues Blatt, „Der Bolkswiüe", zu verbreiten gewußt, welches neben den üblichen Schauer- Artikeln Correspondenz n und beunruhigende Nachrichten von Brand­stiftungen u. s. w. enthält.

Der rumänische sumst-r des Auswärtigen hat eine Circularde- Pesche an die « rtreter Rumäniens bei dem Berliner (Songreffe gerichtet, in welcher mit Genugthuung konstatirt w rd, daß die Annahme d^s ver­änderten Artikels 7 d r rumänischen Verfassung die Geister beschwichtigt und große Gefahren abge-vendet habe. Die Regierung hoffe, daß die Signaturmächte dieser Lösung der Jadenfrage zustimmen würden.

T K g K A § $ ß

— Berlin, 3. November. (Telegraphischer Specialbericht des „Franks. Journ.") Bei dem Empfang einer Deputation der General- synode am 27. Oktober äußerte Kaiser Wilhelm, er sei mit der ge­mäßigten kirchenpolitischen Richtung einverstanden. Er sei über die Vorgänge in der Generalsynode genau informirt, seinen Beifall, be­treffs der Simultanschale habe besonders die Rede Schrader's aus Königsberg gehabt, er wolle dieselbe sich noch einmal wörtlich vorlesen lassen. — Bei der Wahl des sechsjährigen Gmeralsynodal-Vorstandes wurde die Linke (Protestanten-Verein) principiell ausgeschlossen, ebenso bei der Wahl des Syaodalrathes. Die Generalsynode ist geschlossen worden. — Eine Allerhöchste Kabinetsordre ernennt General v. Fran- seu.j zum Gouverneur von Berlin, den Statthalter Manteuffel zum commandirenden General des 15. Armeecorps.

m ~ Berlin, 3. Novb., 9 U^r Abends. Der Kaiser hat dem PrasrvlUM des Abgeordnetenhauses gegenüber noch bemerkt, daß laut rhm vom Statthalter v Mantruffel zugekommenen Mittheilungen die wbuftndLn und wirthschastlichea Berhaltniffe der Reichslande sich merf- ltch anfMMN zu lessern. — Nach der „Nationalzeitung" steht die An- ruüft des russischen Großfürsten Thronfolgers und dessen Gemahlin, die soeben von Canms in Paris eingetroffen sind, Ende dieser Woche hier zu erwarten. — Zum Zwecke einer künstlerisch möglichst befriedigenden

Ausstattung der demnächst anzufertigenden Reichsbanknoten ist eine Con- eurrenz unter einer Anzahl bcwährter Künstler ausgeschrieben worden und es zahlt auch Abg. Reichensperger zu der Jury, welche über die einlaufenden Entwürfe zu befinden haben wird. (Frkitr. Zig.)

— Bekanntmachung auf Grund des Reichsgesetzes vom 21. Ottdr. 1878. Nach dem « St.-A." Nr. 255 wLn unterm 29. OktoL verboten die Nummern: 4. Le Pdril social, 5. Le Combat pour la Vic, 6, La Sociätä devant les Tribunaux, und 7, La Question sociale der von der Librairie du Progres in Paris herausgegebenen, 2 Mal im Monat erscheinenden periodischen Druckschrift: „Questions sociales, a la Portde de Tous par un Komme du Peuple*.

— Der „R. u. St.-A." enthält eine Allgemeine Bkrfüquna des Herrn Justiz-Ministers vom 29. Oktober 1879, betr. die Dienst- und Geschäftsserhältnisse der Rechnungsrevisoren.

— 4. Plenarsitzung des Hauses der Abgeordneten am Dienstag, den 4. Novcmber 1879 Mittags 12 Uhr. Tagerordnung: Wabl von 3 Mitgliedern zu der statistischen Centralkommission. — B-rathung des Rechenschaftsberichts über die weitere Ausführung des Gesetzes vom 19 Dezember 1869, betreffend die Konsolidation Preußischer Staa sMeihe^ — Erste Berathung des Sefetzentwsrf«, betreffend 'das Verfahren in Auseivandersetzungsangelegenheite«. — Erste Berathung des Entwurfs eines Feld- und Forstpobzngesetzes.

— Der Kultusminister hat Vorschriften für die Stud'renden der Universitäten erlassen, die mit dem 1. Oktober in Kraft getreten sind. Dieselben behandeln die Aufnahme und den Abgang der Stubiren^en die Vorlesungen, die rechtliche Stellung und die akademische Disziplin' Durch diese neuen Vorschriften sind die alten akademischen Vorrechte auf ein Minimum rebucht Dieselben besagen, daß die Eigenscha i n ein-s Studirenden keine Ausnahme von den Gestimmu-gen des allgemeinen Rechts begründen und die Studirenden in privaten Rechtsangsleg-nh°i- ten wie in Strafsachen der ordentlichen Gerich:36a .feit unterworfen seien. Nur in ihrer Eigen schaft als Studirende stehen sie unter akade­mischer Disciplin. Die Disc plinarstrafeu bestehen j tzt in Verweis, Geldstrafe bis z« 20 Mark, Careerfttafe bis zu zwei Wochen, Nr^tan- rechnung des laufenden Halbja rs auf die vorgeschriebens Studienzeit. Unterschrift des Consilium abeundi, Ausschluß von Universitätsstudien (Relegation), Entfernung von der Universität. Mit der Relegation ist der Ausschluß von allen anderen Universitäten verbunden Vereine und Versammlungen der Studirenden unterliegen bin allgemeinen Landesae' setzen und einigen besonderen bisher schon geltenden Bedingungen.

— S. M gedeckte Korv.tte „Vineta", 19 Geschütze, Kommandant Kapckän zur See, Zirzow, ist am 29. Oktober er. von Plymouth nach Madeira in See gegangen. — S. M. Kanonenboot „Nautilus", 4 Ge­schütze, Kommandant Kapt. Lt. Chüden, ist am 23. Sept moer er. von Batavia nach Sidney in See gegangen.

— In Dortmund brach ein dortiger Bürger, der eben von einer kleinen Reise zurückkehrte auf dem Markts zusammen. Der herbeiae- rufene Arzt konstatirte eine Nikotin Vergiftung, welche sich der Bürger durch das Rauchen zu starker Cigarren zugezogen hatte.

— Madrid, 2. Nsi. Die Veroind'unzsn zwischen Valencia und Barcelona sind wieder herg-stellt; die ungünstige Witterung dauert noch immer fort, am Waffe:staude des Ebrs ist jedoch jetzt ein erheb­liches Sinken wahrzunchmen.

— Die Räpubüq :e Fra^aise will wissen, „daß der Vanslawismus aus der Balkanhalbiniel wehr denn je wühle und daß er ein Bündniß zwischen Bulgarien und Serbien zu Stande zu bringen suche". Die Räpubliq ie fordert die zu vertrauensvoll-n P llitiker auf, die Zustände in Bulganen zu studiren: „Die diplomatischen Ereignisse der letzten Zeit und „die Lage, welche dem Reiche des Zaren geschaffen wurde", seien nicht der Art, daß b;e panslawistische Propaganda 'orntchlasen und ihre Pläne fallen lassen bihfte."

— London, 3 Noo., früh. (K. Z.) Das Renler'sche toean meldet aus Konstantini pel -wn gestern, der englisch- Botschafter Sanatb sei seitens des türkischen Ministeriums über die Änkuaft eines englischen Geschwaders in den türtt chen Bswässern befragt worden und habe da­rauf geäußert, das Geschwader werde für jetzt in Vurla fetz vor Änker liegen bleiben, könne später aber sich leicht nah einem andern Punkte begeben, da England der Unterdrückung der Christen in den asiatischen Provinzen der Türkei nicht ruhi; zuscheN könne uns auf oer Durch­führung bee Reformen in diesen Provinzen bestchen würde.

L o k a l e s.

Hanau, 4. November 1879.

1. (Theater.) Man wirft unseren neueren dramatqchm Dich­tern oft vor, daß ihre Stücke zu wenig äußere Handlung anfweise«, daß dagegen zu v-el Rücksicht auf die Form genommen fei, und ich bin der Ansicht, daß Wilbrandt'g „Maler", die am vorb-tzten Sonntag aufgeführl wurden, ebenfalls n cht von diesem Borwurse frei bleiben können. Dagegen krankt das Stück an zu viel innerer Handlung. Allerdings hängt das Mehr oder Weniger hierin davon ab, ob der Dichter mehr bei den Begebenheiten als solcher, ober bei dem