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Freitag den 31. Oktober

1.5^

Rundschau.

E. F. In dieser Woche ist es auf dem Gebiete der evheimischen Politik wieder reger geworden. Der Landtag des größten deutschen VundlSstaalls hat mit seinen Berwhuugen, die eine grsße Bedeutung für die politische Entwickelung Demschlonds haben, beg-niven. 8m Dierstaß eröffnete der Kaiser Wilhelm und König von Preußen den Lonktog im Weißen Saale des Königlichen Schlosses durch Verlesung einer Zheonrede. 3n drrselbcn begrüßte der MonorK zunächst die Mit» glüder beider Häuser des Landtag« vnd sprach nochmals den Vertretern 6(2 Landes seinen Dank für die zahlreichen Beweise der Siebe bei Ge­legenheit der kaiserlichen goldenen HochreiiLseier aus. TarEf ckorakte- risirte die Zhranrede die Finanzlaße des Landes, welche aus Grund der Cterurreforwen im Re che in den r achß>n Jahren beträchtnche Erleick- terungen erfahren werde. Zur Bestreitung der lautenden Ausgaben werde Wilder eine Anleihe erforderlich sein, da eine Erhöhung der Na» trifulorbeiträ^e nothwendig x-worden und der neck aus dem Wirthschaft- Lchen Brihaltnissen lastende Drrck keine Aufbesserung der lausenden Ausgaben herbeigeführt hake. Eine durchgreifende Refmm der direkten Besteuerung sei günfiigmn finanziellen Verhärrnissen' v^rdchakten, doch würden schon jetzt dem Landtage Vorschläge m Betreff einer Erleichte­rung der Klaffen- und Einkommensteuer zugehem Zur Erleichterung des HanSholiiS der Gemeinden sei eine Steuer vom Aus^chsmk geistiger Getränke und vrm Kleinhandel mit Branwwein, sowie ferner eine Be- steuerurg der Wonderlog'-r in Vorschlag gebracht. In B«zug auf die Eisenbahnen sei die StoatSregieruug von der Ueberzeugung durchdrungen, daß nur durch das Stoatslohniystem die Eisenbahnen mit gehörigem Nachdruck der öfhntitoen Wohlsohn: dienstbar gemacht werden können lnd würden entsprechende Gesetzentwürfe d«m Landtage vorgelegt werden. Seiner vürde in einer Denkschrift den Mitgliedern des Landlatzes die Versesseriing der Wasserstraßen aus Herz gelegt werden. Im Interesse d^r e'nbeitlichen Organisation der Laudesverweltung sei auch eine weitere Durw'ührung der Verwoltungsreform, welche durch entsprechende GesetzeS- Vorschläge gefördert werden solle. Ferner werden dem Landtage aber­mals vorg-üegt werden die in voriger Session nicht erledigten Gesetz­en würfe über die Aufbringung der Gemeindeabgaben, über die Jagd­ordnung und den Schutz der Forsten und Felder. Mit Genugthuung gedenkt dann noch die Thronrede der durch die neue Gericktsorganisation vollzogenen Einführung eines gemeinsamen deutschen Rechts in der Monarchie und schließt mit bcm Berti auen und dem Wunsche auf eine gedeihliche und friedliche innere Entwickelung. Der greife Monarch hatte in veller Rüstigkeit die Thronrede, welche an vielen Stellen mit lautem Beifall ausgenommen wurde, verlesen. Am Schluß derselben brächte der Alterspräsident des Abgeordnetenhauses, Abg. v. Bockum- DolffS, ein Hoch auf den Kaiser aus, während beim Eintritt deS Mo­narchen in den Saal her Präsident des Herrenhauses diese Ehrenpflicht erfüllt hatte.

Noch am Dienstag hielten beide Häuser des Landtages ihre erste Setzung ab, und wählte das Herrenhaus seine vorjährigen Präsidenten Herzog v. Ratibor, Graf Arnim-Boitzenburg und Oberbürgermeister Hasfelbech wieder. Das Abgeordnetenhaus beschäftigte sich in feinen ersten Sitzungen mit der Wahl seiner Präsidenten, bei welcher die Per- son des Abg. v. Bennigsen wieder in den Vordergrund getreten ist, doch liegen uns zur Zeit keine endgültigen Entscheidungen über die Präsi­dentenwahlen im Abgeordnetenhaus« vor. Alle vorhandenen Combina­tionen werden auch durch die Thatsache erschüttert, daß die conservateven Fractiomn dks Abgeordnetenhauses seit letztem Montag zu einer großen Partei sich vereinigt haben.

Unsere frühere Mittheilung, daß der Justizminister Vr. Leonhardt nach Einrichtung der neuen GerichtSorganisation, die mit der am Sonn­abend erfolgten amtlichen Publikatirn der Richterernennungen in den noch auSstehenden Oberlandesgerichtsbezirken als vorläufig abgeschlossen gelten kann, seine Entlassung an2 dem nun zwölf Jahre verwalteten Amte nachsuchen werde, findet jett allseitige Bestätigung. ES wird ver- sickert, daß das RücktrittSgesuch bereits im königlichen Cabmet liege. Daß es angenrmmen werden wird, kann mit Rücksicht aus den stark 1 angegriffenen Zustand des Ministers nicht fraglich erscheinen.

, Ueber die sogenannteSilberfrage", der sich der deutsche Reichs- ranzler mit großer Sympathie angenommen haben soll, kommt nun von

jenseits des Oceans entsprechende Aufklärung. Kellky, der Vertreter der Vereinigten Staaten in Sachen der Geldwährung, meldet in einem Briefe, daß ihm Fürst Biimarck während der Unterredung, die Kelley vor ei­nigen Monaten mit dem Fürsten hatte, durchaus nicht zugesagt habe, daß er die Einführung der Doppelwährung in Deutschland befürworten werde, for dern daß Deutschland an der eingesühit n Goldwährung fest- tzüiten müsse, die beutle Regierung werde aber die für nächstes Jahr von den Vereinigten Staaten auskeschriebene Münzkonferenz beschick n.

Die große Tagesfrage in Deutschland und im Auslande bleibt immer noch die Gestaltung der Beziehungen Deutschlands zum RuSlaude, resp, der Abschluß des deutsch österreichischen Vertrages, denn karm ver­gehen einige Tage, wo diese Angelegenheit nicht in irgend einer Gestalt wieder in den Vordergrund gedrängt wird. So hat sogar der preußische Kultusminister in einer Banketrede in der Stadt Essen des deutsch-öster- reichischen s ürdn ss s als einer selbfiverleugneuden That des Ka sers Wilhelm, den langjährige persönliche Freundschaft mit dem Kaiser von Rußland verband, Erwähnung gethan und die deutschen Botschafter in Lendon, Paris und Petersburg waren in letzter Woche zu einer Con- ferenz im auswärtigen Amte zu Berlin versammelt, wo ihnen der Reichs­kanzler Fürst LiSmarck durch den Wund seines bin Varzin nach Berlin gekommenen Sohnes, des Eetandtschaftssekretärs Graf Herbert Bismarck, wichtige Jnsiruktienen ertheilen ließ. Dazwifchen hört man auch von verschieden! n Projekten über die Zusammenkünfte von Kaisern und Kö­nigen in Berlin, welche Prrjekte auf eine friedliche und auSsöhnende Wendung der Dirge hinzudeuten fcheinen.

Das gegenwärtige iranzösifche Ministerium sieht sich immer mehr in die Enge getrieben. Das Organ der gambettistischen Partei, die RöpubLque finn^aife", wirst dem Ministerium in einem äußerst feind­lichen Rrutel vor, daß es durch eigene Schuld allen Halt verloren habe. Während dem erringen die Rödikaten einen Erfolg nach dem andern. Kaum hat die Regierung durch Anwendung der letzten Rechtsmittel den in Paris gekähllln Lumbert noch für einige Zeit aus dem Gemeinde- rath fernzuhalten vel sucht, und schon ist ihr die gleiche unangenehme Nothwendigkeit in Lyon bereitet worden. Dort wurde am Sonntag der ebenssks erst kürzlich cmmstirte Communard Garel zum Munic-palrath gewählt. Ebenso sieht sich die Regierung noch fortgesetzt genöthigt mit Maßregeln gegen Beamte einzuschreiten, welche sich an ausrühre- rischen ^enteilen und Manifesiati: uen betheiligen. Gambetta, der schon vor einiger Zeit aus der Schweiz nach Paris zurückkehrte, ist mit feinen Ansichten über die brennenden Fragen der französ. Nation sehr zurückhaltend, doch dürste er durch die Entwickelung der Dinge bald ge­zwungen werden, öffentlich Stellung zu den Parteien zu nehmen.

Für England kann sich möglicher Weise das Frohlocken Lord Sa- lisburys über den deutsch österreichischen Bund, welcher Rußland am Vordringen nach tem Mittelländischen Meere zu verhindern soll, in so­fern als verfrüht erweisen, als die im Orient abgewenl ete Gefahr für England um so größer in Central-Asien auftoucht. Denn wenn sich die aus St. Petersburg verbreiteten Gerüchte bestätigen würden, nach denen Rußland beabsichtigt zwei mächtige Heere gegen Afghanistan zu seither, um sich mit den aufständischen Eingeborenen gegen die Engländer zu verbinden, so dürste Englands Stellung in Afghanistan doch wohl als ziemlich bedenklich anzusehen sein. Die stattfinbenben Scharmützel, von denen beständig gemeldet wird, beweisen, daß die Engländer so noch manche Ausgabe zu lösen haben, eh' sie sich als unbeschränkte Gewalt­heber in Afghanistan anfehen sönnen. Nach den neuesten Telegrammen aus Kabul uud Kushi sollen mehrere Taufend Mann des Mangal- stammes, welche das britische Lager bei Shutargardan umzingelt hatten, von General Gough zerstreut worden sein. Das Rächeramt der Eng­länder in Kabul hat begonnen, 5 Beamte, welche an der Ermordung der kugiischen Gesandtschaft theilgenommen hatten, sind hingerichtet, auch in Alr-Khel zwei Reflldars der afghanifchen Cavallerie und ein Sepoy Dem Hewat-Regiment gehenkt worden. General Gough wird vom Shutargardan mit dem 3. Silhs-Regiment und mit den gerammten Borräthen nach Ali« Khel zurückkehren.

Ueber den augenblicklichen Starb der russischen Expedition in Turkestan lauten die Nachrichten widersprechend. Die einem englischen Blatte aus Judicn zugegangene Meldung, daß die Russen die unweit der afghanischen Nordgrenze gelegene turkmenrsche Hauptstadt Merw nach